Taurin, eine Aminosulfonsäure, ist vor allem durch Energy-Drinks bekannt, die mit dem Namen eines bekannten Energy-Drink-Herstellers in Verbindung gebracht werden. Der Name leitet sich von der ersten Isolierung aus Ochsengalle ab (lateinisch: taurus = Stier). Taurin ist ein semi-essenzieller Mikronährstoff, was bedeutet, dass der Körper ihn in gewissen Mengen selbst produzieren kann, eine zusätzliche Aufnahme über die Nahrung jedoch in bestimmten Situationen ratsam ist.
Was ist Taurin?
Taurin (2-Aminoethansulfonsäure) ist eine schwefelhaltige freie β-Aminosäure, die in vielen Körpergeweben natürlich vorkommt - vor allem im Herz, Gehirn, in der Leber und der Muskulatur. Als Aminosulfonsäure kann Taurin keine Peptide bilden. Im Gegensatz zu klassischen Aminosäuren wird Taurin nicht direkt für den Aufbau von Proteinen verwendet. Taurin ist eine organische Verbindung, die eng mit Aminosäuren verwandt ist. Der menschliche Körper kann Taurin in gewissem Umfang selbst herstellen, etwa aus den Aminosäuren Cystein und Methionin. Taurin kann zwar die Blut-Hirn-Schranke überwinden, wird aber nicht in Proteine eingebaut.
Vorkommen und Bedarf
Taurin ist vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Milchprodukten enthalten. Es kommt auch in auf Kuhmilch basierender Säuglingsnahrung vor und kann als Ergänzung zu nicht auf Milch basierender Säuglingsnahrung hinzugefügt werden. Für Personen, die sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel essen, wurde eine tägliche Einnahme zwischen 9 und 400 Milligramm Taurin geschätzt. Für Ovo-Lakto-Vegetarier werden tägliche Einnahmen von ca. 17 Milligramm geschätzt, während vegane Diäten keinerlei Taurin enthalten. Laut FDA können gesunde Erwachsene Taurin aus schwefelhaltigen Aminosäuren wie Cystein und Methionin synthetisieren. Dies macht Taurin zu einem semi-essentiellen Nährstoff. Neugeborene und Personen in bestimmten Krankheitsstadien benötigen aber unter Umständen eine Supplementierung in Form von Nahrungsergänzungsmitteln.
Funktionen im Körper
Taurin erfüllt im menschlichen Organismus zahlreiche Funktionen, sowohl auf zellulärer als auch auf System-Ebene. Es ist eine der häufigsten Aminosäuren bei Tieren und kommt im menschlichen Organismus in einer Menge von 0,4 bis 1 g pro kg Körpergewicht vor. Taurin spielt eine wichtige Rolle bei:
- Aufrechterhaltung eines ordnungsgemäßen Flüssigkeitshaushalts und Elektrolytgleichgewichts in den Zellen
- Bildung von Gallensalzen, die eine wichtige Rolle bei der Verdauung spielen
- Regulierung von Mineralien in Zellen wie z.B Kalzium
- Unterstützung der allgemeinen Funktion des zentralen Nervensystems und der Augen
- Regulierung des Immunsystems und antioxidative Funktion
- Stabilisierung der Funktion von Nervenzellen
- Regulierung des Kalziumhaushaltes
- Wirkung als Neurotransmitter
- Förderung der Funktion der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen)
- Beeinflussung des Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushaltes
- Regulierung des Immunsystems und als Antioxidans, das schädliche Sauerstoffradikale bindet
- Unterstützung bei einigen Stoffwechselprozessen
Taurin und Alterungsprozesse
In früheren Untersuchungen hat sich gezeigt, dass der Taurinspiegel im Blut mit der Gesundheit korreliert. Gerade in jungen Jahren führe ein Taurinmangel zu späteren Funktionsstörungen der Muskulatur, des Auges und des Zentralnervensystems, die altersassoziierten Erkrankungen ähnelten. Eine aktuelle Studie zeigt, dass mit zunehmendem Alter die Menge der Aminosäure Taurin im Körper von Menschen und Tieren abnimmt. Die Lebenserwartung von Mäusen erhöhte sich bei einer täglichen Tauringabe um zehn bis zwölf Prozent und auch bei Fadenwürmern verlängerte Taurin die Lebenserwartung.
