Enzyme gegen Migräne: Aktuelle Studien und Ernährungsansätze

Die Rolle der Ernährung bei der Entstehung und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzerkrankungen ist ein viel diskutiertes Thema. Obwohl es keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für alle Migränepatienten gibt, haben aktuelle Studien eine Reihe von Mechanismen identifiziert, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten. Diese Mechanismen beziehen sich auf die Auswirkungen bestimmter Nahrungsbestandteile und Substanzen auf Neuropeptide, Ionenkanäle und Rezeptoren sowie auf die Freisetzung von Stickstoffmonoxid, die Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Gefäßerweiterungen und Veränderungen im zerebralen Glukosestoffwechsel.

Ernährung als Trigger und Therapieansatz bei Migräne

Fasten und Migräne

Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder verstärkt werden. Dies zeigte sich bei Muslimen mit Migräne während des Fastenmonats Ramadan, bei denen Häufigkeit und Intensität der Migräne-Episoden höher waren. Eine frühere Studie zeigte, dass die Serotoninspiegel im Serum der Teilnehmer in den ersten Fastentagen signifikant niedriger waren als in den letzten.

Ketogene Diät (KD)

Die ketogene Diät (KD), eine fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform, wird seit den 1930er Jahren intensiv erforscht und stellt eine etablierte Maßnahme in der Therapie der Epilepsie bei Kindern dar. Klinische Daten deuten darauf hin, dass die KD sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirkt. Nach dem ersten Monat konnte neben einer Gewichtsreduktion eine deutliche Verringerung der Kopfschmerzhäufigkeit und der Medikamenteneinnahme festgestellt werden. Die klassische KD sieht ein Verhältnis der Hauptnährstoffe von 4 Teilen Fett zu 1 Teil Kohlenhydrat und Eiweiß vor. In der Regel beschränkt sich die tägliche Aufnahme von Kohlenhydraten je nach Form auf 20-50 Gramm. Um einen therapeutischen Erfolg erzielen zu können, muss die Diät streng und über einen längeren Zeitraum eingehalten werden. Dies setzt eine hohe Akzeptanz und ein intensives Mitwirken aller Beteiligten voraus.

Oligoantigene Diät

Die oligoantigene Diät hat sich in einigen Studien als hilfreicher Behandlungsansatz in der Therapie von Migräne, ADHS und Epilepsie erwiesen. In einer doppelblinden Untersuchung konnte durch die Ernährungsumstellung bei 93 % der untersuchten Kinder eine Kopfschmerzreduktion erzielt werden. Darüber hinaus besserten sich während dieser Zeit auch andere Symptome wie Bauchschmerzen, Verhaltensstörungen, Asthma und Ekzeme. Dabei war der Effekt nach 16 Wochen am stärksten ausgeprägt, wenn die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl, Lachs) zu- und diejenige an Omega-6-Fettsäuren (z. B. Schweinefleisch, tierische Fette, Innereien, Soja-/Maiskeimöl) abnahm. Ein messbarer, aber geringerer Effekt trat auf, wenn nur der Verzehr an Omega-3-Fettsäuren stieg, derjenige an Omega-6-Fettsäuren aber konstant blieb. Die Anzahl der Kopfschmerztage reduzierte sich um 2 bis 4 Tage; auch die Anzahl der Kopfschmerzstunden nahm ab. Einige konnten die Anzahl der eingenommenen Kopfschmerztabletten reduzieren. Verantwortlich könnte die veränderte Bildung bioaktiver Mediatoren im Serum sein, die möglicherweise an der Entstehung von Kopfschmerzen und Migräne beteiligt sind.

Fettarme Diät

Die Wirksamkeit einer fettarmen Diät in der Behandlung einer Migräne wurde bisher jedoch nicht durch doppelblinde kontrollierte Studien überprüft. In einer Studie mit 54 Migränepatienten wurde gezeigt, dass sich die Häufigkeit, die Intensität sowie die Dauer der Attacken im Rahmen einer 12-wöchigen fettarmen Diät signifikant verbesserten. Im Rahmen der Studie wurde die tägliche Gesamtfettaufnahme um 58 Prozent auf durchschnittlich 27,8 g reduziert. Die Aufnahme mehrfach ungesättigter und gesättigter Fette sowie Ölsäure wurde jeweils um durchschnittlich 63 Prozent reduziert. Eine weitere Studie zeigte ähnliche Ergebnisse. Auch hier wurde unter der fettarmen Diät eine Reduktion der Anfallshäufigkeit und -intensität beobachtet. Die Gesamtfettaufnahme wurde im Interventionszeitraum von 35 % auf 23 % reduziert.

