Eindeutige Alzheimer Diagnosemethoden

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch Gedächtnisverlust, kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen gekennzeichnet ist. Da es derzeit keine Heilung für Alzheimer gibt, konzentriert sich die Forschung auf die Entwicklung von Methoden zur Früherkennung und Diagnose der Krankheit, um rechtzeitig Behandlungs- und Betreuungsmaßnahmen einleiten zu können.

Die Herausforderung der Alzheimer-Diagnose

Die Diagnose von Alzheimer kann eine Herausforderung sein, da die Symptome oft schleichend beginnen und sich im Laufe der Zeit allmählich verschlimmern. Ein bisschen Vergesslichkeit ist nur menschlich, aber ab wann wird das Vergessen krankhaft? Zudem können die Symptome von Person zu Person variieren und sich mit denen anderer Demenzformen überschneiden. Eine eindeutige Diagnose bekommen die meisten jedoch nicht. Vielmehr gilt das Ausschlussprinzip, ob es sich nicht beispielsweise um eine frontotemporale oder vaskuläre Demenz oder eine Lewy-Körperchen-Demenz handelt.

Nach Schätzungen der Alzheimer Forschung Initiative sind in Deutschland 1,2 Millionen Menschen betroffen.

Aktuelle Diagnoseverfahren

Trotz der Herausforderungen wurden in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte bei der Entwicklung von Diagnoseverfahren für Alzheimer erzielt. Zu den derzeit verfügbaren Methoden gehören:

  • Anamnese und klinische Untersuchung: Eine ausführliche Anamnese, die sowohl den Betroffenen selbst als auch Angehörige befragt, ist ein wichtiger erster Schritt. Dabei werden Informationen über die Krankengeschichte, aktuelle Beschwerden, Medikamente und Risikofaktoren gesammelt. Auch neurologische und psychiatrische Symptome sind für die Differenzialdiagnose wichtig.

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  • Kognitive Tests: Kognitive Tests, wie der Mini-Mental-Status-Test, helfen bei der Beurteilung des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit, der Sprache und anderer kognitiver Funktionen. Dabei muss der Patient unter anderem das aktuelle Datum nennen, ein Blatt Papier falten und Wörter nachsprechen.

  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) und die Positronenemissionstomografie (PET) spielen eine zunehmend wichtige Rolle bei der Alzheimer-Diagnose.

    • MRT: Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist heute das Standardverfahren der Bildgebung bei Demenz. Sie liefert äußerst genaue Schnittbilder des Gehirns, und das ganz ohne Strahlenbelastung. Mit diesem Verfahren können strukturelle Veränderungen im Gehirn nachgewiesen werden. Solche Veränderungen in bestimmten Gehirnregionen deuten auf ein Frühstadium der Demenz hin und ermöglichen schon heute eine frühe Diagnose. Besonders aufschlussreich sind MRT-Bilder beim Blick auf den Hippocampus, eine Hirnregion, die bei Menschen mit Alzheimer schon in einem frühen Stadium schrumpft. Veränderungen sind sogar schon zu erkennen, bevor erste Symptome auftreten.
    • PET: Mit der Positronenemissionstomografie (PET) kann der Stoffwechsel verschiedener Substanzen wie Glucose oder die Acetylcholinesterase-Aktivität gemessen werden. Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ist mehr als ein Blick ins Gehirn: Sie zeigt, wie aktiv Nervenzellen arbeiten und ob sich krankhafte Proteine ablagern. Dafür werden schwach radioaktive Substanzen eingesetzt, die bestimmte Prozesse im Gehirn sichtbar machen.
  • Liquordiagnostik: Die Analyse der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) kann helfen, bestimmte Biomarker zu identifizieren, die auf Alzheimer hindeuten. Vor allem drei Substanzen in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit sind interessant: Aβ1-42, dessen Spiegel im Verlauf der Erkrankung abfällt, sowie phophoryliertes und Gesamt-Tau-Protein, deren Konzentrationen ansteigen. Liegen zwei Marker außerhalb der Referenzwerte, gilt die Diagnose als relativ sicher.

Biomarker als Schlüssel zur Früherkennung

Die Hoffnungen der Mediziner liegen daher auf Biomarkern. Ein Ziel der Alzheimer-Forschung ist heute, eine Methode oder einen Test zu entwickeln, die schon im frühen, symptomlosen Stadium Risikopatienten herausfiltert - einfach, kostengünstig und natürlich treffsicher.

