Die Messung und Interpretation des intrakraniellen Drucks (ICP) ist bei vielen Erkrankungen des Gehirns eine sehr hilfreiche Unterstützung zur Diagnose und Therapie. Der Artikel erläutert technische Anforderungen für ICP-Messungen, die Interpretation von ICP-Werten bei der Hirndruckmessung und deren Bedeutung für eine effektive Therapieplanung.
Einführung
Der intrakranielle Druck (ICP), umgangssprachlich Hirndruck genannt, ist der Druck im Inneren des Schädels. Die Messung des ICP ist bei verschiedenen Erkrankungen des Gehirns erforderlich, um wichtige diagnostische Informationen zu sammeln und die erforderliche Therapie effektiv an den Bedürfnissen des Patienten auszurichten. Gemessen wird der ICP meistens in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule), wobei 1 mmHg 1,36 cmH2O entspricht.
Physiologie des ICP
Der Körper verfügt über verschiedene sehr gute Kompensationsmechanismen, den ICP in einem engen Bereich relativ konstant zu halten. Dennoch hat beispielsweise die Körperposition des Patienten (liegend/stehend) einen physiologischen Einfluss auf den ICP. Im Liegen ist der Druck (relativ gemessen zum Atmosphärendruck) leicht positiv, im Stehen leicht negativ. Aktivitäten wie Husten, Niesen und REM-Schlaf können ebenfalls zu kurzzeitigen physiologischen Druckschwankungen führen. Das ist alles normal und gesund.
Ursachen für einen erhöhten ICP
Bei verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen wie z.B. unfallbedingten Schädel-Hirn-Traumata, Schlaganfällen, intrakraniellen Blutungen, Entzündungen des Gehirns oder auch Hirntumoren kann es zu einem erhöhten ICP und zu lebensbedrohlichen Situationen kommen. Auch bei Hydrocephalus, einer Störung der CSF-Dynamik (CSF - Liquor cerebrospinalis), bei der entweder zu viel Hirnflüssigkeit gebildet, der intrakranielle Kreislauf gestört oder nicht ausreichend Flüssigkeit resorbiert wird, werden häufig erhöhte ICP-Werte und nicht selten Schwindel, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen beobachtet.
Die Monro-Kellie-Hypothese
Zum tieferen Verständnis der für einen erhöhten ICP zugrundeliegenden Mechanismen kann die Monro-Kellie-Hypothese zum Einsatz kommen. Das Gesamtvolumen im Schädelinneren setzt sich zusammen aus den drei Komponenten Gehirngewebe, Blut und CSF. Sie bilden im Idealfall ein Gleichgewicht untereinander und können sich im Falle eines Ungleichgewichts gegenseitig beeinflussen: wächst eine Komponente an, muss eine andere soweit wie möglich aus dem insgesamt starren Schädel verdrängt werden. So kann eine Vergrößerung des Volumens einer Komponente oder das Auftreten eines zusätzlichen Volumens (z.B. eines Hirntumors) zu einem erhöhten Hirndruck führen. Sind die körpereigenen Kompensationsmechanismen ausgereizt, kann der ICP über einen kritischen Wert ansteigen.
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Entzündungen des Gehirns
Gelangt ein Krankheitserreger durch die Blut-Hirn-Schranke kann dieser Entzündungen im Gehirn auslösen. Dafür verantwortlich sind die eigenen Immunzellen des Gehirns: die Mikroglia. Die Mikroglia halten die Entzündung in Gang, bis der Krankheitserreger unschädlich gemacht ist. Solche Entzündungen können allerdings auch die BHS und weitere empfindliche Teile des Gehirns schädigen, indem sie zum Absterben von Nervenzellen führen. Krankheiten können ebenfalls zu Entzündungen im Gehirn führen. Bei der Multiplen Sklerose, der Epilepsie und Alzheimer kommt es immer wieder zu Entzündungsschüben. Mit jedem Entzündungsschub wird die Blut-Hirn-Schranke (BHS) durchlässiger. Das führt zu einem Teufelskreis, bei dem die Krankheiten immer weiter voranschreiten und die BHS immer schwächer wird. Ein Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma können ebenfalls dazu führen, dass die BHS durchlässig wird, indem z. B. die Blutgefässe beschädigt werden oder sich vorübergehend schliessen.