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Hunger und Hypoglykämie

Im Rahmen einer klinischen Studie wurden 56 Schülerinnen und Schüler, die seit mindestens 6 Monaten an häufigen Kopfschmerzen litten, einem 19-stündigen Nahrungsentzug ausgesetzt. Die Beobachtungen bestätigten, dass Hunger bei Patienten mit Spannungskopfschmerz und bei Migränepatienten Kopfschmerzen auslösen kann. Eine in den 1970er Jahren publizierte Studie zeigte, dass Migränepatienten, die insbesondere infolge von Hunger Kopfschmerzen entwickelten, im Rahmen eines 5-stündigen Glukosetoleranztests eine Hypoglykämie aufwiesen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien

Durch Nahrungsmittel ausgelöste Unverträglichkeiten können auf einer allergischen Überempfindlichkeit (Immunoglobin E-vermittelte Nahrungsmittelallergie) oder einer nicht allergischen Überempfindlichkeit (z.B. Nahrungsmittelintoleranz) beruhen. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie ist eine spezifische IgE-Bestimmung und/ oder ein Haut-Pricktest sinnvoll, um die Sensibilisierung gegen ein Nahrungsmittel zu prüfen. In Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien und Migräne finden sich nur wenige Hinweise, dass Nahrungsmittel, die eine IgE-Produktion verursachen, eine Migräne auslösen. Vielmehr wird angenommen, dass triggernde Nahrungsbestandteile, die mitunter auch gefäßerweiternd wirken. Trotz der umstrittenen Aussagekraft der IgG-Antikörper-Bestimmung wurde in drei randomisierten kontrollierten Studien getestet, inwiefern sich die Eliminierung zuvor IgG-positiv getesteter Nahrungsmittel auf die Migränehäufigkeit auswirkt.

Zöliakie

Die Prävalenz von Zöliakie beträgt bei Migränepatienten oder Patienten mit anderen Kopfschmerzerkrankungen zwischen 2 und 4 %.

Inhaltsstoffe als potentielle Migräneauslöser

Bei den alimentären Triggerfaktoren sind eine Reihe von Inhaltsstoffen zu nennen, die zwar nicht bei allen Migränepatienten Probleme verursachen, aber bei empfindlichen Patienten eine Migräneattacke begünstigen können - insbesondere dann, wenn weitere Störfaktoren vorliegen. Dazu gehören:

  • Künstliche Süßstoffe (z.B. Aspartam, Sucralose)
  • Biogene Amine (z.B. Histamin in Schokolade)
  • Milch und Milchprodukte
  • Fetthaltige Lebensmittel
  • Glutamat
  • Alkohol
  • Nitrate und Nitrite
  • Koffein

Künstliche Süßstoffe: Aspartam und Sucralose

Die Studienlage zu Aspartam und Migräne ist nicht eindeutig. Zudem stützen sich die bisherigen Ergebnisse auf Studien, die zum Teil mehr als 30 Jahre zurückliegen. Neue Studien fehlen. In einer Studie mit einer geringeren Dosis (10 mg/ kg) zeigten sich im Vergleich zur Placebogruppe keine Unterschiede hinsichtlich dem Auftreten von Kopfschmerzen. Eine Studie aus dem Jahr 1989 untersuchte die Auswirkungen von Aspartam, in dem Tagesdosen von 75 mg/ kg Körpergewicht verabreicht wurden. Anders als Aspartam gilt Sucralose nicht als Migräne-Trigger.

