Die Hysterektomie, also die Entfernung der Gebärmutter, ist ein häufiger gynäkologischer Eingriff, der oft als radikalste Therapie bei Adenomyose eingesetzt wird. Obwohl sie viele Beschwerden lindern kann, ist es wichtig zu verstehen, dass sie auch Auswirkungen auf die Beckengesundheit und den Beckenboden haben kann. Dieser Artikel beleuchtet, wie sich eine Hysterektomie auf die Nerven im Becken auswirken und zu Beschwerden führen kann, selbst wenn die Gebärmutter entfernt wurde.
Die Hysterektomie und ihre Auswirkungen auf die Beckengesundheit
Eine Hysterektomie hat in der Regel immer Auswirkungen auf die Beckengesundheit und den Beckenboden, da der Uterus eine zentrale Rolle im Becken und unter den Beckenorganen hat. Je nachdem, wie stark die Symptome und Beschwerden vor der Hysterektomie waren, können die Auswirkungen deutlicher, kaum verändert oder verbessert wahrgenommen werden. Patientinnen sind oft überrascht, wie global sich der Eingriff auf den Körper auswirken kann und wie wenig man im Voraus darüber erfährt.
Veränderungen der Beckenstatik und Stabilität
Durch die Hysterektomie entsteht eine Veränderung der Beckenstatik und Stabilität. Die Gebärmutter ist Teil des Haltesystems im Becken und befindet sich zwischen Blase und Enddarm. Nach ihrer Entfernung kann es zu einer veränderten Lastenverteilung kommen, was zu einem Beckenorganprolaps (Senkung von Blase, Darm oder Scheidenstumpf) führen kann. Das Fehlen der Gebärmutter kann die Beckenbodenmuskulatur zusätzlich belasten, da der Körper immer versucht, fehlende Stabilität anders auszugleichen.
Mögliche Beschwerden nach einer Hysterektomie
Manche Frauen erleben nach einer Hysterektomie vermehrte Spannung im Beckenboden, da der Beckenboden die muskuläre Stabilisation des Beckens übernimmt. Insbesondere wenn die Bänder, die die Organe stützen, durchtrennt wurden, versucht der Körper, sich die Stabilisation so gut es geht durch andere Strukturen aufrecht zu halten.
Blasenbeschwerden wie häufigerer Harndrang, Inkontinenz oder eine erschwerte Blasenentleerung sind nicht selten. Der Darm kann ebenfalls betroffen sein, beispielsweise durch Verstopfung oder veränderte Stuhlgewohnheiten, insbesondere wenn der Eingriff Einfluss auf die Nervenversorgung hatte oder Narben im Bauchraum hinterlässt. Adhäsionen (Verwachsungen) können auch durch minimalinvasive Eingriffe entstehen und sind bildgebend sehr schlecht darstellbar.
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Wenn die Eierstöcke mit entfernt werden, sinkt der Östrogenspiegel abrupt. Hormone haben einen unfassbar großen Einfluss auf unser ganzes Körpersystem. Ein Östrogenmangel kann zu einer schwächeren Gewebestruktur, Trockenheit der Schleimhäute, Schlafstörungen, hormonmangelbedingter Atrophie des Geschlechts und Harnwege und einer Verringerung der Muskelspannung im Beckenbereich führen.
Viele Frauen berichten von einem veränderten Körpergefühl nach der Hysterektomie, was oft auch in der medizinischen Nachversorgung übergangen wird. Emotionale Faktoren spielen eine wichtige Rolle, und es ist essenziell, darüber zu sprechen. Viele nehmen die Entfernung der Gebärmutter als Verlust der eigenen Identität oder der reproduktiven Fähigkeit wahr. Die Gründe für eine Hysterektomie, das persönliche Umfeld, die Unterstützung sowie die Betreuung durch das medizinische System beeinflussen maßgeblich, wie gut sich Patientinnen verstanden, informiert und begleitet fühlen.
Operationsmethoden und ihre Auswirkungen
Die Art des Eingriffs (teilweise, vollständige oder radikale Entfernung, mit oder ohne Erhalt der Eierstöcke) spielt eine Rolle, ebenso aber auch die Voraussetzungen, mit der die Patientinnen in so eine Operation reingehen. Es ist wichtig zu klären, warum eine Hysterektomie geplant ist und ob bereits präventive, operationsvorbereitende Maßnahmen wie Physiotherapie/Osteopathie/funktionelles Training durchgeführt wurden.
Abdominale Hysterektomie: Hier erfolgt der Zugang durch einen Bauchschnitt. Eine höhere Gewebe- und Narbenentstehung ist möglich. Die Bauchmuskulatur wird durchtrennt oder gedehnt, was die Rumpfstabilität beeinträchtigen kann.
Laparoskopische Hysterektomie: Hier erfolgt der Zugang minimalinvasiv über kleine Schnitte in der Bauchdecke. Grundsätzlich ist der Vorgang schonender als die abdominale Methode, da weniger Gewebe verletzt wird und somit weniger Narbengewebe entsteht.
