Das DRK-Norddeutsche Epilepsiezentrum (NEZ) in Schwentinental-Raisdorf ist eine spezialisierte Klinik, die sich auf die Diagnostik und Therapie von Epilepsien im Kindes- und Jugendalter konzentriert. Es ist Teil der DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein e.V. und befindet sich auf einem weitläufigen, naturnahen Gelände.
Umfassende Versorgung für junge Patienten
Das NEZ behandelt Kinder und Jugendliche vom Säuglingsalter bis zum 18. Lebensjahr. Das Angebot umfasst sowohl stationäre als auch ambulante Versorgung. Das Zentrum ist Ansprechpartner bei:
- Schweren und therapieschwierigen Epilepsie-Verläufen
- Verdacht auf Epilepsie
- Diagnostischen Problemen (Abgrenzung epileptischer/nicht-epileptischer Ereignisse, nächtliche Anfälle)
- Nebenwirkungen oder Verdacht auf Nebenwirkungen der Therapie
- Problemen in der Krankheitsverarbeitung und psychosozialen Krankheitsfolgen
- Verhaltensproblemen oder psychiatrischen Ko-Morbiditäten (Aggressivität, Unruhe, Konzentrationsprobleme, Autismus, Depressionen)
- Problemen in Kindergarten, Schule oder Familie aufgrund der Epilepsie
- Fragen zu Förderung, Hilfsmittelversorgung, sozialrechtlichen Aspekten und Entlastungsmöglichkeiten
Das Ziel des Zentrums ist es, Anfallskontrolle zu erreichen, die Lebensqualität zu verbessern, Entlastung zu schaffen und Perspektiven zu geben. Die Maskottchen EPI und Lepsie begleiten die Patienten durch den Aufenthalt und erklären Abläufe kindgerecht.
Multidisziplinärer Ansatz
Ein multidisziplinäres Team betreut die Patienten nach einem ganzheitlichen Ansatz. Dieser Ansatz beinhaltet die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.
Diagnostik im NEZ
Die Klärung der Diagnose und die Klassifizierung von Anfallsformen und Epilepsiesyndromen sind die Voraussetzungen für die Erstellung von Therapiekonzepten. Dem NEZ steht die gesamte Bandbreite der Diagnostik zur Verfügung:
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- Aufzeichnung von Wach- und Schlaf-EEGs mit Video-Dokumentation
- Längere EEG-Ableitungen am Tag oder in der Nacht
- Anfallsbeobachtung durch geschultes Personal (Tag und Nacht mit Video-Überwachung)
- Laboruntersuchungen (Routineparameter, Liquordiagnostik, Stoffwechseluntersuchungen, Medikamentenserumkonzentrationen)
- Entwicklungsdiagnostik
- Kinder- und jugendpsychiatrische Mitbeurteilung (UKSH, Campus Kiel)
- Bildgebende Diagnostik (Institut für Neuroradiologie)
- Humangenetische Beratungen (Institut für Humangenetik)
- Sonstige konsiliarische Untersuchungen durch unterschiedliche Fachdisziplinen
- Epilepsiechirurgische Abklärungen (Video-EEG-Monitoring in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II - Neuropädiatrie und Sozialpädiatrie des UKSH, Campus Kiel)
- Sonstige konsiliarische Untersuchungen in Kooperation mit niedergelassenen Fachärzt*innen
Therapeutische Möglichkeiten
Das NEZ bietet alle Möglichkeiten der modernen Epilepsie-Therapie:
- Antiepileptika (inklusive aller neu zugelassenen Medikamente)
- Ketogene Diät und modifizierte Atkins-Diät
- Vagusnerv-Stimulation
- Evaluation für epilepsiechirurgische Therapien (in Kooperation mit der Klinik für Neuropädiatrie des UKSH, Campus Kiel)
Zusätzlich werden Verhaltensprobleme und psychiatrische Symptome in Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugendpsychiatern und dem psychologischen Team diagnostiziert und behandelt. Die Behandlung erfolgt entsprechend nationaler und internationaler Leitlinien. Das NEZ beteiligt sich an nationalen und internationalen Therapiestudien.
Stationäre Betreuung
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der stationären Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Epilepsien. Die Aufenthaltsdauer richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen und der Anfallssituation. Bei Erstvorstellung und besonderen Fragestellungen (Entwicklungsdiagnostik, Hilfsmittelversorgung, Schulprobleme) erfolgt eine "Komplexbehandlung" (ca. 10 Tage) mit medizinischer Betreuung, Diagnostik und Beratung durch verschiedene Disziplinen (Psychologie, Ergo- und Physiotherapie, Heilpädagogik, Sozial- und Sonderpädagogik). Bei Bedarf erfolgt eine Mitbeurteilung und -behandlung durch Kinder- und Jugendpsychiater*innen. Verlaufskontrollen umfassen in der Regel einen kurzen Aufenthalt (3 Tage) mit EEG, Anfallsbeobachtung und ärztlichen Gesprächen.
Für die stationäre Aufnahme sind eine Einweisung vom Kinderarzt und die Krankenversicherungskarte erforderlich. Bei Erstvorstellung sind relevante Krankenunterlagen, das gelbe Untersuchungsheft und MRT-Untersuchungen auf CD hilfreich.
Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)
Das Krankenhaus stellt dar, mit welchen Aspekten es sich bereits auseinandergesetzt bzw. welche Maßnahmen es konkret umgesetzt hat. Die folgenden Aspekte können, gegebenenfalls unter Verwendung von Freitextfeldern, dargestellt werden:
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- Aufnahme ins Krankenhaus, inklusive Anamnese ; Dargestellt werden können Instrumente und Maßnahmen zur Ermittlung der bisherigen Medikation (Arzneimittelanamnese), der anschließenden klinischen Bewertung und der Umstellung auf die im Krankenhaus verfügbare Medikation (Hausliste), sowie zur Dokumentation, sowohl der ursprünglichen Medikation der Patientin oder des Patienten als auch der für die Krankenhausbehandlung angepassten Medikation.
- Medikationsprozess im Krankenhaus Im vorliegenden Rahmen wird beispielhaft von folgenden Teilprozessen ausgegangen: Arzneimittelanamnese - Verordnung - Patienteninformation - Arzneimittelabgabe - Arzneimittelanwendung - Dokumentation - Therapieüberwachung - Ergebnisbewertung. Dargestellt werden können hierzu Instrumente und Maßnahmen zur sicheren Arzneimittelverordnung, z. B. bezüglich Leserlichkeit, Eindeutigkeit und Vollständigkeit der Dokumentation, aber auch bezüglich Anwendungsgebiet, Wirksamkeit, Nutzen-Risiko-Verhältnis, Verträglichkeit (inklusive potentieller Kontraindikationen, Wechselwirkungen u. Ä.) und Ressourcenabwägungen. Außerdem können Angaben zur Unterstützung einer zuverlässigen Arzneimittelbestellung, -abgabe und -anwendung bzw. -verabreichung gemacht werden.
- Entlassung Dargestellt werden können insbesondere die Maßnahmen der Krankenhäuser, die sicherstellen, dass eine strukturierte und sichere Weitergabe von Informationen zur Arzneimitteltherapie an weiterbehandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie die angemessene Ausstattung der Patientinnen und Patienten mit Arzneimittelinformationen, Medikationsplan und Medikamenten bzw. AMTS ist die Gesamtheit der Maßnahmen zur Gewährleistung eines optimalen Medikationsprozesses mit dem Ziel, Medikationsfehler und damit vermeidbare Risiken für Patientinnen und Patienten bei der Arzneimitteltherapie zu verringern.
Prävention von Gewalt und Missbrauch
Gemäß § 4 Absatz 2 der Qualitätsmanagement-Richtlinie haben Einrichtungen die Prävention von und Intervention bei Gewalt und Missbrauch als Teil des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements vorzusehen. Ziel ist es, Missbrauch und Gewalt insbesondere gegenüber vulnerablen Patientengruppen, wie beispielsweise Kindern und Jugendlichen oder hilfsbedürftigen Personen, vorzubeugen, zu erkennen, adäquat darauf zu reagieren und auch innerhalb der Einrichtung zu verhindern. Das jeweilige Vorgehen wird an Einrichtungsgröße, Leistungsspektrum und den Patientinnen und Patienten ausgerichtet, um so passgenaue Lösungen zur Sensibilisierung der Teams sowie weitere geeignete vorbeugende und intervenierende Maßnahmen festzulegen. Dies können u. a. Gemäß § 4 Absatz 2 in Verbindung mit Teil B Abschnitt I § 1 der Qualitätsmanagement-Richtlinie haben sich Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche versorgen, gezielt mit der Prävention von und Intervention bei (sexueller) Gewalt und Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen zu befassen (Risiko- und Gefährdungsanalyse) und - der Größe und Organisationsform der Einrichtung entsprechend - konkrete Schritte und Maßnahmen abzuleiten (Schutzkonzept). Vorhandensein adressatengerechter und themenspezifischer Informationsmaterialien für Patientinnen und Patienten zur ATMS z. B. Elektronische Unterstützung des Aufnahme- und Anamnese-Prozesses (z. B.
Weitere Einrichtungen am Standort Raisdorf
Auf dem Gelände des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein e.V. in Raisdorf befinden sich neben dem NEZ weitere Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene:
- DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf: Ermöglicht 90 Kindern und Jugendlichen mit schwersten Körper- und Mehrfachbehinderungen den Schulbesuch im angegliederten „Landesförderzentrum körperliche und motorische Entwicklung Schwentinental“ durch ein einzigartiges Konzept von Wohnen, Betreuung und Therapie an 365 Tagen im Jahr. Das Zentrum steht auch jungen Erwachsenen offen, die eine andere Schule besuchen bzw.
- DRK-Christof-Husen-Haus: Eine Wohnstätte für junge Erwachsene mit schwersten körperlichen Behinderungen, die hier barrierefreien Wohnraum sowie individuelle Betreuung und Förderpflege erhalten.
Ärztliche Versorgung
Das DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf kooperiert mit verschiedenen Ärzten:
- Hausärzte:
- Dr. med. Alexander Baumgarten-Walczak (Kinder- und Jugendarzt)
- Dr. med. Markus Sauerwald (Allgemeinmedizin)
- Fachärzte:
- Dr. med. Volker Diedrichs (Orthopädie und Unfallchirurgie, Kinderorthopädie)
- PD Dr. med. Sarah von Spiczak (Neuropädiaterin, Leiterin des DRK-Norddeutschen Epilepsiezentrums)
- Dr. med. Michael Corzillius (Anästhesiologie/Intensivmedizin, Leiter des Rettungsdienstes der Berufsfeuerwehr Kiel, außerklinische Beatmung)
Zusätzlich bestehen gute Kontakte zu Fachärzt*innen für Zahnheilkunde, Kieferorthopädie und -chirurgie, Innere Medizin.
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