Schlaf ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis und spielt eine entscheidende Rolle für die körperliche und geistige Entwicklung, insbesondere bei Babys und Kindern. Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf fördert das Wachstum, die Gehirnreifung, die kognitiven Fähigkeiten und das emotionale Wohlbefinden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Schlafs im Zusammenhang mit der Gehirnentwicklung von Babys und Kindern und gibt praktische Tipps für Eltern, um gesunde Schlafgewohnheiten zu fördern.
Grundlagen des Neugeborenenschlafs
Schlafmuster von Neugeborenen
Neugeborene erleben Schlaf anders als Erwachsene. Ihr Schlaf ist gekennzeichnet durch kürzere Zyklen und eine höhere Anzahl an REM-Phasen (Rapid Eye Movement), die für Träume und Gehirnentwicklung entscheidend sind. In den ersten Lebenswochen schlafen Neugeborene in der Regel in kurzen Abständen über den Tag verteilt, ohne einen ausgeprägten Unterschied zwischen Tag und Nacht.
Entwicklung des Schlaf-Wach-Rhythmus
Im Laufe der ersten Monate entwickeln Neugeborene allmählich einen regelmäßigeren Schlaf-Wach-Rhythmus. Dieser Prozess wird durch die Reifung des zirkadianen Rhythmus unterstützt, der biologischen Uhr, die von Licht- und Dunkelheitszyklen beeinflusst wird. Eltern können diesen Prozess unterstützen, indem sie tagsüber eine helle, aktive Umgebung und nachts eine ruhige, dunkle Atmosphäre schaffen.
Durchschnittliche Schlafdauer
Die durchschnittliche Schlafdauer eines Neugeborenen liegt zwischen 14 und 17 Stunden pro Tag. Diese Schlafmenge verteilt sich über mehrere Schlafphasen rund um die Uhr. Es ist normal, dass Neugeborene nachts häufig aufwachen, da ihr Schlafzyklus kürzer ist und sie regelmäßig für Nahrung aufwachen. Mit der Zeit dehnen sich die Schlafphasen nachts aus, während die Wachphasen tagsüber aktiver werden. Dieses Schlafverhalten ist ein natürlicher und wichtiger Bestandteil der Entwicklung eines Neugeborenen. Eltern sollten sich bewusst sein, dass jedes Kind ein individuelles Schlafmuster hat und sich dieses im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Geduld und Verständnis für diese Entwicklungsphase sind entscheidend für die Schaffung eines gesunden Schlafumfelds.
Physiologische Aspekte des Schlafs
Rolle des Schlafs in der körperlichen Entwicklung
Der Schlaf spielt eine zentrale Rolle im Wachstum und der körperlichen Entwicklung von Neugeborenen. Während des Schlafs werden Wachstumshormone ausgeschüttet, die für die körperliche Reifung entscheidend sind. Diese Hormone tragen zum Knochenwachstum, zur Muskelentwicklung und zur allgemeinen körperlichen Gesundheit bei.
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Bedeutung für die Gehirnentwicklung
Im Schlaf finden im Gehirn von Neugeborenen essenzielle Prozesse statt, die die Basis für spätere kognitive Fähigkeiten legen. Während der verschiedenen Schlafphasen, insbesondere während des REM-Schlafs, werden neue neuronale Verbindungen gebildet. Diese sind wichtig für das Lernen, Gedächtnis und die sensorische Verarbeitung.
Auswirkungen des Schlafmangels
Schlafmangel bei Neugeborenen kann zu verschiedenen kurz- und langfristigen Problemen führen. Kurzfristig kann es zu Reizbarkeit, verminderter Stressresistenz und Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme kommen. Langfristig kann anhaltender Schlafmangel die Gehirnentwicklung beeinträchtigen, das Immunsystem schwächen und zu Wachstumsverzögerungen führen.
Schlaf und die Entwicklung des kindlichen Gehirns
Eine aktuelle amerikanische Studie belegt, dass unzureichender Schlaf bei Kindern langfristig die neurologische Entwicklung beeinträchtigen kann. Die in „The Lancet Child & Adolescent Health“ veröffentlichte Studie ergab, dass 9- und 10-Jährige, die nachts durchschnittlich keine 9 Stunden schlafen, tendenziell weniger graue Substanz entwickeln. Auch die Bereiche des Gehirns, die für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Impulskontrolle verantwortlich sind, sind nicht so ausgeprägt wie bei Kindern, die genug Schlaf bekommen.
