Mucuna Pruriens und Parkinson: Eine Studie über alternative Behandlungsmethoden

Obwohl pflanzliche Heilmittel oft als unwissenschaftlich abgetan werden, stammen mehr als ein Drittel der modernen Arzneimittel entweder direkt oder indirekt von natürlichen Produkten wie Pflanzen, Mikroorganismen und Tieren ab. Die Samtbohne (Mucuna pruriens) wird in der altindischen ayurvedischen und in der chinesischen Medizin seit über 3000 Jahren verwendet. Studien zeigen nun, dass die Samtbohne eine Verbindung namens Levodopa enthält, eine Vorläufersubstanz von Dopamin.

Traditionelle Medizin und moderne Forschung

Ryan Shenvi erklärt: "Dies zeigt, dass die westliche Medizin den Markt für neue Therapeutika nicht beherrscht, und es gibt etliche traditionelle Arzneimittel, die noch darauf warten, erforscht zu werden." Ein bekanntes Beispiel für ein Medikament, das aus einer Pflanzenart gewonnen wird, ist Opium, das aus Schlafmohn gewonnen wird und dessen wirksame Bestandteile vor allem die Alkaloide Codein und Morphin sind. Klinische Studien haben ergeben, dass Weißdorn (Crataegus) den Blutdruck senkt und bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nützlich sein könnte. Die medizinischen Eigenschaften des Weißdorns wurden erstmals vom griechischen Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert v. Chr. und von Tang-Ben-Cao in der alten chinesischen Medizin im 7. Jahrhundert v. Chr. beschrieben. In der europäischen Mythologie nimmt die Eibe einen besonderen Platz in der Medizin ein. In den 1960er Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass die Rinde dieses Baumes Verbindungen enthält, die Taxel genannt werden. Eines dieser Taxel, das so genannte Paclitaxel, wurde zu einem wirksamen Medikament zur Krebsbehandlung weiterentwickelt. Weidenrinde ist ein weiteres traditionelles Arzneimittel mit einer langen Geschichte. Weidenrinde enthält eine Verbindung namens Salicin. Es bildete die Grundlage für die Entdeckung von Aspirin. Das Mittel hat verschiedene medizinische Vorteile, darunter Schmerzlinderung, Fiebersenkung und Prävention von Schlaganfällen. Zum ersten Mal wurde es während der Grippepandemie von 1918 zur Behandlung von hohem Fieber eingesetzt.

Die Geschichte von Levodopa

Die moderne Geschichte von Levodopa begann Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Substanz von dem polnischen Biochemiker Casimir Funk synthetisiert wurde. Jahrzehnte später, in den 1960er Jahren, entdeckten Wissenschaftler, dass Levodopa als wirksame Behandlung zur Unterbrechung des Zitterns bei Parkinson-Patienten eingesetzt werden kann.

Mucuna pruriens: Ein natürliches Heilmittel

Die Samtbohne (Mucuna pruriens) enthält große Mengen L-Dopa, ein Standard-Medikament bei Parkinson, das den Dopamin-Mangel im Gehirn der Patienten ausgleicht. In klinischen Studien wirkte der Extrakt schneller als synthetisch hergestelltes L-Dopa.

Die Wirkung von Mucuna pruriens auf Parkinson-Symptome

Studien mit Parkinson-Patienten hätten gezeigt, dass Extrakte der Pflanze, die L-Dopa enthält, deutlich schneller wirken als synthetisches L-Dopa. Die Dauer von On-Phasen (Phasen guter Beweglichkeit) sei damit um 22 Prozent länger gewesen als mit L-Dopa. Mittlerweile attestieren mehrere klinische Studien, dass die Wirkung der Juckbohne bei Menschen mit Parkinson vergleichbar mit der von L-Dopa-Medikamenten ist - bei deutlich weniger Nebenwirkungen. Bei der Behandlung des Parkinson-Syndrom mit synthetischem L-Dopa treten typischerweise einschränkende Nebenwirkungen auf, zum Beispiel kann die Bewegungsfreiheit stark vermindert sein. Es besteht aufgrund bisheriger Studien der Grund zur Annahme, dass die Juckbohne besser vertragen wird. In den Studien wurden lediglich gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Völlegefühl nach der Einnahme der Juckbohne beobachtet.

