Die Alzheimer-Krankheit ist eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. In Deutschland leiden bereits über 1,3 Millionen Menschen an dieser neurodegenerativen Erkrankung, und die Tendenz ist steigend. Lange Zeit galt Alzheimer als unheilbar, doch neue Forschungsergebnisse geben Anlass zur Hoffnung. Dieser Artikel beleuchtet die neuesten Erkenntnisse über die Früherkennung von Alzheimer, innovative Therapieansätze und präventive Maßnahmen, die jeder ergreifen kann.
Alzheimer: Mehr als nur Gedächtnisverlust
Alzheimer ist mehr als nur altersbedingte Vergesslichkeit. Es handelt sich um eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die das Gedächtnis, das Denkvermögen und die Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu erledigen, beeinträchtigt. Bislang wurde angenommen, dass die Alzheimerkrankheit durch eine Ansammlung von klebrigen Plaques - bestehend aus dem Eiweiß „Amyloid-beta“ - im Gehirn verursacht würde, welche die Synapsen zerstörten. Forschungen und Studien zielten darauf ab, Medikamente zu entwickeln, um diese Plaques aus Amyloid-beta zu verhindern oder zu beseitigen. Doch den Patienten ging es mit den Medikamenten oftmals nicht besser, manchmal sogar schlechter. Die eigentliche Ursache der Krankheit konnten die Medikamente - meist Acetylcholinesterase-Hemmer - weder beseitigen noch den Krankheitsverlauf aufhalten.
Die Revolution in der Alzheimer-Forschung: Dr. Dale Bredesen und das ReCODE-Programm
Ein Pionier auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung ist Dr. Dale Bredesen. Nach über 30 Jahren intensiver Forschung hat er bewiesen, dass es möglich ist, Alzheimer vorzubeugen und den kognitiven Abbau umzukehren. Dr. Bredesen und sein Forscherteam haben herausgefunden, dass es sich bei Alzheimer nicht um eine einzelne Krankheit handelt, sondern dass es drei weitere „Subtypen“ der Alzheimerkrankheit gebe. Laut Dr. Dale Bredesen ist Amyloid-beta Teil der Entzündungsreaktion im Gehirn. Es kann Mikroben bei Infektionen bekämpfen, es reagiert auf eine Unterversorgung mit Hormonen, Vitaminen und Nährstoffen, indem es Synapsen im Gehirn abbaut, die entbehrlich sind. Außerdem ist es Teil der Schutzreaktion auf Gifte, da es sich fest an Metalle wie Quecksilber oder Kupfer bindet. Diese drei Funktionen des Amyloid-betas korrelieren mit den drei Alzheimer-Typen. Das Amyloid-beta aus dem Gehirn des Patienten zu entfernen, könne unterschiedliche Folgen für diesen haben, je nachdem, an welchem der drei Typen er erkrankt ist.
Dr. Bredesen vergleicht die Alzheimerkrankheit mit einem Dach, das 36 Löcher hat, die es zu schließen gilt, damit es nicht reinregnen kann. Es genügt also nicht, nur ein Loch abzudichten, denn dann regnet es durch die anderen 35 Löcher immer noch durch das Dach hindurch. Umgekehrt müssten nicht alle 36 Löcher (Ursachen der Krankheit) geschlossen werden. Es genüge, den Anti-Alzheimer-Pfad einzuschlagen, wie er den Weg aus der Krankheit nennt.
Mit seinem Team hat Dr. Bredesen nach jahrzehntelanger Forschung über die Neurobiologie der Alzheimerkrankheit eine auf die jeweilige Person abgestimmte Therapie entwickelt, die er „ReCODE“ nennt, was für „reversal of cognitive decline“ steht („Umkehrung des kognitiven Abbaus“). Mit dieser Methode konnte er den kognitiven Abbau bei Alzheimer und seinen Vorstufen nicht nur rückgängig machen, sondern die Patienten nach eigenen Angaben auch dauerhaft heilen, was zahlreiche Patientengeschichten belegen. Inzwischen sei die Zahl der mit ReCODE erfolgreich behandelten Patienten auf über 200 angestiegen. Dr. Dale Bredesen hat seit 2016 rund 450 Ärzte und Therapeuten aus ganz Amerika und aus sieben weiteren Ländern ausgebildet.
Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige
Das ReCODE-Programm sei keine Standardtherapie, sondern personalisiert, da jeder Mensch andere Laborwerte habe. Die abnormen Werte sollen wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Ziel des Programms sei es, in einem möglichst frühen Stadium des kognitiven Abbaus zu beginnen, Schritt für Schritt vorzugehen und möglichst viele der 36 möglichen Faktoren zu optimieren, sodass „die Waagschale zugunsten der Synapsenbildung und Synapsenerhaltung“ kippe. Die Chancen auf vollständige Heilung seien dann am größten, je früher Sie mit der Therapie beginnen. Am besten sei dies, wenn sich noch keine Symptome zeigten oder in der Phase der „milden kognitiven Beeinträchtigung“, die ein oder zwei Jahrzehnte dauern könne, wenn ein Alzheimerrisiko aus genetischen Gründen oder aufgrund einer familiären Belastung besteht. Ein anderer Grund könne auch ein Prädiabetes sein.
Die Grundzüge des ReCODE-Programms werden in Tabellen übersichtlich aufgelistet. Um eine Wirkung zu erzielen, sollte es mindestens sechs Monate lang eingehalten werden.
Die 36 Faktoren, die Alzheimer auslösen können
Dr. Bre-desen hat zusammen mit seinem Labor 36 Faktoren herausgefunden, die Alzheimer auslösen können, und erklärt dabei auch für Laien verständlich die biochemischen Vorgänge. Zu diesen Faktoren gehören:
- Entzündungen: Ständig leichte Entzündungen können zu Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs, Arthritis, beschleunigter Alterung und Alzheimer führen.
- Infektionen: Herpes, Borrelien, Pilze etc.
- Insulinresistenz: Sie kann laut Dr.
- Schilddrüsenstatus: Die Schilddrüse sollte optimal arbeiten und eingestellt sein. Falls nicht, kann dies zu Depressionen und kognitiven Beeinträchtigungen führen. Dr. Bredesen nennt die optimalen Werte der Schilddrüsenhormone.
- Glutathion und Selen: Ein niedriger Glutathionspiegel des wichtigen Antioxidans kann Entzündungen, Vergiftungen und den Verlust von Synapsen im Gehirn fördern und somit alle drei Alzheimer-Subtypen beeinflussen.
- Schwermetalle: Quecksilber könne Alzheimersymptome verursachen. Arsen, Blei und Kadmium können ebenfalls die Gehirnfunktion stören.
- Leaky-Gut-Syndrom: Durch eine pathologisch durchlässige Darmwand, hervorgerufen unter anderem durch Entzündungen, chronischen Stress, Konservierungsstoffe, Hefe, schädliche Chemikalien (Pestizide), Alkohol, Zucker, Fertigprodukte oder Medikamente wie Aspirin oder Paracetamol, können Eiweißfragmente, Bakterien und Hefen ins Blut gelangen. Das Immunsystem kann oftmals das eigene Gewebe von fremden Eindringlingen nicht unterscheiden, sodass es zu Autoimmunkrankheiten wie Multipler Sklerose oder rheumatoider Arthritis kommen kann. Ebenso kann die chronische Entzündung laut Dr.
- Blut-Hirn-Schranke: Auch diese kann löchrig werden, sodass Bakterien, Viren, Pilze und andere Mikroben ins Gehirn gelangen und Entzündungen auslösen können.
- Glutenunverträglichkeit: Diese sollte abgeklärt werden, da sie unter anderem ein Leaky-Gut-Syndrom hervorrufen kann, das wiederum chronische Entzündungen auslösen kann, die laut Dr.
Ebenso können der Lebensstil und die Lebensgeschichte Einblicke auf eine mögliche Alzheimererkrankung geben. Anhand einer Checkliste können Sie verschiedene Faktoren prüfen. Die Kosten für die von Dr.