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Nitrate und Nitrite

Nitrate und Nitrite kommen als Konservierungsmittel vor allem in verarbeiteten Fleischwaren wie Speck, Salami, Wurst oder Schinken sowie Fertigprodukten und geräuchertem Fisch zum Einsatz. Stickstoffmonoxid (NO) ist ein ubiquitäres Molekül. Es wird aus L-Arginin gebildet und zu Nitraten sowie Nitriten abgebaut. Die sogenannten NO-Donatoren (z.B. Nitroglycerin) erweitern die Blutgefäße. Es handelt sich dabei um einen vaskulär vermittelten Schmerz. Eine Reihe von Studien belegen die Bedeutung von NO in der Pathogenese primärer Kopfschmerzerkrankungen wie der Migräne. Zwar sind die NO-Donator-Kopfschmerzen durch Medikamente wie Nitroglycerin experimentell gut untersucht, die Bedeutung der über die Nahrung aufgenommenen Nitrate bzw. Nitrite wurden erstmals aufgrund eines Fallberichtes aus den 1970er Jahren als möglicher Migräneauslöser identifiziert. Es existieren jedoch wenige Berichte aus jüngerer Zeit, die zeigen, dass Nitrite Kopfschmerzen bzw. Migräne auslösen. Inzwischen ist bekannt, dass alimentäre Nitrite und Nitrate an der Regulation der Stickoxid-Hämostase beteiligt sind. Es wurde gezeigt, dass der Plasma-Nitrit-Spiegel von Patienten mit Migräne mit und ohne Aura in Remission im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich erhöht ist.

Alkohol

Zahlreiche Publikationen belegen, dass Alkohol den bedeutendsten alimentären Kopfschmerztrigger darstellt. Die pathophysiologischen Zusammenhänge der Kopfschmerztriggerung durch Alkohol sind bisher unzureichend geklärt. Der Gehalt an Flavonoiden (z.B. Anthocyanine, Catechine) in Rot- und Weißweinen variiert stark. Rotweine enthalten bis zu 1200 mg/l, während Weißweine meist nicht mehr als 50 mg/l enthalten. Es wird angenommen, dass die Flavonoide im Rotwein möglicherweise die Thrombozyten-Phenolsulphotransferase P und in geringerem Maß die Thrombozyten-Phenolsulphotransferase M hemmen und direkten Einfluss auf die Blutgefäße haben. Zwar wird Ethanol (Äthylalkohol) im Zusammenhang mit der kopfschmerzauslösenden Wirkung bei Migräne in Verbindung gebracht, jedoch wurde dessen Bedeutung im Rahmen einer Studie mit 19 Migränepatienten relativiert. Alkoholbedingter Kopfschmerz ist typischerweise beidseitig lokalisiert, pulsierend, löst sich innerhalb von 72 Stunden spontan und wird durch körperliche Aktivität verstärkt. Die Häufigkeit, mit der Migränepatienten Alkohol als möglichen Triggerfaktorangeben, schwankt erheblich und scheint sowohl von der individuellen Verträglichkeit, der Art des alkoholischen Getränkes sowie der Kopfschmerzform abhängig zu sein. In einer epidemiologischen Studie gaben etwa 28 % der Patienten mit Migräne ohne Aura vor allem Wein, Bier und Spirituosen als Kopfschmerztrigger an, während es bei den Patienten mit Migräne mit Aura nur 8 % waren. Eine Studie zeigte, dass bei mehr als 10 % der Migränepatienten durch den Konsum von Rotwein Kopfschmerzen ausgelöst wurden, nicht jedoch durch den Konsum von Weißwein.

Koffein

Koffein wird vor allem über Kaffee, Tee und koffeinhaltige Limonaden sowie Erfrischungsgetränke aufgenommen. Doch auch in der Behandlung von Migräneattacken kommen Koffein-haltige Medikamente zum Einsatz, da diese nachweislich die Wirkung verbessern. Höhere Dosierungen (>300-400 mg/ Tag) können vor allem bei Männern Angst und Panikstörungen hervorrufen. Genetische Polymorphismen der Adenosin-A2A-Rezeptoren können die Anfälligkeit für die Nebenwirkungen von Koffein wie Schlaflosigkeit oder Angst beeinflussen. Bekannt ist zudem, dass eine unregelmäßige Koffeinzufuhr - nicht nur bei Migränepatienten - Kopfschmerzen verursachen kann. Der sogenannte Koffein-Entzugs-Kopfschmerz entwickelt sich innerhalb von 24 Stunden, wenn die über mindestens 2 Wochen andauernde regelmäßige Aufnahme von 200 mg Koffein am Tag unterbrochen wird. In der Regel löst sich der Kopfschmerz innerhalb von einer Stunde, wenn mindestens 100 mg Koffein aufgenommen werden oder klingt bei ausbleibender Koffeinzufuhr spontan innerhalb von sieben Tagen ab. Zu der Beziehung zwischen Migräne und Koffeinkonsum existieren unterschiedliche Ergebnisse. Zwar haben die meisten Studien eine höhere Prävalenz von Kopfschmerzen, Migräne und chronischen Kopfschmerzen durch erhöhten Koffeinkonsum berichtet, andere Studien hingegen bestätigten diesen Zusammenhang nicht. Gemäß den Ergebnissen einer epidemiologischen Studie können koffeinhaltige Arzneimittel und Getränke das Risiko, einen chronischen Kopfschmerz zu entwickeln, mäßig erhöhen.

