Einwöchige Pillenpause und Migräne: Vor- und Nachteile der Zyklusverlängerung

Die Antibabypille ist nach wie vor eines der beliebtesten Verhütungsmittel. Viele Frauen nehmen die Pille über 21 Tage und legen dann eine siebentägige Pause ein, in der es zu einer Abbruchblutung kommt. Immer mehr Frauen verzichten jedoch auf diese Pause und nehmen die Pille durchgehend ein. Dies wirft Fragen auf, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne. Ist es empfehlenswert, die Pille durchzunehmen, oder kann dies dem Körper schaden? Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile der einwöchigen Pillenpause, insbesondere im Hinblick auf Migräne, und bietet einen umfassenden Überblick über die Thematik.

Hintergrund: Die Pille und der Zyklus

Die Antibabypille enthält synthetische Hormone, meist Östrogen und Gestagen, die den natürlichen weiblichen Zyklus beeinflussen. Durch die tägliche Hormonzufuhr wird verhindert, dass Eizellen heranreifen und es zum Eisprung kommt. Zudem wird der Schleim im Gebärmutterhals verdickt, was das Eindringen von Spermien erschwert. Die Abbruchblutung während der Pillenpause ist keine natürliche Menstruation, sondern eine Folge des Hormonentzugs.

Gründe für das Durchnehmen der Pille

Es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen die Pille durchnehmen:

  • Praktische Gründe: Viele Frauen empfinden es als praktisch, die Periode während des Urlaubs, einer Prüfung oder anderer wichtiger Ereignisse zu verschieben oder ganz zu unterdrücken.
  • Menstruationsbeschwerden: Frauen, die unter starken Menstruationsbeschwerden wie Schmerzen, Krämpfen, Stimmungsschwankungen oder Migräne leiden, können durch das Durchnehmen der Pille eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität erfahren.
  • Medizinische Indikationen: Bei bestimmten Erkrankungen wie Endometriose, Myomen oder Epilepsie kann das Durchnehmen der Pille sogar therapeutisch sinnvoll sein, da sich die Symptome in der Hormonpause verstärken können.
  • Ekel vor der Periode: Einige Frauen ekeln sich vor ihrer Periode und empfinden es als angenehmer, diese zu vermeiden.

Menstruelle Migräne und die Pille

Ein spezifischer Grund für das Durchnehmen der Pille ist die sogenannte menstruelle Migräne. Diese Form der Migräne wird durch den Abfall des Östrogenspiegels während der Pillenpause ausgelöst. Der Endokrinologe Prof. Thomas Strowitzki von der Uniklinik Heidelberg erklärt, dass der Östrogenabfall in der einnahmefreien Woche einem "Entzug" gleichkommt, der Migräne auslösen kann.

Vermeidung von Kopfschmerzen durch Verzicht auf die Pillenpause

Um die Kopfschmerzen zu umgehen, kann auf die Pillenpause verzichtet werden. Dadurch werden die hormonellen Schwankungen reduziert und das Auftreten von Migräneanfällen kann verhindert werden.

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Die historische Perspektive

Die Idee der einwöchigen Pillenpause ist historisch bedingt. John Rock, einer der Entwickler der Antibabypille, war ein gläubiger Katholik. Er ging davon aus, dass die Akzeptanz der Pille durch die Kirche höher wäre, wenn Frauen weiterhin monatlich bluten würden. Die dreiwöchige Einnahme und einwöchige Pause sollten den Eindruck eines natürlichen Zyklus erwecken.

Medizinische Aspekte und Empfehlungen

Aus medizinischer Sicht spricht nichts gegen das Durchnehmen der Pille, wenn es sich um eine einphasige Mikropille handelt. Es gibt keine Studien, die belegen, dass die durchgängige Einnahme schädlich ist. Im Gegenteil, die Sicherheit der Pille ist bei kontinuierlicher Einnahme sogar höher, da das Risiko, die Pille einmal zu vergessen, geringer ist.

Beratung durch den Frauenarzt

Dennoch sollte vor der Umstellung auf einen Langzyklus immer ein Gespräch mit dem Frauenarzt erfolgen. Er kann die individuelle Situation der Frau beurteilen, mögliche Risiken und Nebenwirkungen abklären und die geeignete Pille empfehlen. Nicht alle Pillen sind für den Langzyklus geeignet. Nur einphasige Präparate, die über den gesamten Einnahmezeitraum eine gleichmäßige Hormonmenge abgeben, sind empfehlenswert.

Langzeitige Einnahme und Schleimhautaufbau

Wenn eine Patientin während des Langzyklus nicht blutet und die Schleimhaut in der Gebärmutter schmal ist, kann die Pille unbedenklich über mehrere Jahre hinweg durchgenommen werden. Baut sich jedoch immer wieder Schleimhaut auf, sollte diese gelegentlich abbluten können.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Obwohl die Dauereinnahme der Pille im Allgemeinen als sicher gilt, können einige Nebenwirkungen auftreten:

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  • Zwischenblutungen: Während des Langzyklus kann es zu Zwischenblutungen kommen. Dieses Risiko nimmt jedoch ab, je länger die Pille durchgenommen wird.
  • Stimmungsschwankungen: Obwohl viele Frauen von einer Verbesserung ihrer Stimmung berichten, können bei manchen Frauen auch Stimmungsschwankungen auftreten.
  • Thromboserisiko: Wie bei jeder hormonellen Verhütungsmethode besteht auch beim Durchnehmen der Pille ein erhöhtes Thromboserisiko. Dieses Risiko ist jedoch gering und wird durch Faktoren wie Übergewicht und Rauchen zusätzlich erhöht.
  • Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit: Das Durchnehmen der Pille hat keinen Einfluss auf die spätere Fruchtbarkeit.

