Epilepsie ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn. Die Ursachen der Epilepsie sind vielfältig und reichen von genetischen Faktoren über strukturelle Hirnschäden bis hin zu Infektionen und Stoffwechselstörungen. Weltweit sind etwa 50 Millionen Menschen von Epilepsie betroffen, wobei ein Großteil der Fälle in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auftritt. Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Neben konventionellen Therapieansätzen wie Medikamenten, Chirurgie und speziellen Diäten rücken auch alternative und ergänzende Behandlungsformen in den Fokus, darunter die Verwendung von Aminosäurenpräparaten.
Epilepsie: Eine Definition und ihre vielfältigen Ursachen
Epilepsie ist definiert durch das wiederholte Auftreten von unprovozierten epileptischen Anfällen. Symptomkonstellationen, die ein hohes Anfallsrisiko bedingen, erlauben die Diagnosestellung bereits nach einem Anfall. Die Ursachen der Epilepsie können vielfältig sein:
- Genetische Faktoren: Eine große Anzahl genetisch bedingter monogener Erkrankungen ist mit einer symptomatischen Epilepsie assoziiert. Die Familienanamnese ist jedoch meist unauffällig.
- Strukturelle Ursachen: Hirntumore, Hirninfarkte, Kontusionsdefekte, vaskuläre Malformationen oder eine Hippocampussklerose können epileptische Anfälle verursachen.
- Infektiöse Ursachen: Infektionen wie Neurozystizerkose, Tuberkulose oder HIV können ebenfalls Epilepsie auslösen.
- Metabolische Ursachen: Stoffwechselstörungen, wie Störungen des Aminosäurestoffwechsels, können epileptische Anfälle als Kernsymptomatik aufweisen.
- Immunologische Ursachen: Autoimmun vermittelte Entzündungen des ZNS können zu einer immunologischen Epilepsie führen.
Formen epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle können sich in verschiedenen Formen manifestieren, je nachdem, welche Bereiche des Gehirns betroffen sind. Grundsätzlich werden die Anfälle in fokale und generalisierte Formen unterteilt.
- Fokale Anfälle: Diese Anfälle betreffen nur einen Teil des Gehirns und können mit oder ohne Bewusstseinseinschränkung einhergehen. Die Symptomatik der Anfälle hängt von ihrem Entstehungsort und ihrer Ausbreitungsregion ab.
- Generalisierte Anfälle: Bei einem generalisierten Anfall ist die gesamte Gehirnrinde betroffen. Generalisierte Anfälle können mit oder ohne Muskelzuckungen einhergehen. Die Patienten sind in der Regel deutlich bewusstseinsgetrübt oder bewusstlos.
Ein bekanntes Beispiel für einen generalisierten Anfall ist der Tonic-Clonic-Anfall, der aus zwei Phasen besteht: einer tonischen Phase, in der sich der Körper versteift, gefolgt von einer klonischen Phase, in der der Körper zu zucken beginnt.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie basiert auf der Anamnese des Patienten, der Beschreibung der Anfälle und verschiedenen diagnostischen Verfahren. Zu den wichtigsten Diagnoseinstrumenten gehören:
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- Elektroenzephalogramm (EEG): Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann helfen, epileptiforme Entladungen zu identifizieren.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT-Untersuchung des Gehirns kann strukturelle Anomalien im Gehirn identifizieren, die möglicherweise epileptische Anfälle verursachen.
Konventionelle Behandlungsmethoden bei Epilepsie
Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die wichtigsten Behandlungsmethoden sind:
- Antiepileptika: Diese Medikamente sind die erste Wahl zur Kontrolle von epileptischen Anfällen. Etwa zwei Drittel der Patienten mit Epilepsie können ihre Anfälle durch Antiepileptika erfolgreich kontrollieren.
- Vagusnervstimulation: Hierbei wird ein elektrischer Impulsgeber unter die Haut implantiert, der elektrische Signale an den Vagusnerv sendet.
