Cortison, insbesondere Dexamethason und Prednisolon, spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung von Hirntumoren. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, Dosierung, Vorsichtsmaßnahmen und Risiken der Cortisontherapie bei Hirntumoren, um Patienten und Angehörigen ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.
Einführung in Cortison und seine Anwendung
Cortison ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Hormonen, die als Glucocorticoide bekannt sind. Diese Hormone, zu denen auch Prednisolon und Dexamethason gehören, werden synthetisch hergestellt und wirken ähnlich wie das körpereigene Cortisol. Sie beeinflussen den Stoffwechsel, den Elektrolythaushalt und die Gewebefunktionen.
Prednisolut, ein Glucocorticoid, wird unter anderem bei Hirnschwellungen (Hirnödem) eingesetzt, die durch Hirntumore, neurochirurgische Operationen, Hirnabszesse oder bakterielle Hirnhautentzündungen (Meningitis) verursacht werden. Dexamethason, ein weiterer wichtiger Vertreter, wird ebenfalls zur Behandlung von Hirnödemen, insbesondere im Zusammenhang mit Hirntumoren, Schädel-Hirn-Verletzungen, neurochirurgischen Eingriffen, Eiteransammlungen im Gehirn oder bakterieller Hirnhautentzündung, eingesetzt.
Anwendungsgebiete von Cortison bei Hirntumoren
Die Hauptanwendungsgebiete von Cortison bei Hirntumoren umfassen:
- Reduktion von Hirnödemen: Hirntumore können zu Schwellungen im Gehirn führen, die als Hirnödeme bezeichnet werden. Cortison wirkt entzündungshemmend und reduziert die Flüssigkeitsansammlung im Gehirn, wodurch der Druck auf das umliegende Gewebe verringert wird.
- Linderung von Symptomen: Durch die Reduktion des Hirnödems können auch Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und neurologische Ausfälle gelindert werden.
- Unterstützung vor und nach Operationen: Cortison kann vor einer Operation eingesetzt werden, um das Hirnödem zu reduzieren und die Operationsbedingungen zu verbessern. Nach der Operation kann es helfen, Schwellungen zu kontrollieren und Komplikationen zu vermeiden.
- Begleittherapie bei Strahlentherapie: Cortison kann auch während der Strahlentherapie eingesetzt werden, um Entzündungen und Schwellungen im Gehirn zu reduzieren.
- Palliative Behandlung: Bei fortgeschrittenen Hirntumoren kann Cortison eingesetzt werden, um die Lebensqualität zu verbessern und Symptome zu lindern.
Dosierung von Cortison bei Hirntumoren
Die Dosierung von Cortison bei Hirntumoren ist individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:
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- Art und Größe des Tumors
- Ausmaß des Hirnödems
- Allgemeinzustand des Patienten
- Begleitende Erkrankungen
Dexamethason ist in Tabletten mit unterschiedlichen Wirkstoffmengen (0,5 mg, 2 mg, 4 mg und 8 mg) erhältlich. Die Dosierung wird vom behandelnden Arzt festgelegt. Bei einem akuten Hirnödem kann zunächst eine intravenöse Therapie mit Dexamethason erforderlich sein, gefolgt von der Einnahme von Tabletten. Die übliche Dosis liegt zwischen 4 und 16 Milligramm pro Tag, kann aber bei leichteren Verläufen auf 2 bis 8 Milligramm reduziert werden. Bei längerer Behandlungsdauer sollte das Medikament ausschleichend abgesetzt werden.
Eine Studie hat gezeigt, dass eine zu hohe Dosis von Dexamethason nach einer Hirnmetastasen-Operation die Überlebenschance der Betroffenen deutlich verschlechtern kann. Wer innerhalb von 27 Tagen nach der Operation mehr als 122 Milligramm Dexamethason erhielt, hatte eine statistisch signifikant kürzere Überlebenszeit - unabhängig von Tumorgröße, Nebenerkrankungen oder weiterer Behandlung.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Dosierung von Cortison immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen sollte. Selbstständige Änderungen der Dosierung können zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.
