Doppelfacharzt Neurologie und Psychiatrie: Voraussetzungen und Perspektiven

Die Kombination aus Neurologie und Psychiatrie in einem Doppelfacharzttitel stellt eine anspruchsvolle, aber lohnende Spezialisierung dar. Dieser Artikel beleuchtet die Voraussetzungen, den Ausbildungsweg und die beruflichen Perspektiven für Ärzte, die diesen Weg einschlagen möchten.

Einführung in die Psychosomatische Medizin

Die Psychosomatische Medizin ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das sich mit Erkrankungen befasst, bei denen psychische und körperliche Faktoren ineinandergreifen. Sie betrachtet den Patienten als eine Einheit von Körper, Seele und sozialem Umfeld. Symptome wie unerklärliche Schmerzen, Verdauungsbeschwerden oder Hautprobleme, für die keine eindeutige medizinische Ursache gefunden werden kann, stehen im Fokus. Die Psychosomatische Medizin setzt auf eine ganzheitliche Anamnese und Befunderhebung, die sowohl körperliche als auch psychische Aspekte berücksichtigt.

Die Facharztausbildung im Überblick

Um als Facharzt in Deutschland tätig zu sein, ist nach dem Medizinstudium eine entsprechende Facharztausbildung erforderlich. Nach dem Abschluss des Studiums und Erhalt der Approbation arbeiten Mediziner zunächst als Assistenzärzte. Im Laufe dieser Weiterbildung spezialisieren sie sich auf ein bestimmtes Fachgebiet, entweder in einer Fachklinik oder in einer Facharztpraxis, unter der Aufsicht eines Facharztes.

Dauer und Inhalte der Facharztausbildung

Die Facharztausbildung dauert je nach Fachrichtung zwischen vier und sechs Jahren. Die Inhalte und der Aufbau der Weiterbildung variieren je nach Fachgebiet und sind in den Weiterbildungskatalogen der jeweiligen Landesärztekammern festgelegt. Angehende Fachärzte der Chirurgie verbringen beispielsweise viel Zeit im Operationssaal, während angehende Fachärzte für Allgemeinmedizin ein breites Spektrum an medizinischen Problemen in der Hausarztpraxis kennenlernen.

Die Rolle des Logbuchs

Für die Bescheinigung der absolvierten Inhalte während der Facharztausbildung dient das sogenannte Logbuch. Assistenzärzte arbeiten die einzelnen Punkte ihres Katalogs ab und lassen sich jedes erreichte Ziel von ihrem Vorgesetzten schriftlich bestätigen. Die Weiterbildung endet mit einer mündlichen Prüfung vor der zuständigen Landesärztekammer.

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Doppelfacharzt Neurologie und Psychiatrie: Ein besonderer Weg

Einige Ärzte streben den Erwerb von zwei Facharzttiteln an, beispielsweise in Neurologie und Psychiatrie. Dies erfordert ein hohes Maß an Motivation, Lernbereitschaft, Durchhaltevermögen und Selbstorganisation. Der Vorteil liegt in der Erweiterung des diagnostischen und therapeutischen Spektrums sowie in besseren Karrierechancen.

Das Rotenburger Modell

Ein Beispiel für einen strukturierten Weg zum Doppelfacharzt ist das Modellprojekt des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg. Hier rotieren die Weiterbildungsassistenten im Jahreswechsel zwischen den Fächern Neurologie und Psychiatrie nach einem zuvor festgelegten Plan. Dies soll den Spagat zwischen Spezialistentum und breitem Fachwissen erleichtern und sicherstellen, dass die Ärzte in beiden Disziplinen auf dem neuesten Stand bleiben.

Voraussetzungen für den Doppelfacharzt

Um beide Titel innerhalb einer angemessenen Zeit zu erwerben, sind eine hohe Motivation und Lernbereitschaft, Durchhaltevermögen und eine gute Selbstorganisation unerlässlich. Der genau getaktete Ablauf des Programms sowie kontinuierliche Absprachen zwischen den beiden Klinikchefs sollen verhindern, dass es zu ungeplanten zeitlichen Verzögerungen kommt.

Inhaltliche Anforderungen an die Weiterbildung

Die Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie umfasst unter anderem:

  • Psychosomatische und psychotherapeutische Anamnese und Befunderhebung: Dies beinhaltet die Erfassung des psychopathologischen Befundes und die Erkennung seelisch-körperlicher Wechselwirkungen bei psychischen und somatischen Erkrankungen und Störungen.
  • Psychodynamische/tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Verfahren: Die Ausbildung umfasst dokumentierte Untersuchungen in beiden Verfahren.
  • Entspannungstechniken und Psychotraumatherapien: Die Anwendung traumaspezifischer Techniken ist ebenfalls Bestandteil der Weiterbildung.
  • Klassifikationsmodelle: Kenntnisse über Klassifikationsmodelle der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit von Patienten mit psychischen Erkrankungen und Störungen sind erforderlich.
  • Therapiestunden mit Supervision: 240 Therapiestunden mit Supervision in Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie bzw. in wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren und Methoden im gesamten Bereich psychischer Erkrankungen.
  • Selbsterfahrung: 150 Stunden Einzel- oder Gruppenselbsterfahrung in Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie bzw. in einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren.