Lesen Sie auch: Alles über Herpes-Meningitis
Taurin und Parkinson
Studien deuten darauf hin, dass Taurin bei der Regeneration von Gehirnzellen helfen kann. Tests haben bei Patienten mit Parkinson geringe Taurinwerte ergeben. Untersuchungen am Menschen zeigten, dass der Taurin-Plasmaspiegel bei Patienten mit Parkinson stark erniedrigt sind. Das deutet darauf hin, dass Taurin potenziell an der Entstehung der Krankheit beteiligt ist, möglicherweise aber auch einen Beitrag bei der Behandlung leisten kann. Das Problem eines niedrigen Taurin-Plasmaspiegels wird dadurch weiter verstärkt, dass für die Standardbehandlung der Symptome bei Parkinson häufig das Medikament Levodopa eingesetzt wird. Dieses führt zu einer weiteren Taurin-Verarmung.
Weitere potenzielle Vorteile von Taurin
Taurin kann die Blutzuckerkontrolle verbessern und Vorteile für Diabetiker bieten. Einige Studien legen nahe, dass eine erhöhte Zufuhr dazu beitragen kann, Typ-2-Diabetes zu verhindern, indem der Blutzuckerspiegel und die Insulinresistenz reduziert werden. Interessanterweise ist der Taurinspiegel bei Diabetikern tendenziell niedriger als bei gesunden Personen, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass es bei dieser Krankheit eine Rolle spielen könnte. Studien zeigen eine Verbindung zwischen einem höheren Taurin-Spiegel und signifikant niedrigeren Todesraten durch Herzerkrankungen, sowie einem verringerten Cholesterinspiegel und Blutdruck. Taurin kann dabei helfen, einen hohen Blutdruck zu senken, indem der Blutflusswiderstand in den Blutgefäßwänden verringert wird. Es kann auch Nervenimpulse im Gehirn minimieren, die den Blutdruck erhöhen. Taurin scheint die sportliche Leistung verbessern zu können. Studien legen nahe, dass es: die Muskeln bei Tieren stärker und länger arbeiten lässt. bei Tieren die Fähigkeit der Muskeln, sich zusammenzuziehen und Kraft zu erzeugen, erhöht.
Dosierung und Sicherheit
Die häufigste Dosierung von Taurin als Nahrungsergänzungsmittel beträgt zwischen 500 und 2.000 mg pro Tag. Die obere Toxizitätsgrenze ist jedoch viel höher und sogar Dosen von über 2.000 mg scheinen gut verträglich zu sein. Untersuchungen zur Sicherheit von Taurin haben nahegelegt, dass selbst eine lebenslange Einnahme von bis zu 3.000 mg pro Tag noch sicher ist. Bei üblicher Dosierung über Nahrung oder Nahrungsergänzung gilt Taurin für gesunde Erwachsene als sicher und gut verträglich. Wer Medikamente einnimmt, sollte die Supplementierung mit dem Arzt abklären.
Taurin in Energy-Drinks
Energy-Drinks enthalten oft hohe Mengen Taurin (bis zu 4.000 mg/Liter) sowie Zucker, Koffein und weitere Zusätze. Die stimulierende Gesamtwirkung stammt jedoch in erster Linie vom Koffein, Taurin selbst wirkt NICHT direkt anregend. Hohe Einnahmemengen aus Energy-Drinks (häufig in Kombination mit hohen Koffeinmengen und Zucker) sind NICHT zu empfehlen. Hier besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, insbesondere für das Herz und den Blutdruck. Die Kombination von Koffein, Alkohol und Taurin steht im Verdacht, zu Nierenversagen und Kreislaufkollaps führen zu können.
Lesen Sie auch: Seltene Fälle von Meningitis nach Impfung
Lesen Sie auch: Alternativen zur Nasenspray-Abhängigkeit