Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass bestimmte Medikamente Panikattacken und Angstzustände auslösen können. Es ist wichtig, mögliche körperliche Ursachen für innere Unruhe und Panikattacken in Betracht zu ziehen und diese gegebenenfalls ärztlich abklären zu lassen. Mit moderner Messtechnik lassen sich Nebenwirkungen auf Kreislauf und Stoffwechsel objektivieren.
Medikamente als potenzielle Auslöser von Angst und Panik
Schilddrüsenhormone, Antidepressiva und sogar manche Nahrungsergänzungsmittel können den Stoffwechsel überstimulieren und Angst verstärken. Eine Überdosierung von Schilddrüsenhormonen kann nicht ausschließlich auf der Grundlage von Laborbefunden erfolgen, sondern die Symptome müssen mit in die Bewertung einbezogen werden.
Antidepressiva wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin) und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Venlafaxin, Duloxetin) können paradoxerweise innere Unruhe, Angst und sogar Panikattacken auslösen, obwohl sie eigentlich zur Behandlung von Angststörungen und Depressionen eingesetzt werden. Der Grund dafür liegt in ihrer Wirkung auf die Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin. Diese Botenstoffe fungieren als Stoffwechselaktivatoren und steigern die Erregung im Nervensystem. Dieser Effekt ist meist vorübergehend, bis sich ein neues Gleichgewicht der Neurotransmitter einstellt.
Auch wenn sie frei verkäuflich sind, können Nahrungsergänzungsmittel und vor allen Dingen die Vitamine D, B6, B12 durch eine Überdosierung den Stoffwechsel überstark steigern. Energy-Drinks enthalten stimulierende Substanzen, häufig ein krudes Gemisch aus schlecht definierten Substanzen, die darauf ausgerichtet sind, die geistige Aktivität zu erhöhen. Auch Gewürze, wenn regelmäßig im Übermaß genossen, sind häufiger Ursache von innerer Unruhe. Offensichtlich ist das bei solchen mit einem hohen Scoville-Wert (Schärfegrad), zum Beispiel Chili-Schoten.
Wie sich Angst äußert
Angst ist ein Gefühl von Furcht, Unbehagen und Sorge und kann sich psychisch und somatisch äußern. Weil neben psychischen Symptomen auch meistens Kreislaufreaktionen zu den Begleitphänomenen von Angstzuständen gehören, kommen betroffene Menschen häufig mit Herzrasen und Blutdruckschwankungen in ärztliche Behandlung.
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Körperliche Faktoren und der Blutdruckregelkreis
Wenn wir unter innerer Unruhe, Schlafstörungen oder sogar Panikattacken leiden, neigen wir dazu, die Ursachen vor allem in äußeren Stressfaktoren wie Belastungen im Beruf oder Privatleben zu suchen. Tatsächlich spielen häufig körperliche Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Stress und den damit verbundenen Symptomen.
Komplizierend ist, dass der Blutdruckregelkreis und der Temperaturregelkreis eng verknüpft sind. Ist die Mikrozirkulation aufgrund einer Überschreitung des Temperatursollwertes zu weit, dann fällt der Blutdruck ab. Problematisch ist, dass diese Ausgleichsreaktion Noradrenalin- beziehungsweise Adrenalin-vermittelt ist. Noradrenalin und Adrenalin sind zwei wichtige Hormone, die den Blutdruck regulieren. Wenn der Blutdruck zu niedrig ist, lassen sie das Herz schneller schlagen und kräftiger pumpen. Allerdings gehören Noradrenalin und Adrenalin auch zum „Fight-or-Flight“ System, d.h. zum evolutionsbiologisch angelegten Mechanismus schnell mit Gefahrensituationen umzugehen. Das bedeutet, diese Neurotransmitter bereiten den Körper darauf vor, in Gefahrensituationen entweder zu kämpfen oder zu fliehen. Besonders betroffen sind Menschen, die Noradrenalin und Adrenalin aufgrund ihrer Gene langsamer abbauen können, vor allen Dingen bei Menschen, die über die Catechol-Methyltransferase verlangsamt aktivierende Neurotransmitter abbauen.