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Zusätzliche Vorteile und Wirkungen

Die positiven Wirkungen scheinen nicht allein auf dem L-Dopa-Gehalt zu beruhen - vermutlich spielen auch die antioxidativen Wirkungen der Juckbohne eine wichtige Rolle, denn sie haben einen schützenden Effekt auf Nervenzellen. Die Samen der Juckbohne enthalten L-Dopa, und zwar nicht wenig: Der Anteil an L-Dopa kann bis zu 7 % betragen. Das Vorkommen von L-Dopa macht auch die anregende Wirkung der Juckbohne plausibel: Dopamin fördert den Antrieb, eine positive Stimmung und die Motivation.

Volksheilkundliche Anwendungen

Die Ayurveda-Medizin setzt die Juckbohne vorwiegend bei Erkrankungen des Nervensystems und des Urogenitalsystems ein. Dazu zählen unter anderem Nervenschwäche, Epilepsie, Nervosität, Impotenz, Harnzwang, Sterilität und diverse Nierenleiden. Sie findet daneben auch bei Wurmerkrankungen, Durchfall, Schlangenbissen, rheumatischen Beschwerden, Muskelschmerzen, Diabetes, Regelschmerzen und Gicht Anwendung. Verwendet werden in erster Linie die Samen, seltener die Wurzeln. Ein Teil der Indikationen erscheint nach bisheriger Studienlage plausibel: So konnten mittlerweile antidiabetische, antioxidative, aphrodisierende, anregende, antiepileptische und antimikrobielle Wirkungen in Studien nachgewiesen werden.

Herausforderungen und Einschränkungen

Bis jetzt ist noch kein standardisiertes Juckbohnen-Arzneimittel auf dem Markt. Von einer eigenmächtigen Einnahme eines Juckbohnenpulvers oder sonstiger Nahrungsergänzungsmittel mit Juckbohne ist abzuraten. Zum einen kann bei diesen die Reinheit und Identität nicht einwandfrei nachgewiesen werden, zum anderen können die in den Samen vorkommenden Indolalkaloide zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Unwohlsein oder starken Durst führen.

Aktuelle Forschung und Studienlage

Aktuell ist eine ursächliche Therapie von Parkinson-Syndromen (PS) nicht möglich. Mit der modernen medikamentösen Kombinationsbehandlung können wir zwar über einen langen Zeitraum Symptome der Erkrankung lindern und die Lebensqualität verbessern, eine Heilung oder auch nur ein Stillstand kann jedoch nicht erreicht werden. Viele Betroffene erhoffen sich daher eine präventive Wirkung und / oder eine Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung (Progression) von diversen Nahrungsergän- zungsmitteln / Gewürzen. In der von Mischley et al. 2017 veröffentlichten „CAM Care in PD“ Studie (Komplementäre und alternative Medizin bei M. Parkinson) wurden 1 307 Parkinson- Patienten mit Online-Fragebögen nach ihren Krankheitsdaten und Ernährungsgewohnheiten befragt. Ergebnis: frisches Gemüse, frisches Obst, Nüsse, Samen, Olivenöl, Wein, Kokosöl, frische Kräuter und die Verwendung von Gewürzen waren mit einem langsameren Krankheitsverlauf assoziiert.

Nahrungsergänzungsmittel und Gewürze

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) ergänzen die allgemeine Ernährung durch Mikronährstoffe, wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder sonstige Stoffe in konzentrierter Form und häufig in hoher Dosierung. Aus diesem Grund sind Überdosierungen möglich, welche definitiv nicht von Vorteil, sondern riskant sind. Sie gelten nicht als Arzneimittel und müssen aus diesem Grund kein behördliches Zulassungsverfahren durchlaufen. Demnach erfolgt keine Prüfung auf gesundheitliche Unbedenklichkeit und stoffliche Reinheit. NEM sind, obwohl sie in einer arzneimittelähnlichen Form angeboten werden, von diesen klar abzugrenzen, insbesondere hinsichtlich der Wirkung der Inhaltsstoffe und der Bewerbung. Für gesunde Menschen sind die meisten Präparate nutzlos, wenn sie sich weitgehend ausgewogen ernähren. Für bestimmte Risikogruppen - und dazu gehören auch Parkinson-Patienten - kann die Einnahme ausgewählter Nahrungsergänzungsmittel (Supplements) jedoch sinnvoll sein. Gewürze wiederum sind im Unterschied zu NEM Pflanzenteile, welche in geringer Menge als geschmacks- bzw. geruchsgebende Zutaten zur allgemeinen Ernährung verwendet werden.

