Die Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven geschädigt werden und die Reizweiterleitung gestört ist. Betroffene leiden häufig unter Missempfindungen, Schmerzen und Muskelschwäche. Viele Grunderkrankungen können eine Neuropathie auslösen, daher ist die Ursachenforschung bei der Diagnose besonders wichtig.
Was ist Polyneuropathie?
Als Polyneuropathie bezeichnet man eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven geschädigt werden. Die Neuropathie kann verschiedene Körpergebiete und Nervenqualitäten (Schmerz, Temperatur, Tastempfindung) betreffen. Typischerweise beginnt sie mit Beschwerden an den unteren Extremitäten, oft mit Missempfindungen im Bereich der Zehen oder Fußsohlen. Weitere Anzeichen können Kribbeln oder ein abgeschwächter/fehlender Achillessehnenreflex sein. Auch die Lageempfindung in den Zehen nimmt häufig ab. Im Verlauf kann die Muskulatur der Zehenstrecker betroffen sein, was zu einem Schleifen der Zehen beim Laufen führen kann.
Eine Möglichkeit, die PNP einzuteilen, ist nach ihren vielfältigen Ursachen, die jeweils eine individuelle Therapie erfordern. Die Einteilung erfolgt entsprechend über ICD-Codes. Aktuell gültig sind die Versionen ICD-10 und ICD-11, wobei beide für eine Übergangsfrist von 5 Jahren ab Einführung der neuesten Versionen theoretisch verwendbar sind. Der ICD-Code ("International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems") ist ein weltweit anerkanntes System zur einheitlichen Benennung medizinischer Diagnosen der WHO-Mitgliedsstaaten.
Ursachen und Risikofaktoren der Polyneuropathie
Die Ursachen für Polyneuropathie sind vielfältig. Diabetes mellitus gehört zu den häufigsten Ursachen. 20 bis 40 Prozent der Diabetiker zeigen eine mehr oder weniger ausgeprägte Neuropathie-Symptomatik. Betroffen sind meist Menschen zwischen 60 und 70 Jahren, die bereits seit mehreren Jahren erkrankt sind. Ein entgleister Diabetes mellitus kann vielfältige Schäden am Nervensystem verursachen. Auch viszerale Störungen, wie Blasenentleerungs- oder Verdauungsstörungen, sowie erektile Dysfunktionen können auftreten.
Neben Diabetes ist Alkoholintoxikation die häufigste Ursache. Auch eine akute Intoxikation kann eine Polyneuropathie auslösen. Beispielsweise können Triarylphosphate, die in Mineralölen enthalten sind, bei Konsum eine schlaffe Lähmung und Sensibilitätsstörungen in den Extremitäten verursachen. Dazu können Spastiken kommen, wenn das ZNS ebenfalls geschädigt wird.
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Auch genetische Erkrankungen können die Wahrscheinlichkeit für eine Polyneuropathie erhöhen oder sogar der Auslöser dafür sein. Unter den sieben Typen der HMSN ist der Typ 1, auch Charcot-Marie-Tooth-Krankheit genannt, die häufigste Variante. Die Häufigkeit der Erkrankung liegt bei 2 bis 3 von 10.000 Personen. Die Sensibilität ist bei dieser Erkrankung häufig wenig eingeschränkt, und die Ausfälle fallen erst im Verlauf auf. Atrophien der Muskeln von Unterschenkel und Fuß gehören ebenfalls zum klassischen klinischen Bild.
Weitere Ursachen und Risikofaktoren sind:
- Erworbene Polyneuropathien: Diese entwickeln sich als Folge einer anderen Erkrankung oder durch einen externen Auslöser.
- Diabetische Polyneuropathie: Schädigungen der kleinsten Gefäße durch Diabetes, die die peripheren Nerven versorgen.
- Alkoholische Polyneuropathie: Neurotoxische Wirkungen chronischen Alkoholkonsums.
- Critical-Illness-Polyneuropathie: Schädigung durch das eigene Immunsystem, z. B. bei langwierigen intensivmedizinischen Behandlungen.
- Angeborene Polyneuropathien: Selten, basierend auf vererbbaren Krankheiten wie Enzymdefekten, veränderten Proteinen oder einer eingeschränkten Nervenleitgeschwindigkeit.
- Entzündungsprozesse: Im Körper als Folge einer Autoimmunerkrankung oder einer Infektion mit bestimmten Viren bzw. Bakterien (z.B. Borreliose, Diphtherie, Gürtelrose).