Medikamente, die den Blutdruck beeinflussen können
Bestimmte Medikamente wie Calciumantagonisten, ACE-Hemmer oder Alphablocker erweitern die Blutgefäße. Ihr Körper versucht dann gegenzusteuern, um den Blutdruck wieder zu erhöhen. Dazu schüttet der Körper die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Das Problem ist: Adrenalin und Noradrenalin sind auch an der Entstehung von Angst und Panik beteiligt. Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass bestimmte urologische Medikamente, die bei Prostatavergrößerung oder Erektionsstörungen verschrieben werden, auch Blutdrucksenker sind. Besonders problematisch kann es sein, wenn man zusätzlich zu den blutgefäßerweiternden Medikamenten noch Betablocker einnimmt. Betablocker bremsen nämlich die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin.
Bedingt durch eine medikamentöse verursachte zu starke Blutdruckabsenkung unter den Blutdruck-Sollwert, hat Ihr Körper das Bestreben den Blutdruck wieder anzuheben. Dieses geschieht, wie bereits angeführt, Adrenalin- beziehungsweise Noradrenalin-vermittelt über eine Steigerung von Herzfrequenz und Herzpumpkraft. Wenn Sie die oben genannten blutgefäßerweiternden Substanzen in Kombination mit einem Beta-Blocker nehmen, dann kann die Reduktion des Betablockers das Gefüge aus dem Gleichgewicht bringen und es können Panikattacken ausgelöst werden.
Östrogene werden von Frauen häufig in der Menopause eingenommen. Eines der Zielproteine von Kortisonpräparaten ist die Catechol-O-Methyltransferase (COMT). Wie bereits erwähnt ist Enzym ist für den Abbau von Adrenalin und Noradrenalin zuständig. Neben seinem hemmenden Einfluss auf COMT fördert Cortison die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin aus dem Nebennierenmark und aus Nervenendigungen des Sympathikus. Cortisol erhöht auch die Anzahl der Adrenozeptoren, an die Adrenalin und Noradrenalin binden.
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Fallbeispiel: Schilddrüsenhormone und Panikattacken
Eine 42-jährige Patientin klagte über verstärkten und leicht beschleunigten Herzschlag, Einschlafstörungen mit kreisenden Gedanken, innere Unruhe und Panikattacken. Zusätzlich berichtete sie über ein Wärmegefühl in letzter Zeit. Die kardiologischen Untersuchungen zeigten keine Auffälligkeiten, aber die nicht-invasive Kreislaufmessung ergab ein deutlich erhöhtes Herzzeitvolumen mit einem erhöhten Schlagvolumen und einer relativ hohen Herzfrequenz. Zudem war die Körpertemperatur erhöht. Es wurde vermutet, dass die Beschwerden der Patientin durch eine zu hohe Dosierung der Schilddrüsenhormone verursacht wurden. Nach Reduktion der Dosis normalisierten sich die Körpertemperatur, das Herzzeitvolumen und die Herzfrequenz. Innere Unruhe und Panikattacken waren vollständig verschwunden und das abendliche Einschlafen bereitete keine Probleme mehr.
Was Sie tun können
Wenn Sie stoffwechselaktivierende Medikamente nehmen, dann sollten Sie Ihre Befunde mit Ihrem Arzt besprechen und eine Anpassung der Medikation in Erwägung ziehen. Wenn Ihr Wert, am besten gemessen im Ohr davon abweicht, Sie eine verringerte Wärmetoleranz haben, d.h. Ihnen leicht zu warm ist und Sie eine potenziell stoffwechselaktivierende Substanz nehmen, dann sollten Sie an eine Nebenwirkung der genannten Substanzen denken. Frauen sollten in Erwägung ziehen, dass ihre Körpertemperatur in der 2.
Apixaban: Ein Überblick über Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Apixaban ist ein blutgerinnungshemmender Arzneistoff aus der Gruppe der direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK). Viele Menschen kennen DOAK als „Blutverdünner“. Dieser Begriff ist jedoch nicht korrekt. DOAK verdünnen das Blut nicht, sondern sorgen dafür, dass es weniger leicht gerinnen kann - also, dass sich in den Gefäßen weniger leicht Blutgerinnsel bilden.
Wie Apixaban wirkt
Apixaban hemmt einen bestimmten Blutgerinnungsfaktor: Faktor Xa. Das ist ein Enzym, das der Körper für die Blutgerinnung benötigt. Durch die Hemmung verhindert Apixaban, dass sich unerwünschte Blutgerinnsel (Thromben) bilden.