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Vaginale Hysterektomie: Hier erfolgt der Zugang durch die Vagina, ohne Bauchschnitt. Dadurch bleibt die Bauchmuskulatur intakt, was die Rumpfstabilität schont. Das Verfahren ist jedoch eine höhere Belastung für den Beckenboden als bei den abdominellen Verfahren, da das Gewebe um die Scheide gedehnt wird.
Welches OP-Verfahren das Beste ist, muss man unbedingt individuell und immer mit seinem Chirurgen und Facharzt besprechen. Nicht immer stimmen persönliche Wünsche mit körperlichen Voraussetzungen überein. Ebenso ist nicht gesagt, dass überhaupt negative Folgen auftreten müssen. Wie bei jedem Eingriff ist es ein "alles kann, nichts muss"-Prinzip.
Endometriose und Nervenschmerzen im Becken nach Hysterektomie
Auch nach einer Hysterektomie können Nervenschmerzen im Becken auftreten, insbesondere im Zusammenhang mit Endometriose. Obwohl die Gebärmutter entfernt wurde, können weiterhin Endometrioseherde vorhanden sein, die auf Nerven drücken oder Entzündungen verursachen.
Zentrale Sensitivierung
Die zentrale Sensitivierung spielt eine wichtige Rolle im Verständnis der Schmerzmechanismen bei Endometriose. Selbst nach einer Hysterektomie können Patientinnen weiterhin unter wiederkehrenden Schmerzen leiden, was auf die Möglichkeit hinweist, dass Schmerzmechanismen über die Endometriose-Herde hinaus eine Rolle spielen. Die zentrale Sensitivierung ist durch eine anhaltende Übererregbarkeit des zentralen nozizeptiven Systems charakterisiert. Diese Übererregbarkeit kann die Schmerzwahrnehmung verstärken und aufrechterhalten, selbst nachdem das endometriotische Gewebe medizinisch oder chirurgisch behandelt wurde.
Ischiasnerv-Endometriose
In seltenen Fällen kann Endometriose den Ischiasnerv betreffen und zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen, Krämpfen und Kribbeln im Gesäß und in den Oberschenkeln führen. Normalerweise beginnen die Schmerzen während der Menstruation, aber mit der Zeit bleiben die Schmerzen unabhängig von der Menstruation bestehen. Es kann zu einem Fallfuß kommen, der zu Schwierigkeiten beim Gehen führt. Es ist sehr schwierig, eine Ischiasnerv-Endometriose zu diagnostizieren. Wenn die Frau eine bekannte Endometriose hat und Ischiasschmerzen beschreibt, kann ein Verdacht auf eine Ischiasnervendometriose bestehen. Methoden wie MRT, Ultraschall und Tomographie können bei der Diagnose helfen. Meistens wird jedoch bei bildgebenden Verfahren alles als normal gemeldet. Hier steht der Untersuchungsbefund im Vordergrund. Die Diagnose kann anhand der Untersuchungsbefunde und der Vorgeschichte einer Endometriose sowie dem Ausschluss eines möglichen begleitenden Bandscheibenvorfalls gestellt werden. Zusätzlich kann die Beteiligung des Ischiasnervs mit dem Lasègue-Test getestet werden. In seltenen Fällen können Gestagene Schmerzen lindern. Neben Sportarten wie Wandern, Yoga und Schwimmen können Physiotherapie und entzündungshemmende Medikamente hilfreich sein. Wenn diese Behandlungen jedoch keinen Nutzen bringen, muss dieses komprimierende Gewebe laparoskopisch entfernt werden. Diese Art von Operation wird im Rahmen der Neuropelviologie durchgeführt.
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Symptome, die auf Beckenbodenprobleme hindeuten können
- Instabilitätsgefühl oder Schwäche in der Körpermitte (Rumpf und Becken)
- Fehlhaltungen und Schmerzen im Hüftbereich sowie unterem Rücken durch kompensatorische Muster
- Spannungsgefühle in den Adduktoren, also den inneren Oberschenkeln, da durch Aktivierung von umliegender Muskulatur das Gefühl entsteht, mehr Unterstützung und Kontrolle zu haben
- Veränderte, abgeflachte Atmung
- Erhöhter Muskeltonus im gesamten Beckenbereich (fühlt sich an wie eine innere Anspannung oder Blockade)
- Druckgefühl oder Fremdkörpergefühl im Becken- oder Dammbereich, oft verstärkt nach langem Stehen oder abends
- Schwierigkeiten beim Einführen von Tampons oder bei gynäkologischen Untersuchungen
- Probleme beim Urinieren (schwacher Harnstrahl, unvollständige Entleerung, Harndrang ohne Blasenfüllung)
- Harninkontinenz (unfreiwilliger Urinverlust, z. B. beim Husten, Niesen oder Lachen)
- Verändertes Drangempfinden (plötzlicher, starker Harndrang)
- Stuhlinkontinenz oder erschwerte Stuhlentleerung, Schmerzen beim Stuhlgang
- Sichtbare oder spürbare Organsenkung
Anlaufstellen für Hilfe
Optimalerweise sollte man sich an Fachärzte und Beckenbodenzentren wenden. Gynäkolog:innen, Urogynäkolog:innen, Urolog:innen sowie Proktolog:innen sind in der Regel die ersten Anlaufstellen. Auf den Beckenboden spezialisierte Physiotherapeut:innen sowie Osteopath:innen und Trainer:innen sind ebenfalls sehr hilfreich. Beckenboden-Check-ups mit Biofeedback sowie Pessar-Therapie sind empfehlenswert. Ein umfassendes Beschwerdebild braucht fachlich adäquate und ganzheitliche Betreuung.