- Weitere Erkrankungen: Lebererkrankungen, Mangelernährung (z.B. bei Zöliakie), Vitaminmangel (z.B. Vitamin B12), Autoimmunerkrankungen (z.B. Guillain-Barré-Syndrom, rheumatoide Arthritis), HIV-Infektionen, Krebserkrankungen, hormonelles Ungleichgewicht (z.B. Schilddrüsenunterfunktion).
- Einnahme bestimmter Medikamente: Z.B. Antibiotika wie Nitrofurantoin oder Metronidazol.
- Kontakt mit giftigen Substanzen: Z.B. Schwermetalle.
Symptome der Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, je nachdem, welche Nerven betroffen sind. Mediziner unterscheiden sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien. Manche Menschen sind auch von mehreren Formen gleichzeitig betroffen. Eine Polyneuropathie kann akut, sich schnell verschlechternd oder chronisch verlaufen.
- Sensible Polyneuropathie: Beeinträchtigungen der Nerven, die Informationen von der Haut zum Gehirn senden, können zu Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Brennen, Jucken, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln führen. Auch ein vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden ist möglich. Diese Form der Polyneuropathie merken Betroffene vor allem an Füßen oder Händen.
- Motorische Polyneuropathie: Die motorischen Nerven leiten Signale vom Gehirn zu den Muskeln weiter. Eine Nervenschädigung kann Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken oder Muskelkrämpfe verursachen.
- Vegetative Polyneuropathie: Das vegetative Nervensystem koordiniert automatisierte Körperfunktionen wie das Verdauen, Atmen oder Schwitzen. Eine vegetative Polyneuropathie steht unter anderem mit Beschwerden wie Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall oder verstärktem Schwitzen in Verbindung - sie betrifft die Organfunktionen.
Betroffene berichten neben körperlichen Symptomen auch von weiteren Beschwerden - Erschöpfungszustände sind bei einer Polyneuropathie ebenfalls möglich. Oft leiden Betroffene unter brennenden, schneidenden oder stechenden Schmerzen. Zu Beginn der Krankheit nehmen Patienten in Fingern, Händen, Zehen und Füßen ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle wahr, oft begleitet von Schmerzen oder Krämpfen. Unbehandelt kann es zur Verschlimmerung der Symptomatik kommen, vor allem des Schmerzempfindens.
Diagnose der Polyneuropathie
Die Diagnostik der Polyneuropathie erfordert eine ausführliche Anamnese, um mögliche grundliegende Erkrankungen zu detektieren. Neben bekannten Vorerkrankungen und Medikamenten sollte man besonderen Fokus auf die Familienanamnese legen und auch vergangene Infektionen und OPs erfragen. Auch die Ernährung kann Aufschluss über die Ursachen der PNP geben, da eine vegane oder streng vegetarische Diät beispielsweise zu Mangelernährung führen kann.
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Die Diagnose wird aus der Kombination der Befunde aus dem Anamnesegespräch, einer ausführlichen körperlichen und neurologischen Untersuchung sowie einer neurophysiologischen Diagnostik gestellt.
- Anamnese: Der Arzt erkundigt sich nach Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und Alkoholkonsum.
- Körperliche und neurologische Untersuchung:
- Sensibilitätsprüfung
- Prüfung der motorischen Funktion
- Gleichgewichtsprüfung
- Koordinationsprüfung
- Prüfung der Reflexe
- Laboruntersuchung: Blutbild, Entzündungsparameter, Blutzuckerwerte, Vitamin-Spiegel (B12, Folsäure), Giftstoffe.
- Neurophysiologische Untersuchung:
- Elektroneurographie (ENG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.
- Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität von Muskeln.
Zur tieferen Diagnostik kann die Serumelektrophorese dienen. Darüber hinaus können Liquordiagnostik, eine Biopsie von Nerven und Haut oder genetische Tests eine mögliche Ursache bestätigen.
Polyneuropathie und Lebenserwartung
In der Regel ist eine Polyneuropathie nicht tödlich und hat eine gute Prognose, vor allem, wenn die Erkrankung frühzeitig entdeckt und entsprechend behandelt wird. Leider werden erste Symptome einer PNP jedoch häufig von Patienten ignoriert oder übersehen, weswegen bei der Vorstellung beim Arzt bereits viele Nerven irreversibel geschädigt sind. Das schlecht regenerierbare Nervengewebe kann in diesem Fall häufig nicht in den Gesundheitszustand zurückgebracht werden. Unbehandelt kann sich die Polyneuropathie immer weiter im peripheren Nervensystem ausbreiten und auch innere Organe befallen. Sollte die PNP im weitreichenden Verlauf wichtige Organe, wie Lunge oder Herz befallen, kann sie unbehandelt auch zu einer kürzeren Lebenserwartung führen.
