Das Regie-Duo Ariel Schulman und Henry Joost, bekannt für ihre Horrorfilme wie "Paranormal Activity 3" und "Paranormal Activity 4", präsentieren mit "Nerve" einen intelligenten und spannenden Thriller, der die schnelllebige und digitalisierte heutige Zeit perfekt einfängt. Der Film wirft ein beängstigend realistisches und glaubwürdiges "Was-wäre-wenn?"-Szenario auf, das zum Nachdenken anregt.
Das Spiel "Nerve": Ein Lauffeuer der Mutproben
Das Online-Game "Nerve" verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Die Spieler müssen sich entscheiden, ob sie als "Watcher" gegen Gebühr zusehen oder als "Player" gegen Bezahlung Aufgaben erledigen, die ihnen von den Watchern vorgegeben werden. Die schüchterne und zurückhaltende Vee (Emma Roberts) meldet sich als Player an, um ihren Ruf als Mauerblümchen zu verlieren. Sie will aus sich herauskommen und den Mut beweisen, den sie in sich spürt.
Vee's Reise: Adrenalin, Gefahren und ein mysteriöser Mitspieler
Die immer anspruchsvoller und gefährlicher werdenden Challenges bringen Vee immer wieder an ihre Grenzen. Doch der Adrenalinkick und das vermeintlich leicht verdiente Geld sorgen dafür, dass sie immer weiterspielt. Dabei trifft sie auf den mysteriösen Ian (Dave Franco), der ebenfalls ein Player ist. Gemeinsam bewältigen sie Challenge nach Challenge und erfreuen sich an der Kohle, die sie erspielen.
Eine ungewöhnliche Optik und ein treibender Soundtrack
"Nerve" besticht durch seine rasante Inszenierung, seine ungewöhnliche Optik und den treibenden Soundtrack. Die visuelle Aufmachung liefert eine stetige Einbindung diverser digitaler Eindrücke und erinnert in den Actionszenen an Youtube-Videos. Das lässt das ganze Geschehen nicht nur modern wirken, sondern kann auch als Kritik am digitalen Zeitalter gesehen werden. Die Regisseure wundern sich selbst, warum es das Spiel "Nerve" nicht tatsächlich schon gibt. Dave Franco zog einen Vergleich zwischen "Nerve" und dem Phänomen Pokemon Go, der sich wohl auf die rasante Verbreitung und die Flucht in digitale Welten unter dem Vorwand einer gesellschaftlichen Gemeinschaft bezog.
Überzeugende Darstellerleistungen
Neben der hervorragenden Optik sind es in "Nerve" auch die Darsteller, die auf ganzer Linie überzeugen können. Emma Roberts als zunächst schüchterne und später immer extrovertiertere, mutige Heldin im Adrenalinrausch, Dave Franco als Internetstar mit mysteriöser Vergangenheit und Machine Gun Kelly als rücksichtsloser Gegenspieler leisten alle tolle Arbeit, die man ihnen zu jederzeit abkauft. Emma Roberts, die schon als Kind an Filmsets ihrer Tante Julia Roberts und ihres Vaters Eric Roberts umherkrabbelte, wollte schon immer Schauspielerin werden. Nach ihrer Rolle in der Teenie-Serie "Unfabulous" und ersten Schritten im Musikgeschäft konzentriert sie sich nun auf Filme. Dave Franco und Emma Roberts sind ein Traumpaar vom Moment ihres ersten Kusses an und passen perfekt in ihre zwei unterschiedlich angelegten Charaktere. Vom ersten Moment an haben sie das Publikum auf ihrer Seite.
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Bild und Ton: Ein audiovisuelles Erlebnis
Das Bild der Blu-ray zeigt sich sehr scharf und detailreich, ist jedoch stark von den verwendeten Stilmitteln beeinflusst. Die Farbgebung und auch die visuelle Darbietung sind in weiten Teilen sehr unnatürlich und auch Unschärfen, Fokussierungsfehler sowie Bildrauschen gehören mit zur stilisierten Optik. Die Tonspur überzeugt durch eine dynamische, kräftige Abmischung und liefert durchwegs Arbeit für die gesamte Surroundanlage, wobei sowohl die Effekte als auch die Stimmen stets klar und differenziert ortbar sind. Auch die Bassbox darf sich immer wieder mit einschalten und vor allem beim stimmigen und eindringlichen Soundtrack zeigen, was in ihr steckt.
Die Gefahren der Anonymität: Sozialkritik im digitalen Zeitalter
"Nerve" lehnt sich thematisch an Finchers "The Game" an und behandelt die Verrohung im Angesicht der Anonymität der sozialen Medien. Die Kritik an Online-Spielen, die hier fast wie eine Cyberdroge daherkommen, ist unübersehbar und wird durch die entsprechende Visualisierung greifbar. Vee wird durch die steigende Zahl der Watcher, die ihre Story verfolgen, zum Mittelpunkt. Der Film zeigt, welche Gefahren die Kombination aus Social Media, Mobbing und Gruppendruck bergen kann. Besonders deutlich wird das im von den Watchern hochstilisierten Zickenkrieg zwischen Vee und Sydney.
Ein Kommentar zur sozialen Brutalisierung
Mit "Nerve" gelingt Henry Joost und Ariel Schulman ein Kommentar über die soziale Brutalisierung im Schutz der anonymen Onlinewelt. Was wie ein harmloses Freizeitvergnügen beginnt, entwickelt sich zu einer digitalen Variante moderner Gladiatorenkämpfe. Der Film wirft die Frage auf, ob wir als Zuschauer oder als Spieler agieren und welche Verantwortung wir in der digitalen Welt tragen.
Bonusmaterial: Player oder Watcher?
Im Bonusmaterial von "Nerve" muss man auch als Zuschauer wählen, ob man ein "Player" oder ein "Watcher" ist. Unter "Watcher" finden sich neben einem Making-of und Outtakes noch die Featurettes "Creating Nerve" und "New York Governors Ball". "Creating Nerve" kümmert sich wirklich um die Ansätze des Films, lässt die beiden Regisseure und die Darsteller zu Wort kommen und liefert ein paar interessante Fakten zum ungewöhnlichen Film. In "NY Governors Ball" verfolgen wir ein paar Kids, wie sie Nerve inmitten eines Musikfestivals spielen.
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