Ausschleichen von Cortison
Das abrupte Absetzen von Cortison, insbesondere nach längerer Anwendung, kann zu Entzugserscheinungen und einer Verschlimmerung der Grunderkrankung führen. Daher ist es wichtig, Cortison langsam auszuschleichen.
Das Ausschleichen sollte stufenweise erfolgen, wobei die Dosis in regelmäßigen Abständen reduziert wird. Die Geschwindigkeit, mit der die Dosis reduziert wird, hängt von der Dauer der Behandlung, der Höhe der Dosis und dem Ansprechen des Patienten ab. Bei Auftreten von Komplikationen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit sollten die Zeitintervalle zwischen den Dosisreduktionen verlängert oder die Dosis vorübergehend wieder erhöht werden.
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Ein Beispiel für ein langsames Ausschleichen von Dexamethason wäre, die Dosis alle 4-8 Wochen um 0,5 bis 1 mg zu reduzieren. Zum Schluss kann die Dosis über mehrere Wochen nur noch jeden zweiten Tag und dann jeden dritten Tag eingenommen werden.
Während des Ausschleichens ist es wichtig, den Patienten sorgfältig zu überwachen und auf Anzeichen einer Nebenniereninsuffizienz zu achten. Bei Bedarf kann eine unterstützende Behandlung mit Glycerin-Saft und Weihrauchpräparaten in Betracht gezogen werden.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Vor der Anwendung von Prednisolut oder Dexamethason sollten bestimmte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:
- Allergien: Das Medikament darf nicht angewendet werden, wenn eine Allergie gegen Prednisolon, Prednisolon-21-hydrogensuccinat, Dexamethason oder einen der sonstigen Bestandteile besteht.
- Sklerodermie: Bei Patienten mit Sklerodermie (systemische Sklerose) können tägliche Dosen von 15 mg oder mehr das Risiko einer sklerodermiebedingten renalen Krise erhöhen.
- Infektionen: Die Behandlung mit Glucocorticoiden kann das Risiko für bakterielle, virale, parasitäre, opportunistische sowie Pilzinfektionen erhöhen. Latente Infektionen wie Tuberkulose oder Hepatitis B können wieder aktiviert werden.
- Begleiterkrankungen: Bei Vorliegen von Magen-Darm-Geschwüren, Osteoporose, schwerer Herzschwäche, schwer einstellbarem Bluthochdruck, schwer einstellbarer Zuckerkrankheit oder psychiatrischen Erkrankungen ist eine gezielte Überwachung und Behandlung erforderlich.
- Darmwanddurchbruch: Wegen der Gefahr eines Darmwanddurchbruchs mit Bauchfellentzündung darf Prednisolut nur bei Vorliegen zwingender medizinischer Gründe und unter entsprechender Überwachung angewendet werden bei schwerer Dickdarmentzündung, entzündeten Darmwandausstülpungen oder unmittelbar nach bestimmten Darmoperationen.
- Sehnenbeschwerden: Das Risiko von Sehnenbeschwerden, Sehnenentzündung und von Sehnenabrissen ist erhöht, wenn Fluorchinolone (bestimmte Antibiotika) und Prednisolut zusammen verabreicht werden.
- Viruserkrankungen: Viruserkrankungen wie Windpocken oder Masern können bei Patienten, die mit Prednisolut behandelt werden, besonders schwer verlaufen.
- Impfungen: Impfungen mit Impfstoffen aus abgetöteten Krankheitserregern (Totimpfstoffe) sind grundsätzlich möglich. Es ist jedoch zu beachten, dass die Immunreaktion und damit der Impferfolg bei höheren Dosierungen von Prednisolut beeinträchtigt werden kann.
- Myasthenia gravis: Eine gleichzeitig bestehende Myasthenia gravis (bestimmte Form der Muskellähmung) kann sich anfangs unter der Behandlung mit Prednisolut verschlechtern.
