Dopamin und Kreatinin im 24-Stunden-Sammelurin: Ein umfassender Überblick

Dopamin, oft als „Glückshormon“ bezeichnet, ist ein wichtiger Neurotransmitter im Gehirn, der eine Schlüsselrolle bei der Regulation von Bewegung, Motivation und Belohnung spielt. Es beeinflusst aber auch Prozesse außerhalb des Gehirns, etwa die Blutdruckregulation und die Nierenfunktion. Die Messung von Dopamin und Kreatinin im 24-Stunden-Sammelurin kann wichtige Informationen über verschiedene physiologische und pathologische Zustände liefern. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung dieser Messwerte, die korrekte Probenentnahme und die Interpretation der Ergebnisse.

Was ist Dopamin?

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der Signale zwischen Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn überträgt. Es gibt sowohl zentrales als auch peripheres Dopamin. Zentrales Dopamin ist durch die Blut-Hirn-Schranke vom peripheren Dopamin getrennt.

Funktionen des Dopamins

  • Zentrales Dopamin: Stimmungsregulation, Motivation, Belohnungsgefühle, Bewegungskoordination.
  • Peripheres Dopamin: Blutdruckregulation (Erweiterung der Blutgefäße), Unterstützung der Natrium- und Flüssigkeitsausscheidung in den Nieren, Beeinflussung der Insulin-Freisetzung in der Bauchspeicheldrüse, Beeinflussung der Darmmotilität und der Sekretion von Magensäure und Verdauungsenzymen im Magen-Darm-Trakt, Regulierung von Entzündungs- und Immunreaktionen.

Einflussfaktoren auf den Dopaminspiegel

Der Dopaminspiegel im Körper wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter Genetik, Lebensstil (Ernährung), emotionale Zustände, Stress, Schlaf, belohnende Aktivitäten (Sport, Hobbys, soziale Interaktionen) und der Konsum illegaler Drogen.

Bedeutung der Dopamin- und Kreatinin-Messung im Sammelurin

Die Messung von Dopamin im 24-Stunden-Sammelurin ist kein Routine-Laborparameter, sondern wird nur bei bestimmten Fragestellungen durchgeführt. Die gleichzeitige Bestimmung von Kreatinin dient dabei der Beurteilung der Nierenfunktion und der Qualität der Urinsammlung.

Indikationen für die Dopamin-Bestimmung

  • Verdacht auf einen katecholaminproduzierenden Tumor (z.B. Phäochromozytom, Neuroblastom).
  • Abklärung von Bluthochdruck.
  • Diagnose und Überwachung von bestimmten Erkrankungen wie Parkinson.
  • Bewertung der Wirksamkeit von Medikamenten, die sich auf die Dopaminspiegel auswirken.

Klinische Relevanz der Katecholamin-Bestimmung

Die quantitative Bestimmung von Noradrenalin (Norepinephrin) und Adrenalin (Epinephrin) im Urin ist ebenfalls von Bedeutung, da diese Katecholamine zusammen mit Dopamin wichtige Informationen über den Stoffwechsel und mögliche Erkrankungen liefern können.

Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson

Probenentnahme für den 24-Stunden-Sammelurin

Eine korrekte Probenentnahme ist entscheidend für die Aussagekraft der Messergebnisse. Folgende Punkte sind zu beachten:

Vorbereitung des Patienten

  • Der Patient benötigt ein Sammelgefäß mit ca. 3 Litern Fassungsvermögen, in das vorher ca. 10 ml 10-15 %-ige Salzsäure vorgelegt werden. Dies dient der Ansäuerung des Urins während der gesamten Sammelperiode. Das Gefäß muss frei von Reinigungsprodukten sein.
  • Wenn möglich, sollten Antihypertensiva eine Woche vor der Sammlung abgesetzt werden, da ein abruptes Absetzen zu falsch hohen Werten führen kann. Medikamente wie Reserpin, Alpha-Methyldopa, Alpha- und Betablocker, Clonidin und Guanethidin können die Katecholaminausscheidung verändern. Dies sollte bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden.
  • Vor der Blutentnahme sowie vor und während der Urin-Sammelperiode sollte auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel verzichtet werden. Dazu zählen Bananen, Käse, Mandeln, Nüsse, Vanille, Tee, Kaffee und Alkohol. Wie lange vor der Probenentnahme darauf verzichtet werden sollte, erfahren Sie von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
  • Nach Möglichkeit sind auch manche Medikamente zu meiden, darunter zum Beispiel einige Bluthochdruckmittel (z.B. alpha-Methyldopa, Guanethidin, Reserpin), Barbiturate (Schlaf- und Beruhigungsmittel), Clonidin, Salizylate (Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Fiebersenker), Beta-Blocker (u.a. als Herzmittel) und gewisse Antibiotika (Sulfonamide, Tetrazykline).Setzen Sie niemals verordnete Medikamente ohne vorherige Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin ab. Diese Auflistung entspricht nur den generellen Empfehlungen und weicht im Einzelfall ab.
  • Zudem sollten Sie vor der Blutentnahme sowie vor und während der Urin-Sammelperiode schwere körperliche Aktivität vermeiden. Vor der Entnahme der Blutprobe sollten Sie in der Arztpraxis mindestens 20 Minuten ruhig liegen.