Hydrocephalus
Der Hydrocephalus ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern kann sich infolge vieler Ursachen und Ereignisse entwickeln. Es gibt verschiedene Definitionen, die sich entweder an einer vermeintlich zugrunde liegenden Ursache orientieren oder Bezug nehmen auf ein vermeintlich ursächliches Ereignis, dem der Hydrocephalus nachfolgt. Letztlich meint man mit Hydrocephalus in der Regel einen Zustand, bei dem es zu einer Erweiterung der inneren Gehirnkammern (Ventrikel) gekommen ist und sich somit relativ mehr Wasser innerhalb des Kopfraumes findet als üblich.
Angeborener Hydrocephalus
Eine angeborene Erweiterung der Hirnkammern kann bedingt sein durch einen Verschluss/Verengung der natürlichen inneren Hirnwasserwege, z.B. im Bereich des sog. Wasserganges (Aquädukt) oder im Bereich der Ausflussöffnungen aus der 4. Hirnkammer in die äußeren Hirnwasserräume. Dies kann sowohl bei einer isolierten Fehlbildung z.B. des Aquädukts der Fall sein, aber auch im Rahmen von komplexeren Fehlbildungen des Gehirns oder des Rückens (Spina bifida) auftreten. Eine andere Ursache ist eine Blutung in die Hirnkammern während der Schwangerschaft, die nachfolgend zur Verklebung der Hirnwasserwege führt. Bei manchen Fehlbildungsformen ist eine klare Ursache für den Hydrocephalus nicht zu erkennen. Man muss davon ausgehen, dass selbst hochauflösende MRT-Diagnostik bestenfalls einen Teil der möglichen zugrunde liegenden Ursachen für die Ausbildung eines Hydrocephalus anzeigt.
Erworbener Hydrocephalus
Eine sehr häufige früh nach der Geburt erworbene Form des Hydrocephalus ist eine Einblutung in die Hirnkammern, die insbesondere bei Frühgeburtlichkeit auftritt. Hier kommt es ebenfalls zu Verklebungen der natürlichen Hirnwasserabflusswege bzw. Hirnwasserräume. Andere erworbene und relativ leicht zu erkennende Ursachen für einen Hydrocephalus sind jegliche Formen von Neubildungen (Tumore, Zysten), die zu einer Verlegung der natürlichen Hirnwasserwege führen.
Symptome eines erhöhten ICP
Ein deutlich erhöhter intrakranieller Druck (ICP) führt zu sogenannten „Hirndrucksymptomen“ und „Hirndruckzeichen“ und daraus ergibt sich die Notwendigkeit zur Therapie des Hydrocephalus, was in der Regel durch eine Operation geschieht.
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Zeichen eines erhöhten ICP
Insbesondere die Anfangsphase einer Hirnkammererweiterung (eines Hydrocephalus) ist mit einem erhöhten ICP (intrakranieller Druck = „Hirndruck“) vergesellschaftet. Dies führt bei Kleinkindern, bevor sich deren Schädelnähte verschließen, zu einer übermäßigen Zunahme des Kopfwachstums. Dies kann in den regelmäßigen Messungen des Kopfumfanges durch den Kinderarzt auffallen. Andere Zeichen des erhöhten Hirndruckes sind Doppelbilder bzw. nach unten abweichende Augen (Sonnenuntergangsphänomen). Gelegentlich lässt sich eine Erhöhung des ICP bei einer Spiegelung des Augenhintergrundes durch den Augenarzt anhand einer sog. Stauungspapille erkennen. Wesentlich besser kann eine ICP Erhöhung („Hirndruck“ ) über eine Messung der Weite der Sehnervenscheiden (ONSD) mittels hochauflösendem Ultraschall in wenigen Minuten abgeschätzt werden, wobei eine gewisse Kooperation des Kindes Voraussetzung ist.
Symptome eines erhöhten ICP
Ein erhöhter ICP („Hirndruck") verursacht meist Kopfschmerzen. Bei kleinen Kindern äußert sich dies oft in einer vermehrten Unruhe, einer vermehrten Reizbarkeit und häufigem Schreien bzw. häufigem Anfassen des Kindes an den Kopf. Bei schwerer wiegendem „Hirndruck“ sind die Kinder vermehrt schläfrig, haben längere Schlafphasen als früher und trinken oft auch schlechter. Schwerwiegender „Hirndruck“ kann zu komaähnlichen Zuständen führen. Vorboten sind auch durch andere Ursachen nicht erklärbare Übelkeit und Erbrechen. Insbesondere bei einem chronischen Hydrocephalus müssen sich jedoch keine der o.g. Symptome oder Zeichen eines erhöhten ICP („Hirndruck“) zeigen. Davon abzugrenzen sind Krankheitsbilder, bei denen es aufgrund einer Gehirnerkrankung zu einer relativen Schrumpfung der Gehirnmasse kommt (sogenannte Atrophie), und es auf diesem Weg zu einer Erweiterung der Hirnkammern und relativen Zunahme des Gehirnwassers kommt. Hier handelt es sich dann nicht um einen Hydrocephalus.
