Drogenkonsum und sein möglicher Zusammenhang mit Hirntumoren und anderen Krebsarten

Ein bösartiger Tumor, oft als Krebs bezeichnet, entsteht durch unkontrollierte Zellteilung. Normalerweise "weiß" jede Zelle im Körper, wo sie hingehört. Wenn sich Körperzellen jedoch unkontrolliert vermehren und nicht mehr wissen, wann sie aufhören sollen, entwickeln sie sich zu Tumorzellen. Meistens ist beschädigtes Erbgut die Ursache für Krebs, aber auch ein ungesunder Lebensstil kann das Krebsrisiko beeinflussen.

Kokainkonsum und Kopf-Hals-Tumore

Es gibt Hinweise darauf, dass der Konsum von Kokain das Risiko für Kopf-Hals-Tumore erhöhen kann. Dies betrifft Krebserkrankungen der Mundhöhle, des Rachens, des Kehlkopfes oder der Nase.

Eine Studie hat die Daten von 1.639 Personen mit Kopf-Hals-Tumoren analysiert und sie mit 2.506 Kontrollpersonen verglichen, die nicht an Krebs erkrankt waren. Die Ergebnisse deuten auf einen schwachen bis mittelstarken Zusammenhang zwischen Kokainkonsum und Kopf-Hals-Tumoren hin. Bei häufigem Konsum war das Risiko tendenziell höher, selbst unter Berücksichtigung des schädlichen Einflusses von Tabak und Alkohol. Es konnte jedoch kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden, wenn die Person weder rauchte noch Alkohol trank.

Die Forschenden schlossen daraus, dass Kokainkonsum das Krebsrisiko durch Alkohol und Tabak nochmals erhöht. Es ist jedoch unklar, ob das erhöhte Krebsrisiko durch Kokain selbst verursacht wird oder erst durch die Kombination von Kokain mit Alkohol und Tabak. Eine direkte Wirkung sei zumindest denkbar.

Drogenkonsum und Schlaganfallrisiko bei jungen Menschen

Zum Internationalen Anti-Drogen-Tag wurde vor der Schlaganfallgefahr für junge Menschen durch Drogenkonsum gewarnt. Schlaganfälle mit Hirnblutungen bei unter 45-Jährigen sind häufig auf den Konsum von Drogen, insbesondere Methamphetaminen (Chrystal Meth), zurückzuführen. Methamphetamine können die Wand der Blutgefäße im Gehirn direkt schädigen, was das Risiko einer schweren Hirnblutung erhöht. Die Anzahl junger Schlaganfallpatienten hat in den letzten Jahren zugenommen.

Lesen Sie auch: Epilepsie: Auswirkungen von Drogen

Es ist wichtig, auf die Anzeichen eines Schlaganfalls zu achten, wie Sprach- und Verständnisstörungen, plötzliche starke Kopfschmerzen und Lähmungserscheinungen. Jeder Schlaganfall kann das Leben grundlegend verändern.

Kokain und Veränderungen im Gehirn

Chronischer Kokainkonsum kann langfristig die Hirnstruktur verändern. Diese Sucht wird regelrecht in das Gehirn eingraviert. Eine verstärkte exzitatorische Aktivität im Nucleus Accumbens bei Süchtigen ist ein Beispiel hierfür. Der Mechanismus dieser Veränderung ist noch nicht vollständig bekannt.

Forschungen haben gezeigt, dass Kokain die Ausschüttung des Entzündungsmediators Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) im Gehirn aktiviert. TNF-α löste im Striatum eine Reduktion sogenannter AMPA-Rezeptoren aus. Diese Reduktion schützt Konsumenten vor einer psychischen Sensibilisierung für die Droge und verhindert so eine chronische Abhängigkeit. Nach lang andauernder Substanzeinnahme nimmt die Ausschüttung von TNF-α jedoch ab.

Forscher suchen nach Wegen, die Ausschüttung wieder zu erhöhen, um eine Therapiemöglichkeit zu finden, welche die Gefahr eines Rückfalls verringert.