- Ketogene Diät: Die ketogene Diät, eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährungsweise, kann bei einigen Patienten, insbesondere bei Kindern, zur Kontrolle von Anfällen beitragen.
- Chirurgische Eingriffe: Bei manchen Patienten kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, um den epileptogenen Fokus im Gehirn zu entfernen.
Aminosäuren und ihre Rolle bei Epilepsie
Aminosäuren sind die Bausteine von Proteinen und spielen eine wichtige Rolle im menschlichen Körper. Einige Aminosäuren erfüllen auch spezifische Funktionen im Gehirn. So wirken beispielsweise die exzitatorischen Aminosäuren Glutamat und Aspartat erregend, während die Gamma-Aminobuttersäure (GABA) dämpfend wirkt. Ein minutiös austariertes Gleichgewicht dieser Neurotransmitter ist für die normale Funktion der Nervenzellen essenziell.
Bei Epilepsie liegt oft ein Ungleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden Neurotransmittern vor. Eine neuronale Übererregung (Hyperexzitabilität) einzelner Nervenzellen, Fehlkoordinationen von Erregung und Hemmung neuronaler Zellverbände, veränderte Zellmembraneigenschaften und eine fehlerhafte Erregungsübertragung synaptischer Netzwerke können zu einer abnormen exzessiven neuronalen Entladung führen. Die Aminosäuren Glutamat und Aspartat als erregende Neurotransmitter sowie Gamma-Aminobuttersäure (GABA) als hemmende Signalsubstanz spielen dabei eine entscheidende Rolle. Zudem können Neurotransmitter-Synthesestörungen und ein gesteigerter Abbau oder eine Rezeptor-Blockade von GABA-Rezeptoren anfallsauslösend wirken.
Aminosäurenpräparate als Therapieansatz bei Epilepsie
Aufgrund der Bedeutung von Aminosäuren für die Funktion des Gehirns und der Rolle von Neurotransmitter-Ungleichgewichten bei Epilepsie, werden Aminosäurenpräparate als potenzieller Therapieansatz untersucht. Die Idee dahinter ist, durch die gezielte Zufuhr bestimmter Aminosäuren das Gleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn wiederherzustellen und so die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
Es gibt verschiedene Aminosäurenpräparate, die bei Epilepsie eingesetzt werden. Einige Beispiele sind:
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- AMINOKRAFT: Ein Aminosäurenkomplex, der 8 essenzielle Aminosäuren in reiner Form liefert. Die enthaltenen Aminosäuren können vom Körper nahezu vollständig aufgenommen werden, ohne sie erst aufspalten oder umwandeln zu müssen.
- Aminovil-P: Ein Präparat mit dem dominierenden Inhalt von ß-Alanin, das die mikroglialen Reserven von GABA zugunsten der Neuronenreserve umordnet und die Mytochondrialenergie durch CoA aktiviert.
- Aminocomposit-P: Ein Gemisch, das mit den Aminosäuren Leuzin und Isoleuzin, welche eine verzweigte Kette haben, angereichert ist. Aminocomposit erzeugt einen monoaminogenen Effekt in der D1-Rezeption und verursacht die Aktivierung der D2-Rezeptoren.
- Sevit: Ein Komplex der Antioxydationsmittel des mit Skvalen angereicherten Olivenöls, der die NMDA-Rezeption von Glutamat bremst und die CA++-Kanäle der GABA-Rezeptoren hemmt.