Menschen mit Polyneuropathie leben im Durchschnitt etwas kürzer als Menschen ohne Polyneuropathie (80 vs. 86 Jahre). Polyneuropathie selbst ist allerdings nicht tödlich. Die körperliche Schwäche aufgrund der eingeschränkten Aktivität, die höhere Gefahr für Stürze sowie die Erkrankungen, die die Polyneuropathie auslösen (z.B. Diabetes, Krebs, Alkoholkrankheit, Nierenschäden, Durchblutungsstörungen), können die Lebenserwartung beeinflussen. Sensible oder motorische Polyneuropathien verkürzen die Lebenserwartung in der Regel nicht. Allerdings können die ihr zugrundeliegenden Erkrankungen, wie beispielsweise Diabetes, Krebs oder Alkoholismus, Einfluss auf die Lebenserwartung nehmen. Autonome Neuropathien in sehr weit fortgeschrittenen Stadien können die Lebenserwartung ebenfalls mindern, da hier lebenswichtige Organe in ihrer Funktion gestört sind.
Ein Grund für die kürzere Lebenserwartung von Menschen mit Polyneuropathie ist, dass sie häufiger an anderen schweren Erkrankungen leiden, durch die es zu den Nervenschäden kommt. Diese Krankheiten senken für sich schon die Lebenserwartung. Die Menschen mit Polyneuropathie hatten eine wesentlich erhöhte Gefahr zu stürzen und waren viel häufiger in Ihrer Mobilität eingeschränkt. Sie hatten außerdem häufiger Probleme damit, alleine Ihren Alltag zu bewältigen und häufiger Störungen der Durchblutung und Herz- sowie Lungenerkrankungen.
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Wann ist die Lebenserwartung bei Polyneuropathie nicht verkürzt?
In vielen Fällen ist die Lebenserwartung bei Patienten, die an Polyneuropathie leiden, nicht eingeschränkt. Wer an einer Polyneuropathie des Fußes und der Zehen leidet und schnell spezielle Schuhe angefertigt bekommt, reduziert deutlich das Risiko, an den schweren Folgen dieser Polyneuropathie zu erkranken. Durch die speziellen Schuhe wird der Stand gesichert und die Haut entsprechend abgepolstert, was dann die Gefahr von Wunden deutlich reduziert. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die auslösende Grunderkrankung gut eingestellt und behandelt wird und entsprechende Risikofaktoren reduziert werden. So sollte der Zucker bei einem Diabetes Mellitus gut eingestellt werden, um einem Fortschreiten der Polyneuropathie vorzubeugen. Ursachen, die eine Verschlusserkrankung erzeugen, sollten des Weiteren abgestellt werden. Hier wäre vor allem das Rauchen zu nennen, das unbedingt eingestellt werden muss. Weiterhin sollten die Blutfette und die Blutdruckwerte sehr gut eingestellt werden.
Behandlung der Polyneuropathie
Die Therapie der Polyneuropathie sollte vor allem ursächlich erfolgen. So kann etwa bei einem entgleisten Diabetes mellitus die richtige Einstellung des Insulinhaushalts schon als Behandlung ausreichen. In einigen Fällen kann darüber hinaus jedoch auch eine symptomorientierte Behandlung nötig sein. Fehlempfindungen wie unangenehmes Kribbeln oder Brennschmerz können medikamentös behandelt werden. Auch lokale Medikamente können bei der Behandlung zum Einsatz kommen. Die Polyneuropathie bei Chemotherapie entwickelt sich meist über Monate bis Jahre. Oft lässt sich die Polyneuropathie wirksam behandeln. Das Ziel ist es dabei, schwere Verläufe zu verhindern. Manchmal dauert es nach der Diagnose mehrere Monate, bis bereits bestehende Symptome erfolgreich behandelt werden können.
Der Polyneuropathie-Verlauf lässt sich positiv beeinflussen, wenn man den Auslöser (falls möglich) beseitigt oder behandelt. Mit verschiedenen Therapien lassen sich zudem die Symptome lindern. Je früher die Nervenschädigung erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose - in manchen Fällen lässt sich die Polyneuropathie auch stoppen. Leider verläuft die Polyneuropathie jedoch oft lange Zeit unbemerkt und symptomlos, sodass erste leichte Beschwerden nicht ernst genommen werden. Zum Zeitpunkt der Diagnose ist die Erkrankung dann meist schon weit fortgeschritten. Oft bestehen schon nicht-umkehrbare (irreversible) Nervenschäden durch die Polyneuropathie. Heilung ist meist nicht mehr vollständig möglich. Mit der richtigen Behandlung kann man aber versuchen, weitere Nervenschäden zu verhindern und bestehende Symptome zu bessern.