Cannabis und Kopf-Hals-Tumore

Beim Kiffen wird Cannabis meist im Joint verbrannt, wobei ähnlich wie beim Tabakrauchen krebserregende Schadstoffe entstehen. Eine Analyse von medizinischen Daten von rund 4 Millionen Menschen ergab, dass Personen mit einer Cannabisabhängigkeit ein 3,5-fach höheres Risiko hatten, an einem Kopf-Hals-Tumor zu erkranken als Personen ohne Cannabisdiagnose.

Lesen Sie auch: MS und Suchtmittel: Was Sie wissen sollten

Eine mögliche Erklärung ist die Art des Konsums, da Cannabis zumeist geraucht und typischerweise ohne Filter und tiefer als beim Zigarettenrauchen inhaliert wird. Es ist wichtig zu beachten, dass die Studie lediglich einen statistischen Zusammenhang zeigt, aber keinen Beweis für eine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Die Personen der Cannabisgruppe waren vermutlich intensiv Konsumierende, da sie eine diagnostizierte Cannabisabhängigkeit hatten.

Für regelmäßig Konsumierende könnten Empfehlungen zur Reduzierung der Risiken des Cannabiskonsums relevant sein, wie beispielsweise die Verwendung von Vaporisatoren anstelle des Rauchens. Im Vaporisator wird Cannabis nicht verbrannt, sondern bei niedrigeren Temperaturen erhitzt, bis er verdampft.

Hirntumoren: Allgemeine Informationen

In den westlichen Industrieländern tritt ein Hirntumor neu bei einem von 10.000 Einwohnern auf. Damit zählen Gehirntumoren zu den seltenen Tumorerkrankungen. Sowohl Erwachsene als auch Kinder können betroffen sein. Risikogruppen lassen sich nicht benennen, da auslösende Faktoren nicht bekannt sind. Risiken und Lebensgewohnheiten, wie Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum, spielen offensichtlich keine Rolle. Auch Umwelteinflüsse, Stress oder außergewöhnliche seelische Belastungen scheinen die Entwicklung eines Hirntumors nicht zu begünstigen. Ein Hirntumor bleibt dem Betroffenen manchmal längere Zeit verborgen, da er zunächst oft keinerlei Beschwerden verursacht.

Symptome können Krampfanfälle oder Kopfschmerzen sein, die im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer heftiger werden und sich mit herkömmlichen Schmerzmitteln nur zeitweise oder gar nicht bekämpfen lassen. Da bis auf Patienten mit sehr seltenen Erberkrankungen keine Risikogruppen benannt werden können, gibt es keine Empfehlungen zur Vorbeugung eines Hirntumors. Früherkennungsprogramme gibt es ebenfalls nicht.

Zur Diagnose stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, wie die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie (MRT). Die MRT hat im letzten Jahrzehnt die Computertomographie in der Diagnostik von Hirntumoren verdrängt, da sie Unregelmäßigkeiten im Gehirn noch detaillierter sichtbar macht.

Lesen Sie auch: Suchtentwicklung durch Neurotransmitter

Medizinische Anwendung von Cannabis bei Krebs

Eine medizinische Anwendung von Cannabis bei Krebs ist in Deutschland erlaubt, wenn es keine andere medizinisch anerkannte Behandlung gibt oder die Standardbehandlung aufgrund von Nebenwirkungen nicht geeignet ist und eine realistische Chance besteht, dass der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst oder schwerwiegende Symptome gelindert werden können.

Cannabis-basierte Medikamente gibt es vor allem als Lösung zum Einnehmen und in Kapselform. Studien haben gezeigt, dass Cannabinoide Chemotherapie-verursachtes Erbrechen und Übelkeit wirksam lindern können, insbesondere bei Patientinnen und Patienten, bei denen die üblichen Medikamente nicht ausreichend gut wirksam waren. Fachleute empfehlen Cannabinoide vor allem dann, wenn gängige Standardtherapien gegen Übelkeit und Erbrechen nicht ausreichend gut wirken - entweder als "Reservemittel" oder als Ergänzung zur Standardtherapie.

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Cannabinoide bei Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung und starker Appetitlosigkeit oder Geschmacksstörungen helfen.

