Eine Entzündung in der Nase, insbesondere eine chronische Sinusitis, kann weitreichende Folgen haben und in seltenen Fällen sogar das Gehirn gefährden. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Risiken, Komplikationen und Behandlungsansätze im Zusammenhang mit Nasennebenhöhlenentzündungen und deren Auswirkungen auf das Gehirn.
Einführung
Bei einer Erkältung oder einem Schnupfen ist oft auch die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen betroffen. In manchen Fällen kann sich daraus eine chronische Entzündung entwickeln, die aufgrund der Nähe zum Gehirn und zur Augenhöhle (Orbita) gefährliche Komplikationen verursachen kann.
Die Verbindung zwischen Nase und Gehirn: Wie Entzündungen übergreifen können
Die Nasennebenhöhlen stehen in direkter Verbindung zur Nase und sind über schmale Gänge mit ihr verbunden. Diese Nähe ermöglicht es Entzündungen, sich auszubreiten. Eine Sinusitis, insbesondere der Stirnhöhle, kann sich direkt ins Gehirn ausbreiten oder über die Orbita zu orbitalen Komplikationen führen.
Orbitale Komplikationen bei Kindern
Bei Kindern entstehen Entzündungen der Orbita häufig durch eine Sinusitis der Siebbeinzellen, da diese bereits bei der Geburt gut entwickelt sind. Es werden verschiedene Stadien orbitaler Komplikationen unterschieden:
- Stadium I: Entzündliches Lidödem mit Schwellung des Ober- und/oder Unterlids.
- Stadium II: Periorbitale Osteitis mit Ödem und Schmerzen.
- Stadium III und IV: Subperiostaler und Orbitaabszess mit eingeschränkter Augenbeweglichkeit, Visusbeeinträchtigung und starken Schmerzen.
- Stadium V: Septische Thrombose des Sinus cavernosus, die sich auf das gesunde Auge ausbreiten und zur Erblindung führen kann.
Wegweisend für die Diagnose ist der klinische Befund eines geschwollenen und geröteten Auges in Verbindung mit einer Rhinitis-Anamnese. Endoskopisch zeigt sich ein Ödem der mittleren Nasenmuschel mit verlegtem mittlerem Nasengang. Eine augenärztliche Untersuchung ist obligatorisch. Bei Verdacht auf einen subperiostalen Abszess wird eine Computertomographie empfohlen, ebenso wie die Bestimmung von Entzündungsparametern.
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Differenzialdiagnostisch müssen Verletzungen, Erysipel, Konjunktivitis, Allergien, Insektenstiche oder Entzündungen der Tränendrüse in Betracht gezogen werden.
Behandlung von orbitalen Komplikationen
In den frühen Stadien (I und II) reicht oft die intravenöse Gabe eines Antibiotikums aus, wobei ein Cephalosporin das Mittel der Wahl ist. Bessern sich die Beschwerden nicht, kann die Entleerung von Eiter aus der mittleren Nasenmuschel helfen. Ab Stadium III ist eine operative Sanierung angezeigt, idealerweise die endoskopisch kontrollierte Eröffnung der Nasennebenhöhlen.
Intrakranielle Komplikationen: Wenn die Entzündung das Gehirn erreicht
Intrakranielle Komplikationen gehen bei Erwachsenen meist von der Stirnhöhle aus, bei Kindern von den Siebbeinzellen und der Keilbeinhöhle, entweder direkt oder über eine orbitale Komplikation. Auch Entzündungen der Zähne können sich über das Blut ausbreiten.
Zur Diagnose eignen sich CT und MRT. Breitet sich eine Sinusitis ins Gehirn aus, ist die häufigste Folge eine Meningitis (Hirnhautentzündung).
- Epidurales Empyem: Entsteht meist an der Hinterwand der Stirnhöhle.
- Subduralabszess oder -empyem: Kann entstehen, wenn die Entzündung die Dura (äußere Hirnhaut) überschreitet. Die Symptome können zunächst gering sein, erst bei Ausdehnung ins Gehirn kommt es zu neurologischen Ausfällen oder Krampfanfällen.
- Hirnabszesse: Bilden sich vor allem im Frontalhirn sowie zwischen grauer und weißer Substanz, meist durch eine Thrombophlebitis.
