E-Zigaretten erfreuen sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Viele Menschen halten sie für eine gesündere Alternative zu herkömmlichen Zigaretten und hoffen, mit ihrer Hilfe leichter das Rauchen aufgeben zu können. Doch ist das wirklich so? Dieser Artikel beleuchtet die Risiken von E-Zigaretten in Bezug auf Hirnblutungen und Schlaganfälle und gibt Ihnen wichtige Informationen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.
Schlaganfallrisiko durch Rauchen
Das Rauchen herkömmlicher Zigaretten ist ein bekannter und schwerwiegender Risikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt. Schätzungen zufolge gehen allein in den USA jährlich 480.000 vorzeitige Todesfälle auf das Konto der Tabakindustrie. Ein Schlaganfall kann entweder ein Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall) oder eine Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall) sein. Rauchen spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung eines Schlaganfalls und macht Schätzungen zufolge etwa 20 % der Schlaganfälle aus.
Risikofaktoren und Prävention
Neben Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhten Blutfetten (Hypercholesterinämie) sowie Vorhofflimmern (einer Herzrhythmusstörung) ist Rauchen einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Das Besondere am Rauchen ist, dass jeder Mensch alleinig darüber entscheiden kann, ob er mit dem Nikotinkonsum sein Schlaganfallrisiko erhöhen möchte.
E-Zigaretten: Eine vermeintlich sichere Alternative?
Mit E-Zigaretten hoffen viele ehemalige Raucher, den gesundheitlichen Schäden des Tabaks zu entkommen, was die steigende Beliebtheit von E-Zigaretten erklärt. Sie werden von den Herstellern oft als gesunde Alternative zur normalen Tabakzigarette angepriesen. Allerdings sind die Auswirkungen und Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten noch nicht ausreichend erforscht. Es ist auch umstritten, ob sie tatsächlich so gut bei der Rauchentwöhnung helfen, wie stets behauptet wird.
Die Risiken des Dampfens
Eine Studie aus Indien untersuchte zwölf Studien mit insgesamt 1,5 Millionen Probanden. Dabei wurde das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle von E-Zigaretten-Rauchenden mit dem Risiko von Nichtraucherinnen und Nichtraucherinnen verglichen. Laut der Studie ist bei ehemaligen Raucherinnen und Rauchern, die jetzt E-Zigaretten dampfen, das Risiko für einen Herzinfarkt 2,5 Mal höher als bei ehemaligen Raucherinnen und Rauchern, die weder Zigaretten noch E-Zigaretten rauchen. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist um 73 Prozent höher. Bei Menschen hingegen, die nur E-Zigaretten rauchen und zuvor nicht Zigaretten geraucht haben, gab es kein signifikant erhöhtes Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle.
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Erhöhtes Schlaganfallrisiko bei E-Zigaretten-Nutzern
Eine Analyse ergab, dass die meisten zwischen 18 und 24 Jahre alten Nutzer von E-Zigaretten nicht häufiger als gleichaltrige Nichtnutzer schon einmal einen Schlaganfall erlitten hatten. Ihr Risiko war sogar niedriger als das von Tabakrauchern, die meist zwischen 35 und 44 Jahre alt waren. Für die Gruppe der Doppelnutzer von Tabak- und E-Zigaretten wurde dagegen ein gegenüber Nichtrauchern dreifach erhöhtes Schlaganfallrisiko ermittelt. Das Risiko war auch zu 83 Prozent höher als das von alleinigen Tabakrauchern.
Frühere Schlaganfälle bei Dampfern
In einer Studie nutzten Wissenschaftler die Daten von knapp 80.000 Teilnehmern des National Health and Nutrition Examination Survey, um mehr über den Einfluss von E-Zigaretten auf die Blutgefässe im Gehirn zu erfahren. Sie stellten fest, dass es in der Gruppe der Raucher im Verhältnis mehr Schlaganfälle gab. Bei den E-Zigaretten-Nutzern aber war das Risiko, einen Schlaganfall in jüngeren Jahren zu erleiden, um 15 Prozent höher als bei den Rauchern. Bei ihrem ersten Schlaganfall waren die DampferInnen durchschnittlich 48 Jahre jung, die RaucherInnen hingegen schon 59 Jahre.
