Ependymom: Erfahrungen, Behandlungen und alternative Ansätze

Ependymome sind seltene Tumoren, die aus den Ependymzellen entstehen, welche die Hirnventrikel und den Rückenmarkskanal auskleiden. Diese Tumoren können sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten, wobei sie im Kindesalter den dritthäufigsten Hirntumor darstellen. Die Behandlung von Ependymomen ist komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte von Ependymomen, einschließlich Diagnose, Therapie, Erfahrungen von Betroffenen und alternative Behandlungsansätze.

Was ist ein Ependymom?

Ependymome gehören zu den Gliomen und entwickeln sich aus den Ependymzellen der Hirnventrikel. Diese Zellen bilden eine Schicht, die die Hirnflüssigkeit vom Hirnnervengewebe trennt und die Hirnventrikel und den Rückenmarkskanal auskleidet. Ependymome treten häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auf. Jährlich erkranken etwa 2-3 von 1.000.000 Menschen an einem Ependymom.

WHO-Einteilung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt Ependymome in verschiedene Grade ein, basierend auf ihrer Aggressivität:

  • WHO-Grad 1: Langsam wachsende, oft gutartige Tumoren wie Subependymome und myxopapilläre Ependymome. Subependymome finden sich typischerweise an den Wänden der Hirnventrikel, insbesondere an der Seitenwand des 4. Ventrikels. Myxopapilläre Ependymome wachsen ausschließlich im untersten Teil des Rückenmarkkanals und kommen bei Erwachsenen vor.
  • WHO-Grad 2: Ependymome.
  • WHO-Grad 3: Anaplastische Ependymome, die schnell wachsen und in das angrenzende Gewebe einwachsen. Sie treten vor allem bei Kindern auf und haben eine weniger gute Prognose.

Ursachen und Symptome

Die Ursachen für die Entstehung eines Ependymoms sind weitgehend unklar. Mögliche Risikofaktoren umfassen bestimmte genetische Erkrankungen wie Neurofibromatose Typ 2 und Strahleneinwirkungen, beispielsweise bei der Behandlung anderer Krebserkrankungen.

Die Symptome eines Ependymoms hängen von der Lokalisation, Größe und dem Grad des Tumors ab. Häufige Symptome sind:

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  • Hirndruckzeichen: Kopfschmerzen (besonders morgens und nachts), Übelkeit und Erbrechen, beschleunigte Zunahme des Kopfumfangs bei Kleinkindern.
  • Neurologische Störungen: Beschwerden beim Gehen, Sehen, Schlafen und der Konzentration, Lähmungen, Krampfanfälle.
  • Behinderung des Liquorabflusses: Kann zu Hirndruckerhöhung und Hydrozephalus führen.

Diagnose

Die Diagnose eines Ependymoms umfasst in der Regel folgende Schritte:

  • Krankengeschichte und körperliche Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und allgemeiner Gesundheitszustand.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Die MRT mit Kontrastmittel ist das bildgebende Verfahren der Wahl. Sie zeigt die Lage, Größe und Ausbreitung des Tumors. Ependymome erscheinen als umschriebene zystische und gelappte Läsionen mit mäßiger Kontrastmittelaufnahme und ggf. Verkalkungen.
  • Liquoruntersuchung: Untersuchung des Hirnwassers (Liquordiagnostik) zum Nachweis von Tumorzellen.
  • Gewebeentnahme (Biopsie): Entnahme einer Gewebeprobe des Tumors zur feingeweblichen Untersuchung unter dem Mikroskop, um den WHO-Grad zu bestimmen.

