Fussödeme: Ursachen, Behandlung und die Rolle von Nervenschäden

Muskelschwäche, Lähmungen, eine Abnahme der Muskelmasse und Muskelschmerzen können auf eine Erkrankung der Muskulatur hinweisen. Es ist jedoch auch möglich, dass nicht die Muskeln selbst betroffen sind, sondern die Signalübertragung von den Nerven zu den Muskeln eingeschränkt ist, wie beispielsweise bei der Myasthenia gravis. Erkrankungen der Muskulatur sind insgesamt häufig, wobei jede einzelne Erkrankung vergleichsweise selten auftritt. Daher erfordert die Diagnostik und Behandlung von Muskelkrankheiten besondere Erfahrung und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Entscheidend für die Therapie von Muskelerkrankungen ist es, behandelbare Ursachen zu identifizieren. Dazu gehören Entzündungen durch immunologische Prozesse und Erreger, bestimmte Stoffwechselerkrankungen sowie die Identifizierung möglicher Schadstoffe, wie beispielsweise Medikamente, die die Muskulatur angreifen.

Polyneuropathie: Eine Schädigung des peripheren Nervensystems

Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der das periphere Nervensystem außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks geschädigt ist. Die Nerven steuern die Muskeltätigkeit, übertragen Körpergefühle und Wahrnehmungen auf der Haut und beeinflussen die Funktion der inneren Organe. Bei einer Polyneuropathie ist die Reizweiterleitung der Nerven gestört, was dazu führt, dass Reize nicht, zu stark oder abgeschwächt an das Gehirn weitergeleitet werden. Kommandos vom Gehirn erreichen die Muskeln und inneren Organe nicht mehr zuverlässig.

Es gibt zwei Hauptformen der Schädigung:

  • Demyelinisierende Polyneuropathie: Die Isolation um die Nervenfasern herum zerfällt, wodurch die elektrischen Impulse nicht mehr richtig weitergeleitet werden.
  • Axonale Polyneuropathie: Die Nervenfaser selbst geht kaputt.

Beide Formen können auch in Kombination auftreten. In den meisten Fällen liegt einer Polyneuropathie eine Stoffwechselerkrankung zugrunde. Sie tritt selten allein auf, beispielsweise als Erbkrankheit. Es gibt mehr als 2.000 Auslöser für eine Polyneuropathie, wobei Diabetes und Alkoholmissbrauch die häufigsten Ursachen sind. Weitere häufigere Ursachen sind:

  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Medikamente gegen Krebs
  • Vitaminmangel (Vitamin B12) nach Magenoperationen
  • Infektionen (z.B. HIV, Borreliose, Diphtherie, Pfeiffersches Drüsenfieber)

Sind die Nerven selbst entzündet, spricht man von Polyneuritis. Eine besonders rasch auftretende Polyneuritis ist das Guillain-Barré-Syndrom (GBS). In etwa 20 Prozent der Fälle kann keine eindeutige Ursache festgestellt werden.

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Symptome der Polyneuropathie

Die Symptome einer Polyneuropathie können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind. Mediziner unterscheiden sensible, motorische und autonome Polyneuropathien. Es ist auch möglich, dass mehrere Formen gleichzeitig auftreten. Die Polyneuropathie kann akut, sich schnell verschlechternd oder chronisch verlaufen.

Sensible Symptome

Sensible Nerven übertragen Informationen von der Haut zum Gehirn. Beeinträchtigungen können zu Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Stechen, Taubheitsgefühlen, Schwellungsgefühlen, Druckgefühlen, Gangunsicherheit und fehlerhaftem Temperaturempfinden führen. Die Symptome beginnen meist an den Füßen, später an den Händen und steigen dann langsam auf, Richtung Körpermitte.

Motorische Symptome

Motorische Nerven beeinflussen die Muskulatur. Zu den Symptomen gehören Muskelzucken, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche und Muskelschwund.