Anwendung von Apixaban
Apixaban wird eingesetzt, um bestimmte Gefäßverschlüssen durch Blutgerinnsel zu behandeln oder zu verhindern. Die konkreten Anwendungsgebiete von Apixaban sind:
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- Behandlung von tiefer Venenthrombose (TVT) und Lungenembolie bei Erwachsenen
- Vorbeugung einer wiederkehrenden tiefen Venenthrombose oder Lungenembolie bei Erwachsenen
- Behandlung und Vorbeugung von Gefäßverschlüssen (Thrombosen, Embolien) in Venen bei Kindern ab einem Alter von 28 Tagen
- Vorbeugung von Schlaganfällen und anderen plötzlichen Gefäßverschlüssen bei Menschen mit Vorhofflimmern
- Vorbeugung von Gefäßverschlüssen in Venen (Thrombosen, Embolien) bei Erwachsenen nach einer Hüft- oder Knieersatzoperation
Die empfohlene Apixaban-Dosierung richtet sich nach der zugrundeliegenden Erkrankung.
Mögliche Nebenwirkungen von Apixaban
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen von Apixaban gehören Blutergüsse (Hämatome), Blutungen (z.B. Nasenbluten oder Blutungen am Auge) und Blutarmut (Anämie). Weniger häufig treten während der Anwendung Juckreiz oder Überempfindlichkeitsreaktionen auf. Manche Menschen entwickeln auch sogenannte Hämoptysen, das heißt: Sie husten oder spucken kleinere Blutmengen aus.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Wenn Sie Apixaban gemeinsam mit anderen Medikamenten verwenden, sind Wechselwirkungen möglich - die Präparate können sich gegenseitig in ihren Wirkungen und/oder Nebenwirkungen beeinflussen. So verzögern bestimmte Medikamente die Ausscheidung von Apixaban und verstärken so dessen Wirkung. Das kann Nebenwirkungen begünstigen. Vorsicht geboten ist auch, wenn Apixaban gemeinsam mit Medikamenten eingenommen wird, die ebenfalls die Blutgerinnung hemmen. Das Blutungsrisiko ist dann zusätzlich erhöht.
Gegenanzeigen für die Einnahme von Apixaban
Apixaban darf man in bestimmten Fällen nicht anwenden. Das gilt bei:
- Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil des Medikaments
- starken Blutungen
- Lebererkrankungen, die mit einer verstärkten Blutungsneigung einhergehen
- Erkrankungen eines Körperorgans, die eine schweres Blutungsrisiko bergen, z.B. bestehendes oder kürzlich abgeheiltes Magen-Darm-Geschwür, kürzlich aufgetretene Hirnblutung
- gleichzeitige Gabe von anderen Antikoagulanzien, außer in speziellen Situationen wie Umstellung der Antikoagulationstherapie, Überbrückung vor operativen Eingriffen
- schwere Leberfunktionsstörung
Betablocker: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen
Betablocker oder genauer Betarezeptorenblocker sind Arzneistoffe zur Senkung des Blutdrucks und der Schlagfolge des Herzens. Sie werden u.a. Ihren Namen haben Betablocker von Bindungsstellen, den Beta-Adrenozeptoren, die sie hemmen. Hier gibt es zwei unterschiedliche Typen: Beta1-Adrenozeptoren beeinflussen die Herzkraft und -frequenz und auch den Blutdruck. Beta2-Adrenozeptoren führen dazu, dass sich glatte Muskeln der Bronchien, der Gebärmutter sowie der Blutgefäße entspannen. Im Körper hemmen Betablocker die Wirkung des Stresshormons Adrenalin und des Botenstoffs Noradrenalin. Das führt zur Senkung der Schlagfolge des Herzens. Der Herzmuskel benötigt weniger Sauerstoff und wird entlastet. Davon profitieren Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz oder koronarer Herzkrankheit. Zur Blutdrucksenkung kombinieren Ärzte Betablocker meist mit anderen Wirkstoffen. Und ihre erregungshemmende Wirkung macht Betablocker zu wichtigen Arzneistoffen bei Herzrhythmusstörungen.
