Ein Fersensporn kann für jeden Menschen schmerzhaft und einschränkend sein, aber für Parkinson-Patienten kann er eine zusätzliche Herausforderung darstellen. Parkinson ist eine neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu Symptomen wie Zittern, Steifheit, verlangsamten Bewegungen und Gleichgewichtsproblemen. Diese Symptome können die Behandlung eines Fersensporns erschweren und die Rehabilitation verlängern. Dieser Artikel beleuchtet die Besonderheiten der Fersensporn-Behandlung bei Parkinson-Patienten und stellt verschiedene Therapieansätze vor.
Was ist ein Fersensporn?
Ein Fersensporn ist eine knöcherne Ausziehung am Fersenbein (Kalkaneus), die durch die Verknöcherung von Sehnenansätzen entsteht. Es gibt zwei Haupttypen:
- Unterer Fersensporn: Entsteht an der Unterseite des Fersenbeins, am Ansatz der Plantarfaszie, einer Sehnenplatte, die das Längsgewölbe des Fußes stützt.
- Oberer Fersensporn: Bildet sich am Ansatz der Achillessehne an der Rückseite des Fersenbeins.
Die Hauptursache für Fersensporne sind Über- und Fehlbelastungen, die zu Entzündungen der Sehnenansätze führen. Risikofaktoren sind Übergewicht, falsches Schuhwerk, Fußfehlstellungen und intensive sportliche Betätigung.
Symptome eines Fersensporns
Typische Symptome eines Fersensporns sind:
- Stechende Schmerzen im Fersenbereich, besonders bei Belastung
- Morgendlicher Anlaufschmerz, der im Laufe des Tages abnimmt (typisch für unteren Fersensporn)
- Druckschmerz unter der Ferse
- In fortgeschrittenen Stadien auch Ruhe- und Nachtschmerzen
Herausforderungen bei Parkinson-Patienten
Parkinson-Patienten stehen bei der Behandlung eines Fersensporns vor besonderen Herausforderungen:
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- Bewegungseinschränkungen: Die Steifheit und verlangsamten Bewegungen erschweren Dehnübungen und physiotherapeutische Maßnahmen.
- Gleichgewichtsprobleme: Gleichgewichtsstörungen erhöhen das Sturzrisiko bei Übungen und Aktivitäten.
- Medikamenten-Nebenwirkungen: Einige Parkinson-Medikamente können Nebenwirkungen haben, die die Behandlung des Fersensporns beeinflussen.
- Sensorische Defizite: Parkinson kann die Wahrnehmung von Schmerz und Druck verändern, was die Diagnose und Behandlung erschwert.
Diagnose
Die Diagnose eines Fersensporns bei Parkinson-Patienten umfasst:
- Anamnese: Ausführliches Gespräch über die Beschwerden und die Krankengeschichte.
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Fußstellung, Beweglichkeit und Schmerzpunkte.
- Röntgenaufnahme: Zum Nachweis des knöchernen Sporns.
- Ganganalyse: Mithilfe des Zebris Messsystems FDM kann die Behandlung von Gangunsicherheiten und veränderten Bewegungsmustern unterstützt werden. Das System misst unter anderem die Schrittlänge und -breite sowie die Schwung- und Standphasen.
Therapieansätze
Die Behandlung eines Fersensporns bei Parkinson-Patienten zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu reduzieren und die Funktion des Fußes zu verbessern. Aufgrund der besonderen Herausforderungen bei Parkinson-Patienten ist ein individueller Therapieplan erforderlich, der die Parkinson-Symptome und -Medikation berücksichtigt.
Konservative Therapie
Die konservative Therapie ist in den meisten Fällen ausreichend, um die Beschwerden zu lindern. Sie umfasst:
- Entlastung: Vermeidung von Überbelastung, Sportpause, Hochlagern der Füße.
- Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zur kurzfristigen Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
- Kälteanwendungen: Kühlpads zur Reduktion von Schmerzen und Entzündungen.
- Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskulatur und der Plantarfaszie.
- Dehnung der Wadenmuskulatur: Barfuß mit beiden Beinen auf eine Treppenstufe stellen, Vorfuß eines Beines an die Kante der Stufe platzieren, sodass die Ferse frei in der Luft ist. Position für 30-60 Sekunden halten.
- Dehnung und Massage der Fußsohle: Fußsohle mit einem Igelball oder Tennisball massieren.
- Kräftigungsübungen: Stärkung der Wadenmuskulatur durch Zehenstand.
- Schuheinlagen: Einlagen mit Aussparung im Fersenbereich zur Entlastung.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination.
