Ständiger Alarmismus: Ursachen und Folgen

Die ständige Konfrontation mit Krisenmeldungen und negativen Zukunftsszenarien hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Folgen des Alarmismus, wobei sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch gesellschaftliche Beobachtungen berücksichtigt werden.

Die Wurzeln des Alarmismus

Fehlerhafte Studien und ihre Verbreitung

Im April 2024 sorgte eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) für Schlagzeilen. Mittlerweile steht fest, dass die Studie fundamental fehlerhaft ist. Der tatsächliche wirtschaftliche Schaden wird bei weitem nicht so groß sein wie die Studie behauptet. Während die Prognose bei ihrer Veröffentlichung mediale Monsterwellen schlug, verursachte die eigentlich gute Nachricht allerdings keine Schlagzeilen. Die Ergebnisse des PIK wurden von einflussreichen Organisationen wie der OECD, der Weltbank, der US-Regierung und dem Network for Greening the Financial System (NGFS) übernommen und flossen somit in die politische Entscheidungsfindung ein.

Die Rolle der Medien

Medien schaffen Wirklichkeiten, oder zumindest den Kontext, wie wir Informationen deuten und bewerten. Medien geben Themen in aller Regel vor, die eher Besorgnis in uns auslösen. Die Folge: Unser Blick auf die Welt ist zunehmend skeptisch. Und die immer schneller werdende Taktung überfordert uns. Die Demokratisierung der Medien, die Erfindung der Social Media führt zu einer Entdemokratisierung der Öffentlichkeit, wenn es immer mehr Leute gibt, die ihre Meinung nicht mehr öffentlich teilen, um sich vor Angriffen und persönlichen und wirtschaftlichen Nachteilen zu schützen.

Der Zeitgeist multipler Krisen

Die Wahrnehmung zahlreicher gleichzeitiger Krisen versetzt demokratisch verfasste Gesellschaften in einen Zeitnotstand. Zeitnotstand auf der einen Seite und demokratische politische Praxis auf der anderen scheinen unentwirrbar miteinander verknotet zu sein. Die Zeit drängt, um existentielle Probleme zu lösen, aber die Demokratie braucht Zeit, um eine Demokratie bleiben zu können. Wer drängt, gefährdet die Demokratie - wer nicht handelt, gefährdet den Planeten. So stellt sich das Dilemma beispielsweise angesichts des Klimawandels dar.

Die Auswirkungen des Alarmismus

Psychische Gesundheit

Nicht nur die tatsächlichen Krisen, auch der sogenannte Alarmismus, sind ein Auslöser dafür, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt. Sowohl die globalen als auch die persönlichen Krisen haben Folgen. Schlaflosigkeit und Erschöpfung bis hin zu massiven Angstzuständen und Depression führen laut Krankenkassen zu deutlich höheren und längeren Fehlzeiten aufgrund sogenannter seelischer Leiden. Verstärkt werden diese zusätzlich durch den ständigen Alarmismus.

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Gesellschaftliche Auswirkungen

Der Alarmismus verunsichert nicht nur viele, er trübt den realistischen Blick auf die Welt und ihren Zustand. Die ständige Erwähnung, wir stünden gegenwärtig vor der „größten Bedrohung seit Ende des Zweiten Weltkrieges“, verstärkt zumindest bei mir das diffuse Gefühl, alles würde auseinanderbrechen. Mehr noch: Uns stehe eine höchst fragile und wenig hoffnungsvolle Zukunft bevor. Planung und Sicherheit scheinen passé zu sein. Ein großes Dilemma, denn wir alle sehnen uns doch nach Strukturen und Verlässlichkeiten, die uns inneren Halt und Stabilität geben.

Politische Implikationen

Die Politik muss sorgfältig abwägen, von wie viel äußerem Zeitdruck sie sich leiten und durch politische Intervention bewältigen will. Wie ich an einem heuristischen Modell versucht habe zu zeigen, kann es manchmal besser sein, in Abwägung der komplexen Zielprojektionen, denen die Politik folgen muss, sich mehr Zeit zu lassen, um politische und soziale Kollateralschäden zu vermeiden. Schönes Beispiel hierfür ist das so genannte Heizungsgesetz und seine Umsetzung. Unter Zeitdruck zu handeln bedeutet immer viel Unsicherheit - und das in einer exzeptionellen Lage, in der sie gerade viel Sicherheit gegenüber ihren Bürgern ausstrahlen muss - und zwar umso mehr, je kritischer die Lage ist. Das betrifft nicht nur die konkreten Maßnahmen, die dann zu treffen sind, sondern auch die Begründungen hierfür.