Frühzeitige Erkennung: Der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung
Ein entscheidender Faktor im Kampf gegen Alzheimer ist die Früherkennung. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Chancen, den Verlauf zu verlangsamen oder sogar umzukehren. Eine Studie der Universität Cambridge hat gezeigt, dass erste Anzeichen einer Demenz bereits bis zu neun Jahre vor der offiziellen Diagnose erkennbar sein können.
Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick
Subtile Anzeichen, die Jahre vor der Diagnose auftreten können
Die Studie der britischen Forschenden wurde im Fachjournal Alzheimer‘s & Dementia: The Journal of the Alzheimer‘s Association veröffentlicht. Als Datengrundlage nutzten die Forschenden Daten der UK Biobank, einer großen Langzeitstudie, in der seit 2006 untersucht wird, wie genetische Veranlagung und Umwelteinflüsse zur Entstehung von Krankheiten beitragen. Unter den Daten befanden sich nicht nur anonymisierte Informationen über Lebensstil und Gesundheit von einer halben Million Briten zwischen 40 und 69 Jahren - die UK Biobank hat auch Daten zahlreicher Tests der Teilnehmenden gesammelt. Unter anderem wurden Aufgabenbereiche wie Problemlösung, Gedächtnis, Reaktionszeiten und Griffstärke geprüft, außerdem wurden Daten über Gewichtszunahme und -verlust sowie die Anzahl der Stürze gesammelt.
Diese Informationen nutzten die Forschenden, um herauszufinden, ob schon Jahre vor der eigentlichen Diagnose Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung festzustellen sind. Und tatsächlich: Das Forschungsteam fand heraus, dass Personen, bei denen später Alzheimer diagnostiziert wurde, fünf bis neun Jahre vorher in zahlreichen Tests schlechter abschnitten, als gesunde Personen. Sie hatten Probleme in folgenden Bereichen:
- Problemlösung
- Reaktionszeit
- Zahlen-Listen merken
- Langzeitgedächtnis
- Paarbildung
Die Personen, die später eine Alzheimer-Diagnose bekamen, waren auch mit höherer Wahrscheinlichkeit in den vergangenen zwölf Monaten gestürzt als gesunde Personen.
„Als wir uns die Krankengeschichte der Patienten ansahen, wurde deutlich, dass sie bereits einige Jahre vor dem Auftreten ihrer Symptome kognitive Beeinträchtigungen zeigten, die eine Diagnose erforderlich machten“, erklärt Nol Swaddiwudhipong in einer Mitteilung der Universität Cambridge. „Die Beeinträchtigungen waren oft subtil, betrafen aber eine Reihe von kognitiven Aspekten.“
Neue Bluttests für die Früherkennung
Neben der Beobachtung subtiler Verhaltensänderungen gibt es auch vielversprechende Fortschritte bei der Entwicklung von Bluttests, die Alzheimer frühzeitig erkennen können. Eine Studie aus Schweden zeigte, dass ein kombinierter Bluttest bei Patienten mit Gedächtnisstörungen in 90 Prozent der Fälle korrekt anzeigte, ob eine Alzheimererkrankung vorlag.
Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich
Der angewandte Bluttest nutzte zwei verschiedene Biomarker. Zum einen konzentriert er sich auf eine Form des Proteins Tau, das weiterentwickelt zu Veränderungen im Gehirn einer Person führt, die an Alzheimer erkrankt ist. Das Messen dieses Biomarkers, genannt pTau-217, erwies sich als am vielversprechendsten. Gleichzeitig untersuchte der Bluttest zudem den Biomarker Amyloid. Amyloid führt zu Plaques im Gehirn.
Experten und die Autoren der Studie wiesen darauf hin, dass nach ethischen Grundsätzen solch ein Bluttest nur bei Menschen durchgeführt werden düfte, die bereits über Symptome wie Gedächtnisverlust oder kognitive Einschränkungen klagen, da diese dann auch medikamentös behandelt werden könnten.