Anwendung von Bisoprolol
Der Betablocker Bisoprolol ist indiziert zur Therapie der arteriellen Hypertonie, zur Entlastung des Herzens bei Herzinsuffizienz sowie koronarer Herzkrankheit und anderen Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße. Darüber hinaus kann Bisoprolol bei Angina pectoris, hyperkinetischem Herzsyndrom, Tachykardien und in der Nachsorge von Patienten mit Herzinfarkt und/oder Schlaganfall eingesetzt werden.
Mögliche Nebenwirkungen von Bisoprolol
Die häufigsten Nebenwirkungen von Bisoprolol ergeben sich durch die Wirkung auf das zentrale Nervensystem und fallen - wie bei vielen anderen Betablockern auch - individuell sehr unterschiedlich aus. Im Folgenden sind die Nebenwirkungen nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:
- Sehr häufig: Bradykardie
- Häufig: Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Verschlechterung einer vorbestehenden Herzinsuffizienz, Kälte- oder Taubheitsgefühl in den Extremitäten, Hypotonie, gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Obstipation, Asthenie, Müdigkeit
- Gelegentlich: Depressionen, Schlafstörungen, AV-Überleitungsstörungen, orthostatische Hypotonie, Bronchospasmus bei Patienten mit Asthma bronchiale oder obstruktiven Atemwegserkrankungen, Muskelschwäche und -krämpfe
- Selten: Albträume und/oder Halluzinationen, Synkopen, verminderter Tränenfluss, Hörstörungen, allergische Rhinitis, Hepatitis, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Juckreiz, Flush, Exanthem, Potenzstörungen, erhöhte Triglyzerid-Werte, erhöhte Leberenzymwerte (ALT, AST)
- Sehr selten: Konjunktivitis, Alopezie, Psorias oder psoriasiforme Exantheme können durch Betablocker ausgelöst werden
Acetylsalicylsäure (ASS): Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen
Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), bekannt als Aspirin, wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. Zudem hat sich ASS bei Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko nach einem Herzinfarkt oder ischämischen Schlaganfall zur weiteren Prävention bewährt. Die längerfristige Einnahme und/oder hohe Dosierungen können Nebenwirkungen mit sich bringen.
Anwendung von ASS
Gegen Schmerzen und Fieber sollte der Wirkstoff nicht länger als drei bis vier Tage angewendet werden. Eine Einzeldosis sollte 1.000 Milligramm nicht übersteigen, die Tageshöchstdosis liegt in der Regel bei 3.000 Milligramm.
Mögliche Nebenwirkungen von ASS
Wie alle Medikamente können auch Präparate mit Acetylsalicylsäure unerwünschte Wirkungen haben. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit der Dauer der Einnahme und bei höheren Dosierungen.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von ASS
- Wer in der Vergangenheit einen Asthmaanfall hatte, der durch ASS oder andere Medikamente der Gruppe NSAR ausgelöst wurde, sollte entsprechende Präparate nicht einnehmen.
- In der Selbstmedikation dürfen Kinder und Jugendliche Mittel mit ASS nicht einnehmen, denn es besteht die Gefahr eines Reye-Syndroms.
- In den ersten zwei Trimestern der Schwangerschaft sollte ASS nicht angewendet werden - wenn, dann nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt und in so geringer Dosierung und so kurzer Dauer wie möglich. Im letzten Schwangerschaftsdrittel darf Acetylsalicylsäure nicht eingenommen werden.
Arzneimittelbedingte Neuropathien
Arzneimittelbedingte Neuropathien hängen in der Regel von der Dosis und der Dauer der Verabreichung ab. Meistens, aber nicht immer, bessern sie sich nach Therapieabbruch. Der Mechanismus der Schädigung ist fast immer unbekannt.
Medikamente, die Neuropathien auslösen können
- Statine
- Amiodaron
- Vincaalkaloide
- Taxane
- Platinverbindungen
- Bortezomib und Thalidomid
- Antibiotika (Isoniazid, Ethambutol, Linezolid, Nitrofurantoin und Metronidazol)
Bei Patienten, die unter Polyneuropathien leiden oder durch Diabetes mellitus beziehungsweise eine Alkoholsucht ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Polyneuropathie haben, sollte die Therapie mit oben genannten Medikamenten (außer Metformin) vermieden werden. Bei zwingender Indikation ist auf Symptome zu achten, um frühzeitig reagieren zu können und unnötige Leiden zu vermeiden.
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