Erfahrungen mit Aminosäurenpräparaten bei Epilepsie
Es gibt Berichte über positive Erfahrungen mit Aminosäurenpräparaten bei der Behandlung von Epilepsie. So wird beispielsweise von einer Studie berichtet, in der die Verordnung von Aminosäurengemischen (ASG) für erwachsene Patienten mit häufigen primär generalisierten Krampfanfällen und partiellen Krampfanfällen mit sekundärer Generalisierung eine ausgeprägte therapeutische Wirkung zeigte. Die Häufigkeit der Anfälle konnte in der Gruppe mit den primär generalisierten Krampfanfällen um 60% und in der Gruppe mit den partiellen Paroxysmen mit der sekundären Generalisierung um 75% gesenkt werden. ASG änderten auch die Struktur und den Cluster-Mechanismus der seriellen Anfälle, indem sie die Häufigkeit und die „Stärke“ der Serien in jedem zweiten Fall senkten und jeden einzelnen Anfall um 100% verkürzten. ASG haben die Stadien des „Gefühlsausbruches“ nach dem Anfall erleichtert oder beseitigt, die intellektuelle Retardation nivelliert und die emotionelle Labilität bei allen Patienten gemildert.
Auch bei Kindern mit Epilepsie gibt es Berichte über positive Effekte von Aminosäurenpräparaten. So wird von einem Kleinkind mit West-Syndrom berichtet, das auf die Einnahme von Aminosäuren positiv reagierte. Die Anzahl der Anfälle konnte deutlich reduziert werden, und das Kind kehrte sozusagen in das Leben zurück.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Aminosäurenpräparaten
Bei der Einnahme von Aminosäurenpräparaten sollten einige wichtige Hinweise beachtet werden:
- Einnahme: Aminosäurenpräparate sollten gemäß den Anweisungen des Herstellers oder Arztes eingenommen werden. AMINOKRAFT beispielsweise wird dreimal täglich je 2 Presslinge mit ausreichend Wasser nach einer Mahlzeit eingenommen. Die Einnahme ist tageszeitunabhängig.
- Nahrungsergänzungsmittel: Aminosäurenpräparate sind Nahrungsergänzungsmittel und dürfen nicht als Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise verwendet werden.
- Wechselwirkungen: Die Einnahme in Kombination mit Medikamenten oder mit Vorerkrankungen sollte mit einem Arzt oder Heilpraktiker besprochen werden.
- Allergene und Zusätze: AMINOKRAFT beinhaltet beispielsweise keine Gluten- oder Maisrückstände und es werden keine unerwünschten Zusatzstoffe verwendet.
- Lagerung: Aminosäurenpräparate sollten geschlossen, kühl, trocken, lichtgeschützt und außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern gelagert werden.
Weitere wichtige Aspekte bei Epilepsie
Neben der medikamentösen Behandlung und der Einnahme von Aminosäurenpräparaten gibt es weitere wichtige Aspekte, die bei Epilepsie berücksichtigt werden sollten:
- Schlaf: Ein ausreichender und regelmäßiger Schlaf ist wichtig, da Schlafmangel Anfälle begünstigen kann.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, das allgemeine Wohlbefinden zu fördern und möglicherweise das Risiko von Anfällen zu verringern. In einigen Fällen kann die Umstellung auf eine ketogene oder modifizierte Atkins-Diät von Nutzen sein.
- Sicherheitsmaßnahmen: Treffen Sie Vorkehrungen, um sich und andere während eines Anfalls zu schützen.
Forschung und Ausblick
Die Forschung auf dem Gebiet der Epilepsie konzentriert sich auf die Identifizierung neuer Therapieansätze und die Verbesserung bestehender Behandlungsmethoden. Es gibt Studien, die die Wirksamkeit von Cannabidiol als Zusatztherapie bei Patienten mit Lennox-Gastaut-Syndrom untersuchen, sowie Meta-Analysen von genomweiten Assoziationsstudien, die genetische Faktoren untersuchen, die bei der Entstehung von häufigen Epilepsieformen eine Rolle spielen. Auch die Wirksamkeit und Sicherheit von Cenobamat, einem neuartigen Medikament, als Zusatztherapie bei Patienten mit fokalen Anfällen, die nicht ausreichend auf andere Medikamente ansprechen, wird untersucht.
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Es bleibt zu hoffen, dass die Forschung in Zukunft weitere Erkenntnisse über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Epilepsie liefern wird und dass neue Therapieansätze entwickelt werden können, die den Betroffenen helfen, ein möglichst beschwerdefreies Leben zu führen.
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