- Kaliumzufuhr: Insbesondere bei länger dauernder Behandlung mit hohen Dosen von Prednisolut ist auf eine ausreichende Kaliumzufuhr (z. B. Gemüse, Bananen) und auf eine begrenzte Kochsalzzufuhr zu achten.
- Phäochromozytom-Krise: Bei einer Behandlung mit diesem Arzneimittel kann es zu einer sogenannten Phäochromozytom-Krise kommen, die tödlich verlaufen kann. Sprechen Sie unverzüglich mit Ihrem Arzt, wenn Sie eines dieser Zeichen bemerken. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor sie Prednisolut anwenden, wenn der Verdacht besteht oder bekannt ist, dass Sie ein Phäochromozytom (Tumor der Nebenniere) haben.
- Sehstörungen: Wenn bei Ihnen verschwommenes Sehen oder andere Sehstörungen auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt.
- Kinder und Jugendliche: In der Wachstumsphase von Kindern sollte das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Behandlung mit Prednisolut sorgfältig erwogen werden.
- Ältere Patienten: Da ältere Patienten ein erhöhtes Osteoporose-(Knochenschwund-)Risiko haben, sollte das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Behandlung mit Prednisolut sorgfältig erwogen werden.
- Doping: Die Anwendung von Prednisolut kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Cortison kann die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen und umgekehrt. Daher ist es wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren.
Einige wichtige Wechselwirkungen sind:
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- Verstärkung der Wirkung: Bestimmte weibliche Geschlechtshormone (z. B. "Pille") und Arzneimittel gegen HIV (Ritonavir, Cobicistat) können die Wirkung von Prednisolut verstärken.
- Abschwächung der Wirkung: Arzneimittel, die den Abbau in der Leber beschleunigen (z. B. Barbiturate, Phenytoin, Carbamazepin, Rifampicin), können die Wirkung von Prednisolut abschwächen.
- Beeinflussung anderer Arzneimittel: Prednisolut kann die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln, harntreibenden Mitteln, Abführmitteln, oralen Antidiabetika, Insulin, Antikoagulanzien, Salicylaten, Indometacin, Muskelrelaxanzien, Atropin, Anticholinergika, Praziquantel, Chloroquin, Hydroxychloroquin, Mefloquin, Somatropin, Protirelin und Ciclosporin beeinflussen.
- Erhöhtes Risiko: Die gleichzeitige Anwendung von ACE-Hemmern, Fluorchinolonen, Malaria- oder Rheuma-Medikamenten kann das Risiko für bestimmte Nebenwirkungen erhöhen.
Nebenwirkungen von Cortison
Cortison kann eine Vielzahl von Nebenwirkungen verursachen, die von der Dosis und der Dauer der Behandlung abhängen. Einige häufige Nebenwirkungen sind:
- Stoffwechselstörungen: Erhöhung des Blutzuckerspiegels, Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen im Gewebe
- Hautveränderungen: Akne, dünne Haut, Dehnungsstreifen, verzögerte Wundheilung
- Muskel- und Knochenabbau: Muskelschwäche, Osteoporose
- Psychische Veränderungen: Depressionen, Reizbarkeit, Euphorie, Schlafstörungen
- Erhöhtes Infektionsrisiko: Schwächung des Immunsystems
- Augenprobleme: Grauer Star, Grüner Star, verschwommenes Sehen
- Magen-Darm-Beschwerden: Magengeschwüre, Magen-Darm-Blutungen
- Herz-Kreislauf-Probleme: Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen
- Endokrine Störungen: Nebennierenrindeninsuffizienz, Cushing-Syndrom
- Tumorlyse-Syndrom: Bei Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen
Es ist wichtig, alle auftretenden Nebenwirkungen dem Arzt zu melden, damit er die Behandlung entsprechend anpassen kann.