Autonome Symptome

Autonome Nerven beeinflussen die Funktion der Organe wie Herz, Lunge, Magen, Darm, Blase und Geschlechtsorgane. Mögliche Symptome sind Herzrhythmusstörungen, Blähgefühl, Appetitlosigkeit, Aufstoßen, Durchfall, Verstopfung, Urininkontinenz, Stuhlinkontinenz, Impotenz, gestörtes Schwitzen, schlechte Kreislaufregulation mit Schwindel beim Aufstehen und Schwellungen von Füßen und Händen (Wassereinlagerungen).

Diabetische Polyneuropathie

Bei den meisten Diabetikern besteht in Folge des Diabetes eine Polyneuropathie. Die Symptome zeigen sich zuerst und vor allem im Fuß. Es beginnt meistens mit einem Kribbeln oder Brennen im Fuß. Im späteren Verlauf treten wegen fehlendem Gefühl im Fuß schmerzlose und schlecht heilende Wunden auf, die zu einer Nekrose (schwarzer Verfärbung und Absterben von Zehen, Fuß usw.) führen können (Diabetischer Fuß).

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Diagnose der Polyneuropathie

Bei Verdacht auf eine Polyneuropathie ist eine neurologische Facharztpraxis die richtige Anlaufstelle. Es ist aber auch möglich, sich an den Hausarzt zu wenden, der eine Verdachtsdiagnose erstellt und an einen Neurologen überweist.

Um festzustellen, ob tatsächlich eine Polyneuropathie vorliegt, wird zunächst ein Gespräch geführt, in dem die Krankengeschichte und die vorliegenden Beschwerden erfragt werden. Relevant sind beispielsweise Probleme beim Gehen oder feinmotorische Einschränkungen der Hände oder Finger, sowie das Vorhandensein und die Stärke von Schmerzen.

Auch eine körperliche Untersuchung ist wichtig, um zu prüfen, ob Muskeln gelähmt oder geschwächt sind. Einschränkungen beim Reizempfinden oder eine Beeinträchtigung der Reflexe können ebenfalls auffallen.

Um den Ursachen auf den Grund zu gehen und um herauszufinden, welche Nerven wie stark geschädigt sind, gibt es verschiedene Untersuchungsmethoden:

  • Elektroneurographie: Hierbei werden Elektroden auf die Haut geklebt, um die elektrischen Impulse der Nerven zu messen. Die Untersuchung hilft dabei, herauszufinden, wie die Nervensignale transportiert und im Körper verteilt werden. Nervenschädigungen führen zu einem auffälligen Ergebnis und geben Hinweise zur Abgrenzung der Nervenausfälle.
  • Elektromyographie: Diese Untersuchung macht deutlich, ob und wie stark die Muskeln auf die Nervensignale ansprechen. Dabei werden dünne Nadelelektroden durch die Haut in den entsprechenden Muskel eingeführt.
  • Untersuchungen von Urin, Gehirnwasser, Blut oder Gewebeproben sowie genetische Tests und bildgebende Verfahren: Diese Methoden sind sinnvoll, wenn Diabetes und Alkoholkrankheit als Ursache unwahrscheinlich sind und das Beschwerdebild sowie elektrophysiologische Untersuchungsbefunde weiteren Abklärungsbedarf ergeben. Auch wenn die Symptome sehr plötzlich auftreten, kann eine zusätzliche Diagnostik sinnvoll sein.

Behandlung der Polyneuropathie

Die Behandlung der Polyneuropathie zielt darauf ab, die zugrunde liegende Ursache zu beseitigen oder zu behandeln, um weitere Schäden zu verhindern und die Beschwerden zu lindern.

