Viele Frauen kennen das Problem: Während der Pillenpause, jener einnahmefreien Zeit bei der Einnahme der Antibabypille, treten Kopfschmerzen auf. Bei manchen Frauen steigern sich diese zu einer intensiven menstruellen Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne in der Pillenpause, wobei besonderes Augenmerk auf Hausmittel und alternative Strategien gelegt wird.
Menstruelle Migräne: Ein Überblick
Menstruelle Migräne ist eine Form der Migräne, die in zeitlicher Nähe zur Menstruation auftritt, typischerweise zwei Tage vor bis drei Tage nach Beginn der Periode. Hormonschwankungen, insbesondere ein Abfall des Östrogenspiegels, gelten als Hauptursache. Circa sieben Prozent aller Migränepatientinnen leiden unter dieser Form. Es gibt auch die menstruationsassoziierte Migräne, bei der Migräneattacken auch an anderen Tagen während des Zyklus auftreten können.
Ursachen und Auslöser
Der Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone auf die Entstehung von Migräne wird deutlich, wenn man bedenkt, dass Mädchen und Jungen vor der Pubertät gleich häufig betroffen sind. Erst mit Einsetzen der Monatsblutung steigt der Anteil der Frauen mit Migräne deutlich an. Auch während der Schwangerschaft und nach den Wechseljahren nimmt die hormonelle Migräne in der Regel ab, da weniger bis keine Hormonschwankungen mehr vorkommen.
Kurz vor der Menstruation fällt die Konzentration des weiblichen Sexualhormons Östrogen stark ab. Dieser Hormonabfall macht Frauen empfindlich gegenüber Stressfaktoren, die einen Migräneanfall auslösen können. Es gibt Hinweise darauf, dass die weiblichen Geschlechtshormone auch die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen. Die Menge an Östrogen wirkt sich vermutlich auf den Serotoninspiegel aus. Es erhöht die Menge des "Glückshormons" im Gehirn. Fällt der Östrogenspiegel, nimmt folglich auch die Menge an Serotonin ab. Dadurch werden Schmerzreize schlechter im Gehirn verarbeitet.
Studien lassen zudem vermuten, dass es bei Frauen mit menstrueller Migräne zu einer vermehrten Ausschüttung von CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) kommt. Dieser Entzündungsbotenstoff erweitert die Blutgefäße im Gehirn und ruft Entzündungsreaktionen hervor, die zu starken Kopfschmerzen führen.
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Symptome der menstruellen Migräne
Die Symptome der Migräne gehen in den meisten Fällen ohne Aura einher - also ohne neurologische Ausfälle wie Taubheitsgefühle im Gesicht, Seh- und Sprachstörungen. Oft sind die Schmerzen der menstruellen Migräne auch stärker ausgeprägt als bei der normalen Migräne. Charakteristisch ist zudem eine längere Dauer: Gelegentlich hält der Migräneanfall - mit kleinen Unterbrechungen - sogar eine Woche an.
Hormonelle Verhütung und Migräne
Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille können die Symptome der menstruellen Migräne beeinflussen. Abhängig von der Art der Migräne können Gestagen-Präparate hilfreich sein. Bei manchen Frauen kann eine Hormonbehandlung auch zu einer Verbesserung der Migräne führen. Es ist wichtig zu beachten, dass die Anti-Baby-Pille und Hormone nicht grundsätzlich für alle Migränepatientinnen geeignet sind. Manche berichten über eine Verschlechterung der Symptome, andere wiederum profitieren. Zudem sollten Patientinnen mit Migräne mit Aura keine hormonell wirksamen Präparate zur Verhütung einnehmen. Grundsätzlich wird Migränepatientinnen, die rauchen und über 40 Jahre alt sind, aufgrund des erhöhten Schlaganfall-Risikos davon abgeraten, die Pille einzunehmen. Welche hormonellen Behandlungsmöglichkeiten im individuellen Fall infrage kommen, gilt es ärztlich abzuklären.
