Facettensyndrom: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Die kleinen Gelenke zwischen den Wirbeln, die Facettengelenke, tragen einen großen Teil der statischen Belastung der Wirbelsäule und werden beim Beugen, Strecken und Drehen beansprucht. Mit zunehmendem Alter können die Facettengelenke Beschwerden verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Facettensyndroms, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist das Facettensyndrom?

Unter dem Begriff Facettensyndrom fasst man Rückenschmerzen zusammen, die vor allem durch Reizung oder Abnutzung der kleinen Facettengelenke zwischen den Wirbelkörpern entstehen. Diese Gelenke, auch Wirbelgelenke oder Wirbelbogen-Gelenke genannt, gehören zu den Verbindungen zwischen den Wirbeln. Die Wirbelsäule besteht aus 33 Wirbeln, die jeweils aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen bestehen. Zwischen den Wirbelkörpern sitzen die Bandscheiben, die als Stoßdämpfer dienen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule ermöglichen. Die Wirbelbögen besitzen Fortsätze nach oben und unten, die zusammen mit den Fortsätzen des darunterliegenden Wirbelbogens die Facettengelenke bilden. Diese Gelenke sind mit einer Knorpelschicht überzogen und von schmerzempfindlichen Nerven durchzogen.

Ursachen und Risikofaktoren

Als Ursache für das Facettensyndrom gelten abnutzungsbedingte Schäden der Wirbelgelenke. Altersbedingter Gelenkverschleiß ist die häufigste Ursache. Diese Wirbelgelenk-Arthrose wird aber auch durch übermäßige Belastung etwa durch Sport, schwere körperliche Arbeit oder langanhaltendes Übergewicht als Risikofaktoren begünstigt. Auch Schäden an den Bandscheiben verursachen oft gleichzeitig Arthrosen der Wirbelgelenke, da Bandscheibe und Facettengelenke in einer engen Wechselbeziehung stehen. Neben der Arthrose ist eventuell auch eine Arthritis, also eine Gelenk-Entzündung, ein möglicher Auslöser des Facettensyndroms.

Weitere mögliche Ursachen sind Zysten oder sogenannte Ganglien in der Nähe des Facettengelenks, Skoliosen, Verengungen des Rückenmark-Kanals (Spinalkanal-Stenosen) sowie Knochenschwund durch Osteoporose. Auch Blockierungen der Wirbel, Instabilität des Gelenks oder reflektorische Muskel-Verspannungen, die oft aus einer Überlastung oder Instabilität der Wirbelsäule resultieren, können ein Facettensyndrom verursachen. Seltener sind Tumore oder seit der Geburt bestehende Fehlbildungen der Wirbelsäule die Ursache.

Die Belastung spielt für die Abnutzung der Facettengelenke eine entscheidende Rolle. Je mehr Übergewicht man mit sich trägt, desto eher kommt es zu Facettengelenksschmerzen. Hinzukommt bei Übergewicht eine Fehlbelastung der Wirbelsäule. Eine weitere Ursache sind Bandscheibenschäden. Wenn die Bandscheiben mit dem Alter degenerieren, verlieren sie an Höhe. Dadurch passen die Facettengelenke nicht mehr genau zusammen und verschleißen schneller. Auch wenn die Skoliose selbst bei Kindern keine Schmerzen verursacht, kommt es durch die ungleiche Belastung der Zwischenwirbelgelenke hier zu einem vermehrten Verschleiß, der dann schmerzhaft sein kann.

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Stress spielt bei Muskelverspannungen der LWS eine nicht zu unterschätzende Rolle, da sich hierdurch reflektorisch häufig Muskeln vermehrt anspannen. Durch ein erhöhtes Adrenalinlevel ist der Muskel schon auf "Fluchtleistung" vorbreitet, auch wenn es sich nur um Stress im Beruf oder Privatleben handelt. Auch im Rahmen von erhöhter Belastung, beispielsweise bei einer körperlich anstrengenden beruflichen Tätigkeit oder dem exzessiven Betreiben von Sport, kommt es häufig stressbedingt zu Muskelverhärtungen. Ein Bandscheibenvorfall der LWS entsteht häufig durch Degeneration, also eine verschleißbedingte Abnutzung des Bandscheibengewebes.