Osteomyelitis: Ausbreitung auf die Knochen
Eine Sinusitis kann sich auch auf die Knochen ausdehnen. Eine von der Stirnhöhle ausgehende Osteomyelitis des Stirnbeins ist der Pott's Puffy Tumor, der gehäuft bei Teenagern vorkommt. Symptome sind Lichtscheu, Kopfschmerzen, Schwellung der Orbita und der Stirn mit Rötung und Fieber bis hin zur Perforation der Haut und Fistelbildung.
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Die Infektion kann ferner eine Osteitis der Siebbeinlamellen verursachen oder von der Keilbeinhöhle auf die Schädelbasis übergreifen. Eine Osteomyelitis des Oberkiefers, häufig bei Kindern, geht fast immer von den Zähnen aus.
Gehirnabszess: Eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation
Ein Hirnabszess ist eine örtlich umschriebene Entzündungsreaktion im Gehirn, bei der sich Eiter in einer Kapsel ansammelt. Er entsteht, wenn Krankheitserreger ins Gehirn eindringen, meist über den Blutweg oder von nahegelegenen Infektionsherden wie Ohr, Nase oder Zahnwurzel.
Ursachen und Risikofaktoren
Meist sind Bakterien die Ursache für einen Hirnabszess, wobei Streptokokken, Bacteroides- und Pseudomonas-Arten häufig vorkommen. Auch Pilze können in seltenen Fällen einen Hirnabszess auslösen. Ein geschwächtes Immunsystem erhöht das Risiko.
Symptome
Die Symptome sind oft unspezifisch und können sich in Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Fieber und Nackensteifigkeit äußern. Auch Lähmungen, epileptische Anfälle und zunehmende Kopfschmerzen können auftreten.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch bildgebende Verfahren wie cCT und cMRT sowie den Erregernachweis im Blut und Infektionsherd.
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Therapie
Die Behandlung besteht in der Regel aus einer mehrwöchigen Antibiotikatherapie und einem neurochirurgischen Eingriff zur Abszess-Aspiration.
Meningitis: Eine häufige Folge einer Sinusitis-Ausbreitung
Eine Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die durch Bakterien, Viren oder andere Krankheitserreger ausgelöst werden kann. Breitet sich eine Sinusitis ins Gehirn aus, ist eine Meningitis die häufigste Folge.
Symptome
Typische Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteife und Bewusstseinsstörungen.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine Lumbalpunktion, bei der Nervenwasser entnommen und untersucht wird.
Therapie
Bakterielle Meningitis muss schnell mit Antibiotika behandelt werden, während virale Meningitis meist von selbst ausheilt.
Nasenpolypen: Ein Risikofaktor für Sinusitis
Nasenpolypen sind gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut, die die Nasenatmung behindern und zu chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen führen können. Sie können die Ausgänge der Nasennebenhöhlen verschließen und einen Sekretstau verursachen.
Therapie
Kleinere Polypen können mit Kortisonsprays behandelt werden, größere müssen operativ entfernt werden.
Funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation (FESS)
Die FESS ist ein minimalinvasives Operationsverfahren, das bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen eingesetzt wird. Dabei werden Engstellen im Naseninneren therapiert und die natürlichen Öffnungen der Nasennebenhöhlen erweitert.
Vorbeugung und Risikominimierung
- Frühzeitige Behandlung von Erkältungen und Sinusitis: Eine rechtzeitige und konsequente Behandlung von Erkältungen und akuten Sinusitiden kann das Risiko einer Chronifizierung und Ausbreitung der Entzündung reduzieren.
- Gute Nasenhygiene: Regelmäßige Nasenspülungen können die Nasenschleimhaut befeuchten und von Erregern befreien.
- Stärkung des Immunsystems: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßiger Bewegung kann das Immunsystem stärken und die Anfälligkeit für Infektionen reduzieren.
- Vermeidung von Reizstoffen: Das Vermeiden von Tabakrauch, trockener Luft und anderen Reizstoffen kann die Nasenschleimhaut schonen und Entzündungen vorbeugen.
- Impfungen: Gegen einige Meningitis-Erreger gibt es Impfungen, die einer Hirnhautentzündung vorbeugen können.
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