- Stoßwellentherapie: Eine schonende Methode zur Linderung von Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen. Mit einer Schallsonde werden mechanisch-akustische Druckimpulse erzeugt und direkt auf betroffene Körperstellen gerichtet.
- E-Go Gangtrainer: Kann in der Geriatrie und Neurologie eingesetzt werden, um die Gehqualität von Patienten zu verbessern. Er unterstützt dabei, die Geschwindigkeit adäquat zu erhöhen, die Gehstrecke zu vergrößern und die Gangsicherheit zu verbessern.
- Lyra Gangtrainer: Hilft Patienten, ihre Gehfähigkeit wiederzuerlangen, indem das natürliche Bewegungsmuster für das Gehen simuliert wird. Davon profitieren z. B. Patienten mit Morbus Parkinson sowie anderen neurologischen und auch geriatrischen Erkrankungen.
- Mobilizer®: Unterstützt Patienten, die etwa nach einem Schlaganfall bettlägerig sind, wieder vorsichtig an Bewegung heranzuführen.
- Hydrojet: Ein Überwasser-Massage-System, das eingesetzt wird, um beispielsweise Rücken- und Gelenkschmerzen oder Muskelverspannungen zu lindern.
Spezielle Therapieansätze für Parkinson-Patienten
- Parkinson-Komplexbehandlung: Ein Therapiekonzept bestehend aus Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie sowie der Neuropsychologie. Durch die Erstellung von Bewegungsprotokollen ist eine individuelle, dem Patientenalltag angepasste medikamentöse Therapie möglich.
- Neurozentriertes Training: Ein Trainingsansatz, der sich aus der funktionellen Neurologie entwickelt hat und das Gehirn bzw. das gesamte Nervensystem in den Fokus stellt. Ziel ist die Optimierung des Prozesses der Informationsaufnahme und -verarbeitung im Gehirn, um die Bewegung zu verbessern.
- Tanzen wie die Schäffler: Eine Therapieform, die speziell für Parkinson-Patienten angeboten wird und Spaß macht. Studien belegen, dass Parkinson-Patienten von Tanztherapien in hohem Maße profitieren.
- CUREO®: Ein VR-System, das Patienten in eine virtuelle Welt eintauchen lässt, um motorische und kognitive Fähigkeiten zu trainieren. Es dient zur Verbesserung der Koordination und zur Erhaltung der Alltagsfähigkeit bei neurologischen Krankheitsbildern.
- THERA-Trainer Tigo & Senso: Die THERA-Trainer unterstützen dabei, gezielt die Bewegungs- und Leistungsfähigkeit Betroffener zu verbessern und können individuell an die Bedürfnisse angepasst werden. Der motorunterstützte Cycling-Trainer »Tigo« stärkt sowohl die Muskelkraft im Oberkörper als auch in den Beinen. Das interaktive Trainingsgerät »Senso« hingegen verbessert durch das komplexe Zusammenspiel von kognitiven und motorischen Aufgaben das körperliche sowie geistige Leistungsvermögen und reduziert das Sturzrisiko signifikant.
- hunova®: Ein Balance-Robotik-System, das Informationen zu Haltung, Koordination oder Bewegungsumfang liefert und verschiedene Therapieformen unterstützt: aktive Therapie, passive Therapie und assistive Therapie.
- MeineReha®-System: Ein computergestütztes Trainingsprogramm, das speziell für Parkinsonpatienten geeignet ist.
Operative Therapie
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen erforderlich, wenn die konservative Therapie nicht ausreichend wirkt. Dabei wird das entzündete Gewebe an der Plantarfaszie entfernt, der Nerv entlastet oder die Nervenbahnen im entzündeten Bereich durchtrennt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die chirurgisch entfernten Fersensporne nach kurzer Zeit wieder nachwachsen können.
Prävention
Um einem Fersensporn vorzubeugen, sollten Parkinson-Patienten folgende Maßnahmen beachten:
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- Gewichtskontrolle: Übergewicht vermeiden, um die Füße nicht zu überlasten.
- Geeignetes Schuhwerk: Schuhe mit guter Dämpfung und ausreichend Platz tragen.
- Fußmuskulatur stärken: Regelmäßiges Barfußlaufen und gezielte Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur.
- Überlastung vermeiden: Lange Stehzeiten und intensive sportliche Betätigung reduzieren.
- Regelmäßige Bewegung: Ausreichend Bewegung, um die Durchblutung zu fördern und die Muskeln geschmeidig zu halten.
- Lauftechnik optimieren: Bei sportlicher Betätigung auf eine korrekte Lauftechnik achten.
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