Therapie

Die Behandlung von Ependymomen zielt darauf ab, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen und das Wachstum zu kontrollieren. Die wichtigsten Therapieoptionen sind:

  • Operation: Die operative Entfernung des Tumors ist der erste therapeutische Schritt. Ziel ist eine möglichst vollständige Resektion. Bei Hirnstamminfiltration kann eine Teilresektion erforderlich sein.
  • Strahlentherapie: Nach inkompletter Resektion und nach Resektion höhergradiger Tumoren wird eine Strahlentherapie durchgeführt, um das Risiko eines Rezidivs zu senken. Die Strahlentherapie kann auch bei Rezidiven eingesetzt werden.
  • Chemotherapie: Der Einsatz einer Chemotherapie ist umstritten und wird nur in Einzelfällen durchgeführt, da ihr Nutzen nicht eindeutig belegt ist. Sie kann jedoch bei sehr jungen Kindern indiziert sein, um den Beginn der Strahlentherapie zu verzögern oder zu vermeiden.

Protonentherapie

Die Protonentherapie ist eine spezielle Form der Strahlentherapie, die eine präzisere Bestrahlung des Tumors ermöglicht und das umliegende gesunde Gewebe schont. Sie kann besonders bei Ependymomen in kritischen Regionen des Gehirns oder Rückenmarks von Vorteil sein. Die Protonentherapie wird in spezialisierten Zentren angeboten, wie beispielsweise am Westdeutschen Protonentherapiezentrum Essen (WPE). Dort werden kindliche Tumoren des zentralen Nervensystems, einschließlich Ependymome, bereits seit 2013 mit der Protonentherapie behandelt. Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit anderen Kliniken und Instituten der Universitätsmedizin Essen.

Interdisziplinäre Therapie

Die Behandlung von Ependymomen sollte immer in einem spezialisierten kinderonkologischen Zentrum erfolgen, das verschiedene Fachdisziplinen vereint. In Deutschland werden fast alle Kinder und Jugendlichen mit einem Ependymom im Rahmen von Therapieoptimierungsstudien oder Registern behandelt, um eine Behandlung nach aktuellem Wissensstand zu gewährleisten.

Erfahrungen von Betroffenen und Eltern

Der Umgang mit einem Ependymom stellt Betroffene und ihre Familien vor große Herausforderungen. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine wertvolle Unterstützung bieten. In Online-Foren und Selbsthilfegruppen können sich Eltern und Betroffene austauschen, Erfahrungen teilen und gegenseitig Mut zusprechen.

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Einige Eltern berichten von ihren Erfahrungen mit der Behandlung ihrer Kinder, einschließlich Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie. Sie schildern die Belastungen durch die Therapie, aber auch die Stärke und den Lebenswillen ihrer Kinder.

Alternative und komplementäre Behandlungen

Neben den konventionellen Therapien suchen einige Betroffene nach alternativen und komplementären Behandlungsmethoden. Diese können dazu dienen, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und das Wohlbefinden zu steigern. Es ist wichtig, dass alternative Behandlungen immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, um mögliche Wechselwirkungen mit der konventionellen Therapie zu vermeiden.

Einige Beispiele für alternative und komplementäre Behandlungen sind:

  • Ernährungstherapie: Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, den Körper während der Therapie zu stärken und die Nebenwirkungen zu reduzieren.
  • Naturheilkunde: Verschiedene naturheilkundliche Verfahren, wie Akupunktur, Homöopathie und Pflanzenheilkunde, können zur Linderung von Symptomen wie Schmerzen, Übelkeit und Müdigkeit eingesetzt werden.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und das psychische Wohlbefinden zu verbessern.
  • Psychosoziale Unterstützung: Eine psychosoziale Betreuung kann Betroffenen und ihren Familien helfen, mit den emotionalen Belastungen der Erkrankung umzugehen.

Forschung und Ausblick

Die Forschung im Bereich der Ependymome konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Therapieansätze und die Verbesserung der Prognose. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der molekularen Charakterisierung der Tumoren, um zielgerichtete Therapien zu entwickeln. Auch die Protonentherapie wird weiterentwickelt, um eine noch präzisere und schonendere Bestrahlung zu ermöglichen.

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