Alternativen zur Kombinationspille

Für Frauen, die keine Östrogene vertragen oder bei denen ein erhöhtes Thromboserisiko besteht, gibt es östrogenfreie Alternativen:

  • Minipille: Die Minipille enthält nur Gestagen und wird ohne Pause eingenommen. Sie führt zu einem hormonell konstanten Langzyklus, bei dem es entweder zu keinen Blutungen oder zu unregelmäßigen Schmierblutungen kommen kann.
  • Gestagen-Präparate: Es gibt auch reine Gestagen-Präparate, die zur Verschiebung der Periode eingesetzt werden können. Ein Beispiel ist Norethisteron, das in einigen Ländern als "Urlaubs-Pille" erhältlich ist.
  • Hormonstäbchen und Drei-Monats-Spritze: Weitere östrogenfreie Verhütungsmethoden sind das Hormonstäbchen, das in den Oberarm eingesetzt wird und drei Jahre wirkt, sowie die Drei-Monats-Spritze.

Die Rolle der Östrogene und ihre Auswirkungen

Bei östrogenfreien Präparaten ist es wichtig, auf einen möglichen Östrogenmangel zu achten. Ein Mangel kann zu einer Reduktion der Knochendichte, Hitzewallungen und Schlafstörungen führen. Studien haben jedoch gezeigt, dass die östrogenfreie Pille und das Hormonstäbchen in der Regel nicht zu einem Mangel führen.

Die psychologische Komponente

Neben den medizinischen Aspekten spielt auch die psychologische Komponente eine Rolle. Viele Frauen empfinden es als beruhigend, monatlich zu bluten und wissen dann, dass sie nicht schwanger sind. Andere wiederum fühlen sich durch die Periode in ihrem Alltag eingeschränkt und bevorzugen es, diese zu vermeiden.

Das Gefühl, "Frau zu sein"

Einige Frauen berichten, dass sie sich ohne Menstruation nicht mehr richtig weiblich fühlen. Eine der befragten Frauen in dem ursprünglichen Artikel schilderte, dass sie nach jahrelanger Einnahme der Minipille das Gefühl hatte, keine "richtige Frau" mehr zu sein und nicht mehr bei den typischen "Ich-habe-meine-Regel"-Sprüchen ihrer Freundinnen mitreden konnte.

Studien zu Nebenwirkungen der Pille

Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass die Einnahme der Pille negative Auswirkungen auf die Lebensqualität haben kann. Eine schwedische Studie zeigte, dass Frauen, die orale Kontrazeptiva einnahmen, von einer signifikant schlechteren Lebensqualität berichteten als Frauen, die Placebos schluckten. Dabei wurden Aspekte wie Stimmung, Selbstkontrolle und Energielevel berücksichtigt.

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Depressionen und die Pille

Eine dänische Studie ergab, dass das Risiko für Depressionen bei Frauen in den ersten sechs Monaten nach Beginn der ersten Einnahme der Pille um 40 Prozent steigt. Bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren soll sich das Risiko sogar um 80 Prozent erhöhen. Deutsche Experten bewerten diese Ergebnisse jedoch skeptisch und weisen darauf hin, dass aus den Studienergebnissen nicht automatisch geschlossen werden kann, dass die Pille Depressionen verursacht.

Kopfschmerzen in der Pillenpause: Ursachen und Behandlung

Kopfschmerzen in der Pillenpause sind ein häufiges Problem. Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig erforscht, aber es wird vermutet, dass der plötzliche Abfall des Östrogenspiegels eine Rolle spielt.

Was kann helfen?

  • Hausmittel: Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und Kopfschmerzen zu reduzieren. Ein kühlender Lappen kann ebenfalls Linderung verschaffen.
  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittleren Schmerzen können Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden.
  • Ärztliche Beratung: Wenn die Kopfschmerzen regelmäßig auftreten und die Lebensqualität beeinträchtigen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Natürliche Methoden zur Beeinflussung der Periode

Im Internet kursieren zahlreiche Tipps rund um pflanzliche Mittel wie Ingwer, Schafgarbe, Himbeerblätter oder Mönchspfeffer, um die Periode auf natürliche Weise zu verkürzen oder zu verschieben. Die Wirksamkeit dieser Methoden ist jedoch fraglich und wirkt bestenfalls bei einzelnen Frauen leicht und sehr individuell.

Anpassungen im Lebensstil

Wirksame Maßnahmen, um die Periode auf natürliche Weise zu verkürzen oder zu verringern, sind dagegen Anpassungen im Lebensstil. Studien deuten darauf hin, dass ein niedrigerer Anteil an Körperfett mit einer schwächeren Menstruation zusammenhängen kann.

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