Zusatzweiterbildungen als Ergänzung

Nach dem Erwerb des Facharzttitels können Ärzte ihr Wissen durch Zusatzweiterbildungen vertiefen und ihre Kompetenzen stärken. Die Bundesärztekammer listet 56 verschiedene Zusatzbezeichnungen auf, die jedoch nicht für jede Facharztrichtung offenstehen. Beispiele sind die Zusatzweiterbildungen Notfallmedizin, Intensivmedizin, Palliativmedizin oder spezielle Fachgebiete wie Kinder- und Jugend-Urologie.

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Ablauf und Anforderungen der Zusatzweiterbildungen

Die Zusatzweiterbildungen umfassen Theoriestunden, Seminare, Kurse unter Supervision oder Begleitung von anerkannten Ärzten im jeweiligen Fachgebiet. Der Praxisunterricht kann in Instituten, Kliniken, Laboren oder im direkten Einsatz stattfinden. Die genauen Abläufe sind in den Weiterbildungsordnungen der jeweiligen Landesärztekammern festgelegt.

Das Logbuch für Zusatzweiterbildungen

Um die einzelnen Schritte der Zusatzweiterbildung nachvollziehen und dokumentieren zu können, führen Ärzte ein Logbuch, in dem sie alle Tätigkeiten und Lehrgänge festhalten. Nach Erfüllung aller Mindestanforderungen und Absolvierung der Lehrgänge kann das Logbuch abgeschlossen und die Prüfungsanmeldung erfolgen.

Berufliche Perspektiven und Gehalt

Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie haben gute Berufsperspektiven, insbesondere im ländlichen Bereich. Das Gehalt während der Weiterbildung und als ausgebildeter Facharzt variiert je nach Art der Einrichtung und den geltenden Tarifverträgen. In öffentlichen Einrichtungen liegt das Gehalt im ersten Jahr als Assistenzarzt bei rund 4.700 bis 4.900 Euro brutto monatlich und steigt mit den Berufsjahren. Als Facharzt kann man in einem kommunalen Krankenhaus zwischen 6.196 und 7.958 Euro verdienen.

Aufgaben im Arbeitsalltag

Die Aufgaben im Arbeitsalltag von Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie sind vielfältig. Sie diagnostizieren und behandeln neurologische und psychiatrische Erkrankungen, führen psychotherapeutische Gespräche, erstellen Therapiepläne und beraten Patienten und deren Angehörige.

Psychotherapie als zusätzlicher Schwerpunkt

Für Ärzte, die Psychotherapie anbieten möchten, ist keine separate Psychologie-Ausbildung erforderlich. Fachrichtungen wie Psychiatrie und Psychosomatische Medizin beinhalten bereits einen hohen psychotherapeutischen Anteil. Auch in anderen Fachrichtungen wie Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Kinder- und Jugendheilkunde kann die zusätzliche Facharzt-Weiterbildung Psychotherapie sehr hilfreich sein.

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Voraussetzungen für die psychotherapeutische Tätigkeit

Um Psychotherapie anbieten zu können, ist eine Zusatz-Weiterbildung in Psychotherapie erforderlich, die berufsbegleitend absolviert werden kann. Jedes Bundesland stellt hierfür verschiedene Mindestanforderungen. Die Weiterbildung umfasst unter anderem:

  • Situationsangepasste Kommunikation, auch unter Nutzung nonverbaler Kommunikationsmittel.
  • Entspannungsverfahren.
  • 240 Therapie-Stunden mit Supervision.
  • 150 Stunden Einzel- oder Gruppenselbsterfahrung.

Prüfung und Tätigkeitsfelder

Der Abschluss der Zusatzweiterbildung Psychotherapie besteht aus einer Prüfung, die meist mündlich in Form eines Fallbeispiels abgelegt wird. Nach bestandener Prüfung können Ärzte als „Ärztliche Psychotherapeuten“ tätig sein. Sie arbeiten in eigenen Privatpraxen, Beratungsstellen, Therapiezentren oder in der akademischen Welt.

Herausforderungen und Chancen

Der Erwerb eines Doppelfacharztes ist mit deutlich mehr Aufwand verbunden, angefangen bei den zeitlichen und inhaltlichen Anforderungen im Rahmen der Weiterbildungen über die Fortbildungserfordernisse für beide Titel bis hin zu bürokratischen Dingen. Dennoch ist das Führen von zwei Facharzttiteln medizinisch oft sehr sinnvoll im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung und Behandlung aus einer Hand, insbesondere von Patienten mit einer komplexeren Symptomatik.

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