Epilepsie, auch bekannt als zerebrales Anfalls- oder Krampfleiden, ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholt auftretende zerebrale Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen infolge einer chronisch übersteigerten Entladungsaktivität von Nervenzellgruppen im Gehirn. Die Auswirkungen eines epileptischen Anfalls können vielfältig sein, von kurzen Bewusstseinsstörungen bis hin zu klassischen Krampfanfällen des gesamten Körpers. In Deutschland sind etwa 0,5-1 % der Bevölkerung von Epilepsie betroffen, wobei die ersten Anfälle meist vor dem 20. Lebensjahr auftreten.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen für Epilepsie können vielfältig sein. Grundsätzlich wird zwischen zwei Hauptformen unterschieden:
- Idiopathische Epilepsie (genuine Epilepsie): Bei dieser Form ist keine Ursache für die Anfälle zu finden. Vielmehr liegt eine erniedrigte Krampfschwelle vor, sodass bereits geringe Belastungen wie Schlafentzug, Flackerlicht oder schnelles, tiefes Atmen einen Anfall auslösen können. Die erniedrigte Krampfschwelle kann erblich bedingt sein, die Epilepsie selbst wird jedoch nicht vererbt.
- Symptomatische Epilepsie: In diesen Fällen ist eine Gehirnschädigung die Ursache der Epilepsie. Mögliche Auslöser sind Sauerstoffmangel während der Geburt, Schädel-Hirn-Verletzungen, Gefäßfehlbildungen, Schlaganfälle oder Gehirntumore.
Die Forschung konzentriert sich auf die Nervenzellen und die Astrozyten, die die Aktivität der Nervenzellen kontrollieren und bestimmte Signale blockieren. Ein Versagen der Astrozyten könnte dazu führen, dass Signale zwischen Nervenzellen uneingeschränkt übertragen werden.
Symptome von Epilepsie
Die Symptome eines epileptischen Anfalls hängen davon ab, in welchem Gehirnbereich sich die abnormen Aktivitäten abspielen. Einige typische Symptome sind:
- Unwillkürliche Muskelzuckungen: Diese können einzelne Körperteile oder den gesamten Körper betreffen.
- Steifwerden des Körpers: Insbesondere bei tonisch-klonischen Anfällen kommt es zu einer plötzlichen Versteifung der Muskulatur.
- Bewusstseinsstörungen: Diese können von kurzer Abwesenheit bis hin zu vollständiger Bewusstlosigkeit reichen.
- Unerklärliche Bewegungen oder Handlungen: Dazu gehören beispielsweise Schmatzen, Grimassieren, Wischbewegungen oder Körperdrehungen.
- Veränderte Wahrnehmungen: Betroffene berichten von merkwürdigen Geruchsempfindungen, Lichtblitzen oder anderen sensorischen Halluzinationen.
Je nach Art des Anfalls werden folgende Formen unterschieden:
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- Fokale Anfälle: Bei dieser Form ist nur ein bestimmter Bereich des Gehirns betroffen.
- Einfach-fokale Anfälle: Das Bewusstsein des Betroffenen ist erhalten, und er kann sich später an den Anfall erinnern. Typisch sind Muskelzuckungen, "Ameisenlaufen" auf der Haut, Lichtblitze, Geräusche oder unangenehme Gerüche.
- Komplex-fokale Anfälle: Das Bewusstsein ist verändert, der Betroffene wirkt "weggetreten" oder "umdämmert" und vollzieht stereotype Bewegungen.
- Primär generalisierte Anfälle: Von Anfang an sind beide Gehirnhälften von den abnormen Erregungen betroffen.
- Grand-mal-Anfall (tonisch-klonischer Anfall): Dieser beginnt mit plötzlichem Bewusstseinsverlust und Steifwerden der Muskeln, gefolgt von beidseitigen Muskelzuckungen.
- Absencen: Kurze Aufmerksamkeitsstörungen, die oft in Serien auftreten und besonders bei Schulkindern vorkommen.
Sowohl fokale als auch primär generalisierte Anfälle können von einer Aura eingeleitet werden.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie basiert auf einer exakten Anfallsbeschreibung und einer gründlichen Untersuchung. Wichtige diagnostische Schritte sind:
- Anamnese: Die Schilderung des Betroffenen und die Beobachtungen von Außenstehenden liefern wichtige Hinweise. Dabei ist eine detaillierte Beschreibung des Anfallsablaufs entscheidend.
- EEG (Elektroenzephalogramm): Mit dem EEG können epilepsietypische Veränderungen wie Spike-Wave-Komplexe aufgezeichnet werden. Allerdings ist ein Normalbefund im EEG nicht immer ein Ausschlusskriterium für Epilepsie.
- MRT (Magnetresonanztomografie): Eine MRT dient zum Ausschluss einer Hirnschädigung als Ursache der Epilepsie.
- Blutuntersuchungen: Diese dienen zum Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können.
Differentialdiagnosen
Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie Epilepsie verursachen können. Dazu gehören:
- Psychogene Anfälle: Diese sind psychisch bedingt und laufen unbewusst ab.