Die Wissenschaftler:innen fanden auch einen Zusammenhang zwischen unzureichendem Schlaf und gestörten Verbindungen zwischen den Basalganglien und kortikalen Regionen (Gehirnrinde [Kortex]) des Gehirns. Diese Störungen schienen mit Depressionen, Denkproblemen und Beeinträchtigungen der „Crystallized Intelligence“ zusammenzuhängen. „Crystallized Intelligence“ oder kristalline Intelligenz ist eine Art von Intelligenz, die auf früheren Lernerfahrungen sowie früheren Erfahrungen basiert und vom Gedächtnis abhängt. Diese Auswirkungen blieben 2 Jahre später bestehen, auch wenn diejenigen Teilnehmer, die zu Beginn ausreichend geschlafen hatten, im Laufe der Zeit allmählich weniger schliefen, und diejenigen, die zu Beginn nicht genug Schlaf bekamen, weiterhin etwa gleich lang schliefen, berichteten die Forscher:innen.
Um zu untersuchen, wie sich unzureichender Schlaf über 2 Jahre auf die psychische Gesundheit, Gedächtnis, Gehirnfunktion und Gehirnstruktur von Kindern auswirkt, analysierten Ze Wang, PhD, Professor für diagnostische Radiologie und Nuklearmedizin an der University of Maryland, Baltimore, und seine Kollegen Daten aus der laufenden „Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study“ (Studie bei Jugendlichen zur kognitiven Entwicklung des Gehirns). Für ihre neue Analyse konzentrierte sich die Gruppe um Prof. Dr. Wang auf 6.042 Teilnehmer: 3.021 Kinder mit unzureichendem Schlaf, die mit einer gleichen Anzahl von Teilnehmern verglichen wurden, die in vielerlei Hinsicht ähnlich waren, einschließlich Geschlecht, sozioökonomischem Status und Pubertätsentwicklung. Nur letztere Probanden schliefen nachts mindestens 9 Stunden.
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Die Ermittler bestimmten die Schlafdauer anhand der Antworten der Eltern auf die Frage: „Wie viele Stunden Schlaf bekam Ihr Kind in den letzten 6 Monaten in den meisten Nächten?“ Mögliche Antworten waren mindestens 9 Stunden, 8-9 Stunden, 7-8 Stunden, 5-7 Stunden oder weniger als 5 Stunden. Sie untersuchten zudem funktionelle und strukturelle MRT-Scans, Testergebnisse und Antworten auf Fragebögen. Bei Kindern, die zu wenig schliefen, konnten die Forscher negative Effekte in mehreren verschiedenen Bereichen beobachten, darunter Gehirnstruktur, Funktion, Kognition, Verhalten und psychische Gesundheit.
Die Ergebnisse basierten auf Gruppendurchschnitten und die Unterschiede sind nicht schwerwiegend, sagte Wang. Ein bestimmtes Kind, das nachts meist keine neun Stunden lang schläft, müsse also nicht unbedingt schlechter abschneiden als ein Kind, das genug Schlaf bekommt, so Wang. Dennoch könnten sich geringe Auswirkungen mit der Zeit ansammeln und schließlich zu andauernden Veränderungen führen, betonte Wang.
Kristalline Intelligenz und Schlaf
Die Forscher untersuchten 42 Bereiche. Bei 32 davon gab es zwischen den Gruppen deutliche Unterschiede. Insbesondere vier Bereiche - Depression, Denkprobleme, Leistung bei einem Bildvokabeltest und kristalline Intelligenz - waren Bereiche, in denen unzureichender Schlaf einen größeren negativen Effekt zu haben schien. Die Beziehung der Schlafdauer zur kristallinen Intelligenz war doppelt so hoch wie bei der fluiden Intelligenz. Die fluide Intelligenz beinhaltet Fähigkeiten wie Problemlösung, Lernen und Mustererkennung und hängt nicht vom Gedächtnis ab. „Schlaf beeinflusst das Gedächtnis“, lautet das Fazit von Professor Wang. „Kristalline Intelligenz hängt von erlernten Fähigkeiten und Kenntnissen ab, die das Gedächtnis bietet."