Weitere Symptome
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Schwindel
- Müdigkeit
- Lähmungserscheinungen
- Bewusstseinsstörungen
- Sehstörungen
- Taubheitsgefühle
- Ausbleiben der Periode
- Leichte Temperatur
- Konzentrationsbeschwerden
- Gelenkschmerzen
- Kopfhaut schmerzt bei Berührung sehr gereitzt
- Durchblutendenden Gefäße unter der Stirn bei Sonneneinstrahlung sichtbar
- Ohrgeräusche pulssynchron
- starker Kopfdruck und Unruhe
- Sensibilitätsstörung Kribbeln, Nackenschmerzen
- Appetitlosigkeit
- Antriebslosigkeit, Abgeschlagenheit
- niedriger Puls
- Verletzung durch Unfall (Schädel-Hirntrauma)
- zeitweises Delirium mit kurzen Bewusstseisstörungen
- Infektion durch Lyme-Borrelien
- neurologische Beschwerden an Händen und Füßen / Sehstörungen besonders morgens
- Kreislaufprobleme morgens
- Schmerzen hinterm Auge
- starkes Spannungsgefühl unter Augenbrauen und Stirnbereich
- Druck in der Nase
- Das Gefühl, dass Nervenzellen im Gehirn absterben
- Blutdruck über 200
- Brennendes Gefühl im Gehirn
Diagnostik
Angesichts der vielfältigen Ursachen, einen Hydrocephalus zu entwickeln, und angesichts der Tatsache, dass es sich um ein lebenslanges Problem für das Kind handelt, sollte vor der ersten therapeutischen Entscheidung immer eine sehr ausführliche Diagnostik stehen.
Bildgebende Diagnostik
Prinzipiell stehen bei noch offener Fontanelle die Sonographie und die Kernspintomographie (MRT) zur Verfügung. Die Sonographie hat meist eine zu geringe Auflösung um zur Ursachendiagnostik eingesetzt zu werden. Die Computertomographie ist zur Ursachendiagnostik nicht sinnvoll, da der Informationsgehalt zu gering und die Strahlenbelastung für das kindliche Gehirn problematisch ist und vermieden werden soll. Somit ist die MRT die Untersuchung der Wahl. Da die diagnostische Präzision des MRT im Wesentlichen von der Qualität der Untersuchung abhängt, führen wir eine speziell auf die Hirnwasserräume abgestimmte hochauflösende Kernspintomographie, ggf. in Narkose, durch. Die Qualität dieser Aufnahmen unterscheidet sich erheblich von einer sog. „Standard-Kernspintomographie“.
Physiologische Diagnostik
Findet sich bei einem Kind eine Erweiterung der Hirnkammern, die vom Aspekt her einem Hydrocephalus gleichzusetzen ist, und sind jedoch keine Zeichen eines erhöhten Hirndruckes und keine sicheren Hinweise auf eine hydrocephalusbedingte Entwicklungsverzögerung vorhanden, muss die Diagnose eines Hydrocephalus vor einer therapeutischen Maßnahme zusätzlich abgesichert bzw. ausgeschlossen werden. Hierfür eignet sich in besonderem Maße die computerisierte ICP Analyse von einer nächtlichen hochauflösenden Aufzeichnung des ICP („Hirndruckes“). In dieser Phase, in der die Kinder schlafen und das ICP Signal frei von sog. „Artefakten“ ist, lassen sich typische ICP-Muster erkennen, die mit hoher diagnostischer Sicherheit mit einem behandlungsbedürftigen Hydrocephalus vergesellschaftet sind.