Biomarker sind messbare Indikatoren für biologische Prozesse im Körper. Bei Alzheimer werden Biomarker verwendet, um die Anwesenheit von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn nachzuweisen, die Kennzeichen der Krankheit sind.

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  • Amyloid-Plaques: Ablagerungen von Beta-Amyloid-Protein zwischen den Nervenzellen im Gehirn.
  • Tau-Fibrillen: Verdrillte Fasern des Tau-Proteins innerhalb der Nervenzellen.

Die Messung dieser Biomarker im Liquor oder mittels PET-Scans kann helfen, Alzheimer schon in einem frühen Stadium zu erkennen, bevor Symptome auftreten.

Bluttests auf dem Vormarsch

Einfacher wäre es, eine Blutprobe zu untersuchen. Im Moment gibt es auf dem Sektor der Blutdiagnostik allerdings noch nicht viel. Aber in den nächsten Jahren wird ein brauchbarer Test auf den Markt kommen. Mit »brauchbar« ist gemeint, dass der Test spezifisch und sicher eine Alzheimer-Demenz bestätigen oder ausschließen kann.

Die Entwicklung von Bluttests zur Früherkennung von Alzheimer ist ein vielversprechendes Forschungsgebiet. Bluttests hätten den Vorteil, dass sie weniger invasiv und kostengünstiger wären als Liquoruntersuchungen oder PET-Scans.

Es gibt verschiedene Ansätze zur Entwicklung von Bluttests für Alzheimer:

  • Nachweis von Amyloid- und Tau-Fragmenten im Blut: Einige Studien haben gezeigt, dass Fragmente von Amyloid- und Tau-Proteinen im Blut von Alzheimer-Patienten erhöht sein können.
  • Identifizierung von Autoantikörpern: Die Göttinger Arbeitsgruppe von Thomas Bayer arbeitet an einem anderen Konzept: Sie setzt auf Autoantikörper. Jeder Mensch hat Autoantikörper. So gibt es Autoantikörper, die sich gegen die toxischen Aβ-Peptide richten. Sie richten sich gegen das besonders toxische Pyroglutamat-Aβ-Peptid.
  • Zellgebundener Test an Lymphozyten: Arendt ist selbst an der Entwicklung eines solchen Tests beteiligt. Es ist ein zellgebundener Test an Lymphozyten. Der Test basiert auf der Annahme, dass bei Alzheimer die Zellteilungskontrolle von Nervenzellen gestört ist und eine ähnliche Störung auch in anderen peripheren Zellen, zum Beispiel in den Lymphozyten, zu finden ist.

Noch stecken die Bluttests in den Anfängen. Doch die Wissenschaftler sind sehr zuversichtlich, dass langfristig Screenings in der breiten Bevölkerung zur frühen Diagnose von Alzheimer möglich sein werden.

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Die Rolle der Genetik

Auch die Genetik trägt ihren Teil zur Entstehung der Alzheimer-Erkrankung bei, für die Diagnostik spielt sie bislang nur eine untergeordnete Rolle. Als Risikogen war lange nur ApoE4 bekannt. Eine Gesamtgenomanalyse mit mehr als 16 000 Probanden sowie eine französische Studie haben jedoch vor Kurzem weitere erbliche Faktoren identifiziert. Wenn wir bislang nur den Mount Everest, also das ApoE4-Gen kannten, so haben Wissenschaftler nun drei weitere Himalaya-Gipfel entdeckt. In weiteren Studien sollen nun die »kleineren Berge« gesucht werden, die an der Demenzentstehung beteiligt sind.

Subjektive Gedächtnisstörungen als Frühwarnzeichen

Die Forscher konnten zeigen, dass Patienten, die während eines Arztbesuches von rein subjektiven Gedächtnisstörungen berichten - ohne dass messbare Gedächtnisprobleme vorliegen - häufiger zu einem späteren Zeitpunkt an einer Demenz erkranken als andere. Professor Maier und Dr. Jessen sehen darin eine Möglichkeit, sehr früh und ohne aufwendige Methoden einen ersten Hinweis zu bekommen, ob ein Patient oder eine Patientin zu einer Demenz neigt.

Differenzialdiagnostik: Demenzformen unterscheiden

Welche Diagnoseverfahren helfen, Demenzformen zu unterscheiden? Welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von der vermuteten Demenzform ab.

