Migräne in der Pillenpause: Ursachen, Symptome und Alternativen

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Sie umfasst eine Kopfschmerzphase, die oft von Übelkeit, Brechreiz und extremer Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen begleitet wird. Viele Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel wie die Valette einnehmen, berichten über eine Zunahme von Migräneattacken, insbesondere in der Pillenpause. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Migräne und der Einnahme der Valette, insbesondere in der Pillenpause, und diskutiert mögliche Ursachen, Symptome und alternative Verhütungsmethoden.

Der Zusammenhang zwischen Migräne und Hormonen

Der weibliche Zyklus ist von starken Hormonschwankungen geprägt, insbesondere des Östrogenspiegels. Einige Studien belegen, dass ein Absinken des Östrogenspiegels Migräneattacken begünstigen kann. Entscheidend ist dabei nicht die absolute Höhe des Hormonspiegels, sondern dessen Veränderung. In der ersten Hälfte des Zyklus steigt der Östrogenspiegel stetig an, nimmt dann leicht ab und steigt ca. 4-5 Tage vor der Periode wieder an. Kurz vor oder während der Regelblutung fällt er jedoch plötzlich stark ab, was zu Migräneattacken führen kann.

Menstruelle und menstruationsassoziierte Migräne

Es wird zwischen zwei Arten von Migräne im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus unterschieden:

  • Reine menstruelle Migräne: Attacken treten in mindestens zwei Drittel der Menstruationszyklen ausschließlich kurz vor oder nach der Periode auf.
  • Menstruationsassoziierte Migräne: Attacken treten gehäuft in den Tagen rund um die Menstruation auf, aber auch in anderen Zyklusphasen.

Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, festzustellen, um welche Art von Migräne es sich handelt.

Die Rolle von Östrogen

Estrogene entwickeln ihre biologische Wirkung im zentralen Nervensystem durch genomische oder nichtgenomische zelluläre Mechanismen. Dadurch können die Neurotransmission und die Zellfunktion verändert werden. Zahlreiche Gehirnareale, die in der Pathophysiologie der Migräne involviert sind, exprimieren Estrogenrezeptoren. Dies trifft insbesondere für den Hypothalamus, das Kleinhirn, das limbische System, Brückenkerne sowie das periaquäduktale Grau (Substantia grisea periaquaeductalis) zu. Estrogen-Rezeptoren werden ebenfalls in der Hirnrinde exprimiert, wodurch die Schmerzempfindlichkeit afferent und efferent moduliert werden kann.

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Estrogen kann auch das γ-Aminobuttersäure-System (GABA) modulieren, welches inhibitorisch im Nervensystem wirkt. Estrogene können auch das endogene Opioidsystem durch erhöhte Synthese von Enkephalin modulieren. Entsprechend kann ein erniedrigter Estrogen- und Progesteron-Spiegel während der späten Lutealphase mit einer reduzierten Aktivierung des Opioidsystems korreliert sein. Dies bedingt eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit.

Migräne und die Pille: Eine komplexe Beziehung

Früher wurde die Pille oft zur Migräneprophylaxe eingesetzt, da viele Attacken vermutlich durch den Hormonumschwung kurz vor der Regelblutung ausgelöst werden. Heute betrachten Ärzte das Ganze differenzierter. Mittlerweile raten sie eher von einer hormonellen Therapie durch die orale Gabe von Östrogen oder Hormonpflastern ab, da die Migräne- oder Kopfschmerz-Attacke dadurch nur für ein paar Tage verschoben, aber nicht verhindert wird.

Einige Frauen berichten, dass die Einnahme der Pille ihre Migräne verschlimmert, insbesondere in der Pillenpause. Dies liegt wahrscheinlich am plötzlichen Hormonabfall in dieser Zeit. Andere Frauen hingegen empfinden eine Besserung ihrer Migräne durch die Pille, da sie den Hormonspiegel stabilisiert.

Die Head-HUNT-Studie

Die große norwegische Head-HUNT-Studie befragte 13.944 Frauen im gebärfähigen Alter zur Verwendung von Verhütungsmitteln. Das Ergebnis: Frauen, die östrogenhaltige orale Kontrazeptiva (Pille) einnahmen, hatten durchschnittlich 1,4-mal häufiger Migräne-Attacken und 1,2-mal häufiger Spannungskopfschmerzen als diejenigen, die auf eine andere Weise verhüteten. Dabei wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe der Östrogendosis und der Kopfschmerzhäufigkeit gefunden.

