Nervenschmerzen bei Endometriose: Behandlungsmöglichkeiten und Therapieansätze

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, von der schätzungsweise bis zu zehn Prozent aller Frauen betroffen sind. Dabei siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter an und verursacht Schmerzen, Entzündungen und Unfruchtbarkeit. Die Behandlung von Endometriose zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Fruchtbarkeit zu erhalten. Da die Ursache der Endometriose bisher nicht bekannt ist, ist eine ursächliche Behandlung nicht möglich. Die Therapieoptionen reichen von konservativen Maßnahmen wie Schmerzmitteln und Hormontherapien bis hin zu operativen Eingriffen.

Konservative Behandlungsmethoden

Konservative Behandlungen zielen darauf ab, die Schmerzen zu lindern und das Wachstum der Endometrioseherde zu unterdrücken. Sie können als alleinige Therapie oder in Kombination mit operativen Maßnahmen eingesetzt werden.

Schmerzmittel

Gegen die krankheitsbedingten Schmerzen helfen bewährte Schmerzmittel, wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac. Diese haben zugleich eine anti-entzündliche Wirkung. Jedoch sollte eine Selbstbehandlung mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln immer mit dem Arzt abgestimmt werden. Bei der anti-entzündlichen Behandlung haben sich auch Entzündungshemmer (COX-2-Hemmer) bewährt. Sie unterdrücken Begleitreaktionen der Erkrankung und helfen, chronischen Schmerzen vorzubeugen. Bei ausgeprägten oder chronischen Beschwerden kann eine Schmerzbehandlung mit einem individuellen Therapieplan sinnvoll sein.

Hormontherapie

Das weibliche Sexualhormon Östrogen, gilt als wesentlicher Wachstumsreiz für Endometrioseherde. Hormonelle Therapien zielen daher darauf ab, den Östrogenspiegel abzusenken bzw. Regelblutungen zu vermeiden. In der Folge schrumpfen vorhandene Endometrioseherde und die mit ihnen verbundene Beschwerden nehmen ab.

Gestagene

Reine Gestagene (Gelbkörperhormone): wie, Dydrogesteron, Dienogest und ggf. Medroxyprogesteronacetat. Hierbei ist Dienogest als einziges Gestagen speziell für die Therapie der Endometriose zugelassen. Das künstliche Hormon wird als Tablette eingenommen und senkt bei täglicher Anwendung den Östrogenspiegel. Als Alternative zur systemischen Gestagentherapie kommt in seltenen Fällen der Einsatz eines gestagenhaltigen (Levonorgestrel) Intrauterinpessars (IUP) in Frage.

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GnRH-Analoga

GnRH-Analoga werden als Spritze oder Nasenspray verabreicht und blockieren bei längerer Anwendung die Ausschüttung des Follikel stimmulierenden Hormons (FSH) aus der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Dadurch sinkt der Östrogenspiegel in einen Bereich wie nach den Wechseljahren. Da das Medikament Wechseljahresbeschwerden auslöst und mittelfristig zu Knochenschwund (Osteoporose) führt, wird es in der Regel nur über 3-6 Monate am Stück angewendet.

Hormonelle Kontrazeptiva

Hinweis: Hormonelle Kontrazeptiva („Pille") und intrauterine Levonorgestrel-freisetzende Systeme (Intrauterinpessar) sind allein für die Behandlung starker Regelschmerzen (Dysmenorrhoe) in Deutschland nicht zugelassen.

Welche hormonelle Therapie im Einzelfall eingesetzt wird, hängt stark vom Krankheitsbild der Patientin und ihren Wünschen ab (auch Kombinationstherapien sind möglich). Die die Eigenproduktion unterdrückenden hormonellen Therapien erzeugen einen vorübergehenden Zustand wie in den Wechseljahren mit den entsprechenden Begleiterscheinungen. Die Ausprägung von Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust, Knochenschwund (Osteoporose) usw. ist jedoch sehr unterschiedlich. Kriterium für die Wahl des Präparates sollten stets auch die damit einhergehenden Nebenwirkungen sein, da diese zum Teil nicht unerheblich sind.