Symptome des Facettensyndroms

Hauptsymptom des Facettensyndroms ist Schmerz im Rücken. Dieser Schmerz ist zumeist dumpf, nicht genau lokalisierbar und ein- oder beidseitig. Er kann auch stechend oder bohrend sein. Im Laufe des Tages nehmen die Schmerzen oft zu, da die Wirbelsäule durch den aufrechten Gang tagsüber belastet wird, während sie nachts weitgehend entlastet ist. Gleichzeitig berichten Betroffene oft, dass sich die Wirbelsäule morgens oder nach längerer Ruhe steif anfühlt. Zusätzlich sind im Rahmen des Facettensyndroms auch Hüftbeschwerden bis hin zu Beinkrämpfen möglich. Der Schmerz strahlt dann eventuell bis in die Beine aus und verstärkt sich durch Überstrecken der Wirbelsäule. Aber auch bei Belastung der Wirbelsäule nimmt der Schmerz zu. Insgesamt führen die Symptome eines Facettensyndroms unbehandelt oft zu schweren Einschränkungen im täglichen Leben.

Die Symptome können variieren, abhängig von der genauen Ursache und dem Ausmaß der Verspannung. Das häufigste Symptom ist der Schmerz im unteren Rückenbereich. Es kann aber auch ein Hinweis auf eine Bandscheibenvorwölbung oder einen Bandscheibenvorfall sein.

Diagnose des Facettensyndroms

In fast allen Fällen wenden sich Betroffene aufgrund von Rückenschmerzen an ihren Hausarzt oder Orthopäden. Es ist zunächst wichtig, die Schmerz-Symptomatik genau zu untersuchen. Dazu fragt der Arzt nach Details zu den Schmerzen und setzt oft auch standardisierte Schmerz-Fragebögen ein.

Bei der körperlichen Untersuchung fällt auf, dass im Bereich des Schmerzes ein Druckschmerz besteht. Die Muskulatur seitlich der Wirbelsäule ist oft hart verspannt. Bei einer Überstreckung der Wirbelsäule nach hinten verstärkt sich der Schmerz zusätzlich. Gleichzeitig bestehen aber in der Regel keine Auffälligkeiten des Nervensystems (neurologische Auffälligkeiten) wie Reflexausfälle, Gefühls- und Empfindungs-Störungen oder Lähmungen.

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In einigen Fällen lässt sich ein Schaden oder eine Überlastung des Facetten-Gelenks durch Bildgebung nachweisen. In der Regel nimmt der Arzt dann ein Röntgenbild aus zwei verschiedenen Richtungen (Ebenen) auf. Auch eine Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) ist möglich, um Veränderungen der Wirbelgelenke sichtbar zu machen.

Eine weitere Methode, ein Facettensyndrom nachzuweisen, ist die versuchsweise Injektion von lokalen Betäubungsmitteln in den Gelenkbereich (diagnostische Facetten-Blockade). Damit werden bestimmte Nerven (Ramus dorsalis der Spinalnerven) betäubt. Darüber werden normalerweise die Schmerz-Signale transportiert. Die Injektion sollte unter Kontrolle durch ein bildgebendes Verfahren wie CT oder MRT erfolgen.

Behandlungsmöglichkeiten

Wie ein Facettensyndrom im Einzelfall behandelt wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Eine Rolle spielen unter anderem die genaue Ursache und der Schweregrad der Beschwerden. Zunächst versucht man in der Regel, das Facettensyndrom mit konservativen (nicht-operativen) Methoden zu behandeln. Experten gehen davon aus, dass eine Linderung der Schmerzen sich nicht nur durch Schonung erreichen lässt, sondern auch durch bestimmte Formen von Bewegung wie Krankengymnastik (Physiotherapie).

Weitere Verfahren sind zum Beispiel Ergotherapie, Manuelle Therapie, Massagen und auch die Rückenschule, mit der Betroffene ihren Rücken trainieren und rückenschonende Bewegungstechniken erlernen. Die Übungen zielen darauf ab, die Muskeln einerseits zu kräftigen, andererseits aber auch zu dehnen und in ihrer Koordination zu verbessern. Die Patienten lernen, mit den Schmerzen umzugehen und sie zu bekämpfen.

