Denkstörungen sind Beeinträchtigungen des Denkens, die sich auf Denkinhalte und Denkabläufe beziehen. Sie können in formale und inhaltliche Denkstörungen unterteilt werden und äußern sich vielfältig. Eine zeitnahe ärztliche Abklärung ist unabdingbar, da diesen Symptomen ernste Erkrankungen zugrunde liegen können.
Einführung
Die neurologische und psychiatrische Untersuchung steht im Mittelpunkt, um die Ursache von Denkstörungen zu finden und einen erfolgreichen Therapiebeginn zu ermöglichen. Das ausführliche Gespräch, die Anamnese, ist von großer Bedeutung. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und bei der Genesung zu unterstützen. Dabei wird Wert auf offene und wertschätzende Umgangsformen in der Zusammenarbeit gelegt. Patienten erhalten verständliche Informationen zu Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten.
Formale Denkstörungen
Liegen formale Denkstörungen vor, ist der Ablauf der Gedanken gestört. Es hängt von der Häufigkeit und dem Ausmaß der Störung ab, ob diese von pathologischer Relevanz ist. Formale Denkstörungen beziehen sich auf den Ablauf der Gedanken und fallen meist beim Sprechen auf. Beispielsweise sind hier verlangsamtes Denken oder die Wiederholung immer gleicher Gedanken (Perseveration) zu beobachten. Dazu zählen auch die Neuerfindung von Worten sowie am Thema Vorbeireden, das Gedankenabreißen sowie das Ignorieren von Fragen des Gegenübers.
Symptome formaler Denkstörungen:
- Denkhemmung und Denkverlangsamung: Die betroffenen Patienten denken langsam und schleppend.
- Gedankenarmut: Sie sind fixiert auf wenige Themen, u. U. ist auch der verwendete Wortschatz eingeschränkt.
- Perseveration: Wiederholen immer wieder die gleichen Gedanken, Worte oder Sätze.
- Umständliches Denken: Können nebensächliche Einzelheiten nicht von wichtigen Details unterscheiden.
- Neologismus: Erfinden neue Wörter.
- Inkohärentes Denken: Sind zerfahren, denken nur noch in Wortfetzen oder einem unlogischen Wortsalat ohne Zusammenhang.
- Gedankenabrisse: Haben plötzliche, situationsunabhängige Abrisse der Gedanken.
- Ideenflucht: Springen von einem Thema zum nächsten.
- Gedankendrängen: Fühlen sich aufkommenden Gedanken und Ideen ausgeliefert.
- Vorbeireden: Beantworten Fragen nicht, obwohl sie sie verstehen.
- Grübeln: Beschäftigen sich ununterbrochen mit unangenehmen Themen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.
Inhaltliche Denkstörungen
Inhaltliche Denkstörungen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen reale Wahrnehmungen falsch interpretieren oder Vorstellungen haben, die sie entweder selbst als unangenehm empfinden oder die von anderen nicht verstanden werden. Von pathologischer Bedeutung sind sie, wenn sie das tägliche Leben der Betroffenen belasten. Inhaltliche Denkstörungen äußern sich weniger im Sprechakt, sondern beziehen sich mehr auf die Themen, die der Mensch durchdenkt. Im Rahmen psychischer Erkrankungen geht es dabei häufig um Gedanken mit übertriebenen, abweichenden, falschen oder gar bizarren Vorstellungen. Dabei können sowohl der Betroffene selbst als auch seine Mitmenschen diese Gedanken als unsinnig empfinden. Häufig zeigen an einer Demenz oder Psychose Erkrankte sowie schizophrene Patienten solche Gedanken- und Sprechmuster.
Arten inhaltlicher Denkstörungen:
- Zwangsgedanken: Gedanken, die von den Betroffenen als unangenehm und störend empfunden werden bzw. als nicht zu ihnen gehörend. Diese z. T. obszönen oder aggressiven Gedanken machen den Patienten Angst und ziehen u. U. Zwangshandlungen nach sich (z. B. Waschzwang).
- Überwertige Ideen: Lebensziele von Betroffenen werden auch gegen Widerstände und unter Vernachlässigung der eigenen Person verfolgt. Im Gegensatz zu Zwangsgedanken handelt es sich hierbei um Überzeugungen, die von den Betroffenen nicht als störend, fremd oder normverletzend empfunden werden. Vom sozialen Umfeld werden sie u. U. jedoch nicht geteilt oder nicht in dieser Konsequenz verfolgt, so dass sich die Betroffenen isolieren.