Eine Einschränkung der Studie bestehe darin, dass einige Eltern möglicherweise nicht genau angeben, wie viel Schlaf ihr Kind bekommt, räumte Wang ein. Kinder können zum Beispiel wach sein, wenn Eltern denken, dass sie schlafen. Um einen gesunden Schlaf zu fördern, sollten Eltern eine strenge Routine für ihre Kinder einhalten, wie z. B. regelmäßige Schlafenszeiten und keine elektronischen Geräte im Schlafzimmer, schlug Wang vor. Mehr körperliche Aktivität während des Tages seien auch hilfreich.
Praktische Tipps zur Förderung gesunden Schlafs
Schlafumgebung gestalten
Eine beruhigende und sichere Schlafumgebung ist entscheidend. Verwenden Sie eine feste Matratze und vermeiden Sie übermäßige Bettwäsche und Spielzeug im Bett. Ein kühler, leiser Raum mit gedämpftem Licht fördert den Schlaf. Überlegen Sie, ob ein Nachtlicht oder leise Hintergrundgeräusche wie weißes Rauschen hilfreich sind.
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Schlafrituale etablieren
Regelmäßige Schlafrituale wie sanfte Massagen, das Singen von Wiegenliedern oder das Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte können dem Baby helfen, sich auf den Schlaf vorzubereiten. Diese Routinen signalisieren, dass es Zeit zum Schlafen ist und helfen dem Baby, sich zu entspannen.
Umgang mit Schlafproblemen
Bleiben Sie konsequent, aber flexibel. Wenn das Baby nachts aufwacht, versuchen Sie es mit sanften Beruhigungsmethoden wieder einzuschläfern. Achten Sie auf Zeichen von Übermüdung und passen Sie den Schlafrhythmus entsprechend an. Bei anhaltenden Schlafproblemen konsultieren Sie einen Kinderarzt.
Die Rolle der Memola Wiege
Die Memola Wiege ist darauf ausgelegt, das Wohlbefinden von Neugeborenen zu fördern. Ihre Wiegenbewegungen erinnern an die sanften Bewegungen im Mutterleib, was beruhigend wirkt und den Kleinsten hilft, sich zu entspannen und einzuschlafen. Bei Koliken können diese Bewegungen lindernd wirken. Die Memola ermöglicht es dem Baby, durch eigene kleine Bewegungen die Wiege in Schwingung zu versetzen, ähnlich der Erfahrung im Fruchtwasser. Diese gleichförmigen Bewegungen sind den Babys vertraut und tragen dazu bei, sie schnell zu beruhigen.
Eltern-Kind-Bindung und Schlaf
Die tiefe Verbindung während des Schlafs
Der Schlaf eines Neugeborenen bietet wertvolle Momente für die Eltern-Kind-Bindung. Gerade in den stillen Stunden der Nacht entstehen oft die intensivsten emotionalen Verbindungen. Diese Zeiten sind ideal, um durch beruhigendes Wiegen, sanftes Sprechen oder Singen eine starke, liebevolle Beziehung zum Baby zu fördern.
Co-Sleeping: Nähe und Sicherheit
Beim Co-Sleeping, dem gemeinsamen Schlafen im selben Raum oder Bett, steht die Nähe zum Kind im Vordergrund. Diese Praxis kann die nächtliche Pflege erleichtern und das Gefühl der Sicherheit für das Baby verstärken. Allerdings ist es entscheidend, Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen, um Risiken wie plötzlichen Kindstod zu vermeiden. Sichere Schlafumgebungen und die richtige Bettwäsche sind dabei von zentraler Bedeutung.
Individuelle Entscheidungen treffen
Eltern sollten ihre Entscheidung für oder gegen Co-Sleeping auf Basis ihrer individuellen Situation, des Komforts und der Sicherheit des Babys treffen. Wichtig ist, dass jede Entscheidung das Wohl des Kindes fördert und zur Stärkung der Bindung beiträgt.
Schlafrituale einbeziehen
Schlafrituale spielen eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der Bindung. Regelmäßige, beruhigende Rituale vor dem Schlafengehen wie das Singen von Wiegenliedern oder sanftes Streicheln können das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit beim Baby verstärken. Diese Momente sind nicht nur für das Baby, sondern auch für die Eltern wertvoll.
Diese Aspekte des Schlafs und der Bindung sind wesentlich für die Entwicklung einer gesunden und starken Beziehung zwischen Eltern und Kind. Sie tragen zur emotionalen Sicherheit und zum Wohlbefinden des Babys bei.