- Synkopen: Ohnmachtsanfälle, die mit leichten Zuckungen einhergehen können.
- Migräne: Die flüchtigen Störungen, die einer Migräneattacke vorausgehen können, ähneln manchmal epileptischen Anfällen.
- Hyperventilation: Die Verkrampfungen der Hände in einer Pfötchenstellung sind typisch für Hyperventilation.
Behandlung von Epilepsie
Ziel jeder Epilepsiebehandlung ist es, weitere Anfälle zu vermeiden. Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:
- Akutbehandlung: Ein einzelner epileptischer Anfall muss nicht medikamentös unterdrückt werden. Nur wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder sich mehrere Anfälle kurz hintereinander ereignen, werden krampfunterdrückende Medikamente gespritzt.
- Dauertherapie mit Antiepileptika: Diese Medikamente werden verordnet, um erneute Krampfanfälle zu unterdrücken. Die Auswahl des geeigneten Antiepileptikums richtet sich nach der Art der Anfälle und eventuellen Begleiterkrankungen.
- Epilepsiechirurgie: In bestimmten Fällen kann der Herd, von dem die abnormen Erregungen ausgehen, operativ entfernt werden. Voraussetzung ist, dass die medikamentöse Therapie nicht anschlägt, es sich um eine fokale Epilepsie mit feststellbarem Herd handelt und dass dieser mit einem vertretbaren Risiko entfernt werden kann.
- Vagusnervstimulation: Ein Impulsgeber stimuliert den Vagusnerv in programmierten Abständen, wodurch die Erregbarkeit des Gehirns beeinflusst wird.
- Tiefe Hirnstimulation: Hierbei werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert, um die Anfallsrate zu reduzieren.
- Psychotherapie: Bei dissoziativen Anfällen, die oft mit Epilepsie verwechselt werden, ist eine Psychotherapie die Behandlung der Wahl.
Medikamentöse Therapie mit Antiepileptika
Antiepileptika (Antikonvulsiva) sind Medikamente zur Unterdrückung zerebraler Anfälle. Um zu wirken, müssen sie dauerhaft und absolut regelmäßig eingenommen werden. Es gibt eine Reihe gut wirksamer Substanzen, darunter:
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- Brivaracetam
- Carbamazepin
- Clonazepam
- Ethosuximid
- Felbamat
- Gabapentin
- Oxcarbazepin
- Lamotrigin
- Lacosamid
- Levetiracetam
- Phenobarbital
- Phenytoin
- Pregabalin
- Primidon
- Tiagabin
- Valproinsäure
- Vigabatrin
- Zonisamid
Alle Antiepileptika haben vor allem zu Beginn der Behandlung und in hoher Dosierung Nebenwirkungen, insbesondere Müdigkeit, Schwindel, Verschwommensehen oder Doppelbilder, Koordinationsstörungen und Übelkeit.
Leben mit Epilepsie
Wird eine idiopathische Epilepsie optimal behandelt, bleiben > 70 % der Betroffenen anfallsfrei. Die meisten Menschen mit Epilepsie können selbstbestimmt und weitgehend normal leben. Für viele Epileptiker ist das Führen eines Anfallskalenders sinnvoll, um den Überblick über die Anfälle, ihre möglichen Auslöser und die Wirksamkeit der Behandlung zu behalten.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Augenzeugen eines Anfalls müssen schnell reagieren, um dem Betroffenen Hilfestellung zu leisten:
- Gefahrenquellen aus dem Umfeld entfernen.
- Den Krampfenden nicht festhalten.
- Keine Gegenstände gewaltsam zwischen die Kiefer schieben.
- Den Betroffenen nach dem Anfall in stabile Seitenlage bringen.
- Kontrollieren, dass er normal atmet, und ihn nicht allein lassen, solange er nicht wieder bei Bewusstsein und voll orientiert ist.
- Einen Notarzt rufen, wenn der Patient länger als fünf Minuten krampft, wenn sich der Anfall in weniger als einer Stunde wiederholt oder der Patient das Bewusstsein nicht wiedererlangt.
Post-Schlaganfall-Epilepsie (PSE)
Durch Intensivierung der Schlaganfallbehandlung werden Neurologen vermehrt mit der speziellen Behandlung von Post-Schlaganfall-Anfall(PSA)- und Epilepsie(PSE)-Patienten in Berührung kommen. Eine primärprophylaktische Anwendung eines antiiktalen Medikaments wird nach den Leitlinien der amerikanischen Herz-Schlaganfall-Assoziation selbst bei hämorrhagischen Infarkten nicht empfohlen. Bei Vorkommen von 2 unprovozierten epileptischen Anfällen ist das Risiko mit 57 % (1 Jahr) und 73 % (4 Jahren) hoch, und es wird empfohlen, dann eine antiiktale Therapie einzuleiten. Klinische Studien sprechen insgesamt dafür, dass neuere antiiktale Substanzen aufgrund ihrer besseren Verträglichkeit für epileptische Anfälle nach Schlaganfall vorzuziehen sind.
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