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Mangelzustände bei Parkinson-Patienten

Allerdings sind Mangelzustände bei Parkinson-Patienten zu erwarten und auch nachgewiesen, vor allem aufgrund der seit Jahrzehnten propagierten proteinarmen Ernährung, der altersbedingten Malnutrition (Mangel- und / oder Fehlernährung) und der Parkinson-assoziierten Stoffwechsel- und Organtoxizität (Beispiel Magen- und Darmlähmung). Auch die Dopamin-Ersatztherapie kann in der Langzeitbehandlung mit höheren L-Dopa-Dosen zu schädlichen Abbauprodukten und in der Folge zu einem Mangel an Vitaminen, insbesondere der B-Vitamine (B12, B6 und Folsäure), führen.

Weitere Forschungsergebnisse

Eine 2020 veröffentliche Übersichtsarbeit zum Thema „Lebensstil und Ernährung bei M. Parkinson“ wählte aus über 6 000 Publikationen 55 als relevant aus. Ergänzend zu oben bereits genannten NEM wird hier auf den durch die Krankheit drohenden Eiweißmangel hingewiesen und als Quelle 20 mg Molkenprotein über den Tag verteilt empfohlen, da es schwierig sei, Bio-Fleisch oder -Geflügel für eine ausreichende Proteinzufuhr zu finden und Glutathion als NEM unwirksam zu sein scheint. Das in der Molke enthaltene Cystein wird für die Glutathionproduktion benötigt, welches die Entgiftung unterstützt. Ebenso wird auf die Bedeutung einer guten Verdauung hingewiesen, welche durch eine ballaststoffreiche Kost und Bewegung unterstützt werden kann. Der negative Einfluss von Schlafmangel und Stress wird abschließend diskutiert. Ein Mangel an Vitamin-D ist bei Parkinson-Patienten häufig und mit einem erhöhten Sturzsowie Verletzungsrisiko verbunden. In mehreren Studien führte eine orale Nahrungsergänzung mit Vitamin D (1000 IE / d) zu einer erheblichen Reduktion von Frakturen (Knochenbrüche). Ist eine Osteoporose nachgewiesen, sollte eine zusätzliche Gabe von Kalzium erfolgen, wenn die Kalziumzufuhr unter 1 000 mg / d beträgt (aktuelle DVO-Leitlinie Osteoporose).

B-Vitamine und ihre Bedeutung

Aufgrund der oben bereits genannten Risikofaktoren kann es bei Parkinson- Betroffenen zu einem Mangel an B-Vitaminen kommen, insbesondere Vitamin-B12, Vitamin-B6 und Folsäure. In neueren Studien wird auch über einen Mangel an Niacin berichtet. Allerdings ist ebenfalls bekannt, dass eine ungezielte „Gießkannenbehandlung“ mit Vitamin-B-Komplex-Präparaten unter Umständen sogar schädlich sein kann. Insbesondere eine Überdosierung mit Vitamin-B6 kann zu einer Hemmung der L-DOPA-Wirkung führen! Allerdings scheint es nur bei synthetischen Vitaminpräparaten zu einer solchen Überdosierung zu kommen, nicht bei natürlichen Vitaminen in der Nahrung. Eine Ersatztherapie mit B-Vitaminen sollte deshalb erst dann erfolgen, wenn durch eine Blutuntersuchung ein Mangel festgestellt wurde.

Weitere natürliche Substanzen und ihre potenzielle Wirkung

Für nikotinhaltige Nahrungsmittel, einschließlich Tomaten, Kartoffeln, Auberginen, Chili und Paprika, konnte ein reduziertes Parkinson-Risiko bei Männern und Frauen nachgewiesen werden, die nie geraucht hatten. Lycopin, der rote Farbstoff der Tomate, konnte im Tierversuch dopaminerge Nervenzellen vor oxidativem Stress schützen. Senfölglykoside verfügen im Tierversuch über einen antioxidativen Effekt. Sie befinden sich besonders in Kreuzblütengewächsen, wie Brokkoli, aber auch in Blumenkohl, Weißkohl, Rotkohl, Meerrettich, Rucola, Kresse und Senf. Sie verleihen diesen Gemüsearten ihren charakteristischen scharfen Geschmack. Für mehrere Farbstoffe (Anthocyane) in roten Beeren und Gemüse wurde eine hemmende Wirkung auf die Monoaminooxidasen (MAO) A und B nachgewiesen. Auch für carotinhaltige Lebensmittel und Beta-Carotin wurde in epidemiologischen Studien ein neuroprotektiver Effekt nachgewiesen.

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