Bexsero: Ein umfassender Leitfaden zur Meningokokken-B-Impfung

Meningokokken sind Bakterien, die schwere Erkrankungen wie Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) verursachen können. Es gibt verschiedene Serogruppen von Meningokokken, von denen A, B, C, W135 und Y am häufigsten für Erkrankungen verantwortlich sind. Die Impfung ist eine wirksame Methode, um sich vor diesen potenziell lebensbedrohlichen Infektionen zu schützen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Bexsero-Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB), einschliesslich Impfschemata, Anwendung, Wirksamkeit und andere wichtige Aspekte.

Was sind Meningokokken?

Meningokokken, wissenschaftlich als Neisseria meningitidis bekannt, sind Bakterien, die den Nasen-Rachen-Raum besiedeln können. In den meisten Fällen verursachen sie keine Symptome, aber unter bestimmten Umständen können sie schwere invasive Erkrankungen wie Meningitis oder Sepsis auslösen.

Serogruppen und ihre Verbreitung

Es gibt zwölf verschiedene Serogruppen von Meningokokken, aber die meisten Erkrankungen werden durch die Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursacht. Die Verteilung dieser Serogruppen variiert weltweit. In Deutschland sind Meningokokken der Serogruppe B am häufigsten, gefolgt von den Serogruppen Y, C und W.

Übertragung und Risikogruppen

Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, beispielsweise beim Sprechen, Husten oder Niesen. Da die Bakterien außerhalb des Körpers schnell absterben, ist ein enger Kontakt für eine Ansteckung erforderlich. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kinder unter fünf Jahren und Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren. Auch Personen mit Immundefizienz oder Langzeitaufenthalten in Ländern mit epidemischen Vorkommen haben ein erhöhtes Risiko.

Die Bexsero-Impfung: Schutz vor Meningokokken B

Bexsero ist ein Impfstoff, der speziell zum Schutz vor Meningokokken der Serogruppe B entwickelt wurde. Er enthält vier verschiedene Oberflächenbestandteile des Bakteriums Neisseria meningitidis Gruppe B und stimuliert das Immunsystem, um einen Schutz vor der Erkrankung aufzubauen.

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STIKO-Empfehlung für Säuglinge

Seit Januar 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland allen Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten die Grundimmunisierung mit dem Impfstoff Bexsero. Versäumte Impfungen gegen Meningokokken B sollen bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden.

Impfschema für Säuglinge und Kinder

Das empfohlene Impfschema variiert je nach Alter des Kindes zum Zeitpunkt der ersten Impfung:

  • Säuglinge 2-5 Monate:
    • Grundimmunisierung: 2 Dosen zu je 0,5 ml im Abstand von mindestens 2 Monaten oder 3 Dosen zu je 0,5 ml im Abstand von mindestens 1 Monat.
    • Auffrischimpfung: 1 Dosis im Alter von 12-15 Monaten, mit einem Mindestabstand von 6 Monaten zwischen abgeschlossener Grundimmunisierung und Auffrischimpfung.
  • Säuglinge 6-11 Monate:
    • Grundimmunisierung: 2 Dosen zu je 0,5 ml im Abstand von mindestens 2 Monaten.
    • Auffrischimpfung: 1 Dosis im 2. Lebensjahr, mit einem Mindestabstand von 2 Monaten zwischen abgeschlossener Grundimmunisierung und Auffrischimpfung.
  • Kinder 12-23 Monate:
    • Grundimmunisierung: 2 Dosen zu je 0,5 ml im Abstand von mindestens 2 Monaten.
    • Auffrischimpfung: 1 Dosis im Abstand von 12-23 Monaten zwischen abgeschlossener Grundimmunisierung und Auffrischimpfung.
  • Kinder 2-10 Jahre, Jugendliche (ab 11 Jahren) und Erwachsene:
    • Grundimmunisierung: 2 Dosen zu je 0,5 ml im Abstand von mindestens 1 Monat.
    • Auffrischimpfung: Sollte bei Personen mit fortbestehendem Risiko einer Exposition gegenüber Meningokokken-Erkrankungen, basierend auf offiziellen Empfehlungen, in Betracht gezogen werden.

Art der Anwendung

Der Impfstoff wird tief intramuskulär (i.m.) injiziert. Bei Säuglingen wird vorzugsweise der anterolaterale Bereich des Oberschenkels gewählt, bei älteren Personen der Deltamuskel des Oberarms. Werden mehrere Impfstoffe gleichzeitig verabreicht, sind jeweils separate Injektionsstellen zu wählen. Der Impfstoff darf nicht intravenös (i.v.), subkutan (s.c.) oder intradermal verabreicht werden.

Zusätzliche Empfehlungen

  • Die Impfung gegen Meningokokken B soll an einem Termin mit den anderen von der STIKO empfohlenen Impfungen erfolgen.
  • Zur Vermeidung von Fieber oder Schmerzen nach der Impfung wird eine vorbeugende Gabe von Paracetamol empfohlen, die zeitgleich mit der Impfung gegen Meningokokken B oder kurz danach begonnen werden sollte.