Gesundheitliche Probleme und Schlaf bei Neugeborenen
Schlafstörungen bei Neugeborenen
Schlafstörungen bei Neugeborenen können verschiedene Formen annehmen, von Schwierigkeiten beim Einschlafen bis zu häufigem nächtlichen Erwachen. Solche Störungen können durch verschiedene Faktoren wie Umgebungsveränderungen, Entwicklungsphasen oder gesundheitliche Probleme verursacht werden.
Schlaf und Neugeborenenbeschwerden wie Koliken
Koliken sind ein häufiges Problem bei Neugeborenen und können den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Sie äußern sich in langen Phasen des Weinens und Unbehagens, oft in den Abendstunden, was sowohl das Baby als auch die Eltern belasten kann.
Memola Babyschaukel zur Linderung von Koliken
Die Memola Babyschaukel wird zur Linderung von Koliken und zur Förderung des Schlafs bei Neugeborenen empfohlen. Die sanften Schaukelbewegungen der Memola ahmen die Bewegungen im Mutterleib nach und können beruhigend auf Babys wirken, die unter Koliken leiden.
Mythen und Missverständnisse rund um den Schlaf von Neugeborenen
Häufige Schlafmythen aufklären
Es gibt viele Mythen rund um den Schlaf von Neugeborenen, die oft zu Missverständnissen bei Eltern führen.
- Babys sollten durchschlafen, sobald sie ein paar Monate alt sind. Dieser Mythos ignoriert die natürlichen, variablen Schlafmuster von Babys. Neugeborene haben kürzere Schlafzyklen und benötigen häufiges nächtliches Füttern für ihre Entwicklung.
- Feste Schlafenszeiten sind immer notwendig. Während Routinen hilfreich sind, ist Flexibilität ebenso wichtig. Jedes Baby hat individuelle Schlafbedürfnisse, die sich mit der Zeit ändern können.
- Mehr Wachsein tagsüber führt zu besserem Schlaf in der Nacht. Tatsächlich kann Übermüdung das Einschlafen erschweren. Ausgewogene Tagesschläfchen sind wichtig für einen gesunden Nachtschlaf.
- Babys sollten nachts nicht gefüttert werden. Neugeborene benötigen häufige Mahlzeiten, auch nachts, da ihr Magen klein ist und sie schnell wachsen.
- Schlaftraining ist immer notwendig. Schlaftraining kann für manche Familien hilfreich sein, aber es ist nicht für jedes Baby geeignet. Ein sanfterer Ansatz kann oft effektiver sein.
- Wenn das Baby tagsüber viel schläft, schläft es nachts weniger. Tatsächlich benötigen Babys viel Schlaf, sowohl tagsüber als auch nachts. Guter Tagesschlaf kann zu besserem Nachtschlaf beitragen.
Falsche Vorstellungen über Schlafhilfen
Es gibt auch Missverständnisse bezüglich des Einsatzes von Schlafhilfen wie Schaukeln oder Wiegen. Manche glauben, dass Babys dadurch ‚verwöhnt‘ werden oder schlechte Schlafgewohnheiten entwickeln. Dabei ist es natürlich und hilfreich, Neugeborene zu wiegen oder sanft zu schaukeln, um sie zu beruhigen und den Schlaf zu fördern.
Spezielle Eigenschaften der Memola Wiege
- Beruhigende Wirkung durch Nachahmung der Bewegungen im Mutterleib: Die Memola Wiege ist speziell dafür entwickelt, die sanften Bewegungen nachzuahmen, die Neugeborene im Mutterleib erfahren. Diese beruhigende Wirkung ist entscheidend für das Einschlafverhalten von Babys und hilft, den Übergang in den Schlaf zu erleichtern.
- Förderung des Gleichgewichtssinns: Durch die sanften Schaukelbewegungen unterstützt die Memola Babyschaukel die Entwicklung des Gleichgewichtssinns bei Neugeborenen. Diese Stimulation ist nicht nur beruhigend, sondern fördert auch die körperliche Entwicklung und das Bewusstsein des eigenen Körpers.
- Unterstützung der sensorischen Integration: Die Memola hilft bei der sensorischen Integration, indem sie Babys ermöglicht, ihre Umgebung durch Bewegung zu erfahren.
