Der Feind in meinem Kopf: Leben mit Parkinson – Erfahrungen, Herausforderungen und Perspektiven

Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen tiefgreifend verändert. Der Film „Der Feind in meinem Kopf“ in der ZDF-Reihe 37 Grad zeigt einfühlsam, aber erschreckend deutlich, wie sehr die Krankheit das Leben von drei Menschen verändert hat und welche Möglichkeiten sie gefunden haben, mit ihr umzugehen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte des Lebens mit Parkinson, von den ersten Symptomen und der Diagnose über die Herausforderungen im Alltag bis hin zu den therapeutischen Möglichkeiten und den persönlichen Strategien der Betroffenen. Dabei werden sowohl die medizinischen Fakten als auch die emotionalen und sozialen Dimensionen der Krankheit berücksichtigt.

Die Diagnose: Ein Schock und ein Wendepunkt

Die Diagnose Parkinson ist für viele Betroffene ein Schock. So erging es auch Helmut Dubiel, für den mit der Diagnose eine Welt zusammenbrach. Plötzlich schwach und hilfebedürftig zu sein, empfand er als die größte Kränkung seines Lebens. Auch Margarete Willand, eine erfolgreiche Frau, traf die Diagnose unerwartet. Für den Soziologen Helmut Dubiel war die Krankheit "eine große narzisstische Kränkung," die ihm auf dem Zenit seiner Karriere ereilte.

Frank Elstner, einer der bekanntesten Entertainer Deutschlands, erhielt die Diagnose Parkinson im Jahr 2016. Er beschreibt die endgültige Diagnose als einen Schock, gefolgt von einem Wechselbad der Gefühle. Einerseits beruhigte ihn die Erkenntnis, dass Parkinson die Lebensdauer nicht entscheidend verkürzt, andererseits war er sich der immensen Menge an möglichen negativen Folgen bewusst.

Die Diagnose bedeutet einen tiefen Einschnitt in das bisherige Leben. Die Unbekümmertheit ist weg, und das tut entsetzlich weh, so Dubiel. Die Patienten werden mit einer Vielzahl von potenziellen Symptomen konfrontiert, darunter unkoordinierte Bewegungen, Sprachstörungen, Gedächtnisprobleme, Blasenstörungen, Verstopfungen, ein starrer Blick, eingeschränkte Mimik, sexuelle Störungen, Depressionen, Konzentrationsschwächen, Demenz und sogar Wahnvorstellungen.

Symptome und Verlauf: Ein fortschreitender Verlust der Kontrolle

Parkinson ist eine Erkrankung der Basalganglien, vor allem der so genannten Schwarzen Substanz. Die Hirnregion steuert den flüssigen Ablauf der Bewegungen. Bei Parkinsonpatienten sterben die Nervenzellen dieses Areals ab. Was den Zelltod verursacht, ist unklar. In Deutschland erkranken jährlich rund 15.000 vor allem ältere Menschen, doch jeder zehnte ist jünger als 40. Treten die ersten untrüglichen Symptome auf - stockende Bewegungen, ständiges Zittern, schleppender Gang -, ist bereits die Hälfte der Zellen zerstört. Das Denken, Entscheiden und Reagieren kann langsamer werden. 40 Prozent der Patienten werden depressiv. Dem Tod der Zellen folgt ein Mangel des Hirnbotenstoffs Dopamin, der die Symptome auslöst.

Lesen Sie auch: Tilman Jens' bewegende Auseinandersetzung mit Demenz

Die Symptome von Parkinson sind vielfältig und können sich im Laufe der Zeit verändern. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Zittern (Tremor): Oftmals das bekannteste Symptom, das sich meist in Ruhe zeigt.
  • Muskelsteifigkeit (Rigor): Verursacht Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
  • Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese): Erschwert alltägliche Aufgaben wie Anziehen oder Essen.
  • Haltungsinstabilität: Führt zu Gleichgewichtsproblemen und erhöhter Sturzgefahr.

Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z.B.:

  • Depressionen und Angstzustände: Beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich.
  • Schlafstörungen: Stören den Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Verdauungsprobleme: Insbesondere Verstopfung.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme.

Jens Wanger hat die Nervenkrankheit Parkinson. Die Diagnose bekommt der 45-Jährige vor sechs Jahren. Extrem selten tritt die Krankheit in so jungen Jahren auf. Meist beginnt sie zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.

Elstner beschreibt, dass die Symptome sich zunächst gut getarnt hatten und er sie als leidige Begleiterscheinungen des Älterwerdens abgetan oder auf Stress zurückgeführt hatte. Stutzig wurde er, als er registrierte, dass er sich bei seinen Fernsehsendungen zunehmend unwohler fühlte, wenn er beispielsweise ein Glas hochheben sollte - weil unübersehbar war, dass es deutlich zitterte.

