Der Familienalltag kann eine Herausforderung sein. Quengelnde Kinder, nörgelnde Partner und die eigenen unerfüllten Bedürfnisse können schnell zu Stress und schlechter Laune führen. Doch es gibt Wege, um aus dieser Abwärtsspirale auszubrechen und ein harmonischeres Familienleben zu gestalten. Dieser Artikel gibt Ihnen Ratschläge und Strategien an die Hand, mit denen Sie Konflikte vermeiden oder lösen, gelassener bleiben und mehr Freude in Ihren Familienalltag bringen können.
Die Ursachen für schlechte Laune erkennen
Schlechte Laune in der Familie ist oft ansteckend. Ein:e meckert, und alle reagieren genervt. Muss das sein? Es kommt darauf an, wie man selbst gerade drauf ist, warum die anderen schlechte Laune haben und ob man dafür Verständnis hat. Wenn man versteht, dass der Partner Stress hat oder die Kinder Ärger in der Schule, kann man ihnen helfen, da rauszukommen. Wenn man aber das Gefühl hat, die lassen ihre schlechte Laune an einem aus, reagiert man eher selbst mit schlechter Laune.
Es ist wichtig, die Ursachen für die eigene schlechte Laune und die der anderen Familienmitglieder zu erkennen. Stress, Überforderung, unerfüllte Bedürfnisse oder auch einfach nur Müdigkeit können Auslöser sein. Beobachten Sie sich und Ihre Familie, um die individuellen Stressfaktoren zu identifizieren.
Kommunikation als Schlüssel zur Konfliktlösung
Offene und wertschätzende Kommunikation ist der wichtigste Schritt, um Konflikte zu vermeiden oder zu lösen.
Gespräche mit dem Partner führen
Wenn der Partner ständig meckert, sollte man in einem ruhigen Moment das Gespräch suchen und fragen, was los ist. Wofür steht die schlechte Laune? Was ist das Problem dahinter? Vielleicht geht es nicht um die Schuhe, die im Flur rumliegen, sondern darum, dass er sich zu wenig beachtet fühlt oder dass er noch an einer Kränkung knabbert. Das zu finden, ist sehr hilfreich. Dann kann man darüber reden und das möglicherweise aus der Welt schaffen.
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Es ist wichtig, dem Partner zu spiegeln, dass man wahrnimmt, was ihm am Herzen liegt und dass man seinen Unmut spürt. Gleichzeitig sollte man aber auch die eigenen Werte und Bedürfnisse deutlich kommunizieren.
Mit Kindern über schlechte Laune sprechen
Kinder haben oft das Gefühl, dass es an ihnen liegt, wenn ein Elternteil schlechte Laune hat. Dass mit ihnen etwas falsch ist. Ältere Kinder können theoretisch sagen, was das mit ihnen macht. Je nachdem welches Verhältnis sie zu ihren Eltern haben, können sie fragen: "Was ist los?" oder sagen, dass es sie belastet, wenn die Eltern ständig meckern.
Als Eltern sollte man seine schlechte Laune nach Möglichkeit woanders auslassen, bei anderen Erwachsenen oder im Wald. Wenn man aber doch seine Kinder mit seiner schlechten Laune belastet hat, ist es hilfreich, sich am Abend dafür zu entschuldigen und den Kindern zu sagen: "Es tut mir leid. Es liegt nicht an dir."
Aktives Zuhören und Empathie
Achten Sie beim Austausch mit Familienmitgliedern darauf, sich genügend Zeit für eine angenehme Gesprächssituation zu nehmen. Hören Sie Ihrem Gesprächspartner aufmerksam zu. Was banal klingt, ist besonders für Kinder wichtig. Nehmen Sie aktiv an dem Gespräch teil, zeigen Sie Neugier und vermeiden Sie es, das Gesagte direkt zu bewerten.
Versuchen Sie, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen und seine Perspektive zu verstehen. Das zeigt, dass Sie bereit sind, auf ihn zuzugehen, und dass Ihnen seine Meinung nicht egal ist.
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Ich-Botschaften formulieren
Die goldene Regel der Konfliktkommunikation: Unbedingt Ich-Botschaften formulieren. "Ihr seid total ungerecht!" sorgt garantiert für Abwehrreaktionen. "Ich fühle mich ungerecht von euch behandelt!" hört sich da schon ganz anders an.
Strategien für einen entspannteren Familienalltag
Neben offener Kommunikation gibt es weitere Strategien, die Ihnen helfen können, Stress und schlechte Laune im Familienalltag zu reduzieren.
Familienregeln aufstellen
Gemeinsam aufgestellte Familienregeln helfen, Konflikte zu vermeiden und das Zusammenleben zu erleichtern. Oftmals empfehle ich eine Hand zu malen und in jeden Finger eine Regel zu schreiben. Fünf Regeln sind für Kinder ausreichend, denn sie sollten nicht mit zu vielen Regeln überfordert werden. Hier sind es die Klassiker wie:
- Schuhe wegräumen
- Abends aufräumen
- Hausschuhe anziehen
- Pause einfordern, wenn man sauer ist
- Türen werden nicht geknallt
Im nächsten Schritt sollten Sie liebevoll an diese Regeln erinnern. Ich zeige dazu immer den Finger, der die Regel beinhaltet. „Du musst noch auf die Daumen-Regel achten.“ Konsequenz ist an dieser Stelle sehr wichtig. Sie sollten jedoch immer liebevoll und fair bleiben.