Behandlungsmöglichkeiten nach einer Hysterektomie
Nach einer Hysterektomie ist es besonders wichtig, den Beckenboden und die gesamte Beckengesundheit aktiv zu unterstützen. Dabei ist jeder Heilungsverlauf anders und sollte an die jeweiligen Bedürfnisse und Voraussetzungen angepasst werden. Im besten Fall hat man vorher schon mit spezialisierten Therapeut:innen gearbeitet und kennt Atem- und Wahrnehmungsübungen für den Beckenboden.
Physiotherapie und Osteopathie
Physiotherapie kann eine wertvolle Ergänzung zur Therapie von Endometriose sein. Durch gezielte Übungen und Techniken kann die Physiotherapie dazu beitragen, Verspannungen im Beckenbereich zu lösen, die Durchblutung zu fördern und Schmerzen zu reduzieren. Zudem können Patientinnen Techniken erlernen, um besser mit chronischen Schmerzen umzugehen.
Ernährung und Stressmanagement
Ballaststoffreiche Ernährung beugt Verstopfungen vor, ebenso wie ausreichende Flüssigkeit. Bewusstes Stressmanagement (z. B. Man braucht Geduld und Selbstfürsorge, denn der Heilungsprozess braucht Zeit - es ist normal, dass sich der Körper verändert.
Hormontherapie
Nach den Leitlinien der Fachgesellschaften sollte man nur Östradiol anwenden. Progesteron wird trotz vorausgegangener E nicht benötigt, aber eine Kapsel am Abend kann den Schlaf verbessern. Bei Vernarbungen empfiehlt es sich, Östriol haltige Scheidenzäpfchen regelmäßig anzuwenden.
Schmerztherapie
Oft spielt die Schmerztherapie eine zentrale Rolle in der Behandlung von Endometriose, da viele Betroffene unter starken und anhaltenden Schmerzen leiden. Paracetamol ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel, das zur Linderung milder bis mittelschwerer Schmerzen eingesetzt wird. Es wirkt zentral im Gehirn, um Schmerzsignale zu blockieren. Die empfohlene Dosierung variiert, es ist jedoch wichtig, die maximale Tagesdosis nicht zu überschreiten, um Leberschäden zu vermeiden. Opioid-Analgetika sind starke Schmerzmittel, die zur Behandlung von mäßigen bis starken Schmerzen eingesetzt werden. Dazu gehören Medikamente wie Tramadol, Codein und Morphin. Sie wirken, indem sie die Schmerzsignale im zentralen Nervensystem blockieren. Muskelrelaxantien, wie Baclofen oder Methocarbamol, werden verwendet, um muskuläre Verspannungen und krampfartige Schmerzen zu lindern, die bei einigen Endometriose-Patientinnen auftreten können. Sie wirken, indem sie die Muskelkontraktionen reduzieren und so zur Entspannung der Muskulatur beitragen. Muskelrelaxantien können besonders nützlich sein, wenn die Endometriose das umliegende Muskelgewebe beeinflusst.
Alternative Behandlungsmethoden
Einige Betroffene berichten von einer Linderung ihrer Symptome durch den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, wie z.B. gluten- oder milchhaltige Produkte. Andere Ansätze: Dazu gehören Meditation, Yoga und Aromatherapie, die helfen können, Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.
Die Bedeutung eines multimodalen Therapieansatzes
Die Behandlung von Endometriose erfordert oft einen langfristigen Ansatz, da es sich um eine chronische Erkrankung handelt. Während einige Frauen nach der Therapie eine deutliche Linderung ihrer Symptome erfahren, können andere weiterhin Beschwerden haben oder feststellen, dass ihre Symptome im Laufe der Zeit zurückkehren. Ein multimodaler Ansatz, der biologische, psychologische und soziale Aspekte aufgreift, ist entscheidend für den Erfolg der Behandlung. Dieser Ansatz kombiniert verschiedene Behandlungsmethoden und setzt auf die Zusammenarbeit von Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Psychologische Unterstützung und Selbsthilfegruppen
Endometriose kann nicht nur körperliche, sondern auch emotionale und psychische Auswirkungen haben. Viele Frauen fühlen sich durch ihre Symptome isoliert oder missverstanden. Psychologische Unterstützung, sei es durch Einzeltherapie oder Gruppentherapie, kann helfen, mit den emotionalen Herausforderungen der Krankheit umzugehen. Selbsthilfegruppen bieten zudem eine Plattform, auf der Betroffene ihre Erfahrungen teilen, sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen können.
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