Mikronährstoffe und Enzyme

Menschen, die an Migräne leiden, nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf. Neben Vitamin B12 ist Folat ein wichtiger Kofaktor für Enzyme wie die Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), die eine wesentliche Rolle im Homocystein-stoffwechsel spielen. Spezifische Mutationen im MTHFR-Gen wurden mit einer erhöhten Prävalenz von Migräne assoziiert. Zudem zeigen Studien, dass Migränepatienten (v.a. Erhöhte Homocysteinspiegel infolge folatarmer Ernährung können zu Gefäßverengungen sowie zur Aktivierung der Blutgerinnung und damit einem erhöhten Thromboserisiko führen und bei Personen mit bestimmten Genotypen des MTHFR-Gens Kopfschmerzen hervorrufen. Studien zeigen, dass eine Supplementierung von 25 mg Vitamin B6 und 400 μg Vitamin B12 sowie 2 mg Folsäure die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern kann. Die beobachteten Effekte waren am stärksten ausgeprägt bei Personen mit bestimmten Mutationen im MTHFR-Gen. In Studien wurde gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen. Die Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Energieerzeugung in den Mitochondrien und sind an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt, die das Krankheitsgeschehen der Migräne beeinflussen.

Migräneärzten aus Deutschland ist es gelungen, die Wirksamkeit einer 3er Kombination aus hochdosiertem Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 bei Migräne nachzuweisen. Die international publizierte Studie zeigt, dass die einzigartige Mikronährstoff-Kombination die Migränesymptome deutlich und signifikant reduziert, bei signifikanter Verbesserung der Lebensqualität. Der Vorteil dieser Kombination ist neben der natürlichen Zusammensetzung die gute Verträglichkeit, Gegenanzeigen bestehen nicht.

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Neue Therapieansätze: CGRP-Antikörper

Eine CGRP-Antikörpertherapie kommt vorrangig für Personen infrage, die regelmäßig unter Migräne leiden. Wollte diese Patientengruppe Migräne vorbeugen, war sie bisher auf Medikamente angewiesen, die ursprünglich zur Behandlung anderer Krankheiten entwickelt wurden.

CGRP ist die Abkürzung für Calcitonin Gene-Related Peptide. Dabei handelt es sich um einen Eiweißstoff (Protein), der aus Nervenzellen freigesetzt wird und der eine zentrale Rolle bei Migräne spielt. Während einer Attacke konnten bei Personen mit Migräne erhöhte CGRP-Werte nachgewiesen werden. Versuche haben zudem sogar gezeigt, dass eine CGRP-Infusion bei Migräne-Patienten zu migräneartigen Kopfschmerzen führt. CGRP wirkt gefäßerweiternd und ist an der Entzündungsreaktion bei Migräne beteiligt.

Die in der Spritze enthaltenen monoklonalen Antikörper wirken, indem sie an den Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor binden und diese Bindungsstellen inaktivieren. Aufgrund ihrer spezifischen Wirkung werden Sie als CGRP-Antikörper bezeichnet. CGRP spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne-Anfällen, da es gefäßerweiternd und entzündungsfördernd wirkt. Viele Menschen, die unter Migräne leiden, produzieren diesen Botenstoff im Überschuss. Die monoklonalen Antikörper unterbrechen den Signalweg an einer bestimmten Stelle und verhindern so das Auftreten einer Migräne-Attacke. CGRP-Antikörper werden im Körper sehr langsam abgebaut. Es reicht deshalb aus, wenn man sie - je nach Präparat - monatlich oder sogar nur alle drei Monate verabreicht. Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab werden über das Unterhautfettgewebe aufgenommen, während Eptinezumab direkt in die Blutbahn injiziert werden muss. Für den Abbau der CGRP-Antikörper sind eiweißspaltende Enzyme verantwortlich. Sie zerlegen die Antikörper in ihre Einzelteile, die anschließend wiederverwertet oder vom Körper ausgeschieden werden.