Warnungen von Experten
Studienautor Dr. Urvish K. warnt: „Die Öffentlichkeit muss erfahren, dass die Sicherheit von E-Zigaretten noch nicht belegt ist und dass E-Zigaretten nicht als gesündere Alternative für normale Zigaretten betrachtet werden - besonders nicht von Leuten mit Risikofaktoren (Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte oder einen überstandenen Herzinfarkt.“ Dr. Karen L. erklärt: „Oft denken die Leute, nur Nikotin sei ein Problem und wählen nikotinfreie Liquids zum Dampfen. Doch bestehen Liquids aus zahlreichen Chemikalien, die direkt die Blutgefässwände so stark schädigen können, dass sich entweder eine Arteriosklerose entwickelt oder das Gefäss so geschwächt wird, dass sich dort Blutgerinnsel bilden können. Auf diese Weise besteht für DampferInnen das Risiko sowohl für einen ischämischen als auch für einen hämorrhagischen Schlaganfall.“
Die Inhaltsstoffe von E-Zigaretten und ihre Auswirkungen
Beim Vaping werden chemische Lösungen, sogenannte E-Flüssigkeiten, auf hohe Temperatur erhitzt und der dabei entstehende Dampf inhaliert. Das Problem: Die Mehrzahl der aromatisierten Inhaltsstoffe ist bislang nicht toxikologisch untersucht worden. Die künstlich hergestellten Verbindungen in E-Zigaretten können sich durch die beim Vaping angewandten Hitze chemisch verändern. Der Dampf kann also schädliche Substanzen enthalten, die in der ursprünglichen Flüssigkeit nicht vorhanden waren. So kann beispielsweise durch das Erhitzen von Propylenglykol und Glycerin Formaldehyd und Acrolein entstehen, die beide toxisch sind und mit Herz-Kreislauf-Problemen in Verbindung gebracht werden.
Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System
Die inhalierten Aromastoffe aus E-Zigaretten können sich nicht nur auf die Lunge auswirken, sondern auch massiv auf das Herz-Kreislauf-System. So können zum Beispiel Vanille- und Zimt-Aromen natürliche Abwehrmechanismen im Körper unterdrücken, Entzündungsprozesse fördern und zellulären Stress auslösen. Studien haben zudem gezeigt, dass Eugenol (Gewürznelke), Zimtaldehyd (Zimt), Citronellol (blumig) und Limonen (Zitrus), Herzmuskelzellen in erhöhtem Maße beeinträchtigen können - sie wirken also womöglich kardiotoxisch. Die Veränderung oder auch Zerstörung von Herzmuskelzellen kann zu Herzinsuffizienz und/oder Herzrhythmusstörungen führen.
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Warnung vor Bluthochdruck
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. warnt vor unterschätzten Gesundheitsrisiken: E-Zigaretten können das Herz-Kreislauf-System stark belasten und das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. „Schon wenige Züge an einer E-Zigarette können den Blutdruck signifikant erhöhen“, erklärt Prof. Dr. med. Christian Ott, Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga. „Wiederholte Blutdruckspitzen belasten das Herz-Kreislauf-System erheblich.“
Nikotin und nikotinfreie Liquids
Nikotin, der Bestandteil vieler E-Liquids, erhöht die Herzfrequenz, der oxidative Stress und Entzündungsreaktionen in den Gefäßen begünstigen die Entwicklung von Arteriosklerose. Darüber hinaus können auch die Inhaltsstoffe von Liquids ohne Nikotin problematisch sein: Die Analyse von 180 Aromen hat gezeigt, dass beim Erhitzen zahlreiche problematische Substanzen wie Formaldehyd und Acrolein entstehen. Zusätzliches Problem: Nikotinfreie Liquids fallen nicht unter die Tabakproduktrichtlinie (TPD) und haben so weniger gesetzliche Vorgaben.