- Wahnvorstellungen: Vorgänge in der Gedankenwelt der Betroffenen können von solchen im Umfeld nicht unterschieden werden. Reale Ereignisse werden u. U. mit Wahnvorstellungen in Zusammenhang gebracht. Obwohl diese Gedanken von anderen nicht geteilt werden, können die Patienten von ihren Fehlinterpretationen durch logische Argumentation nicht überzeugt werden und geraten in Isolation (z. B. Größenwahn, Verfolgungswahn, Schuldwahn).
Wahnvorstellungen im Detail
Eine Wahnvorstellung bezeichnet eine Fehlbeurteilung der realen Umwelt, auf der die betroffene Person beharrt. Wahnvorstellungen können ganz verschiedene Inhalte haben, fallen aber oft in bestimmte Gruppen. Bizarre Wahninhalte sind überhaupt nicht mit der Realität vereinbar. Zahlen zur Häufigkeit sind jedoch schwierig zu erheben, weil zum einen ein recht großer Anteil gesunder Menschen an Ideen festhält, die wahnhaft wirken (etwa der Glaube an Geister) und zum anderen die Grenze zwischen „normalen“ Vorstellungen und Wahnideen fließend sein kann.
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Wahnvorstellungen sind eines der Kernsymptome psychiatrischer Krankheiten, können aber auch bei verschiedenen anderen Erkrankungen vorkommen. Wahn ist dabei das Hauptsymptom einer Psychose (hierzu gehört v. a. die Schizophrenie); gleichzeitig können auch Halluzinationen und/oder Denkstörungen vorliegen. Oft sind die Wahnvorstellungen Symptome einer Depression, d. h. andere infektiöse/entzündliche Krankheiten des Gehirns bzw. Patienten mit Wahnvorstellungen leiden oft auch an anderen Beschwerden wie depressive Stimmung, Schlafstörungen, psychosomatische Symptome.
Wahnvorstellungen treten am häufigsten vor dem Hintergrund einer Krankheit auf, die eine Behandlung erfordert. Die Patienten stellen gelegentlich eine Gefahr für sich selbst und manchmal auch für andere dar. Häufig fällt der Familie oder Freunden das veränderte Verhalten der betroffenen Person auf, und sie raten zu einer Vorstellung beim Arzt.
Ursachen von Denkstörungen
Denkstörungen äußern sich als Symptome bei zahlreichen psychischen Störungen. Formale Denkstörungen treten etwa häufig bei einer Manie, Depressionen oder auch Schizophrenien auf. Inhaltliche Denkstörungen hingegen sind typische Symptome im Rahmen von Depressionen, Zwangserkrankungen, Angststörungen, Belastungsstörungen und Schizophrenien. Auch Stress kann vorübergehend dazu führen, dass das Denken gestört wird und sich zusätzlich eine affektive Störung entwickelt.
Denkstörungen können aber auch auf körperliche Ursachen zurückgehen, beispielsweise auf einen Hirntumor, eine Gehirnerschütterung, ein Schädel-Hirn-Trauma nach einem Unfall oder einem Schlaganfall.
Neurologische und psychiatrische Untersuchung
Nach Anamnese und Vorgespräch führen Ärzte Schritt für Schritt die psychiatrische und neurologische Untersuchung durch, um Körper und Geist ganzheitlich zu beurteilen. Mit präzisen Fragen und gezielten Tests analysieren sie den Zustand des Nervensystems und des geistig-seelischen Wohlbefindens, um den Ursprung der Beschwerden genau zu lokalisieren.
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Die psychiatrische Untersuchung legt ihren Fokus auf den geistig-seelischen Funktionsbereich und erfasst das Zusammenspiel von Denken, Fühlen und Handeln. Hierbei werden verschiedene Aspekte des psychischen Zustands analysiert, wie z.B. Wahrnehmungsstörungen. Nach der psychiatrischen Untersuchung folgt die körperliche neurologische Untersuchung, bei der verschiedene Bereiche des Nervensystems und der Muskulatur getestet werden. Durch diese Untersuchungen erhalten Ärzte wertvolle Hinweise auf den genauen Ort einer möglichen Störung im Nervensystem oder der Muskulatur.
Möglicherweise verordnet die Ärztin/der Arzt mehrere Blutuntersuchungen oder auch bildgebende Verfahren (Ultraschall, Röntgen etc.).
Diagnose
Um Denkstörungen zu diagnostizieren, werden verschiedene klinisch-psychologische Testverfahren eingesetzt. Ziel der Verfahren ist auch die Quantifizierung von Symptomen.
Beispiele für Testverfahren:
- Symptom-Checklist-90-Standard (SCL-90-S): Ein Selbstbeurteilungsverfahren zur Erfassung von psychischer Belastung.
- Hopkins-Symptom-Checkliste-25 (HSCL-25): Erfasst Angst und Depression und die daraus resultierende Belastung.
- Gießen-Test (GT): Ein Fragebogenverfahren zur Erfassung von Selbst- und Fremdbildern der Persönlichkeit.