Operative Behandlungsmethoden

Bei einer schweren Endometriose oder einer durch die Erkrankung bedingten Unfruchtbarkeit steht die operative Therapie im Vordergrund. Dabei wird versucht, die Endometrioseherde möglichst komplett zu entfernen - mit elektrischem Strom, Laser oder dem Skalpell. Der Eingriff erfolgt überwiegend im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie), nur selten ist ein Bauchschnitt (Laparotomie) notwendig. Tief infiltrierende Endometrioseherde schneidet der Frauenarzt vorsichtig heraus, insbesondere um Nerven zu schonen und betroffene Organe möglichst wenig zu beschädigen. In ungünstigen Fällen müssen Teile der Eierstöcke oder Eileiter entfernt werden. Die Erfolgsaussichten sind bei operativen Maßnahmen am besten, und die Mehrzahl der Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch wird danach schwanger. Nach einer Endometriose-Operation können bei jeder zweiten Patientin innerhalb von 5 Jahren neue Endometrioseherde auftreten [3]. Daher folgt nach einem Eingriff meist eine drei bis sechs Monate lange Behandlung mit Hormonen, um den Effekt der Operation zu unterstützen. Bei ausgeprägten Veränderungen durch die Endometriose werden die Behandlungsmethoden meist kombiniert - in der Regel in drei Stufen. Diese beginnt mit der Bauchspiegelung. Daran schließt sich eine medikamentöse Behandlung über mehrere Monate hinweg an. Gerade die schweren Formen der Erkrankung neigen zu Rezidiven (Rückfällen), können also wiederkehren. Nur eine konsequente Therapie bietet hier Aussicht auf eine dauerhafte Heilung.

Ergänzende Behandlungsmethoden

Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es auch einige ergänzende Ansätze, die zur Linderung der Beschwerden beitragen können.

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Pflanzliche Mittel

Das Pflanzenextrakt aus der Rinde der französischen See-Kiefer hemmt Entzündungsprozesse in Gebärmutterschleimhautzellen, die auch Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe) verursachen. In einer (!) kleinen Studie kombinierten Forscher daher den Wirkstoff mit einem oralen Verhütungsmittel, wodurch sich der antientzündliche Effekt verstärkte [2]. Pycnogenol könnte daher mithelfen, Endometriose-Beschwerden zu lindern.

Vitamin D

Jüngste Studien lassen vermuten, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel Endometriose-Beschwerden verstärkt [4]. Eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D ist aber nur bei einer Vitamin-D-Unterversorgung sinnvoll. Risikogruppen für einen Vitamin-D-Mangel sind insbesondere Frauen, die ihre Haut selten der Sonne aussetzen oder einen sehr dunklen Hauttyp haben.

Ernährung

Ein ausreichendes Angebot an ungesättigten Fettsäuren hilft Ihrem Körper dabei, entzündungshemmende Stoffe zu bilden und somit Ihre Schmerzen zu reduzieren. Auf den Verzehr von rotem Fleisch (z.B. Schweinefleisch) oder auf den Genuss von frittierten Speisen sollten Sie nach Möglichkeit verzichten. Der Verzehr von weißem Fleisch (z.B. Milchprodukte haben sich bei Frauen mit Endometriose auch als unvorteilhaft erwiesen. Entzündungen können auch durch sogenannte Antioxidantien gehemmt werden. Antioxidantien wie z.B. Vitamin C, Vitamin E, Vitamin A, Zink und Selen sind in frischem Obst und Gemüse enthalten. Wichtige Zinkquellen sind zudem Weizenkleie, Roggenkeime, Kürbiskerne oder Sonnenblumenkerne. Tryptophanhaltige Lebensmittel, wie z.B. Sojabohnen, Cashewkerne, oder Kakao führen zu einer erhöhten Serotoninbildung im Gehirn, die schmerzlindern wirkt. Magnesium hat eine krampflösende Wirkung und kann dadurch Regelschmerzen lindern. Wichtige Magnesiumquellen sind: Weizenkeime, Sojabohnen, Quinoa und Trockenfrüchte. Eine gesunde Ernährung hilft Ihnen auch dabei, ggf. vorhandenes Übergewicht zu reduzieren. Dies kann sich günstig auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Heilpflanzen

Heilpflanzen können ebenfalls helfen, Ihre Beschwerden zu lindern. Teezubereitungen aus Himbeerblätter, Frauenmantel, Schafgarbe, Melisse, Gänsefingerkraut, Zaubernuss (Hamamelis), Ocotillo (Fouquieria slendens) und Xanthoxylon (Xanthoxylum fraxineum) haben sich als hilfreich erwiesen.

Bewegung und Entspannung

Zum ganzheitlichen Therapiekonzept bei der Endometriose gehört auch eine ausgewogen körperliche Betätigung und das Erlernen von Stressbewältigungsmethoden. Die Auswahl der Sportart richtet sich nach Ihren Vorlieben und Möglichkeiten, wichtig ist die Kontinuität. Die Auswahl an Stressbewältigungsmethoden ist ebenfalls groß (z.B. Autogenes Training, Yoga, Pilates), auch hier richtet sich die Auswahl der Methode nach ihren eigenen Präferenzen.