  • Alzheimer-Krankheit: Der Nachweis bestimmter Proteine (Amyloid-beta, Tau) im Nervenwasser oder Blut kann die Diagnose absichern. Für eine Behandlung mit Antikörpern wie Leqembi und Kisunla ist dieser Nachweis eine zentrale Voraussetzung.
  • Frontotemporale Demenz: Bildgebende Verfahren (MRT) sind besonders wichtig, um den für diese Form typischen Abbau im Stirn- oder Schläfenlappen zu erkennen. Bei unklarem Befund können PET- oder SPECT-Untersuchungen sinnvoll sein. Bei familiärer Vorbelastung wird eine genetische Beratung empfohlen.
  • Lewy-Körperchen-Demenz: Hier helfen zusätzliche Untersuchungen, etwa zur Beweglichkeit oder zum Schlafverhalten. Auch spezielle bildgebende Verfahren wie DAT-SPECT oder MIBG-Szintigrafie können zum Einsatz kommen. Typische Symtpome wie Halluzinationen oder Schwankungen in der Aufmerksamkeit werden gezielt abgefragt oder getestet.
  • Vaskuläre Demenz: Die Diagnose basiert auf MRT-Aufnahmen, die Durchblutungsstörungen, Gefäßveränderungen oder Schlaganfälle zeigen. Wichtig ist dabei, ob sich die Veränderungen im Gehirn mit den beobachten kognitiven Einschränkungen erklären lassen. Auch medizinische Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes werden bei der Abklärung einbezogen.

Auch psychologische Testverfahren können helfen, Demenzformen voneinander zu unterscheiden.

Warum eine frühe Diagnose wichtig ist

Doch wozu die ganze Diagnostik, wenn es noch keine Heilung gibt? Eine frühe Diagnose bei Demenz ist sehr wichtig, weil bekannte Therapieverfahren nur in bestimmten Phasen der Erkrankung wirken. Das gilt vor allem für die sehr frühen Demenzstadien, in denen die MRT-Technik keine sichere Antwort gibt. Zum einen ist es wichtig, behandelbare Ursachen wie eine Depression auszuschließen. Zum anderen gelten die Antidementiva als effektiver, wenn sie in frühen Stadien eingesetzt werden. Vielleicht haben wir schon wirksame Arzneimittel und müssen sie nur früher einsetzen. Nicht jeder Über-60-Jährige sollte die Medikamente nehmen. Nur etwa 5 bis 15 Prozent der Menschen, die ein mildes kognitives Defizit aufweisen, erkranken im Laufe der Jahre an Alzheimer. Diese könnten von einem frühen Einsatz der Arzneimittel profitieren. Letztlich sind zuverlässige Biomarker im Frühstadium der Alzheimer-Demenz auch für die Entwicklung von neuen Medikamenten essenziell. Wir brauchen Endpunkte für klinische Studien.

Eine frühe Diagnose ermöglicht es den Betroffenen und ihren Familien, sich auf die Zukunft vorzubereiten, Behandlungsoptionen zu prüfen und Vorkehrungen für die Betreuung zu treffen. Zudem können in frühen Stadien der Krankheit симптомы-lindernen Medikamente eingesetzt werden.

Die Zukunft der Alzheimer-Diagnostik

Weltweit arbeiten Demenzforscherinnen und -forscher daran, die Diagnostik von Demenzerkrankungen zu verbessern. Ein wichtiges Ziel ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer früher zu erkennen. Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld ist die korrekte Abgrenzung von Demenzerkrankungen: Während die Alzheimer-Krankheit mittlerweile sehr gut zu Lebzeiten eindeutig diagnostiziert werden kann, sind andere, seltenere Demenzen diagnostisch nach wie vor eine Herausforderung, zum Beispiel die Frontotemporale Demenz oder die Chronisch Traumatische Enzephalopathie (CTE), die durch Kopfverletzungen hervorgerufen wird. Hier kann oft erst eine Untersuchung des Gehirns nach dem Tod endgültig Gewissheit bringen. Die Forschung arbeitet daran, auch diese Diagnosen frühzeitig und eindeutig zu ermöglichen.

Die Fortschritte in der Alzheimer-Diagnostik sind vielversprechend. Durch die Kombination verschiedener Diagnoseverfahren, die Identifizierung neuer Biomarker und die Entwicklung von Bluttests rückt eine frühe und präzise Diagnose von Alzheimer in greifbare Nähe. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung, Betreuung und letztendlich für die Prävention dieser verheerenden Krankheit.

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