Es gibt vier zugelassene Wirkstoffe:

  • Erenumab (wird alle vier Wochen unter die Haut gespritzt)
  • Galcanezumab (wird einmal monatlich unter die Haut gespritzt)
  • Fremanezumab (wird einmal monatlich oder alle drei Monate unter die Haut gespritzt)
  • Eptinezumab (wird alle 12 Wochen intravenös als Infusion verabreicht)

Die Migräne-Spritze wird bei Erwachsenen zur Vorbeugung von Migräne, die an mindestens vier Tagen pro Monat auftritt, angewendet.

Die Rolle der Mundflora

San Diego - Die Flora der Mundschleimhaut enthält bei Migränepatienten mehr Bakterien, die Nitrate abbauen können, als bei anderen Menschen. Dies kam in einer Analyse in mSystems heraus. Viele Gemüse-Arten wie Rucola und andere Blattsalate, Spinat, Kohlrabi, Rote Beete, Radieschen oder Rettich enthalten hohe Nitratkonzentrationen. Auch einige Lebensmittelzusatzstoffe wie Natriumnitrat (E 251) und Kaliumnitrat (E 252), die bei Fleisch- und Wurstwaren als Konservierungsmittel verwendet werden, enthalten größere Mengen. Bei einigen Menschen löst der Verzehr dieser Nahrungsmittel Kopfschmerzen aus. Auch einige Migränepatienten kennen sie als Trigger für eine Migräneattacke. Die Nitrate in der Nahrung haben diese Wirkung erst, wenn sie durch eine chemische Reaktion in Nitrite umgewandelt werden. Die dafür notwendigen Enzyme gibt es nur in Bakterien, menschliche Zellen sind dazu nicht in der Lage. Es ist seit langem bekannt, dass einige Bakterien des Gastrointestinaltraktes Nitrite bilden. Ein Team um Rob Knight von der Universität von Kalifornien hat zu dieser Frage die Darm- und Mundflora von Migränepatienten und gesunden Vergleichspersonen ausgewertet. In den 172 Abstrichen der Mundschleimhaut fanden die Forscher jedoch häufiger bakterielle Gene für den Abbau von Nitraten, Nitriten und Stickoxiden, wenn die Personen im Fragebogen angegeben hatten, dass sie unter Migräne leiden.

Migräne als Energie-Defizitsyndrom des Gehirns

Neue Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Migräne ein Energie-Defizitsyndrom des Gehirns mit Fehlsteuerung des Energieumsatzes in den Mitochondrien der Nervenzellen ist. Dieses führt zu einer Kaskade von neurologischen Symptomen. Studien haben Veränderungen im Hypothalamus, Thalamus und im Hirnstamm identifiziert. Diese legen eine endokrine Entstehung der Migräne nahe. Oxidative Stresslevel übersteigen dabei die antioxidativen Fähigkeiten der Nervenzellen. Die Migräneattacke unterstützt dabei möglicherweise die Wiederherstellung des ausgeglichenen Energiehaushaltes des Gehirns. Maßnahmen, die eine Stabilisierung des Energiestoffwechsels als Ziel haben, sollten daher primär als Therapie im Mittelpunkt stehen. Im Fokus steht dabei auch Ernährung. Sie stellt die Energie, die Fähigkeit zu arbeiten, den Nervenzellen zur Verfügung. Regelmäßigkeit und kohlenhydratreiche Ernährung sind dabei zentrale Regeln für eine stabile Energieversorgung der Nervenzellen. Auch Kortikosteroide können über einen metabolischen Effekt in den Energiehaushalt der Nervenzellen therapeutisch eingreifen. In der Zusammenschau ist die Migräneattacke eine Schutzreaktion des Gehirns zur Schadensabwehr und nicht das eigentliche Problem.

Rimegepant: Ein neuer CGRP-Rezeptorantagonist

Der CGRP(Calcitonin gene-related peptide)-Rezeptorantagonist Rimegepant ist in der Behandlung akuter Migräneattacken wirksam. Rimegepant ist eine neue Substanz, deren Wirksamkeit und Verträglichkeit jetzt in einer Phase-III-Studie geprüft wurde. Die Patienten erhielten zur Behandlung der Migräneattacke entweder 1-mal 75 mg Rimegepant oder Placebo. Der primäre Endpunkt der Studie war der Prozentsatz der Patienten, die nach zwei Stunden kopfschmerzfrei waren und nicht mehr das initial am stärksten beeinträchtigende Begleitsymptom aufwiesen. Schmerzfreiheit nach zwei Stunden erzielten 19,6 % mit Rimegepant und 12,0 % unter Placebo.

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