Einführung
Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch das Absterben von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl die genauen Ursachen für dieses Absterben noch nicht vollständig geklärt sind, spielen genetische Faktoren, Umweltfaktoren und altersbedingte Veränderungen eine Rolle. Interessanterweise gibt es auch Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Parkinson und bestimmten Krebsarten, insbesondere dem malignen Melanom.
Parkinson und Krebs: Ein komplexes Zusammenspiel
Es wurde beobachtet, dass Menschen, die an Parkinson erkranken, seltener an anderen bösartigen Tumoren erkranken, mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Das Risiko für Schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) ist bei Parkinson-Patienten um mehr als das Zweifache erhöht. Dieser Zusammenhang deutet auf eine komplexe molekulare Verbindung zwischen den beiden Erkrankungen hin.
Molekulare Verbindungen zwischen Parkinson und Melanom
Forscher haben sich auf die Suche nach den molekularen Verbindungen zwischen Parkinson und Melanom gemacht und dabei einige interessante Entdeckungen gemacht. Ein vielversprechender Kandidat ist das Protein alpha-Synuclein, das in der frühen Phase der Parkinson-Erkrankung zu Oligomeren zusammenlagert, die auf Dopamin-produzierende Nervenzellen toxisch wirken. Interessanterweise wurden solche alpha-Synuclein-Oligomere auch in Melanomzellen nachgewiesen.
Die Substanz Anle138b, die von Forscherteams entwickelt wurde, hemmt die Bildung von alpha-Synuclein-Oligomeren und hat in Tests an Mäusen das Fortschreiten der Proteinablagerungen und der Nervenzellschädigung verzögert. Auf Melanomzellen wirkt Anle138b zerstörerisch, indem es die ungehemmte Vermehrung der Krebszellen verhindert und ihren Zelltod auslöst. Dies deutet darauf hin, dass alpha-Synuclein im Schwarzen Hautkrebs in fortgeschrittenen Stadien ein wichtiger Regler für die Autophagie ist, einem zellulären Recyclingprozess, von dem aggressive Melanomzellen stark abhängig sind.
Die Rolle von Alpha-Synuclein im Darm
Neue wissenschaftliche Beweise deuten darauf hin, dass sich das giftige Protein Alpha-Synuclein bereits in den Neuronen des Darms ansammelt, noch bevor es zur Beeinträchtigung der Neuronen im Gehirn kommt. Eine Ansammlung von zerstörerischem Alpha-Synuclein, den sogenannten Lewy-Körperchen, wurde bei Autopsien auch in der Wand des Magen-Darm-Traktes von Patienten mit einer frühen Parkinson-Erkrankung nachgewiesen. Da die Neuronen im Darm regelmäßig mit den Neuronen im Gehirn kommunizieren, könnte die Ausbreitung von Alpha-Synuclein im Darm eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Parkinson-Krankheit spielen.
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Parkinson-Syndrome und ihre Ursachen
Das Parkinson-Syndrom umfasst vier Gruppen, die die typischen Symptome wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit und Zittern gemeinsam haben, auch wenn die Ursachen des jeweiligen Parkinson-Syndroms unterschiedlich sein können. Man unterscheidet zwischen:
- Idiopathisches oder primäres Parkinson-Syndrom
- Genetisch bedingtes Parkinson-Syndrom
- Atypisches Parkinson-Syndrom
- Symptomatisches oder sekundäres Parkinson-Syndrom
Symptomatisches Parkinson-Syndrom durch Tumore
Das symptomatische Parkinson-Syndrom kann verschiedene Ursachen haben, darunter Hirndurchblutungsprobleme, Vergiftungen, Traumata sowie stoffwechselbedingte Krankheiten. In seltenen Fällen können auch Hirntumore ein Parkinson-Syndrom auslösen. Die genauen Mechanismen, wie Tumore zu Parkinson-Symptomen führen können, sind noch nicht vollständig verstanden, aber es wird vermutet, dass sie durch die Schädigung oder Kompression von Hirnstrukturen, die für die Bewegungssteuerung wichtig sind, verursacht werden.
Diagnose und Differentialdiagnose
Die Diagnose eines Parkinson-Syndroms erfolgt in der Regel durch eine ausführliche Krankengeschichte und eine körperlich-neurologische Untersuchung. Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die zu ähnlichen Symptomen führen können, jedoch kein „echtes“ (idiopathisches) Parkinson-Syndrom darstellen. Man spricht dann von einem sekundären oder symptomatischen Parkinson-Syndrom.