Für den sogenannten Aß42/ß40 Ratio-Test, den es bisher in Europa nur bei labors.at in Wien, Österreich gibt, reicht eine einfache Blutabnahme. Der Test erkennt krankhafte Beta-Amyloid-Ablagerungen, die sich bis zu 20 Jahre vor Auftreten der Symptome im Gehirn bilden können. Er bietet eine gleichwertige Aussagekraft wie PET oder Liquor - ist aber schneller, kostengünstiger, für die Patienten wesentlich angenehmer und spart vor allem viel wertvolle Zeit. Die Blutprobe kann von jedem Haus- oder Facharzt entnommen und nach Österreich ins Labor geschickt werden. Der Test kostet derzeit 175 Euro und ist eine Privatleistung. Gerade bei unklaren Symptomen oder familiärer Vorbelastung kann er eine wertvolle Entscheidungshilfe sein - zum Beispiel, ob weitere Untersuchungen notwendig sind oder nicht.
Neuropsychologische Untersuchungen
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Diagnostik sind neuropsychologische Untersuchungen. Typische Verfahren sind der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der MOCA-Test, der sogenannte Uhren-Test, die CERAD-Testbatterie, DemTect, der FAB und der Syndrom-Kurztest (SKT).
Präventive Maßnahmen: Ein gesunder Lebensstil als Schutzschild
Neben der Früherkennung spielt die Prävention eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Alzheimer. Laut Dr. Bredesen liegen die Ursachen nicht nur in den Genen, sondern auch unser Lebensstil ist entscheidend: Unerkannte Infektionen, jahrelange ungesunde Ernährung bzw. Mangelernährung und der Kontakt mit Giftstoffen sind wesentliche Faktoren, die die Krankheit auslösen können.
Die Ketoflex 12/3-Ernährung
Zur Vorbeugung von Alzheimer, um den kognitiven Abbau zu verhindern und umzukehren, stellt Dr. Dale Bredesen die Ernährungsweise „Ketoflex 12/3“ vor: eine ketogene, kohlenhydratarme Ernährung, die den Schwerpunkt auf stärkearmes Gemüse legt. Fleisch und Fisch seien „Zutaten“, kein „Hauptgericht“. Kohlenhydrate wie Zucker, Brot, Kartoffel, weißer Reis, Limonaden, Alkohol, Süßigkeiten, Kuchen und Fertigprodukte sollten möglichst wenig gegessen werden. Durch eine milde Ketose soll mit Fetten wie Oliven- und Kokosöl, Avocados oder Nüssen der Stoffwechsel von der Kohlenhydratverbrennung, die Insulinresistenz fördere und Alzheimer begünstige, auf Fettverbrennung und Insulinsensitivität umgestellt werden. Denn: „Die kognitiven Funktionen hängen vom Stoffwechsel ab“.
Dr. Bredesen bezieht das Intervallfasten bei der Ernährung mit ein. Die „12“ stehe für 12 Stunden zwischen dem Ende des Abendessens und der ersten Mahlzeit am nächsten Tag. Noch besser sei es, 14 bis 16 Stunden anzustreben. Die „3“ steht für drei Stunden, die zwischen dem Abendessen und dem Schlafengehen liegen sollten.
Auch helfe Ketoflex 12/3, dem Leaky-Gut-Syndrom vorzubeugen und das Mikrobiom zu optimieren.
Weitere Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil
Neben der Ernährung empfiehlt Dr. Bredesen weitere Maßnahmen, um das Risiko von Alzheimer zu senken:
- Regelmäßige Bewegung: Sportliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und kann die kognitiven Funktionen verbessern.
- Geistige Aktivität: Fordern Sie Ihr Gehirn regelmäßig heraus, indem Sie lesen, Rätsel lösen oder neue Fähigkeiten erlernen.
- Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und verbringen Sie Zeit mit Freunden und Familie.
- Stressmanagement: Lernen Sie, mit Stress umzugehen, beispielsweise durch Entspannungsübungen oder Meditation.
- Ausreichend Schlaf: Achten Sie auf einen gesunden Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
tags: #die #alzheimer #revolution #das #erst