Maßnahmen zur Behandlung
- Ursächliche Behandlung: Beseitigung oder Behandlung der zugrunde liegenden Ursache (z.B. Blutzuckereinstellung bei Diabetes, Suchttherapie bei Alkoholabhängigkeit, Ernährungsumstellung bei Vitaminmangel, Antibiotika bei Infektionen).
- Schmerztherapie: Medikamentöse Behandlung von Schmerzen (Antidepressiva, Antikonvulsiva, in Ausnahmefällen Opioide).
- Begleitende Therapien: Physio- und Ergotherapie zur Unterstützung bei Bewegungsabläufen, Gleichgewichtsstörungen und Regeneration. Spezielle Schienen (Orthesen) bei Muskellähmungen.
- Weitere Maßnahmen:
- Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie.
- Hochtontherapie bei diabetischer Polyneuropathie.
- Bindemittel (z.B. Penicillamin) bei Blei- oder Arsenvergiftung.
- Vermeidung von Gefahrenstoffen im beruflichen und privaten Umfeld.
- Absetzen oder Wechsel von Medikamenten, die eine Polyneuropathie verursachen.
- Ausgleich von Nährstoffmängeln (Vitamin B12, Vitamin B1, Folsäure) durch Nahrungsergänzungsmittel oder Injektionen.
- Regelmäßiges Sensibilitäts- und Sensomotoriktraining (z. B. Ertasten rauer und glatter Oberflächen).
- Elektrotherapie.
Welche Formen der Polyneuropathie kann man behandeln?
Primäre periphere Polyneuropathien lassen sich nur sehr schwierig behandeln, bis auf symptomatische Behandlungen. Dies hat dann zur Folge, dass Patienten, die an einer primären Polyneuropathie leiden leider oft mit einer verkürzten Lebenserwartung zu rechnen haben. Im Gegensatz dazu bieten sekundäre Polyneuropathien mehr Möglichkeiten einer Intervention. Bei einem Diabetes mellitus, der nur bei einer schlechten Einstellung die Nerven des Körpers angreift und zu einer Polyneuropathie führt, kann ein deutliche Risikosenkung erfolgen, wenn die Blutzuckerwerte und auch der Langzeitblutzuckerwert gut eingestellt wird. Man hat also mit der gezielten Behandlung der Grunderkrankung sehr gute Chancen die Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung der Polyneuropathie zu beeinflussen. Auch bei Durchblutungsstörungen kann man eine deutliche Besserung der Prognose erzielen, wenn man die Grunderkrankung gut behandelt und auch die zur Grunderkrankung führenden Ursachen gezielt vermeidet. Rauchen muss in jedem Fall eingestellt werden. Außerdem sollten der Blutdruck und auch die Blutfette im Blut gut eingestellt werden.
Was kann ich selbst tun, um trotz Polyneuropathie keine vekürzte Lebenserwartung zu haben?
Kommt es zu einer Polyneuropathie, sollte man bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, damit die Komplikationen, die durch eine Polyneuropathie entstehen können, nicht so stark werden, dass die Lebenserwartung reduziert wird. Wichtig ist darauf zu achten, dass die auslösenden Ursachen behoben werden wenn möglich. So sollte der Blutzucker und auch der Langzeitblutzucker gut eingestellt werden. Auch Durchblutungsstörungen sollten behoben werden. Die gute Einstellung von Fett- und Cholesterinwerten sowie auch die gute Blutdruckeinstellung verbessert die Prognose und reduziert das Risiko, die Lebenserwartung zu senken. Wichtig wäre auch eine regelmäßige sportliche Betätigung, die sich sowohl aus Ausdauer- und Kraftsport zusammensetzt.
Mit gezielten Übungen kann man bereits bei ersten Anzeichen einer Polyneuropathie einem Fortschreiten dieser Erkrankung entgegensteuern. Wichtig ist, dass die ersten Anzeichen einer Polyneuropathie möglichst schnell erkannt werden. Eine Übung wäre die gezielte Fußsohlenmassage, die man mehrmals am Tag durchführen sollte. Hierzu setzt man sich auf einen Stuhl und legt das eine Bein ganz locker über das andere, während der Fuss locker in der Luft hängt. Mit dem Daumen und dem Zeigefinger der einen Hand drückt man nun in kreisenden Bewegungen auf die Fußsohle und auf alle 10 Zehen. Der Druck sollte nicht zu stark, aber auch nicht zu leicht sein. Ziel ist, die dort vorhandenen Nervenenden zu sensibilisieren und zu aktivieren. Nach 5-10 Minuten sollte man dann einen Positionswechsel durchführen und die Massage am anderen Fuss durchführen. Weiterhin kann man auch einen sogenannten Zehengang durch die Wohnung durchführen. Hierbei würde man ca. 10 Minuten auf den Zehen durch die Wohnung gehen und darauf achten, dass die Ferse nie ganz auf dem Boden abgesetzt wird. Den Zehengang sollte man ca. 5 Minuten in der Wohnung durchführen.