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Messung des intrakraniellen Drucks
Die Kenntnis des intrakraniellen Drucks stellt eine wichtige Datenbasis für therapeutische Entscheidungen - z.B. bei der Behandlung von Patienten nach einem Schlaganfall, einer Blutung oder Schädel-Hirn-Traumas - dar. Ziel bei der Therapie ist es, den erhöhten ICP durch eine geeignete intensivmedizinische Therapie zu normalisieren, um Komplikationen und Folgeschäden zu verhindern. Die Überwachung des intrakraniellen Drucks gilt entsprechend als elementarer Bestandteil in der Neurointensivmedizin. Die häufigste Methode der ICP-Messung basiert auf der Platzierung von kabelförmigen Sonden im Schädel, die den intrakraniellen Druck invasiv bestimmen. Diese werden an ein externes Gerät zur Druckwertermittlung und Messwertanzeige angeschlossen. Durch die Invasivität der Untersuchung können diese Messungen nur bettseitig und unter stationären Bedingungen im Krankenhaus erfolgen.
Arten von ICP-Sensoren
Je nach Lokalisation der drucksensitiven Komponente in der kabelförmigen Messsonde können die Arten der invasiven Drucksensoren unterschieden werden. Bei piezo-elektronischen und fiberoptischen Kathetern erfolgt die Messung des Drucks direkt an der Spitze der Messsonde, die im Schädel platziert wird. Alternativ kann der Katheter ein Füllmedium wie z.B. Luft oder Flüssigkeit als Druckübertragungsmedium aufweisen, das die Druckänderungen an der Katheterspitze an eine drucksensitive Komponente in einer externen Ausleseeinheit weiterleitet. Beispiel hierfür sind externe Ventrikeldrainagen mit integriertem Drucksensor. Darüber hinaus können „telemetrische“ Messonden eingesetzt werden, die vollständig implantiert werden und bei denen die Druckwerte kabellos, d.h. komplett über Funk mit Radiowellen, also nicht-invasiv ausgelesen werden. Bei vollständig nicht-invasiv arbeitenden Sensoren, die von außen am Kopf angebracht werden können, ist hingegen keine Implantation erforderlich. Diese Systeme können beispielsweise über Ultraschall die Druckverhältnisse im intrakraniellen Raum abtasten.
Anforderungen an ICP-Sensoren
Um wichtige Schlussfolgerungen für die patientenindividuelle Diagnostik und Therapieoptimierung ziehen zu können, müssen ICP Sensoren idealerweise die folgenden zentralen Eigenschaften und Funktionen aufweisen:
- Zeitliches Monitoring: Im Bereich der Neurointensivmedizin werden kabelförmige ICP Sensoren für eine Implantationsdauer von ein bis zwei Wochen eingesetzt, die kontinuierlich den Druck bestimmen können. Man spricht hier vom zeitlichen Monitoring. Einen wichtigen Fortschritt stellen insbesondere bei nicht-stationären Patienten telemetrische ICP Sensoren dar, die über den Tagesverlauf auch im häuslichen Umfeld kontinuierlich Messwerte aufzeichnen können.
- Hohe Genauigkeit, Langzeitstabilität und geringe Drift: Um zuverlässige Langzeitmessungen durchführen zu können, müssen die Drucksensoren über die gesamte Lebensdauer ein stabiles Verhalten aufweisen. Über eine hermetische Verkapselung der Elektronik des Sensors kann der Sensor von den negativen Einflüssen geschützt und hierdurch eine hohe Langzeitstabiltät und -funktionalität erreicht werden.
- Miniaturisierung: Um eine leichte Implantation und Explantation mit minimaler Traumatisierung des umgebenden Gewebes zu ermöglichen, empfiehlt sich für die eingesetzten Drucksonden eine möglichst kleine Bauform.
- Geringe Infektionsrate: Die o.g. kabelförmigen Drucksensoren werden transkutan (d.h. durch die Haut und auch durch den Schädelknochen) in den intrakraniellen Raum eingebracht. Dadurch besteht - wie bei allen invasiven Eingriffen - die Gefahr von Infektionen, die hier aber bereits nach wenigen Tagen exponentiell ansteigt.
- Kompensation des Umgebungsdrucks: Um den ICP bestimmen zu können, müssen somit die eingesetzten Druckmesssysteme über eine geeignete Methode verfügen, den vorherrschenden Umgebungsdruck zu kompensieren.
- Abtastrate: Um die z.T. komplexe Dynamik der intrakraniellen Druckverläufe aufzeichnen und diese Parameter korrekt bestimmen zu können, müssen die verwendeten Drucksensoren eine angemessen hohe Abtastrate aufweisen.