Kopfschmerzen in der Pillenpause
Die Antibabypille verspricht einen zuverlässigen Schutz vor einer Schwangerschaft. Es gibt Pillen, die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthalten, während andere nur Gestagen enthalten. Die Pille hemmt die Freisetzung eines Eies aus den Eierstöcken und verhindert somit den Eisprung. Zusätzlich verdickt die Pille den Schleim im Gebärmutterhals, sodass Spermien schwieriger bis zur Gebärmutter durchdringen können.
Wird die Einnahme der Pille pausiert, sinkt auch die Hormonzufuhr und die Schleimhaut wird abgestoßen. Die Blutung, die in der Pillenpause einsetzt, wird daher auch als Abbruchblutung bezeichnet und entspricht nicht der Menstruationsblutung eines natürlichen Zyklus. Die meisten Frauen, die die Antibabypille einnehmen, haben während der Einnahme keine nennenswerten Nebenwirkungen. Allerdings kann es bei manchen Frauen in der einnahmefreien Zeit, also während der Pillenpause, zu Kopfschmerzen kommen. Die genaue Ursache dafür ist noch nicht vollständig erforscht, aber es gibt einige mögliche Gründe, die diese Beschwerden erklären könnten.
Manche Frauen vertragen die Pille gut und bemerken keinerlei Nebenwirkungen, andere hingegen berichten während der Einnahme von Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Libidoverlust oder depressiven Verstimmungen. In der pillenfreien, hormonfreien Zeit nehmen die Nebenwirkungen jedoch nicht ab. Und so können manche Frauen währenddessen unter Kopfschmerzen leiden - was am Hormonentzug liegen kann. Während der Einnahme der Pille werden Ihrem Körper Hormone zugeführt, die den natürlichen Zyklus unterdrücken. In der Pillenpause fällt der Hormonspiegel plötzlich ab, was zu Reaktionen wie Kopfschmerzen führen kann. Genauer gesagt kann es am Östrogen liegen. Das Hormon ist für seine gefäßerweiternde Wirkung bekannt.
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Was hilft gegen Migräne in der Pillenpause?
Die Therapie einer Migräne während der Periode unterscheidet sich im Grunde nicht von einer "normalen" Migräne. Da die Attacken bei der menstruellen Migräne oft tagelang dauern, empfiehlt sich für die Akuttherapie eine medikamentöse Behandlung der Migräne mittels Schmerzmedikamenten mit lang anhaltender Wirkung, beispielsweise Naproxen. Diese Arzneimittel sollten allerdings nicht länger als sieben Tage am Stück eingenommen werden, da sonst erneute Kopfschmerzen entstehen könnten. Gegen Übelkeit und Erbrechen wirken außerdem Metoclopramid oder Domperidon. Bei mittelstarken und schweren Attacken rät die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft zu verschreibungspflichtigen Migräne-Medikamenten aus der Gruppe der Triptane. Zudem ist es von Vorteil, an den Tagen vor der Periode Stress zu vermeiden und dem Körper Ruhe zu gönnen. Unter Umständen kann auch die gezielte Herbeiführung eines konstanten Hormonspiegels durch die Gabe geeigneter Hormone sinnvoll sein. Hormonpräparate mit gleichmäßiger Wirkstoffabgabe, wie Hormonpflaster, die die Patientin prophylaktisch bereits vor Einsetzen der Beschwerden (zwei Tage vor der Periode) aufbringt und während der Regel trägt. Das ist nur bei sehr regelmäßigem Zyklus geeignet.
Medikamentöse Behandlung
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Schmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen helfen.
- Triptane: Bei stärkeren Migräneattacken können Triptane, spezielle Migränemittel, verschrieben werden. Sie wirken gefäßverengend und können so die Schmerzen lindern.
- Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen können Medikamente wie Metoclopramid oder Domperidon eingesetzt werden.
