Neurologische Bewertung von Blutdruck- und Pulsmesswerten

Die neurologische Bewertung von Blutdruck- und Pulsmesswerten ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des autonomen Nervensystems sowie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Messwerte können wertvolle Informationen über den Zustand des Patienten liefern und helfen, die richtige Therapie einzuleiten.

Einführung

Das autonome Nervensystem reguliert unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung und Verdauung. Störungen dieses Systems können sich in einer Vielzahl von Symptomen äußern, darunter orthostatische Hypotonie, Hitzeintoleranz, Verdauungsstörungen und erektile Dysfunktion. Die neurologische Bewertung von Blutdruck- und Pulsmesswerten ist ein wichtiger Schritt, um die Ursache dieser Symptome zu ermitteln und eine geeignete Behandlung zu planen.

Messung von Blutdruck und Puls

Kontinuierliche, nicht-invasive Blutdruckmessung

Die kontinuierliche, nicht-invasive Blutdruckmessung (CNIBP) ist eine Methode zur kontinuierlichen Überwachung des Blutdrucks ohne die Notwendigkeit einer Manschette. Dies kann durch die Pulstransitzeit (PTT) erfolgen, die die Zeit misst, die eine Pulswelle benötigt, um zwischen zwei Punkten im Gefäßsystem zu wandern. Die SOMNOtouchTM NIBP ist ein Gerät, das den systolischen und diastolischen Blutdruck kontinuierlich und nicht-invasiv misst.

Die PTT-Methode verwendet eine Einpunktkalibrierung zu Beginn der Messung, um den Algorithmus in der Software einzustellen. Dadurch kann der Blutdruck kontinuierlich und rückwirkungsfrei bestimmt werden, ohne dass eine Manschette aufgepumpt werden muss. Jede einzelne Pulswelle wird aufgezeichnet, was eine kontinuierliche Messung von Herzschlag zu Herzschlag ermöglicht.

Ambulante Blutdruckmessung (ABPM)

Die ambulante Blutdruckmessung (ABPM) ist eine Methode zur Messung des Blutdrucks über einen Zeitraum von 24 Stunden. Dies kann mit einem Blutdruckmessgerät mit Manschette wie dem ABPMpro erfolgen. Das ABPMpro kann auch Holter-EKG, Oxymetrie, Aktigraphie und Pulswellengeschwindigkeit aufzeichnen.

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Schellong-Test und NASA-10min-Lean-Test

Der Schellong-Test und der NASA-10min-Lean-Test sind einfache orthostatische Tests, die in der Praxis durchgeführt werden können. Beim Schellong-Test liegt der Patient zunächst 5 bis 10 Minuten auf einer Liege, wobei jede Minute Puls und Blutdruck gemessen werden. Anschließend wird der Patient aufgefordert, schnell aufzustehen. Beim NASA-10min-Lean-Test lehnt sich der Patient stehend mit den Schultern an die Wand, wobei die Füße etwa 15 Zentimeter von der Wand entfernt sind.

Interpretation von Blutdruck- und Pulsmesswerten

Orthostatische Hypotonie

Orthostatische Hypotonie ist ein Blutdruckabfall beim Aufstehen. Sie ist definiert als ein Abfall des systolischen Blutdrucks um mehr als 20 mmHg oder des diastolischen Blutdrucks um mehr als 10 mmHg innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen. Bei autonomer Dysregulation fehlt zusätzlich die kompensatorische Pulsfrequenzerhöhung.

Blutdruckverhalten bei anhaltendem Faustschluss

Ein normaler diastolischer Blutdruckanstieg bei anhaltendem Faustschluss beträgt mehr als 15 mmHg. Ein Anstieg zwischen 11 und 15 mmHg ist grenzwertig, und ein Anstieg unter 11 mmHg ist pathologisch.

Herzfrequenzvariation

Die Herzfrequenzvariation (HRV) ist ein Maß für die Variation der Zeitintervalle zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen. Eine verminderte HRV kann auf eine Störung des autonomen Nervensystems hinweisen.

Posturales Orthostatisches Tachykardiesyndrom (POTS)

POTS ist definiert als ein Anstieg der Herzfrequenz um mehr als 30 Schläge pro Minute während des 10-minütigen Stehens.

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Autonome Testverfahren

Die anatomische und funktionelle Einteilung in parasympathisches und sympathisches autonomes Nervensystem ermöglicht die Durchführung verschiedener Testverfahren im Rahmen der neurophysiologischen Diagnostik.

Blutdruckverhalten beim Aufstehen (Orthostasebelastung)

  • Voraussetzung: 20 min Ruhe im Liegen vor Testbeginn
  • Durchführung: Wiederholte, besser kontinuierliche Aufzeichnung von Blutdruck (BP)
  • Parameter: BP
  • Normwerte und Grenzen: Orthostatische Hypotension = Abnahme BP syst >20 mmHg über 3 min
  • Bemerkung: Bei autonomer Dysregulation fehlt zusätzlich die kompensatorische Pulsfrequenzerhöhung

Blutdruckverhalten bei anhaltendem Faustschluss

  • Durchführung: Faustschluss mit 30 % der maximalen Kraft für 5 min (3 min)
  • Parameter: BP-Aufzeichnung
  • Normwerte und Grenzen: BP diast. Anstieg: Normal >15 mmHg, grenzwertig: 11-15 mmHg, pathologisch: <11 mmHg
  • Bemerkung: Bisher wenig klinische Erfahrungen vorliegend