Apparative Zusatzdiagnostik
Apparative Zusatzdiagnostik dient im Wesentlichen dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Der DAT-Scan ist ein Verfahren, bei dem die Dopamin-Transportermoleküle dargestellt werden, um den Morbus Parkinson von anderen Parkinsonsymptomen zu differenzieren. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein hochauflösendes bildgebendes Verfahren, das detaillierte Darstellungen der Gehirnstrukturen ermöglicht und andere Krankheitsbilder ausschließen kann, die ebenso zu Bewegungsstörungen führen.
Therapie
Die Parkinson-Krankheit ist bisher nicht heilbar. Dennoch lässt sie sich gut mit Medikamenten wie Levodopa behandeln, welche die Erkrankung zwar nicht verlangsamen, doch ihre Symptome lindern. Ein chirurgischer Eingriff am Gehirn, die sogenannte Tiefe Hirnstimulation, wird ebenfalls zur Behandlung der Krankheit eingesetzt.
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Medikamentöse Therapie
Zu den wirksamsten Medikamenten bei Parkinson gehört Levodopa. Nimmt der Körper das Medikament in die Nervenzellen auf, kann es Dopamin daraus herstellen. Dopamin-Agonisten sind dem Dopamin chemisch ähnliche Moleküle, die wie der natürliche Botenstoff wirken. Zur Unterstützung von Levodopa und Reduzierung seiner Nebenwirkungen werden COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer verwendet.
Konservative Maßnahmen
Mittels Physiotherapie werden die Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und die Stabilität des Körpers gefördert. Die Sprechtherapie dient der Verbesserung der Sprechstörung. Dabei werden die Muskeln für die Lautstärke der Stimme, die Atemtechnik und eine klare Aussprache trainiert. Bei der Ergotherapie üben an Parkinson Erkrankte Alltagsbewegungen und -tätigkeiten.
Botulinumtoxintherapie
Die Botulinumtoxintherapie kann in einigen Fällen hilfreich sein, wenn beispielsweise Dystonien (Bewegungsstörungen) oder eine übermäßige Speichelproduktion besteht.
Parkinson im Frühstadium
Die Parkinsonerkrankung stellt eine klinische Herausforderung dar und infolge der zum Teil atypischen Frühsymptome werden manche Patienten zunächst nicht behandelt. Die Zellen der Substantia nigra, die den Botenstoff Dopamin produzieren, sind sogar erst in einem verhältnismäßig späten Erkrankungsstadium betroffen.
Fragebogen zur Früherkennung der Parkinsonerkrankung
Ein Fragebogen zur Früherkennung der Parkinsonerkrankung kann folgende Fragen beinhalten:
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- Kommt es vor, dass die Hand zittert, obwohl sie entspannt aufliegt?
- Ist ein Arm angewinkelt und schwingt beim Gehen nicht mit?
- Hat der Patient eine vornüber gebeugte Haltung?
- Leicht schlurfender Gang oder Bein nachgezogen?
- Ist der Gang kleinschrittig und kommt es häufig vor, dass der Patient stolpert?
- Leidet der Patient an Antriebs- und Initiativmangel?
- Klagt der Patient häufig über Rückenschmerzen im Nacken-Schulterbereich?
- Hat der Patient bemerkt, sich von Freunden und Angehörigen zurückzuziehen, meidet Kontakte?
- Bemerken Sie Veränderungen in der Stimme, ist sie monotoner und leiser als früher?
- Hat der Patient eine Verkleinerung seiner Schrift bemerkt?
Wenn mehr als drei Fragen mit „ja” beantwortet werden, könnte die betroffene Person erste Anzeichen der Erkrankung aufweisen.
Die Rolle der Kernkörperchen bei Parkinson
Wissenschaftler haben entdeckt, dass die Zerstörung von Kernkörperchen, den Proteinfabriken der Zelle, auch bei der Parkinson-Krankheit eine Rolle spielt. Defekte Kernkörperchen bewirken oxidativen Stress in der Zelle, was massive Zellschäden auslösen und eine wichtige Voraussetzung für die typischen Nervenschäden bei Parkinson darstellen kann.