- CGRP-Inhibitoren: In einigen Fällen können auch sogenannte CGRP-Inhibitoren in Betracht gezogen werden, wenn andere Medikamente nicht helfen oder nicht vertragen werden.
Hausmittel und alternative Behandlungen
Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, Migräne ohne Medikamente zu lindern. Hier sind einige bewährte Hausmittel und alternative Behandlungen:
- Magnesium: Magnesium kann bei Migräne als (zusätzliches) Prophylaktikum eingesetzt werden. Ein Mangel an Magnesium kann Muskelkrämpfe und -verspannungen oder Kopfschmerzen verursachen. Nahrungsergänzungsmittel, die Patienten bei Migräne einnehmen können, um sich das benötigte Magnesium zuzuführen, enthalten entweder Magnesiumoxid und Magnesiumcarbonat oder Magnesiumcitrat.
- Pfefferminzöl: Pfefferminzöl hat eine kühlende und schmerzlindernde Wirkung. Einige Tropfen auf Stirn, Schläfen und Nacken auftragen und sanft einmassieren. Pfefferminze kann auch als Tee bei Migräne hilfreich sein.
- Ingwer: Ingwer ist als wirksames Mittel gegen Übelkeit bekannt, kann aber auch Migräne-Schmerzen lindern oder sogar beseitigen.
- Koffein: Eine Tasse Kaffee oder Espresso mit Zitronensaft kann bei Migräne helfen. Das Koffein verengt die Blutgefäße im Gehirn, und die Zitrone fördert die Schmerzhemmung des Körpers und liefert Vitamin C.
- Lavendel: Das ätherische Öl kann Migräneschmerzen verringern.
- Mutterkraut: CO2-Extrakt aus Mutterkraut kann die Zahl der Migräneanfälle reduzieren.
- Weidenrinde: Ein Kräutertee aus Weidenrinde kann als Hausmittel Migräne zumindest lindern.
- Kühlende Kompressen: Kühlende Kompressen auf Stirn und Schläfen wirken gefäßverengend und verringern die Schmerzwahrnehmung.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelrelaxation nach Jacobson können helfen, Stress abzubauen und Kopfschmerzen zu reduzieren.
- Akupunktur und Akupressur: Die gezielte Stimulation bestimmter Akupunktur- bzw. Akupressur-Punkte mit Nadeln bzw. mit Fingerdruck ist Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Auch bei Kopfschmerzen und Migräne kann sich ein Behandlungsversuch lohnen.
- Regelmäßiger Tagesablauf: Achten Sie auf einen geregelten Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten und Bettruhe.
- Bewegung: Bewegung in Form von Ausdauersport und Alltagssport kann akute Spannungskopfschmerzen lindern und Migräneattacken vorbeugen.
- Vermeidung von Triggern: Migräne wird durch sogenannte Trigger ausgelöst. Zu den Triggern, die dafür bekannt sind, besonders häufig Migräne-Schmerzattacken auszulösen, zählen z. B. Stress, Umweltfaktoren, Ernährungsgewohnheiten, Wetterlagen und Hormonveränderungen. Viele jüngere Frauen leiden hingegen während der Pilleneinnahme unter Migräne, weil das Gleichgewicht des Körpers unter Zufuhr hormonhaltiger Präparate aus den Fugen geraten kann. Ein weiteres häufiges Phänomen ist außerdem die Wochenend-Migräne. Sie entsteht, wenn der Körper aus der Stress-Phase in die Entspannungs-Phase übergeht.
Migräne vorbeugen
Neben der Akutbehandlung gibt es auch Möglichkeiten, Migräne vorzubeugen:
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
- Stress vermeiden: Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
- Ausdauersport: Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
- Kopfschmerzkalender: Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.
- Ernährung: Die Häufigkeit und die Intensität der Migräneattacken können durch die entsprechende Ernährung beeinflusst werden. Eine ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln können helfen, Migräne vorzubeugen.
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