Bindungsorientierter Ansatz bei Schlafproblemen
Es ist wichtig zu beachten, dass Babys und Kleinkinder in der Regel in der Nähe der Eltern am besten schlafen, idealerweise im elterlichen Schlafzimmer, im Bett der Eltern, im Beistellbett oder im eigenen Bett im selben Raum. Gerade bei Säuglingen spielt der enge Körperkontakt mit der Bindungsperson eine zentrale Rolle bei der Regulation von Stress- und Erregungszuständen. Das Schlafbedürfnis von Kindern ist zudem individuell sehr unterschiedlich und variiert auch in Abhängigkeit von Tageszeit, Jahreszeit und anderen Faktoren. Feinfühligkeit für die Bedürfnisse des Kindes beinhaltet deshalb auch, das Kind dann ins Bett zu bringen, wenn das Kind wirklich Müdigkeit zeigt, und nicht zu einer festgelegten Uhrzeit. Für Einschlafprobleme ist häufig die Ursache, dass das Kind einfach noch nicht müde ist oder (seltener) dass das Kind schon zu müde ist.
Auch das Befinden der Eltern spielt hier eine wichtige Rolle: Sind die Eltern selbst gestresst, so wird es ihnen nur schwer gelingen, ihr Kind zu beruhigen. Sind die Eltern durch dauerhaft anstrengende Nächte so erschöpft, dass sie sich durch die chronische Müdigkeit den Anforderungen des Alltags nicht mehr gewachsen fühlen oder entwickeln sie aufgrund der Schlafsituation sogar negative Gefühle dem Kind gegenüber, so sollte gehandelt werden. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil Stress und Erschöpfung auch die Feinfühligkeit der Eltern beeinträchtigt, worunter die Beziehung und Bindung zum Kind leidet.
Ein erster Schritt kann dabei die Analyse der Schlafsituation vor dem Hintergrund bindungstheoretischer Überlegungen sein. So ist beispielsweise häufiges nächtliches Stillen für die Mutter deutlich weniger belastend, wenn das Kind im Elternbett oder im Beistellbett schläft als wenn die Mutter mehrmals pro Nacht aufstehen muss. Auch eine Veränderung der Schlafzeiten entsprechend den Bedürfnissen des Kindes kann eine Veränderung bringen.
Bleiben derartige Versuche erfolglos, so lohnt es sich auch, einen Blick auf den Tagesablauf der Familie zu werfen und die Gestaltung der Bindungsbeziehung(en) des Kindes im Alltag zu betrachten. Bei all diesen Überlegungen darf nicht vergessen werden, dass sich Babys und Kinder von Geburt an auch in ihrem Temperament sehr unterscheiden und es natürlich Kinder gibt, die irritierbarer sind, sich nur schwer beruhigen lassen und somit häufig auch zu Schlafproblemen neigen.
Schlaftraining aus bindungstheoretischer Sicht
Wird die Schlafsituation von den Eltern als anhaltend belastend erlebt, so beginnen viele Eltern mit einem Schlaftraining. Bindungstheoretisch betrachtet ist Schlafen ein physiologisches Grundbedürfnis wie Essen oder Trinken und muss nicht gelernt werden. Die bekannten, auf Annahmen der Verhaltenstherapie basierenden Schlafprogramme, zielen darauf ab, dass das Kind lernt, dass nächtliches Weinen und Schreien (nach den Eltern) nicht den gewünschten Erfolg hat und auch nicht notwendig ist, um ein- oder weiterschlafen zu können. Hierbei handelt es sich um einen Konditionierungsprozess, durch den das Kind lernt, unerwünschte Verhaltensweisen, die durch die Eltern nicht verstärkt werden (die Eltern reagieren auf die kindlichen Signale konsequent nicht, bzw. erst verzögert und nicht in der vom Kind erwünschten Form), nicht mehr zu zeigen.
Aus bindungstheoretischer Sicht stellt sich jedoch die Frage, welchen Preis die Kinder und ihre Eltern dafür bezahlen. Das Baby oder Kind in der Schlafsituation schreien zu lassen und nicht in der Art und Weise darauf zu reagieren, durch die das Kind sich am schnellsten beruhigen lässt, kann als (bewusst) nicht feinfühliges Elternverhalten interpretiert werden, das das Ziel einer Verhaltensänderung beim Kind verfolgt. Das Kind lernt, dass der offene Ausdruck von Bindungssignalen nicht zum gewünschten Erfolg führt, die Nähe der Eltern zu sichern. Dieser Mechanismus ist in der Bindungstheorie im Zusammenhang mit der Entwicklung von einem unsicher-vermeidenden Bindungsmuster bekannt und empirisch gut belegt.