Rauchstopp: Der beste Weg zur Risikominimierung
Wer wirklich mit dem Rauchen aufhören will, sollte besser ganz aufhören. Menschen mit Bluthochdruck sollten E-Zigaretten keinesfalls als harmlose Alternative zum herkömmlichen Rauchen betrachten. Der individuelle Lebensstil spielt eine zentrale Rolle für die Gefäßgesundheit, wobei Tabakkonsum als wichtigster vermeidbarer Auslöser gilt.
Vorteile eines Rauchstopps
Das Hirninfarktrisiko ist im Vergleich zu einem Nichtraucher zwei- bis dreifach erhöht, das Hirnblutungsrisiko sogar vier- bis sechsfach! Jede Zigarette zählt! Schwere Raucher (über 40 Zigaretten am Tag) haben ein doppelt so hohes Schlaganfall Risiko im Vergleich zu leichten Rauchern (10 Zigaretten am Tag). Es besteht somit eine direkte Korrelation zwischen Zigarettenanzahl und Höhe des Erkrankungsrisikos. Nach fünf Jahren hat ein ehemaliger Raucher bereits das gleiche Schlaganfall Risiko wie ein Nichtraucher. Nach zwei Jahren sinkt das Schlaganfall Risiko das erste Mal statistisch relevant. Sogar passiv Rauchen beeinflusst das Schlaganfallrisiko.
Rauchstopp nach einem Schlaganfall
Ein Rauchstopp nach dem ersten Schlaganfall bringt enorm viel. Innerhalb von 2 ½ Jahren nach einem Schlaganfall haben Raucher eine 90% Chance, während Nichtraucher eine 30% Chance haben einen weiteren Schlaganfall zu erleiden. Patienten die nach einer Herz-Kreislauf-Erkrankung (Herzinfarkt oder Schlaganfall) erfolgreich mit dem Rauchen aufhören, leben im Durchschnitt 5 Jahre länger und haben erst 10 Jahre später ein Zweitereignis im Vergleich zu Betroffene die weiter rauchen. Ein Rauchstopp nach dem ersten Schlaganfall, hat den gleichen positiven Effekt wie die Einnahme von einer leichten Blutverdünnung (Thrombozytenaggregationshemmung) oder Cholesterinsenkern zum Langzeit Schlaganfallschutz (medikamentöse Sekundärprophylaxe). Rauchen verschlechtert die Erholung (Rehabilitation) von Lähmungen und Sprachstörungen nach einem Schlaganfall.
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Tipps für einen erfolgreichen Rauchstopp
- Werde Dir nochmal bewusst, was Rauchen mit Deinem Körper anstellt: Bluthochdruck, Gefäßverkalkung (Atherosklerose) und mehr Hirnaneurysmen.
- Lese Dir noch einmal die Zahlen und Fakten zu Rauchen und Schlaganfall durch.
- Setze Dir realistische, erreichbare und messbare Ziele mit Belohnungen als Etappensieg.
- Nutze die Zeit im Krankenhaus um gleich einen „kalten Entzug“ zu machen.
- Ersetze das Ritual des Rauchens mit einer anderen Gewöhnung um Dich vom geistigen Verlangen zu Rauchen abzulenken.
- Frage nach professioneller Hilfe bei Deinen Ärzt/innen.
- Rede mit Deiner Familie und Freunde darüber, dass Du ein Nichtraucher bzw. eine Nichtraucherin werden willst.
Fazit: E-Zigaretten sind keine harmlose Alternative
Die vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass E-Zigaretten keine harmlose Alternative zum Rauchen sind und möglicherweise sogar das Risiko für Schlaganfälle erhöhen können, insbesondere bei jüngeren Menschen und Doppelnutzern. Es ist wichtig, sich der potenziellen Gefahren bewusst zu sein und im Zweifelsfall auf den Konsum von E-Zigaretten zu verzichten. Der beste Weg, das Schlaganfallrisiko zu minimieren, ist ein vollständiger Rauchstopp. Dabei können professionelle Hilfe und Unterstützung durch Familie und Freunde eine entscheidende Rolle spielen.
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