Wege aus dem Alarmismus

Faktenbasierte Aufklärung

Der Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski schreibt in seinem gleichnamigen Buch über „33 erstaunliche Lichtblicke" und führt damit eine faktenbasierte Aufklärung fort, die der Schwede Hans Rosling vor Jahren mit seinem internationalen Bestseller „Factfulness" begründet hat. Daniel Stelter diskutiert mit Axel Bojanowski und stellt fest: In der Welt geht es voran.

Medienkompetenz und Digital Detox

Natürlich wollen Menschen grundsätzlich informiert sein, auch um sich eine reflektierte eigene Meinung zu bilden. Aber nichts wird besser oder sich ändern, wenn wir Katastrophenmeldungen öfter am Tag hören oder diese von Wissenschaftlern und mehr oder weniger kompetenten Experten immer wieder ausgebreitet und ausgeschmückt werden. Dabei werden Photos beschnitten und verändert, um den Alarmismus zu verstärken. Ängste entstehen oder wachsen erst recht, wenn durchaus reale Aspekte durch Interpretationen und Weglassen von relevanten Informationen mehr und mehr aufgebauscht werden. Uns allen täte von Zeit zu Zeit Digital Detox gut. Das heißt: eine bewusst gewählte Phase handyfreier Zeit, ohne Kommunikation, ohne Feeds und Kommentare, ohne Stories und Posts. Digital Detox bedeutet temporäre Reinigung und Entschleunigung von der Last der Informationslust.

Resilienz und positive Zukunftsbilder

Was wir brauchen sind Hoffnung, positive Zukunftsbilder und Zuversicht, um jeden Tag aufs Neue das Leben und unsere Aufgaben anzupacken, vor allem aber Lösungsstrategien, wie wir mit den Herausforderungen umgehen und so unsere mentale Gesundheit - trotz Krisen - erhalten, zu finden. Wenn wir gelassen und zuversichtlich bleiben und mutige Entscheidungen treffen, können wir Krisen oft zu Wendepunkten in unserem Leben verwandeln. Rückblickend erkennt man das häufig. Wenn wir entschlossen sind, können wir die Kontrolle über die Situation übernehmen und uns sowie andere zu einer Lösung führen.

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Die Wiederentdeckung der Gemeinschaft

Vom einzelnen zum gemeinsamen. Es braucht wieder ein Mehr an „Wir“ und weniger das „Ich“. Nur in einer Gemeinschaft sind wir in der Lage, Lösungen zu formulieren und sie auch gemeinsam umzusetzen. Dazu brauchen wir eine Vorstellung, die uns eint, eine Idee, von der wir überzeugt sind, für die wir brennen und für die wir bereit sind, Kraft aufzuwenden.(Grund-)Vertrauen ins GelingenOptimismus, Beharrlichkeit, Glaube - klingt alles sehr pathetisch. Aber haben Sie schon mal echten Erfolg gehabt ohne festen Glauben, ohne Überzeugung und tief empfundene Zuversicht. Ich nicht! Vielleicht sollten wir uns mehr zutrauen und unserem Land wieder Zuversicht in homöopathischen Dosen verabreichen. Das wirkt auch gegen falsche Versprechungen - von welchem politischen Rand auch immer.

Neues ausprobieren, Veränderungen zulassen

Ich bin überzeugt: Gerade jetzt haben wir eine historische Chance, Altes ad acta zu legen und Neues zu wagen. Dazu braucht es Souveränität, Weltoffenheit und Mut: Was können wir besser machen? Was wirkt nachhaltig? Wohin müssen wir steuern, um aus der Dystopie eine Zukunftsperspektive zu machen? Ein Beispiel: Forschung und Entwicklung sollten uns wieder mehr wert sein: etwa durch steuerliche Forschungsförderung. Es gibt derzeit nämlich vieles zu erfinden: Antriebstechnologien, Ressourcenschonende Produktion, Energiewende, Mobilität, Urbanität, Gesundheitswesen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Zutrauen in die politische und wirtschaftliche Führung

Krisen brauchen eine starke Führung. Krisenzeiten sind auch immer Zeiten, in denen der Ruf nach starker Führung laut wird. Wir sollten denen etwas zutrauen, die die Sache in unserem Sinne richten sollen. Nicht bedingungslos, sondern kritisch wohlwollend. Kein Politiker, kein Spitzenmanager ist dauerhaft erfolgreich, weil er allein dem Prinzip der Fehlervermeidung folgt! Im Gegenteil: „Traut euch was!“ Möchte man der Elite zurufen. Wer bereit ist, Fehler zu machen, traut sich etwas. Na ja, möglichst wenig Fehler sollten’s schon sein. Und dann daraus lernen und es besser machen. So entsteht Entwicklung, Fortschritt und Zukunft.

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