Teamwork und Aufgabenverteilung
Im Familienleben ist Teamwork gefragt. Vermeiden Sie Stress, indem Sie sich gut organisieren und aufteilen. Ist Ihr Partner beispielsweise ein Frühaufsteher, dann könnte er morgens die Kinder zur Schule bringen. Sie übernehmen dann das Abendprogramm. Die Kleinen können sich auch einbringen, indem sie den Tisch decken, Blumen gießen oder Wäsche in die Waschmaschine stopfen.
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Die Großeltern einbinden
In den meisten Fällen springen Oma und Opa mit Freuden ein, wenn es um die Enkelkinder geht. Vielleicht können Sie einen Tag in der Woche einführen, an dem Ihre Kinder nachmittags bei den Großeltern sind. An solchen Tagen können Sie sich ganz ohne Stress etwas mehr Zeit für Ihren Job, Hobbys, Freunde oder Erledigungen nehmen.
Routinen und Ordnung schaffen
Kinder lieben Routinen. Planen Sie verschiedene Aktivitäten für die Feiertage. Auch Computer, Smartphone oder Tablet können in Maßen zum Programm gehören.
Um Stress zu vermeiden, richten Sie eine Garderobe für Ihre Kinder in Haustürnähe ein. An dieser bekommt jeder ein oder zwei eigene Haken und Boxen, die mit Namen beschriftet sind. Wenn Sie von nun an nach Hause kommen, ist das erste Ritual, alles an seinen Platz zu packen. Dieser Trick erspart eine Menge Sucharbeit und verhindert, dass man Turnbeutel & Co. zu Hause vergisst. Auch fürs Kinderzimmer sind beschriftete Boxen eine super Sache, um Ordnung zu halten.
Zeit für sich selbst einplanen
Kümmere dich um dich und deine eigenen Bedürfnisse. Nur wenn deine Bedürfnisse weitgehend erfüllt sind, findest du überhaupt in die Bereitschaft, dich um das Wohl der anderen zu kümmern. Das ist eine Grundannahme der Gewaltfreien Kommunikation (GFK).
Gönnen Sie sich regelmäßig Auszeiten, in denen Sie Ihren Hobbys nachgehen, sich entspannen oder einfach nur Zeit für sich selbst haben. Das hilft Ihnen, neue Energie zu tanken und gelassener mit den Herausforderungen des Familienalltags umzugehen.
Stressoren minimieren
Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Stress-Schwelle - die unterschiedlichsten Faktoren tragen also dazu bei, den eigenen Adrenalinpegel in die Höhe schnellen zu lassen. Als erster Schritt zum entspannteren Familienleben hilft es, genau diese Stressfaktoren zu identifizieren. Beobachten Sie sich doch mal eine Woche lang und notieren Sie die Situationen, die Sie als sehr negativ empfinden. Ihnen fällt bestimmt vieles auf, das sie schnell und einfach ändern können, um mehr Entspannung in den Alltag zu bringen.
Die Gefühlswelt auspacken
Kinder können unsere innere Unruhe sehr genau wahrnehmen. Und sind verwirrt, wenn die Außendarstellung so gar nicht zu den empfangenen Signalen passt. Es verunsichert Ihr Kind beispielsweise, wenn Sie nach außen versuchen gelassen zu wirken, obwohl Sie innerlich kochen. Wie beispielsweise in der Früh, wenn sich Ihr Kind partout nicht anziehen will, Sie aber schnell das Haus verlassen müssen, weil ein wichtiges Meeting wartet. Stress und Ärger sind da vorprogrammiert. Der Tipp von Erziehungscoach Deva vom familymag: “Packen Sie in solchen Situationen Ihre Gefühlswelt aus.” Heißt: Verbalisieren Sie Ihre Nöte und erklären Sie Ihrem Kind, wie es dazu beitragen kann, die Stresssituation aufzulösen. Ihr Kind freut sich, wenn es Ihnen helfen kann!
Angebote und Kompromissvorschläge machen
Besser als ein reines "Nö!" ist immer ein Gegenvorschlag. Wenn deine Mutter dich bittet, die Spülmaschine auszuräumen, kannst du einfach "Nein!" rufen und damit den nächsten Streit vom Zaun brechen. Du kannst aber auch sagen: "Ich telefoniere noch 10 Minuten, dann kümmere ich mich darum." Klingt doch gleich versöhnlicher.
Konflikte clever lösen: Tipps für den Notfall
In keiner Familie herrscht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn der Haussegen aber andauernd schief hängt und statt Reden nur noch Brüllen geht, muss etwas passieren. Hier kommen die 10 besten Tipps, wie du das Kriegsbeil mit deinen Eltern begraben kannst!
- Sprich mit deinen Eltern.
- Erklär ihnen, was mit dir los ist.
- Sprich immer nur von dir.
- Frag nach, wie deine Eltern die Dinge sehen.
- Versetz dich mal in ihre Lage.
- Mach ihnen Angebote und Kompromissvorschläge.
- Trefft klare Vereinbarungen.
- Versprich nur, was du halten kannst.
- Schimpf nur ohne Schimpfwörter.
- Appellier an ihre Erinnerungen - und arbeite an dir.