Das wiederholte Ignorieren der kindlichen Signale löst beim Kind darüber hinaus auch eine anhaltende physiologische Stressreaktion aus, die dauerhaft negative Veränderungen im Gehirn der Kinder hervorrufen kann. Reagieren die Eltern, wie in einigen Schlafprogrammen empfohlen, auf das Schreien des Kindes nicht, so fühlt sich das Baby oder Kleinkind allein gelassen und starke Trennungsangst ist das dominierende Gefühl. Babys und Kleinkinder sind noch nicht dazu in der Lage, solche negativen Gefühle allein zu regulieren. Auch wenn die Kinder irgendwann aus Erschöpfung einschlafen, und der Instinkt, bei der Trennung von den Eltern zu schreien, mit der Zeit abtrainiert werden kann, wird das Gehirn des Babys mit Stresshormonen überschüttet und im Gehirn werden Schmerzschaltkreise aktiviert, die denen durch körperlicher Schmerzen sehr ähnlich sind. Die Stressreaktionssysteme des Gehirns können so dauerhaft auf Überempfindlichkeit programmiert werden. Ein möglicher Langzeiteffekt von wiederholter Trennungsangst ist demnach eine erhöhte Stressempfindlichkeit im Erwachsenenalter. Erwachsene mit einer derartigen Hypersensibilität haben häufig Probleme selbst zur Ruhe kommen, darüber hinaus kann auch die Anfälligkeit für Depressionen, Angststörungen, etc. erhöht sein.
Suchen die Eltern nach konkreten Handlungsempfehlungen im Umgang mit den Schlafproblemen ihrer Kinder, so sollten sie keine Methoden anwenden, die darauf basieren, das Kind schreien zu lassen. Aus bindungstheoretischer Sicht ist es entscheidend, die Schlafsituation unter Berücksichtigung der Bindungsbedürfnisse der Kinder zu gestalten. Die Nähe zu den Eltern und bei kleinen Kindern insbesondere der Körperkontakt zu den Eltern spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Die Rolle der Eltern bei der Förderung gesunden Schlafs
Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung gesunder Schlafgewohnheiten ihrer Kinder. Hier sind einige Tipps, wie Eltern tagsüber die Weichen für eine gute Nacht stellen können:
- Ruhige, rhythmische Tage: Viele Babys schlafen besser, wenn sie ruhige, rhythmische Tage haben.
- Reichliches Abendessen: Ein Kind, das bereits Beikost isst, sollte immer ein reichliches Abendessen bekommen, das satt macht. Kinder, die trotz allem abends nicht gut essen, sollten vor dem Schlafen nochmal ausgiebig gestillt werden.
- Zubettgehen in Ruhe: Ein Zubettgehen in Ruhe ist für die Nacht von Vorteil. Auch wenn das Kind erst um 20 Uhr schläft, sollte der ruhige Abend zu diesem Zeitpunkt eingeleitet werden.
- Vermeidung von Überreizung: Eine schnelle Einkaufstour im nahegelegenen Supermarkt kurz vor sieben kann das Einschlafen bei Kindern unter drei stark verzögern, weil sie die vielen Eindrücke erst noch verarbeiten müssen.
Wenn die Nächte mit dem Baby wieder unruhiger werden, brauchen Eltern Verständnis für das Baby und ein gutes Selbstmanagement. Gerade tagsüber helfen schon kleine Ruhepausen, wieder neue Kraft zu schöpfen, etwa ein Mittagsschlaf - gemeinsam mit dem Baby. Oft gibt es vor Mitternacht eine längere Schlafphase, es kann also sinnvoll sein, mit dem Baby zusammen ins Bett zu gehen, auch wenn das Bedürfnis nach selbstbestimmter Zeit groß ist. Eltern können sich besprechen, wie sie als Familie gut durch schlaflosere Zeiten kommen: Wer könnte noch unterstützen, damit immer mal wieder ein oder zwei ruhige Stunden zum Ausruhen möglich sind? Genug Schlaf ist essentiell, denn eine dauerhafte Übermüdung erhöht das Unfallrisiko und lässt Eltern weniger feinfühlig auf das Kind reagieren. Über Hausarzt und Krankenkassen können Eltern eine Haushaltshilfe beantragen. Initiativen bieten Familien im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes ehrenamtliche Hilfe an - ähnlich wie Freunde, Nachbarn oder Verwandte.
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