Wer sollte sich impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt die Bexsero-Impfung standardmäßig für alle Säuglinge ab zwei Monaten. Darüber hinaus gibt es Indikationsimpfungen für Personen mit erhöhtem Risiko:

  • Personen mit Immundefizienz: Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche haben ein höheres Risiko für schwere Meningokokken-Erkrankungen.
  • Gefährdetes Laborpersonal: Personen, die in Labors mit Meningokokken arbeiten, sollten ebenfalls geimpft werden.
  • Reisende: Vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit epidemischen Vorkommen sollten Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine Impfung gegen MenB erhalten.
  • Haushaltsmitglieder von Erkrankten: Ungeimpfte Haushaltsmitglieder von Personen, die an einer Meningokokken-Erkrankung leiden, sollten sich impfen lassen.
  • Personen im Umfeld von Ausbrüchen: Bei gehäuftem Auftreten von Meningokokken-Erkrankungen können die Gesundheitsbehörden Impfungen für Personen im Umfeld empfehlen.

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Wie bei jeder Impfung können auch bei der Bexsero-Impfung Nebenwirkungen auftreten. Diese sind in der Regel mild und vorübergehend.

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Sehr häufige Nebenwirkungen (bei mehr als 1 von 10 Geimpften)

  • Schmerzen, Druckschmerzen, Rötung, Schwellung und Verhärtung an der Injektionsstelle.
  • Fieber (>/= 38°C).
  • Appetitlosigkeit.
  • Gelenkschmerzen.
  • Hautausschlag (bei Kindern von 12 bis 23 Monaten).
  • Schläfrigkeit.
  • Reizbarkeit.
  • Ungewöhnliches Schreien/Weinen.
  • Erbrechen.
  • Durchfall.
  • Kopfschmerzen.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen.
  • Übelkeit.
  • Allgemeines Unwohlsein.

Häufige Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10 Geimpften betreffen)

  • Hautausschlag (bei Säuglingen und Kindern von 2 bis 10 Jahren).

Gelegentliche Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 100 Geimpften betreffen)

  • Hohes Fieber (>/= 40°C).
  • Krampfanfälle (einschließlich Fieberkrämpfe).
  • Erbrechen (nach Auffrischimpfung).
  • Trockene Haut.
  • Blässe (selten nach Auffrischimpfung).

Seltene Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 1.000 Geimpften betreffen)

  • Kawasaki-Syndrom (mit Symptomen wie Fieber, Hautausschlag, vergrößerte Lymphknoten, Rötung der Augen, Lippen, des Halses und der Zunge).
  • Juckender Hautausschlag, Hautausschlag.

Sehr seltene Nebenwirkungen

  • Allergische Reaktionen (möglicherweise einhergehend mit Schwellung der Lippen, des Mundes und des Rachens, Atembeschwerden, Hautausschlag, Bewusstseinsverlust und sehr niedrigem Blutdruck).
  • Kollaps (plötzliche Muskelerschlaffung), geringere Ansprechbarkeit oder Wahrnehmungseinschränkung, sowie Blässe oder bläuliche Verfärbung der Haut bei jungen Kindern.
  • Schwäche oder Bewusstlosigkeit.
  • Reaktionen an der Injektionsstelle wie ausgedehnte Schwellung der Extremität, Bläschen an der oder um die Injektionsstelle herum und Knötchen an der Injektionsstelle, die mehr als einen Monat bestehen bleiben können.
  • Nackensteifheit oder eine unangenehme Lichtempfindlichkeit (Photophobie).

Wichtige Hinweise

  • Bei Fragen rund um die Impfung sollte man sich an einen Arzt wenden.
  • Vor der Impfung wird der Arzt über Nutzen und mögliche Risiken aufklären.
  • Zur Vermeidung von Fieber oder Schmerzen nach der Impfung wird eine vorbeugende Gabe von Paracetamol empfohlen.

Kosten und Verfügbarkeit

Die Kosten für eine Dosis Bexsero betragen etwa 114 Euro. Da die STIKO die Impfung für Kinder unter fünf Jahren empfiehlt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Eltern müssen den Impfstoff zunächst selbst kaufen und die Rechnungen bei der Krankenkasse einreichen, um eine Erstattung zu erhalten.

Abrechnung

Es gibt noch keine spezifische Abrechnungsziffer von der kassenärztlichen Vereinigung, um den Impfstoff direkt abzurechnen.

Kreuzprotektion gegen Gonorrhöe

Interessanterweise gibt es Hinweise darauf, dass die Bexsero-Impfung auch einen gewissen Schutz vor Gonorrhöe bieten könnte. Studien haben gezeigt, dass der Impfstoff Antikörper gegen Neisseria gonorrhoeae (den Erreger der Gonorrhöe) auslösen kann. Eine Studie zeigte eine Schutzwirkung von 32,7 % gegen Gonorrhöe. Weitere Forschung ist jedoch erforderlich, um diesen protektiven Effekt vollständig zu verstehen und zu quantifizieren.

Weitere Meningokokken-Impfungen

Neben der Bexsero-Impfung gegen Meningokokken B gibt es auch Impfstoffe gegen andere Serogruppen:

  • Meningokokken C-Impfung (MenC): Für Kinder im Alter von 12 bis 23 Monaten wird eine einmalige Impfung mit einem Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff empfohlen. Die STIKO empfiehlt diese Impfung jedoch nicht mehr standardmäßig, da Erkrankungen durch Meningokokken C selten geworden sind. In Einzelfällen kann die MenC-Impfung dennoch sinnvoll sein.
  • Meningokokken ACWY-Impfung (MenACWY): Diese Impfung schützt vor den Serogruppen A, C, W und Y. Sie wird als Indikationsimpfung für Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko empfohlen, beispielsweise bei einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche oder bei Langzeitaufenthalten in Ländern mit epidemischen Vorkommen.

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