Die Behandlung lässt sich durch Schmerzmedikamente unterstützen. Oftmals werden sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt. Bei schweren Schmerzen verschreiben Ärzte eventuell stärkere Medikamente bis hin zu Opioiden. Manchmal sind auch muskelentspannende Wirkstoffe (Muskel-Relaxanzien) sinnvoll.

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Eine weitere Behandlungsmöglichkeit besteht darin, in die Nähe des Facetten-Gelenks oder direkt in das Gelenk ein lokales Betäubungsmittel mit oder ohne Kortison zu spritzen. Diese Facetten-Infiltration muss dabei sehr präzise platziert sein. Deshalb kontrolliert der Behandelnde die Lage der Injektionsnadel mittels Bildgebung. Spezialist für die Facetteninfiltration ist Dr. Nicolai Schurbohm, der im Rückenzentrum Am Michel tätig ist. Mit geübter Hand und viel Ruhe führt er bei einer Facetteninfiltration eine Spritze mit einer Mischung aus Lokalanästhetikum und Kortison an das schmerzauslösende Gelenk.

Eine längerfristige Linderung der Schmerzen lässt sich durch eine sogenannte Facetten-Denervierung erzielen. Dabei wird der schmerzempfindliche Nerv "verödet" (koaguliert). Methoden dazu sind etwa die Radiofrequenztherapie oder die Thermo-Koagulation durch eine Hitzesonde. Das lindert oft die Schmerzen über Monate oder teilweise sogar länger als ein Jahr. Eine Facetten-Denervierung lässt sich aber auch mit Kältesonden (Kryosonden) oder einer Laser-Behandlung erreichen. Dies sind in der Regel nur kleine Eingriffe per Endoskop.

Wenn die Beschwerden eines Facettensyndroms trotz konservativer Therapiemethoden anhalten, ist auch eine Operation möglich, bei der man etwa einen Wirbelsäulen-Abschnitt versteift oder Abstandhalter zwischen die Wirbelkörper implantiert.

Einige Heilberufler bieten auch alternative Methoden wie Osteopathie, Akupunktur oder alternative Schmerz-Therapien wie die Blutegel-Behandlung als Therapie an. Ihre spezifische Wirksamkeit ist jedoch umstritten und durch wissenschaftliche Studien nicht eindeutig belegt.

Facettengelenksinfiltration

In bestimmten Situationen können Facettengelenke gereizt sein, eine Entzündung entwickeln und dadurch Schmerzen verursachen. In diesen Fällen kann eine gezielte Infiltration des betroffenen Facettengelenkes mit Kortison (sog. FGI = Facettengelenksinfiltration) die Entzündung lindern. Im Rückenzentrum erfolgt eine Facettengelenksinfiltration unter Röntgendurchleuchtung. Spritzen für sich allein sind kein Allheilmittel, haben aber im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes ihren Stellenwert. Gleichzeitig sollte der Patient sich möglichst viel bewegen, da das eingespritzte Kortison nur eine begrenzte Wirkdauer hat.

Vorteil von Spritzen ist die Zielgenauigkeit. Nachteil ist das mögliche Verletzungsrisiko beim Einstechen von Nadeln. Rückenschmerzen, die von den Facettengelenken ausgehen, werden vor allem mit Physiotherapie und Bewegungsformen wie Pilates behandelt. Manchmal kommen auch schmerzlindernde Medikamente infrage. Um Rückenschmerzen eine Zeit lang zu lindern, kann auch ein kurz wirksames Betäubungsmittel oder Kortison in die Nähe gereizter Nervenwurzeln, den Periduralraum oder das Facettengelenk gespritzt werden (auch Infiltrationstherapie genannt). Typischerweise lindern solche Spritzen Rückenbeschwerden aber nur begrenzt und für wenige Wochen. Bei Facettenschmerzen raten Fachleute jedoch nur in Ausnahmefällen zu dieser Behandlungsmöglichkeit. Spritzen in den Bereich der Wirbelsäule können die Nerven vorübergehend reizen. Wiederholte Spritzen mit Kortison können zudem die Knochen schwächen und dadurch Wirbelbrüche etwas wahrscheinlicher machen.