Durchführung der Sammlung

  1. Zum Beginn der Sammelperiode entleert der Patient die Blase vollständig und verwirft diesen Urin. Der Zeitpunkt des Sammelbeginns wird notiert.
  2. In den nächsten 24 Stunden wird der gesamte Urin vollständig in das Sammelgefäß entleert.
  3. Nach 24 Stunden erfolgt die letzte Blasenentleerung in das Gefäß, und die Zeit wird ebenfalls notiert.
  4. Falls nicht die gesamte Urinmenge zur Untersuchung gegeben wird, kann auch eine Probe von ca. 100 ml des gut gemischten Urins mit Angabe von Sammelmenge und -zeit in das Labor geschickt werden.

Alternativ: Spontanurin

Alternativ zum 24-Stunden-Urin kann auch Spontanurin verwendet werden.

Laboranalytik

Die Probenvorbereitung im Labor beruht auf einer effizienten Festphasenextraktion. Der pH-Wert wird zur Gewährleistung einer vollständigen Extraktion anhand des Farbumschlags eines Indikators überprüft. Die Verwendung eines spezifischen internen Standards gewährleistet eine hohe Präzision und Zuverlässigkeit bei der Quantifizierung der Analyten.

Probenextraktion

  • 3 mL Probe/Kalibrator/Kontrolle werden in ein geeignetes Gefäß überführt.
  • 100 µL Internal Standard + 6 mL Neutralisation Buffer hinzufügen, kurz mischen.
  • Auf korrekte Färbung prüfen.

Probenreinigung

  • Sample Clean Up Column schütteln, um den Inhalt zu resuspendieren.
  • Säulendeckel entfernen und Verschlussspitze abbrechen.
  • Den Äquilibrierungspuffer vollständig auslaufen lassen, Durchlauf verwerfen.
  • Die gesamte Urinprobe auf die Sample Clean Up Column auftragen, auslaufen lassen, Durchlauf verwerfen.
  • Die Sample Clean Up Column mit zwei Säulenvolumina hochreinem Wasser spülen, Durchlauf verwerfen.

Vorbereitung vor der Injektion

  • 180 µL 5 M HCl zum Eluat geben, kurz mischen.

Normwerte und Interpretation

Die Normwerte für Dopamin im 24-Stunden-Sammelurin schwanken stark von Labor zu Labor, abhängig von der Messmethode. Im Einzelfall gelten immer die auf dem jeweiligen Laborbefund angegebenen Normwerte. Es ist wichtig zu beachten, dass die im Urin gemessenen Dopaminwerte nicht immer die Aktivität von Dopamin im Gehirn widerspiegeln.

Erhöhte Dopaminwerte

  • Physiologische Ursachen: Belohnung und Vergnügen, Stress und Aufregung, körperliche Aktivität, Schlaf-Wach-Zyklus.
  • Pathologische Ursachen: Phäochromozytom, Neuroblastom, Schizophrenie, Medikamente (Antidepressiva, Antipsychotika, Parkinson-Medikamente, Aufputschmittel).

Erniedrigte Dopaminwerte

  • Physiologische Ursachen: Schlaf.
  • Pathologische Ursachen: Parkinson, Restless Legs.

Kreatinin-Clearance

Die Kreatinin-Clearance (ECC) ist ein Maß für die Nierenfunktion und gibt das Blutvolumen an, welches pro Minute von Kreatinin gereinigt wird. Sie kann gemessen oder berechnet werden. Für die Messung werden Urin-Kreatinin, Plasma-Kreatinin, Urin-Volumen und Sammeldauer benötigt.

Lesen Sie auch: Parkinson-Krankheit und Dopamin

Berechnung der Kreatinin-Clearance

Eine Abschätzung der ECC oder der GFR aus Plasma-Kreatinin ist mit verschiedenen Formeln möglich, wie z.B. Cockcroft-Gault, MDRD2, CKD-EPI. Die Wahl der Formel hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und Nierenfunktion.

Referenzwerte der Kreatinin-Clearance

Die Referenzwerte der GFR liegen grob für Männer im Mittel bei 130 [ml X min-1 x (1,73 m2)-1] und für Frauen bei im Mittel 120 [ml X min-1 x (1,73 m2)-1]. Mit zunehmendem Alter nimmt die GFR ab.

Stadien der Niereninsuffizienz nach GFR

  • Stadium I : GFR > 90 ml/min, normale oder erhöhte GFR.
  • Stadium II : GFR 60-89 ml/min, geringgradiger Funktionsverlust.
  • Stadium III : GFR 30-59 ml/min, mittelgradiger Funktionsverlust.
  • Stadium IV : GFR 15-29 ml/min, schwerer Funktionsverlust.
  • Stadium V : GFR < 15 ml/min, chronisches Nierenversagen.

Therapeutische Aspekte

Wenn zu hohe oder niedrige Dopaminwerte gemessen werden, hängt das weitere Vorgehen von der Ursache dafür ab. Stressbedingte erhöhte Dopaminwerte können durch Entspannungstechniken ausgeglichen werden. Bei krankheitsbedingten Ursachen gilt es, diese angemessen zu behandeln. Beispielsweise lässt sich der Dopamin-Mangel bei Parkinson mit Medikamenten ausgleichen.

Dopamin bei akutem Nierenversagen

Die Gabe niedriger Dopamin-Dosen zur Prophylaxe und Therapie des akuten Nierenversagens ist intensivmedizinisch weit verbreitet, aber nicht immer gerechtfertigt. Studien haben gezeigt, dass niedrig dosiertes Dopamin bei Intensiv-Patienten mit beginnender Einschränkung der Nierenfunktion keine nephroprotektive Wirkung hat.

Lesen Sie auch: Der Einfluss von Alkohol auf Dopamin bei Parkinson

tags: #dopamin #creatinin #im #sammelurin