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Multimodale Schmerztherapie

Dabei handelt es sich um den Goldstandard der Therapie bei der Behandlung von chronischen Schmerzen. Aber warum gibt es überhaupt chronische Schmerzen und wie unterscheiden sich diese von einem Akutschmerz?Chronische Schmerzen sind kein seltenes Phänomen und betreffen circa 17% der Bevölkerung in Deutschland. Auch Unterbauchschmerzen können chronisch werden. In der Regel entwickeln sich chronische Schmerzen aus akuten Schmerzen, dabei spielen spezielle Prozesse im Nervensystem eine bedeutende Rolle. Neben einer Charakterisierung des Schmerzes im Gehirn (Wo? Welche Qualität? Bedrohlichkeit?) spielen sogenannte "Schmerzbremsen" eine wichtige Rolle bei der Schmerzregulierung. Diese benötigen für diesen Prozess bestimmte Botenstoffe (z. B. Noradrenalin). Bei häufiger Inanspruchnahme des Schmerzverarbeitung-Systems, z. B. durch Erkrankungen wie Endometriose, kommt es zu einer Erschöpfung der "Schmerzbremsen". Die Betroffenen merken dies durch Zunahme der Häufigkeit, Intensität und Ausbreitung der Schmerzen am Körper. Durch die häufigen Schmerzen und Begleitsymptome kommt es zu körperlichen, psychischen und sozialen Veränderungen. Diese können im Sinne eines Teufelskreises wieder Schmerzen begünstigen. Im Extremfall kann der chronische Schmerz weiterbestehen, obwohl die ursprüngliche Ursache bereits wieder „ausgeheilt" ist. Der chronische Schmerz dann hat seine ursprüngliche Warnunktion verloren und wird selbst zur eigenständigen Erkrankung. Behandelbare Einzelursachen gibt es nicht mehr.Bei einer solchen Chronifizierung kann die Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST) ansetzen. Im Falle der Endometriose sollten zunächst die Basismaßnahmen erfolgt sein. Dazu gehören eine regelmäßige gynäkologische Schmerzerfassung, eine sinnvolle medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlung von Unterbauchschmerzen bereits in einem nicht chronifizierten Stadium und die Beachtung von weiteren Schmerzerkrankungen wie Migräne oder Reizdarm, die sich ungünstig auf das Gesamtgeschehen auswirken können.Die Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST) ist ein definiertes Therapieverfahren, welches durch ein Team aus verschiedenen Berufsgruppen und Fachrichtungen durchgeführt wird und in der Gruppe stattfindet. Ziele sind die Vermittlung von Schmerzbewältigungsstrategien, um Schmerzen zu lindern und wieder mehr Kontrolle über diese zu erlangen. Wichtig ist aber auch die Steigerung der Lebensqualität und das Lernen, wie man trotz der Schmerzen ein gutes Leben führen kann. Wichtige Bausteine dieser Therapie sind Vermittlung von medizinischen Hintergründen und medikamentösen Behandlungen, die Anwendung von Bewegungstherapie, Entspannungs- und Naturheilverfahren, Achtsamkeitstechniken und psychologische Maßnahmen.

Neurostimulation

Neurochirurgin Malgorzata Kolodziej erklärt: In der Operation werden Elektroden präzise an den Nervensträngen im Beckenraum angelegt, die die Schmerzen verursachen. Dadurch können die Betroffenen den Schmerz selbst "beherrschen", erklärt sie. Der große Vorteil sei, dass den Patientinnen dadurch eine verbesserte Lebensqualität ermöglicht werde. Als Nebeneffekt könnte die Behandlung auch die Chancen steigern, dass Patientinnen sich doch ihren Kinderwunsch erfüllen können. Zum Beispiel, wenn hochdosierte Medikamente abgesetzt werden können. Die Methode verursache im Becken oder an den Nerven keine Schäden, das Gerät könne auch jederzeit wieder entfernt werden. Alle acht Jahre müsse der Neurostimulator allerdings ausgetauscht werden. Die Methode, Endometriose auf diese Art in Zusammenarbeit von Gynäkologie und Neurochirurgie zu behandeln, ist laut Uniklinikum Gießen bisher weltweit einzigartig und erfordert viel Expertise. Malgorzata Kolodziej ist laut Klinikum bisher die einzige Neurochirurgin, die über eine Weiterbildung in Neuropelveologie verfügt.

Umgang mit der Erkrankung

Endometriose ist eine Erkrankung, die oft mit starken Schmerzen verbunden ist, und deren Behandlung lange dauern kann. Welche Therapie die beste ist und ob die Einnahme von Schmerzmitteln notwendig ist, können Patientinnen nur in Absprache mit dem behandelnden Frauenarzt entscheiden. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Beschwerden auch ohne Schmerzmittel zu lindern. In vielen Fällen können Sport, Yoga, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen (z.B. PME) Schmerzen abmildern. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann ebenfalls bei der Krankheitsbewältigung hilfreich sein. Entsprechende Kontakte und Informationen bietet die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. an.

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