- Kölner ADHS-Test für Erwachsene (KATE): Eine Testbatterie zur Differenzialdiagnose von ADHS im Erwachsenenalter.
- State-Trait-Angst-Depressions-Inventar (STADI): Ein Selbstbeurteilungsverfahren, um Angst und Depression voneinander zu differenzieren.
- Verhaltens- und Erlebensinventar (VEI): Eine deutschsprachige Adaption des Personality Assessment Inventory (PAI).
- State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar-2 (STAXI-2): Erfasst Ärger, Ärgerausdruck und Ärgerkontrolle.
- Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventar (PSSI): I
Behandlung von Denkstörungen
Da die Störung des Denkens lediglich ein Symptom ist, geht es um die Erforschung der Ursachen des primären Syndroms sowie die Behandlung der darunterliegenden Grunderkrankung, in deren Rahmen die Störung auftritt. Die Behandlung hängt somit von der primären Krankheit ab und kann nicht verallgemeinert werden. Ein Hirntumor bedarf einer anderen Therapie (Fachgebiet: Medizin) als eine Schizophrenie mit Wahn-Vorstellungen (Fachgebiet: Psychiatrie und Psychotherapie).
Handelt es sich um eine körperliche Ursache (Delir, Demenz, Störungen der Schilddrüsenfunktion, Leber-/Nierenkrankheiten etc.), so wird die Therapie auf diese Krankheiten abzielen. Ist eine psychische Krankheit die Ursache, so ist Ziel der Therapie, die genaue zugrunde liegende Krankheit mit Medikamenten und/oder einer Psychotherapie sowie weiteren unterstützenden Verfahren zu behandeln. Dies gelingt je nach Störung unterschiedlich gut.
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Wenn es in akuten Fällen zu psychotischen Gedanken mit Ideenflucht kommt, muss ein Psychologe hinzugezogen werden. Dann ist auch eine medikamentöse Behandlung eine Option, nachdem mögliche Wirkungen sowie Nebenwirkungen ausführlich besprochen wurden. Um Störungen des Gedächtnisses entgegenzuwirken, bieten sich Übungen zum Gedächtnistraining an, wie etwa Kartenspiele, Sportübungen oder Sprachen lernen. Dies bringt zum einen wieder neue Lebensfreude und kann zum anderen ein unterstützender Weg sein, Denkhemmungen zu lösen.
Neuropsychologische Therapie
Bei der neuropsychologischen Therapie handelt es sich um ein wissenschaftlich begründetes psychologisches Therapieverfahren, das zur Behandlung von organisch bedingten psychischen Störungen zum Einsatz kommt. Im Rahmen einer neuropsychologischen Therapie werden psychische Gesundheitsstörungen in den oben genannten Bereichen durch spezielle Therapiemethoden und -programme behandelt. Im Gegensatz zu manchmal vertretenen Auffassungen kommen bei der neuropsychologischen Therapie nicht nur computergestützte Trainingsprogramme zum Einsatz, sondern auch Methoden, durch die der Patient eine bessere Einsicht in die aktuellen Probleme gewinnt und durch Strategien und Hilfsmittel diese besser ausgleichen lernt. Auch die Angehörigen werden - wenn immer möglich - in die Therapie einbezogen. Manchmal ist es nötig, ihnen Strategien zum Umgang mit den Betroffenen an die Hand zu geben.
Vor Beginn einer Therapie führt der Neuropsychologe zuerst eine ausführliche neuropsychologische Untersuchung durch, um einen detaillierten Überblick über die vorhandenen Probleme, aber auch die Stärken zu gewinnen. Anhand der Ergebnisse dieser neuropsychologischen Diagnostik, die schriftlich festgehalten werden, erfolgt dann die individuelle Therapieplanung und Durchführung der Therapie, mit dem Ziel die vorhandenen Probleme zu beseitigen oder so weit wie möglich zu verringern.
Tipps für den Alltag
- Raus aus den Routinen und gewohnte Abläufe ändern.
- Herausforderungen schaffen und nicht immer den bequemen, direkten Weg nehmen, z. B. statt der Technik den eigenen Kopf benutzen.
- Ausreichend schlafen und gesund ernähren, z.B. Omega-3-Fettsäuren.
- Gedächtnis trainieren.
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Betroffene Personen sind oft auf andere Menschen aus ihrem Umfeld, wie die eigene Familie und Freunde, angewiesen. Sollte die Unterstützung auf diesem Weg nicht möglich sein, ist die Hilfeleistung durch eine Pflegeeinrichtung möglich, in der sie professionelle Betreuung erhalten. Gleichzeitig schützt eine Behandlung unter Denkstörungen leidenden Personen davor, sich selbst oder andere in Gefahr zu bringen.
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