Valette und Migräne

Die Valette ist eine Kombinationspille, die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthält. Einige Frauen, die die Valette einnehmen, berichten über starke Kopfschmerzen/Migräne, insbesondere kurz vor der Pillenpause. Sie beschreiben die Schmerzen als so stark, dass sie am liebsten im Bett verschwinden würden. Bei jeder Kopfbewegung habe man das Gefühl, das Gehirn bekommt Prellungen beim Anstoßen an den Schädel.

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Die individuelle Reaktion auf die Valette und andere Pillen kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Einige Frauen haben unter der Desmin 20 (einer anderen Pille) keine Probleme, während andere unter der Valette, trotz toller Haut, unter Migräne leiden.

Migräne mit und ohne Aura

Bei der Frage nach einer geeigneten Verhütungsmethode muss zwischen Migräne mit und ohne Aura unterschieden werden.

  • Migräne ohne Aura: Bei Migräne ohne Aura ist die Verhütung mit Pille oft hilfreich, um weitere Attacken abzuschwächen oder sogar zu verhindern. Dabei ist es wichtig, Dosierung und Einnahmefrequenz zu beachten, denn Migräne ohne Aura wird häufig beim prämenstruellen Abfall des Östrogenspiegels vor der Periode getriggert. Bei dieser Form der Migräne können Kombinationspillen, die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthalten, eingenommen werden. Diese sollten aber möglichst niedrig dosiert sein und über einen längeren Zeitraum (bis zu 6 Monate) ohne Pillenpause eingenommen werden, damit der Abfall der Hormone während der Pillenpause ausbleibt.
  • Migräne mit Aura: Bei Migräne mit Aura hat die Pille leider keinen positiven Nebeneffekt, denn sie wird selten menstruell assoziiert. Die WHO rät Aura-Patient:innen mit Migräne sowohl von östrogenhaltigen als auch gestagenhaltigen Pillen in jeden Altersstufen ab, weswegen alternative Verhütungsmethoden besonders interessant und wichtig sind.

Schlaganfallrisiko

Eine Migräne mit Aura hat auch Auswirkungen auf die Verhütung, da je nach Verhütungsart und weiteren Risikofaktoren das Schlaganfallrisiko steigen kann. Die Verhütung ohne Hormone hingegen stellt keinen weiteren Risikofaktor dar. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft empfiehlt Aura-Migränikerinnen, die Kombination von Rauchen und Antibabypille zu vermeiden, da sich das Schlaganfallrisiko dadurch um das Zehnfache erhöhe.

Symptome von Migräne in der Pillenpause

Die Symptome von Migräne in der Pillenpause können variieren, aber häufige Beschwerden sind:

  • Starke, pulsierende Kopfschmerzen, oft einseitig
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Empfindlichkeit gegenüber Licht (Photophobie) und Geräuschen (Phonophobie)
  • Sehstörungen (Aura)
  • Schwindel
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Einige Frauen berichten, dass die Kopfschmerzen in der Pillenpause so stark sind, dass sie sich nur ins Bett legen können, am besten mit einer Decke über dem Kopf, um das Licht abzuschirmen.

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Alternative Verhütungsmethoden

Wenn die Pille Migräne verschlimmert oder aus anderen Gründen nicht geeignet ist, gibt es verschiedene alternative Verhütungsmethoden:

  • Nicht-hormonelle Methoden:
    • Kupfer- oder Goldspirale
    • Kondome
    • Diaphragma
    • Natürliche Familienplanung (NFP)
  • Hormonelle Methoden mit geringerem Risiko:
    • Minipille (reines Gestagenpräparat)
    • Hormonspirale (lokale Hormonabgabe)

Es ist wichtig, mit einem Arzt oder einer Ärztin zu besprechen, welche Verhütungsmethode am besten geeignet ist.

Behandlung von Migräne in der Pillenpause

Die Behandlung von Migräne in der Pillenpause hängt von der Schwere der Attacken ab. Mögliche Behandlungen sind:

  • Schmerzmittel: Ibuprofen, Paracetamol, Aspirin
  • Triptane: Spezifische Migränemittel, die die Blutgefäße im Gehirn verengen
  • Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen
  • Präventive Maßnahmen:
    • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
    • Vermeidung von Stress
    • Ausreichend Flüssigkeit
    • Regelmäßige Mahlzeiten
    • Identifizierung und Vermeidung von Triggern
  • Nicht-medikamentöse Therapien:
    • Akupunktur
    • Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelentspannung, autogenes Training)
    • Biofeedback

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