Medikamentöse Behandlung

Zur Behandlung von Rückenschmerzen werden manchmal auch Medikamente angewendet. Sie sollen helfen, in Bewegung zu kommen. Medikamente können die Schmerzen etwas lindern, aber meist nicht beseitigen. Sie kommen eher ergänzend zu anderen Behandlungen und nur vorübergehend infrage. Empfohlen werden vorrangig entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen. In niedriger Dosierung sind sie rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Paracetamol hilft bei akuten Rückenbeschwerden nicht. Manchmal kommen auch verschreibungspflichtige Medikamente oder Schmerzmittel infrage, wie Mittel zur Muskelentspannung und Opioide. Diese Medikamente haben aber viele Nebenwirkungen wie Verstopfung, Schwindel, Atemprobleme und ein erhöhtes Sturzrisiko. Außerdem können sie zu einer körperlichen Gewöhnung und Abhängigkeit führen. Solche Mittel werden daher nur ausnahmsweise empfohlen.

Multimodale Schmerztherapie und Verhaltenstherapie

Eine multimodale Schmerztherapie oder eine Verhaltenstherapie kommen vor allem infrage, wenn chronische Schmerzen sehr belastend werden. Bei einem multimodalen Behandlungsprogramm wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut - meist aus Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Die Behandlung kombiniert Bewegung, Schulungen, Entspannungstechniken und psychologische Techniken, die helfen, besser mit chronischen Schmerzen zurechtzukommen. Bei Bedarf werden auch Medikamente eingesetzt.

Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine Methode aus der Psychotherapie, die auch zur Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt wird. In einer Verhaltenstherapie erlernt man Strategien, um sich aus solchen Mustern zu befreien und sich damit langfristig selbst zu helfen.

Entspannungstechniken

Stress und psychische Belastungen können Schmerzen verstärken. Hier setzen Entspannungstechniken an. Sie haben das Ziel, bewusst in einen Entspannungszustand zu kommen, dabei Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu lösen. Beispiele hierfür sind autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Achtsamkeitstraining.

Online-Programme

Es gibt internetbasierte Behandlungsprogramme, die helfen können, mit Rückenbeschwerden zurechtzukommen und in Bewegung zu bleiben. Manche Programme beruhen eher auf Übungen zur Stärkung des Rückens, andere mehr auf verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Die frei verfügbare Internetseite tala-med Rücken wurde auf Basis der nationalen Leitlinie zur Behandlung von Rückenschmerzen entwickelt.

Krankheitsverlauf und Prognose

Die Prognose des Facettensyndroms und die Chance auf Schmerzfreiheit sind vor allem von den Wirbelsäulen-Veränderungen abhängig, die dem Syndrom zugrunde liegen. Oft lässt sich durch eine konsequente Therapie eine nachhaltige Linderung des Schmerzes erreichen. Dies und eine gute Lebensqualität sind das Hauptziel der Therapie des Facettensyndroms. Wichtig ist dafür vor allem der Aufbau der stabilisierenden Muskulatur. Physiotherapie bietet dazu eine Anleitung zur Selbsthilfe. Das Facettensyndrom tritt häufig zusammen mit anderen Wirbelsäulen-Schäden auf und sollte als mögliche Ursache schwerer Rückenschmerzen immer berücksichtigt und spezifisch behandelt werden.

Vorbeugung

Dem altersbedingten Verschleiß lässt sich nur in einem gewissen Rahmen vorbeugen. Eine gestärkte Muskulatur ist wichtig, um Wirbelgleiten oder Facettensyndrom verhindern zu können. Eine ideale Sportart, um einem Facettensyndrom vorzubeugen oder bei einem bestehenden Schmerzen zu lindern, ist Aquagymnastik. Sie sollten in Ihren Alltag mehr Bewegung einbauen und lange Ruhephasen vermeiden. Gerade bei sitzenden Tätigkeiten kann bereits eine kurze Bewegungsphase vorbeugend wirken und Ihren Rücken stärken. Sollten Sie übergewichtig sein, so kann eine Gewichtsreduzierung ebenfalls vorbeugend wirken.

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