Behandlung
Die Kenntnis des intrakraniellen Drucks stellt eine wichtige Datenbasis für therapeutische Entscheidungen - z.B. bei der Behandlung von Patienten nach einem Schlaganfall, einer Blutung oder Schädel-Hirn-Traumas - dar. Ziel bei der Therapie ist es, den erhöhten ICP durch eine geeignete intensivmedizinische Therapie zu normalisieren, um Komplikationen und Folgeschäden zu verhindern. Die Überwachung des intrakraniellen Drucks gilt entsprechend als elementarer Bestandteil in der Neurointensivmedizin.
Konservative Maßnahmen
Sind die allgemeinen Lebensfunktionen gesichert, wird gezielt an der Senkung des Hirndrucks gearbeitet. Ist der Betroffene in einem schlechten Bewusstseinszustand und hat eine beeinträchtigte Atmung, wird eine Beruhigung (‚Sedierung’) und Schmerzausschaltung durch z. B. Propofol erwirkt. Häufig wird die Atmung maschinell übernommen. Bei dieser Methode wird das Gehirnwasser (sog. ‚Liquor‘) über eine eingeführte Drainage abgeleitet. Um den Druck zu senken, wird vor allem in kritischen Fällen die Schädeldecke geöffnet. Durch das Spritzen einer wasserentziehenden Lösung (häufig Kochsalzlösung), sollen Wassereinlagerungen im Schädelinneren reduziert werden. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Senkung der Körpertemperatur unter den Normalwert. Der Stoffwechsel wird heruntergefahren, der Hirndruck sinkt. Darunter versteht man die Behandlung mit einem Kortison-Präparat, das entzündungshemmend und entwässernd wirkt. Eine mit Vorsicht zu genießende Methode der Atembeschleunigung. Mit der dadurch steigenden Sauerstoffsättigung sinkt gleichzeitig die Kohlenstoffdioxidkonzentration im Blut, wodurch eine Gefäßverengung und damit einhergehend auch eine Drucksenkung erreicht werden.
Operative Maßnahmen
In wenigen Fällen lässt sich eine klar erkennbare Ursache für den Hydrocephalus wie z.B. ein Tumor oder eine Zyste durch einen operativen Eingriff beseitigen. Damit ist dann der Hydrocephalus ebenfalls und im Idealfalle dauerhaft behandelt und tritt nicht mehr auf. Ist die einzige Ursache des Hydrocephalus eine erworbene, umschriebene Abflussbehinderung des Hirnwassers im Bereich des sog. Aquädukt, der 4. Hirnkammer oder der Ausflussöffnung aus der 4. Hirnkammer, so kann diese Abflussbehinderung durch eine „innere Umleitung“ durch Eröffnung des Bodens des 3. Ventrikels umgangen werden. Das hierfür verwendete Verfahren ist die endoskopische Ventrikulozisternostomie (ETV). Die gängigste Methode zur Behandlung des Hydrocephalus ist die Anlage eines sog. Hydrocephalus-Shuntsystems Dieses besteht aus a) einem Ventrikelkatheter, einem kleinen Schlauch, der in einer Hirnkammer zu liegen kommt, b) einem sog. Shuntventil, welches den Hirnwasserabfluss regeln kann, und c) einem ableitenden Katheter, der in der Regel in der Bauchhöhle oder selten im Vorhof des Herzens zu liegen kommt.
Nachsorge nach Hydrocephalus-Operationen
Ein Kind, welches eine ETV oder ein Hydrocephalus-Shuntsystem erhalten hat, bedarf der sorgfältigen und lebenslangen Überwachung, um ein möglichst adäquates Funktionieren der Ventrikulozisternostomie bzw des Shuntssystems sicherzustellen. Hierfür bieten wir eine interdisziplinäre Hydrocephalus-Sprechstunde zusammen mit der Neuropädiatrie in der Kinderklinik an, in die die Kinder in immer länger werdenden Abständen einbestellt werden. Unmittelbar nach einer Operation erfolgt eine rein chirurgische Nachkontrolle und ggf. erste Nachjustierung der Shunteinstellung innerhalb von 2 bis 8 Wochen nach Entlassung. Die anschließende Weiterbetreuung erfolgt dann in der o.g. Hydrocephalus-Sprechstunde der Neuropädiatrie. Neben der Kontrolle von Kopfumfang und Hirnkammerweite wird die Entwicklung der Kinder in allen Bereichen untersucht. Ein besonderes Augenmerk legen wir auf die Erkennung einer schleichenden ETV oder Shunt-Unterfunktion, die sich ohne klinische Symptome oder Zeichen entwickeln kann. Besonders hilfreich hierfür ist die computerisierte Shuntinfusionsstudie bei liegendem Shuntsystem oder Reservoirinfusionsstudie bei Zustand nach ETV, die unter Vermeidung einer Shuntoperation eine klare Aussage zur Funktionsfähigkeit eines Shunts bzw. der ETV treffen kann.