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  • Behandlung der Ursache: Liegt beispielsweise eine unbehandelte Diabeteserkrankung vor, muss der Blutzucker richtig eingestellt werden. Alkoholabhängige Menschen profitieren von einer Suchttherapie. Bei einem Vitaminmangel können Betroffene durch Ernährungsumstellungen einen Ausgleich schaffen. Führen Infektionen oder Entzündungen zu den Nervenschäden, können Antibiotika oder Kortison sinnvoll sein.
  • Schmerzlinderung: Eine begleitende Schmerztherapie kann die Beschwerden lindern. Zum Einsatz kommen Antidepressiva und Antikonvulsiva (Medikamente, die ursprünglich für Epilepsien entwickelt wurden). Bei ausgeprägten Schmerzen können Opioide angezeigt sein, die jedoch aufgrund ihres Abhängigkeitspotentials nur für kurze Zeit verschrieben werden.
  • Begleitende Therapien: Je nach vorliegender Nervenschädigung können weitere Behandlungsansätze hilfreich sein, etwa Physio- oder Ergotherapie, um ungünstige Bewegungsabläufe oder Gleichgewichtsstörungen zu verbessern und die Regeneration akuter Polyneuropathien zu unterstützen. Spezielle Schienen (Orthesen) helfen Betroffenen mit Muskellähmungen dabei, Hände und Füße beweglich zu halten.

Behandlung der Polyneuropathie durch Diabetes

Bei der Behandlung der Polyneuropathie durch Diabetes steht die Behandlung des Diabetes im Vordergrund. Durch die Senkung des Blutzuckers kann ein Voranschreiten der Erkrankung verhindert werden. Eine richtige Fußhygiene kann Entzündungen oder unbemerkte Verletzungen verhindern. Die Schmerzen werden sowohl medikamentös als auch physikalisch behandelt.

Behandlung der Polyneuropathie durch Alkoholmissbrauch

Für eine erfolgreiche Therapie von alkoholbedingter Polyneuropathie ist eine absolute Alkoholabstinenz notwendig. Eventuelle Vitamindefizite können durch hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden. Die Schmerzen werden ebenfalls medikamentös und physikalisch behandelt.

Symptomatische Behandlung

Auch wenn die Ursache der Erkrankung nicht eindeutig sein sollte, kann eine Polyneuropathie symptomatisch behandelt werden. Dazu werden vor allem physikalische Therapie und Medikamente eingesetzt.

  • Physikalische Therapie: In der physikalischen Therapie können vor allem sensible und motorische Symptome gelindert werden. Dazu werden Bäder, Elektrotherapie und Wärmeanwendungen genutzt. In der Krankengymnastik, der Sporttherapie und der medizinischen Trainingstherapie (spezielles Krafttraining) lernen die Patienten spezielle Übungen und stärken ihre geschwächte Muskulatur.
  • Medikamentöse Therapie: Herkömmliche Schmerzmittel zeigen bei Nervenschmerzen kaum Wirkung. Besser wirken Medikamente, die ursprünglich gegen Epilepsie und gegen Depression entwickelt wurden. Außerdem werden mögliche Begleiterscheinungen der Polyneuropathie bzw. ihrer Therapie behandelt. Bei Magen- und Darmproblemen helfen häufigere, aber kleinere Mahlzeiten. Übelkeit und Durchfall werden mit Medikamenten behandelt. Schwindel und körperliche Schwäche werden mit Stützstrümpfen und regelmäßigem Muskeltraining behandelt. Bestimmte Medikamente können Impotenz auslösen, die jedoch durch Wirkstoffe wie Sildenafil gelindert werden kann.

Weitere Ursachen und Behandlungen von Nervenschäden

Neben der Polyneuropathie gibt es noch weitere Ursachen für Nervenschäden, die zu Fussödemen führen können. Dazu gehören:

  • Kompartmentsyndrom: Eine krankhafte Druckerhöhung in den Muskellogen, die zu einer Mangeldurchblutung des Gewebes führt. Ursachen können Unfälle mit Knochenbrüchen, Verletzungen durch stumpfe Gewalteinwirkung, Thrombosen oder Operationen sein. Auch ungewohnte muskuläre Überlastung kann ein chronisches Kompartmentsyndrom verursachen. Die Therapie des akuten Kompartmentsyndroms ist eine sofortige chirurgische Entlastung des betroffenen Kompartiments. Das chronische Kompartmentsyndrom wird konservativ behandelt, mit Entlastung, Hochlagerung und Kühlung der Extremität.
  • Fußheberschwäche: Eine Schwäche der Muskeln, die den Fuß heben, meist verursacht durch eine Schädigung des Nervus fibularis. Mögliche Ursachen sind Schlaganfall, Multiple Sklerose, Schädelhirntrauma, Bandscheibenvorfall oder eine Einklemmung des Ischiasnervs. Die Therapie richtet sich nach der Ursache und kann Physiotherapie, Elektrostimulation oder in schweren Fällen eine Operation umfassen.
  • Toxine: Auch Toxine wie Alkohol und Medikamente können eine Polyneuropathie auslösen. Vor allem Arzneimittel, die nach Krebserkrankungen in der Chemotherapie eingesetzt werden, können Nerven schädigen. Betroffene können durch Bewegung und Training, Kühlen und Kompression entgegenwirken.

Tipps für die Vorsorge und mehr Lebensqualität bei Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie kann die Lebensqualität beeinträchtigen. Die folgenden Tipps können das Wohlbefinden steigern und Risiken minimieren:

  • Blutzucker kontrollieren: Menschen mit Diabetes sollten regelmäßig ihren Blutzucker kontrollieren und ärztlich verordnete Medikamente einnehmen.
  • Füße kontrollieren: Eine Polyneuropathie an Beinen oder Füßen erhöht das Risiko für Fußgeschwüre. Eine regelmäßige Kontrolle auf Wunden ist also wichtig.
  • Bewegen: Menschen mit Polyneuropathie können bei Schmerzen und Missempfindungen von verschiedenen Angeboten wie Aquagymnastik oder Gehtraining profitieren.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Nährstoffen ist wichtig für die Nervenfunktion. Besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 sollte geachtet werden.
  • Stressmanagement: Stress kann die Symptome einer Polyneuropathie verstärken. Entspannungsübungen und Stressmanagement-Techniken können helfen, das Wohlbefinden zu verbessern.
  • Entgiftung: Da eine Polyneuropathie auch die Folge einer Schadstoffbelastung sein kann, sollten Maßnahmen zur Unterstützung der Entgiftungsorgane ergriffen werden.

Alternative und ergänzende Behandlungsmethoden

Neben den schulmedizinischen Behandlungen gibt es auch alternative und ergänzende Behandlungsmethoden, die bei Polyneuropathie eingesetzt werden können:

  • Rotlicht-Therapie: Kann bei vielen Beschwerden hilfreich sein, insbesondere bei Polyneuropathie.
  • Uridinmonophosphat (UMP): Ein wichtiger Baustein für Nervenzellen, der die Regeneration geschädigter Nerven unterstützen kann.
  • Alpha-Liponsäure: Ein starkes Antioxidans, das bevorzugt zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie verwendet wird.
  • Magnesium: Beruhigt das Nervensystem.
  • Vitamin-B-Komplex: Kann bei einem Mangel an B-Vitaminen, insbesondere B1, B6 und B12, hilfreich sein.
  • Vitamin D: Gilt als eine wirksame Substanz für die Behandlung neuropathischer Symptome.
  • Heilpflanzen: Diverse Heilpflanzen wie Kalmus, Estragon, Salbei, Kurkuma oder Capsaicin können bei Polyneuropathie hilfreich sein.
  • Helmkraut (Scutellaria): Beruhigt das gesamte Nervensystem.
  • Nachtkerzenöl: Kann wirkungsvoll bei der Vorbeugung von Nervenschäden und möglicherweise bei milden Formen der diabetischen Polyneuropathie hilfreich sein.
  • Rizinusöl-Packungen: Die äußerliche Anwendung kann bei manchen Menschen die Symptome der Polyneuropathie lindern.

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