Cortison in Schwangerschaft und Stillzeit
Während der Schwangerschaft sollte Cortison nur auf Anraten des Arztes angewendet werden. Bei einer Langzeitbehandlung mit Prednisolut während der Schwangerschaft sind Wachstumsstörungen des ungeborenen Kindes nicht auszuschließen. Wird Prednisolut am Ende der Schwangerschaft angewendet, kann beim Neugeborenen eine Rückbildung der Nebennierenrinde auftreten, die eine ausschleichende Ersatzbehandlung des Neugeborenen erforderlich machen kann.
Cortison geht in die Muttermilch über. Eine Schädigung des Säuglings bei kurzfristiger Gabe und bei Gabe von niedrigen Dosen ist bisher nicht bekannt geworden. Nehmen Sie Cortison nur auf ausdrückliche Anweisung Ihres Arztes ein, wenn Sie stillen. Sind höhere Dosen erforderlich, sollte abgestillt werden.
Strahlentherapie bei Hirntumoren
Neben der medikamentösen Behandlung mit Cortison spielt die Strahlentherapie eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Hirntumoren. Sie wird häufig nach der Operation eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen zu zerstören und das Wachstum des Tumors zu kontrollieren.
Prinzip der Strahlentherapie
Die Strahlentherapie nutzt hochenergetische Strahlen, um Tumorzellen zu schädigen und ihr Wachstum zu stoppen. Die Strahlung wirkt auf die DNA der Zellen und verhindert so die Zellteilung. Im Gegensatz zu Tumorzellen können sich gesunde Zellen in der Regel von den Auswirkungen der Strahlung erholen.
Ablauf der Strahlentherapie
Vor Beginn der Strahlentherapie erfolgt eine sorgfältige Planung, um das Bestrahlungsfeld optimal an den Tumor anzupassen und das umliegende gesunde Gewebe zu schonen. Moderne bildgebende Verfahren wie CT und MRT werden in die Planung integriert, um den Tumor exakt zu lokalisieren.
Die Bestrahlung selbst erfolgt in der Regel ambulant und wird über mehrere Wochen in kleinen Einzeldosen (Fraktionen) verabreicht. Dies ermöglicht es den gesunden Zellen, sich zwischen den Bestrahlungen zu erholen und reduziert das Risiko von Nebenwirkungen.
Arten der Strahlentherapie
Es gibt verschiedene Arten der Strahlentherapie, die je nach Art und Lage des Tumors eingesetzt werden können:
- Externe Strahlentherapie: Die Strahlung wird von außen auf den Tumor gerichtet.
- Stereotaktische Strahlentherapie: Eine hochpräzise Bestrahlung, die den Tumor gezielt mit einer hohen Dosis bestrahlt und das umliegende Gewebe maximal schont.
- Brachytherapie: Radioaktive Substanzen werden direkt in den Tumor oder in seine Nähe eingebracht.
- Ganzhirnbestrahlung: Das gesamte Gehirn wird bestrahlt, um Streuungen von Tumorzellen zu erfassen.
- Strahlentherapie der Neuroachse: Das Gehirn und der Rückenmarkkanal werden bestrahlt, um Tumorzellen zu erfassen, die sich über die Hirnwasserwege ausgebreitet haben.
Nebenwirkungen der Strahlentherapie
Die Strahlentherapie kann verschiedene Nebenwirkungen verursachen, die von der Dosis, der Lage des Bestrahlungsfeldes und dem Allgemeinzustand des Patienten abhängen. Einige häufige Nebenwirkungen sind:
- Müdigkeit
- Hautirritationen
- Haarausfall
- Übelkeit und Erbrechen
- Kopfschmerzen
- Gedächtnisprobleme
- Konzentrationsstörungen
Die meisten Nebenwirkungen sind vorübergehend und verschwinden nach Abschluss der Behandlung. Es gibt jedoch auch einige Spätfolgen, die erst Monate oder Jahre nach der Bestrahlung auftreten können.