Die Rolle der Blut-Hirn-Schranke
Die Blut-Hirn-Schranke (BHS) ist eine Barriere zwischen dem Blut und dem Gehirn. Sie schützt das Gehirn vor Gift- und Schadstoffen sowie Krankheitserregern. Dazu gehören z. B. künstliche Zusatzstoffe in Lebensmitteln, Handystrahlung, oxidativer Stress, Drogen- und Alkoholkonsum sowie Entzündungen im Gehirn, wie sie z. B. bei Multipler Sklerose und Epilepsie auftreten.
Schädigung der Blut-Hirn-Schranke
Die Schäden an der BHS durch Drogen, wie Ecstasy und Kokain können - so vermuten Forscher - sogar noch Jahre nach der Drogeneinnahme bestehen bleiben. Dies ist besonders tragisch, wenn Drogen bereits in jungen Jahren konsumiert werden. Viele junge Menschen legen damit den Grundstein für spätere Erkrankungen. Oxidativer Stress kann grundsätzlich überall im Körper auftreten und die unterschiedlichsten Ursachen haben: Psychischer Stress, zu wenig Schlaf, Überanstrengung des Körpers, Nikotin, Alkohol, Drogen usw. Entsteht oxidativer Stress im Gehirn, werden einzelne Bestandteile der Blut-Hirn-Schranke beschädigt. Auch elektromagnetische Strahlungen, wie sie z. B. Handys, WLAN-Geräte, Mikrowellen und Licht abgeben, können die Blut-Hirn-Schranke schädigen.
Ernährung und die Blut-Hirn-Schranke
Eine Übersichtsarbeit aus 2017, veröffentlicht im Journal Nutrition Reviews, fasste die Erkenntnisse zahlreicher Studien zu Aspartam zusammen. Es zeigte sich, dass Aspartam zu oxidativem Stress im Gehirn führt und die Blut-Hirn-Schranke schädigt - und das nicht nur in hohen Mengen, sondern auch in Mengen, die eigentlich als unbedenklich gelten (weniger als 40 mg pro kg Körpergewicht). Zitronensäure hat die Eigenschaft, Metalle an sich zu binden. Da sie die Blut-Hirn-Schranke passieren kann, gelangt sie gemeinsam mit den gebundenen Metallen ins Gehirn, wie z. B. Calcium, Magnesium, Kalium, aber auch Aluminium.
Stärkung der Blut-Hirn-Schranke
- Omega-3-Fettsäuren sind für das Nervensystem und viele Gehirnfunktionen sehr wichtig. Forscher der Harvard Medical School haben herausgefunden, dass Omega-3-Fettsäuren die Blut-Hirn-Schranke aufrechterhalten.
- Für eine optimale Gehirnfunktion sind Mineralstoffe unerlässlich: Sie sind bei der Übertragung von Reizen im Nervensystem beteiligt und schützen Nervenzellen vor dem Absterben. Magnesium macht ausserdem die Blut-Hirn-Schranke weniger durchlässig.
- Vitamin B12 schützt das Nervensystem und hilft bei der Regeneration von Nervenzellen. Ein Vitamin-B12-Mangel steht ausserdem in engem Zusammenhang mit Alzheimer.
- Kaffee kann die Blut-Hirn-Schranke stärken. Zur Alzheimer-Prävention reichte bereits eine Tasse Kaffee pro Tag - bei Parkinson trat der schützende Effekt erst bei 5 Tassen pro Tag ein.
- Sulforaphan (Brokkoli): Kann Störungen der Blut-Hirn-Schranke vorbeugen und soll gegen Krebs und Arthritis helfen.
- Gesunde Ernährung ist das A und O für eine gesunde Darmflora. Der Darm und das Gehirn stehen über die sogenannte Darm-Hirn-Achse in engem Austausch miteinander.
- Regelmässige körperliche Aktivität regt die Bildung neuer Nervenzellen an der Blut-Hirn-Schranke an - und dies bis ins hohe Alter.
- Auch Duftmoleküle von ätherischen Ölen sind in der Lage die Blut-Hirn-Schranke zu passieren.
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