Therapeutische Möglichkeiten: Linderung und Lebensqualität

Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es verschiedene therapeutische Möglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Lesen Sie auch: Was macht den Blob so besonders?

  • Medikamentöse Therapie: Medikamente, die in das Ungleichgewicht des Hirnbotenstoffs Dopamin eingreifen (Levo-Dopa, Dopamin-Agonisten), können vielen Patienten einige Jahre lang helfen.
  • Tiefe Hirnstimulation (Hirnschrittmacher): Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit kommt immer öfter die Tiefe Hirnstimulation zum Einsatz: Den Patienten werden feine Elektroden eingesetzt, die mit elektrischen Reizen die Signalübertragung der erkrankten Hirnareale unterstützen.
  • Physiotherapie: Hilft, die Beweglichkeit zu erhalten und Muskelsteifigkeit zu reduzieren.
  • Ergotherapie: Unterstützt bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben.
  • Logopädie: Verbessert die Sprach- und Schluckfunktion.

Helmut Dubiel entschied sich für einen Hirnschrittmacher, der seine Krankheit nicht heilt, aber die Symptome lindert. Er steuert die Sonden in seinem Kopf mit einer Fernbedienung und kann so über Spannungsstärken entscheiden, ob er sprechen oder gehen will.

Leben mit Parkinson: Herausforderungen und Strategien

Das Leben mit Parkinson ist mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. Die fortschreitende Natur der Krankheit führt zu einem stetigen Verlust der Kontrolle über den eigenen Körper und Geist. Dies kann zu Frustration, Angst und Depressionen führen.

Margarete Willand beschreibt, dass sie sich manchmal wie ein Tanzbär fühlt und sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen hat. Die Wahrnehmung der eigenen Einschränkungen durch die Krankheit und der Umgang mit dieser sind vielseitig.

Trotz der Herausforderungen gibt es viele Strategien, die Betroffenen helfen können, ein erfülltes Leben zu führen.

  • Akzeptanz der Krankheit: Die Auseinandersetzung mit der Diagnose und die Akzeptanz derRealität sind wichtige Schritte, um mit der Krankheit umzugehen.
  • Aktive Bewältigung: Bewegung, gesunde Ernährung und soziale Kontakte können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Unterstützung suchen: Der Austausch mit anderen Betroffenen und dieInanspruchnahme professioneller Hilfe können wertvolle Unterstützung bieten.
  • Humor bewahren: Humor kann helfen, die schwierigen Situationen des Alltags zu meistern und die Lebensfreude zu erhalten.

Frank Elstner hält den „Gegner“ Parkinson am besten in Schach mit ganz viel Bewegung. Er schwimmt viel, außerdem hat ihm seine Frau einen Boxsack geschenkt, gegen den er fast täglich kämpft. Es ist wichtig, dass man so vernünftig wie möglich lebt. Kaum Alkohol. Und dazu bewegen, bewegen, bewegen. Eine gesunde Ernährung ist wichtig. Er will aktiv dagegenhalten und sich nicht gehen lassen, kein Weichei werden.

Lesen Sie auch: Kleinkind spielt nicht: Was tun?

Forschung und Zukunftsperspektiven: Hoffnung auf Heilung

Die Parkinson-Forschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Wissenschaftler arbeiten intensiv daran, die Ursachen der Krankheit zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln.

Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von krankheitsmodifizierenden Therapien, die den Verlauf der Krankheit verlangsamen oder sogar aufhalten könnten. Auch die Gentherapie und die Stammzelltherapie bieten neue Hoffnung für die Zukunft.

Frau Dormann, Professorin für Molekulare Zellbiologie an der JGU, forscht an den verschiedenen Aggregaten, die in der amyotrophen Lateralsklerose und Frontotemporalen Demenz vorkommen. Sie versucht herauszufinden, wie es überhaupt zu dieser Aggregation kommt und welche Faktoren in der Zelle dem entgegenwirken und wie man da vielleicht eingreifen könnte.

Die Mortalitätsraten von Parkinsonpatienten liegen dreimal höher als die in der Allgemeinbevölkerung. Forscher aus Schweden hatten 182 Personen mit neu diagnostiziertem Parkinson untersucht und über 13,5 Jahre begleitet. Wie sich zeigte, trugen Patienten, die schon bei Untersuchungsbeginn Probleme mit der Merk- und Denkfähigkeit hatten, ein mehr als doppelt so hohes Sterberisiko als Personen ohne solche Defizite. Unterm Strich fanden die Forscher eine Lebenserwartung von weiteren 8,2 Jahren bei den Parkinsonkranken mit Gedächtniseinbußen und 11,6 Jahren bei Personen ohne solche Einschränkungen.

tags: #der #feind #in #meinem #kopf #leben