Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne, ihre Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und präventiven Maßnahmen.
Was ist Migräne?
Migräne ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken, die zwischen 4 und 72 Stunden andauern können. Die Schmerzen sind oft einseitig, pochend oder pulsierend und werden durch körperliche Aktivität verstärkt. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit.
Migräne mit Aura: Was ist das?
Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten erleben Aura-Symptome. Eine Migräne-Aura ist eine vorübergehende neurologische Funktionsstörung, die während eines Migräne-Anfalls, aber auch ohne Kopfschmerzen auftreten kann. Typische Symptome sind Sehstörungen in Form von Flimmersehen, das sich als Blitze, Punkte, Zacken- oder wellenförmige Bewegungen äußert. Es kann auch zu fleckförmigen Ausfällen des Gesichtsfeldes kommen. Seltener treten Sprachstörungen, Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen einer Körperhälfte auf. Eine Aura dauert typischerweise 5 bis 60 Minuten.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Entzündliche Prozesse an den Blutgefäßen des Gehirns könnten ebenfalls beteiligt sein.
Viele Patienten kennen spezifische Auslöser, sogenannte Trigger, die bei ihnen einen Migräne-Anfall auslösen können. Zu den häufigsten Triggern gehören:
Lesen Sie auch: Tiefer Einblick in die Alzheimer-Forschung
- Unregelmäßiger Schlaf
- Längere Phasen ohne ausreichend Essen und Trinken
- Stress
- Starke psychische oder körperliche Belastungen
- Bestimmte Reize wie Flackerlicht oder schlechte Luft
- Alkohol, z.B. Rotwein
- Bestimmte Nahrungsmittel
Es lohnt sich, individuelle Trigger zu identifizieren und zu vermeiden. Ein Migräne-Tagebuch kann dabei helfen.
Diagnose von Migräne
Die Diagnose von Migräne basiert in der Regel auf einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung. Der Arzt wird Fragen zu Art, Dauer, Lokalisation und Intensität der Kopfschmerzen stellen. Auch Begleitsymptome und mögliche Auslöser sind wichtige Informationen. In manchen Fällen kann ein Kopfschmerztagebuch hilfreich sein, um die Diagnose zu sichern.
Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren. Es gibt sowohl akute als auch vorbeugende Behandlungsstrategien.
Akutbehandlung
Leichte Migräne-Anfälle können oft mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin behandelt werden. Bei stärkeren Anfällen können spezielle Migränemittel, sogenannte Triptane, eingesetzt werden. Triptane wirken, indem sie die Botenstoffe hemmen, die während der Migräne-Attacke freigesetzt werden. Bei einer Migräne mit Aura sollten Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden.
Vorbeugende Behandlung
Eine vorbeugende Behandlung ist sinnvoll, wenn Migräneanfälle häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Vorbeugung eingesetzt werden können, darunter Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika. Seit einigen Jahren gibt es auch eine neue Behandlung mit Antikörpern gegen den Botenstoff CGRP.
Lesen Sie auch: Akzeptanz und Hoffnung im Angesicht von Parkinson: Michael J. Fox
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Vorbeugung beitragen, wie z.B.:
- Regelmäßiger Ausdauersport
- Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training
- Psychologische Verfahren wie Verhaltenstherapie
Was tun bei einem Status migraenosus?
Ein Status migraenosus liegt vor, wenn eine Migräneattacke länger als 72 Stunden anhält. In dieser Situation ist es wichtig, die Einnahme von Schmerzmitteln und Triptanen zu reduzieren oder ganz zu vermeiden, da diese die Attacke verlängern können. Stattdessen können Medikamente gegen Übelkeit helfen. In manchen Fällen kann auch die Gabe von Kortison sinnvoll sein, um die Entzündung an den Blutgefäßen der Hirnhäute zu blockieren.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprophylaxe
Neben Medikamenten gibt es verschiedene Verhaltensweisen und nicht-medikamentöse Maßnahmen, die einer Migräne mit Aura wirksam vorbeugen können:
- Regelmäßiger Ausdauersport: Joggen, Schwimmen und Radfahren können die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
- Entspannungstechniken: Yoga, progressive Muskelrelaxation und autogenes Training helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern.
- Biofeedback-Techniken: DieseTechniken zielen darauf ab, unbewusst ablaufende Körpervorgänge aktiv zu beeinflussen.
- Psychologische Verfahren: Verhaltenstherapeutische Verfahren können insbesondere bei Depressionen oder Angststörungen hilfreich sein.
Migräne und der Alltag
Migräne kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Viele sind während eines Anfalls nicht in der Lage, ihren Beruf auszuüben oder ihren normalen Aktivitäten nachzugehen. Es ist wichtig, Strategien zu entwickeln, um mit den Einschränkungen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, negative Denkmuster zu erkennen und ungünstige Verhaltensweisen zu verändern. Auch Entspannungsverfahren können dazu beitragen, besser mit der Situation umzugehen.
Lesen Sie auch: Wie die Demenz Bruce Willis' Leben und Karriere veränderte
Unterstützung finden
In Deutschland gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote für Menschen mit Migräne, wie z.B. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Auch digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können eine sinnvolle Ergänzung zur herkömmlichen Behandlung sein.
Migräne verstehen: Die Phasen einer Attacke
Eine Migräneattacke besteht nicht nur aus der Kopfschmerzphase. Viele Betroffene erleben verschiedene Phasen mit unterschiedlichen Symptomen:
- Prodromalphase: Diese Phase kündigt sich Stunden oder Tage vor der eigentlichen Attacke an. Typische Symptome sind Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Heißhunger, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und Nackenverspannungen.
- Auraphase: Diese Phase tritt bei etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen auf und ist durch neurologische Symptome wie Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachprobleme gekennzeichnet.
- Kopfschmerzphase: Diese Phase ist durch einseitige, pochende oder pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet, die von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können.
- Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Symptome langsam nach. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend.
- Erholungsphase: Diese Phase kann einige Stunden bis Tage dauern. Viele Betroffene fühlen sich müde, erschöpft und können sich nur schwer konzentrieren.
Migräne bei Kindern
Auch Kinder können von Migräne betroffen sein. Bei ihnen können die migränetypischen Kopfschmerzen mitunter fehlen.
Menstruelle Migräne
Etwa sieben Prozent der Migränepatientinnen leiden unter menstrueller Migräne. Dabei treten die Migräneschübe während der Regelblutung oft länger und stärker auf.
Vestibuläre Migräne
Bei einer vestibulären Migräne leiden Patienten unter Schwindelattacken, die oft mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sind.