Eine medizinische Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden kann Nebenwirkungen verursachen. Das Tetrahydrocannabinol (THC) im Cannabis hat vor allem psychoaktive Effekte: es wirkt berauschend, kann zu Stimmungsschwankungen und Konzentrationsstörungen führen, aber auch Gefühle von Angst und Paranoia auslösen. Bekannte Nebenwirkungen sind beispielsweise auch Blutdruckabfälle, Schwindel, Herzrasen, Mundtrockenheit und trockene Augen. Der Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) gilt im Allgemeinen als gut verträglich: CBD ist im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Gewichtsveränderungen und veränderter Appetit. Wer THC-haltiges Cannabis über einen langen Zeitraum einnimmt, wird unempfindlich gegenüber seinen Wirkungen. Setzen Patienten Cannabis dann plötzlich ab, kann es zu Entzugserscheinungen kommen.

Seit April unterliegt die Verordnung von Cannabisarzneimitteln nicht länger dem Betäubungsmittelgesetz. Ärzte können medizinisches Cannabis nun über ein "normales" elektronisches Rezept verordnen. Bevor Versicherte Cannabisarzneimittel das erste Mal erhalten, müssen sie eine Genehmigung bei der Krankenkasse beantragen.

Kokain und beschleunigte Hirnalterung

Kokain begünstigt Schlaganfälle und lässt das Gehirn schneller altern. Die Droge stößt Abbauprozesse an, die sonst bei Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson gesehen werden. Der Konsum von Kokain kann das Risiko für Hirnblutungen und Schlaganfällen verfünffachen. Bei Suchtkranken wurde ein ausgedehnter Schwund an Nervenzellen in bestimmten Hirnbereichen festgestellt. Der Schwund an Nervenzellen geht doppelt so schnell vonstatten wie bei gesunden Menschen. Langzeit-Kokain-Abhängige zeigen Einschränkungen bei der Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Reaktionszeit.

Kokain manipuliert das Gehirn, erhöht die Konzentration bestimmter Botenstoffe im Gehirn, zum Beispiel Dopamin, und befeuert so das Belohnungszentrum, was zunächst Wohlbefinden auslöst. Gleichzeitig nehme die Bedeutung anderer Dinge wie Partnerschaft, Freundschaften, Hobbys oder Beruf ab.

Kokain beschleunigt den Alterungsprozess des Gehirns, indem es die Hirnstruktur verändert. Festgestellt wurde bei den Suchtkranken eine ausgedehnte Atrophie der grauen Substanz in den Bereichen Temporallappen, Frontallappen, Insula und limbischer Lappen.

Methadon und Cannabis in der Krebsbehandlung: Aktuelle Forschung

Methadon hemmt das Wachstum von Leukämiezellen und kann die Wirkung einer herkömmlichen Chemotherapie bei bösartigem Hirntumor erhöhen. Allerdings basieren diese Erkenntnisse auf Untersuchungen an Zellen im Reagenzglas. Eine Studie an Patienten mit bösartigen Hirntumoren sollte die Sicherheit der Substanz zeigen, aber eine Wirksamkeit auf die Hirntumore konnte nicht seriös abgeleitet werden. Die Wirkdauer von Methadon ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, und bei unkritischer Anwendung sind Überdosierungen zu erwarten, die bis zum Tod des Patienten führen können.

Auch für Cannabis wurden Wirkungen gegen Krebs beschrieben. An Nacktmäusen wurde eine Verminderung des Tumorwachstums nachgewiesen. Am Menschen haben bislang nur wenige Untersuchungen stattgefunden. Die Ergebnisse: Bei Patienten, die THC zu sich nahmen, kam es zu einer Unterdrückung des Immunsystems. Auswirkungen auf den bösartigen Hirntumor haben sich nicht ergeben. Im Vergleich zu „normalen“ Mitteln gegen Übelkeit und Erbrechen zeigen THC und Cannabidiol keine wesentlichen Unterschiede, auch die Appetitsteigerung ist nicht besser als beim Einsatz von etablierten Medikamenten. Jedoch berichten mehr Patienten, die Cannabis-Präparaten zu sich nehmen, über Müdigkeit, Hochstimmung, Halluzinationen und Schwindel. Die krebshemmende Wirkung von Cannabis ist fraglich, aber Cannabis kann die Übelkeit hemmen und den Appetit steigern. Voraussetzung ist entsprechende Vorsicht, wenn eine ausreichende Kontrolle mit etablierten Substanzen nicht möglich ist.

tags: #drogenkonsum #und #hirntumor