Um einer Polyneuropathie vorzubeugen, sollte man ganz gezielt die Ursachen dieser vermeiden, beziehungsweise das Risiko reduzieren. Aus diesem Grund sollte auf eine kohlenhydratarme und zuckerreduzierte Kost geachtet werden. Wichtig ist auch, dass regelmäßig Sport durchgeführt wird. Übergewicht sollte, wenn vorhanden, reduziert werden und regelmäßige Blutdruckmessungen sollten dabei helfen, dass die Werte immer im Normbereich sind. Auch der Konsum von Alkohol sollte sehr überschaubar gehalten und deutlich reduziert werden.
Körperliche Aktivität und Lebenserwartung
Um die Lebenserwartung trotz Polyneuropathie zu erhalten, ist gezieltes körperliches Training hilfreich. Körperlich aktive Menschen haben eine höhere Lebenserwartung, auch wenn sie an Polyneuropathie leiden.
- Sturzprävention: Gezieltes Training für das Gleichgewicht ist wirkungsvoll, um die Sturzgefahr zu verringern. Wer ein besseres Gleichgewicht hat, steht stabiler und stürzt seltener.
- Körperliche Fitness: Menschen, die körperlich fit sind, haben eine niedrigere Mortalität, auch wenn sie an chronischen Krankheiten leiden. Die körperliche Fitness ist ein Ausdruck gut funktionierender Organe und guter Gesundheit.
- Bewegung bei Diabetes: Diabetiker sollten sich viel bewegen und den Zuckerstoffwechsel gezielt trainieren.
- Bewegung bei Krebserkrankungen: Krebspatienten profitieren von körperlichem Training. Die Rückfallquote und damit die langfristige Lebenserwartung ist bei körperlich aktiven Menschen wesentlich niedriger.
Es ist wichtig, den Körper umfassend zu stärken. Das heißt, Gleichgewichtsübungen gegen die Polyneuropathie sollten durch Kraftübungen ergänzt werden, um die Muskelkraft und die Festigkeit der Knochen zu erhalten. Außerdem ist es sehr wichtig, Ausdauertraining zu betreiben, weil dadurch die Herz- und Lungenfunktion verbessert wird und das Immunsystem gestärkt wird. Als Ausdauertraining kann bereits zügiges Gehen ausreichen.
Tipps für die Vorsorge und mehr Lebensqualität bei Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie bedeutet manchmal eine Einschränkung der Lebensqualität. Diese Tipps können das Wohlbefinden steigern und Risiken minimieren:
- Blutzucker kontrollieren: Menschen mit Diabetes kontrollieren am besten regelmäßig ihren Blutzucker und nehmen ärztlich verordnete Medikamente ein. Schließlich kann eine suboptimale Blutzuckereinstellung das Risiko für die Entstehung und einen raschen Fortschritt der Erkrankung erhöhen.
- Füße kontrollieren: Eine Polyneuropathie an Beinen oder Füßen erhöht das Risiko für Fußgeschwüre - eine regelmäßige Kontrolle auf Wunden ist also wichtig.
- Bewegen: Menschen mit Polyneuropathie können bei Schmerzen und Missempfindungen von verschiedenen Angeboten wie Aquagymnastik oder Gehtraining profitieren.
- Regelmäßige Übungen: Sind bei Polyneuropathie wichtig, um die Beweglichkeit zu erhalten und Symptome zu lindern.
- Spezielle Schuhe: Können bei Polyneuropathie des Fußes und der Zehen das Risiko schwerer Folgen reduzieren, indem sie den Stand sichern und die Haut abpolstern.
- Vorsorgeuntersuchungen: Im eigentlichen Sinne gibt es keine, aber vor jedem Chemotherapiezyklus sollten in einem Arztgespräch etwaige Hinweise auf eine Polyneuropathie besprochen werden.
- Maßnahmen zur Linderung der Symptome: Tast- und Fühlübungen, Muskulatur stärken, regelmäßiges Sensibilitäts- und Sensomotoriktraining, Elektrotherapie und andere Therapiemaßnahmen.
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