Sympathische Hautantwort („sympathetic skin response“ [SSR])

  • Durchführung: Differente Elektroden auf Handinnenflächen bzw. Fußsohlen, indifferente Elektroden auf Hand bzw. Fußrücken. Stimulus eines sensiblen Nervs
  • Parameter: SSR
  • Normwerte und Grenzen: Latenz zur Hand <1,9 ms, zum Fuß <2,4 ms
  • Bemerkung: Cave: Habituation oder zu niedrige Stimulusintensität ergeben falsch-pathologische Befunde. Quantitativer sudomotorischer Axonreflextest ist vergleichbar sensitiv

Ursachen für Blutdruck- und Pulsstörungen

Es gibt viele verschiedene Ursachen für Blutdruck- und Pulsstörungen, darunter:

  • Erkrankungen des autonomen Nervensystems: Multisystematrophie, multiple Sklerose, Polyneuropathien bei Diabetes mellitus, Amyloidose, Porphyrie oder Urämie, Guillain-Barré-Syndrom oder hereditäre Neuropathien.
  • Internistische Ursachen: Hypovolämie nach Dehydratation, rezidivierendem Erbrechen, Thyreotoxikose, Nebenniereninsuffizienz.
  • Medikamente: Kreislauf-aktive und Stoffwechsel-aktivierende Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.

Behandlung von Blutdruck- und Pulsstörungen

Die Behandlung von Blutdruck- und Pulsstörungen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Zu den möglichen Behandlungen gehören:

  • Lebensstiländerungen: Gewichtsabnahme bei Übergewicht, regelmäßige körperliche Aktivität, salzarme Ernährung, wenig Alkohol, Rauchstopp, Entspannungstechniken.
  • Medikamente: Blutdrucksenker, Medikamente zur Erhöhung des Blutdrucks.
  • Interventionelle Verfahren: Renale Denervation.
  • Physiotherapie: Bio-Feedback Becken-Bodentraining (ActiCore), Erlernen einer reinen Nasen-Zwerchfellatmung in den Bauch und apparatives Atemmuskeltraining.

Belastungs-EKG

Ein Belastungs-EKG (auch Ergometrie, Sport-EKG oder Ergo-EKG genannt) ist eine spezielle Form des Elektrokardiogramms, das während körperlicher Aktivität durchgeführt wird. Dieser Test wird typischerweise auf einem Fahrradergometer oder Laufband ausgeführt, um zu beobachten, wie das Herz unter Stress reagiert. Die Ergebnisse liefern wertvolle Informationen über die Leistungsfähigkeit des Herzens und können helfen, Herzerkrankungen wie z. B. die Koronare Herzkrankheit zu identifizieren.

Ablauf eines Belastungs-EKGs

  1. Vorbereitung: Der Arzt führt eine Anamnese durch, um bestehende gesundheitliche Probleme, Medikamente und Symptome zu besprechen. Der Patient sollte keine schweren Mahlzeiten einnehmen und bequeme Kleidung tragen.
  2. Durchführung: Der Patient beginnt mit der Übung auf dem Ergometer, wobei die Intensität schrittweise gesteigert wird. Vitalwerte und EKG werden kontinuierlich überwacht.
  3. Nachbesprechung: Der Arzt analysiert die Daten und bespricht die Ergebnisse mit dem Patienten.

Interpretation eines Belastungs-EKGs

Beim Lesen eines Belastungs-EKGs konzentrieren sich die Ärzte auf verschiedene Aspekte:

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  • Herzfrequenz und Rhythmus: Normalerweise sollte die Herzfrequenz mit zunehmender Übungsintensität ansteigen. Herzrhythmusstörungen, die nur während der Übung auftreten, können ebenfalls erkannt werden.
  • Blutdruckreaktion: Der Blutdruck steigt in der Regel mit der Intensität der Übung an. Ein abnormaler Anstieg oder Abfall des Blutdrucks kann auf eine Herzkrankheit hinweisen.
  • ST-Streckenänderungen: Veränderungen der ST-Strecke im EKG können auf eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Herzens hinweisen.

Benommenheit und Schwindel

Benommenheit und Schwindel sind häufige Symptome, die viele Menschen im Laufe ihres Lebens erleben. In der Cardiopraxis® sind Spezialisten auf die Diagnostik der orthostatischen Benommenheit bis hin zur Ohnmacht spezialisiert.

Systematischer Schwindel vs. Benommenheit

Es ist wichtig, zwischen systematischem Schwindel und Benommenheit zu unterscheiden. Schwindel entsteht durch widersprüchliche Informationen, die verschiedene Sinnesorgane an das Gehirn senden. Benommenheit ist eine diffuse Störung der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung der Umgebung.

Orthostatische Benommenheit

Die orthostatische Benommenheit ist eine häufige Bewusstseinsstörung, die von der Körperposition abhängig ist und typischerweise beim ruhigen Stehen auftritt.

Ursachen der orthostatischen Benommenheit

Ursachen der orthostatischen Benommenheit können sein:

  • Verminderter venöser Rückstrom zum Herzen.
  • Reduzierter arterieller Einstrom.
  • Labilisiertes Kreislaufsystem.
  • Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.

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