Die Epilepsie, eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist, wird in der Schulmedizin primär mit Medikamenten behandelt. Doch wie wird Epilepsie in anderen Kulturen und von alternativen Heilmethoden betrachtet? Dieser Artikel beleuchtet die schamanische Sichtweise auf Epilepsie, wobei die Informationen des Nutzers maximal genutzt werden.
Die wissenschaftliche Perspektive: Hirnwellen und ihre Bedeutung
Vor etwa 100 Jahren wurden die Gehirnwellen entdeckt, die im Elektroenzephalogramm (EEG) sichtbar gemacht werden können. Das Gehirn erzeugt Schwingungen unterschiedlicher Frequenz, die mit verschiedenen Funktionen und Bewusstseinszuständen assoziiert sind. Diese Erkenntnis hat die Frage aufgeworfen, ob die Beeinflussung von Hirnwellen bei der Behandlung von Krankheiten helfen kann.
In der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Eppendorf wird die Elektrokrampftherapie (EKT) angewendet, eine Methode der Hirnstimulation, die bereits in den 1930er-Jahren zur Behandlung von Depressionen und Schizophrenie eingesetzt wurde. Obwohl die EKT aufgrund ihrer Darstellung im Film "Einer flog über das Kuckucksnest" einen schlechten Ruf hat, erzielt sie bei vielen Patienten, die auf Medikamente nicht ansprechen, einen antidepressiven Effekt. Eine verbesserte Verbindung und Kommunikation zwischen den Hirnarealen spielt dabei eine wichtige Rolle.
Die Hirnwellen, die bei der EKT beeinflusst werden, entstehen durch die synchrone Aktivität von Nervenzellen. Der Neurologe und Psychiater Hans Berger entdeckte, dass es verschiedene Arten von Hirnwellen gibt, die mit unterschiedlichen Bewusstseinszuständen korrelieren.
- Delta-Wellen (1-3 Hertz) sind im Tiefschlaf präsent.
- Theta-Wellen (4-7 Hertz) treten in müden oder tranceartigen Zuständen auf.
- Alpha-Wellen (8-12 Hertz) sind mit Entspannung verbunden.
- Beta-Wellen (über 12 Hertz) dominieren bei Planung und Aktivität.
Ilka Diester und ihr Team von der Albert-Ludwigs-Universität konnten zeigen, dass Beta-Wellen bei der Planung von Bewegungen eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Ausführung der Bewegung unterdrücken, bis der Plan festgelegt ist.
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Hirnwellen lassen sich beeinflussen, um neurologische Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie, Alzheimer und Parkinson positiv zu beeinflussen. Die tiefe Hirnstimulation, bei der eine Elektrode kontinuierlich einen Hochfrequenz-Stimulus abgibt, kann beispielsweise die Symptome von Parkinson lindern. Allerdings ist der genaue Mechanismus, wie die Hemmung der Beta-Frequenzen zustande kommt, noch nicht vollständig geklärt.
Dissoziation und Hirnwellen
Dissoziative Symptome, bei denen Menschen sich von ihrem Körper oder ihrer Umgebung entfremdet fühlen, können ebenfalls mit Hirnwellen in Verbindung stehen. Experimente mit Mäusen haben gezeigt, dass die Induktion eines langsamen Delta-Rhythmus im Gehirn dissoziationsähnliche Verhaltensmuster auslösen kann.
Karl Deisseroth und sein Team fanden heraus, dass bei einem Epilepsiepatienten mit dissoziativer Aura eine Welle mit dem Rhythmus von etwa drei Hertz im posteromedialen Kortex auftrat, als er dissoziierte. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass bestimmte Hirnwellenmuster mit dissoziativen Zuständen korrelieren können.
Ketamin, ein Medikament, das sowohl als Anästhetikum als auch als Droge verwendet wird, hat in der Forschung über psychische Erkrankungen großes Interesse geweckt. Es wirkt an verschiedenen Stellen im Gehirn und kann antidepressive Effekte haben, indem es die Bursts von Hirnwellen in bestimmten Zellarealen reduziert.
Die Bedeutung von Bursts und Sinnesinformationen
Bursts, kurze Ausbrüche von Hirnwellen, könnten in der Forschung eine größere Bedeutung haben als die Oszillationen selbst. Ein Versuch mit Laborratten zeigte, dass sie mit der Wahrnehmungsfähigkeit zusammenhängen. Sinnesinformationen werden über zwei unterschiedliche Nachrichtenkanäle verarbeitet: Bottom-up (Gamma-Frequenz) und Top-down (Beta-Frequenz).
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Halluzinationen und die Rolle der EKT
Menschen mit Halluzinationen und Stimmenhören erleben eine verzerrte Realität, in der Stimmen in Lichtgeschwindigkeit präsent sind. Die EKT-Behandlung kann bei einigen Patienten zu Vergesslichkeit führen, zeigt aber bislang in Studien keine Hirnschädigungen.
Transkranielle Magnetstimulation (rTMS)
Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ist eine sanftere Methode zur Hirnstimulation, bei der mit Magnetfeldern die äußeren Gehirnschichten stimuliert werden. Sie kann bei Depressionen helfen, wenn Medikamente nicht wirken. Der genaue Mechanismus ist auch hier nicht vollständig verstanden.
Die Ursachen für Oszillationen und psychische Erkrankungen sind komplex und liegen meist weit über das Neuronale hinaus. Körper, Geist, Seele und Umwelt spielen eine wichtige Rolle.
Nicht-psychotische psychische Störungen im Unterschied zur Kundalini Erfahrung
Es gibt einige nicht-psychotische psychische Besonderheiten, die manchmal mit Kundalini Erfahrungen verwechselt werden können.
- Histrionische Persönlichkeit: Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung neigen zu theatralischem Verhalten und suchen nach Aufmerksamkeit. Sie können sich in etwas hineinsteigern, um mehr Beachtung zu erhalten.
- Zyklothymes Temperament: Menschen mit zyklothymem Temperament erleben wechselnde Phasen der Hochstimmung und depressiven Verstimmung. Sie erhoffen sich oft, die depressiven Phasen überwinden zu können, und praktizieren enthusiastisch Yoga, können aber anschließend "abstürzen".
Epilepsie im Kontext von Yoga und Spiritualität
Epileptische Anfälle sind ein Sonderfall, der mit Krämpfen und unkontrollierbaren Bewegungen verbunden sein kann. Sie sind leicht von Kundalini Erfahrungen zu unterscheiden, da sie nicht mit besonderen Energieerfahrungen einhergehen und die Betroffenen erschöpft zurücklassen. Epilepsie ist durch schulmedizinische Methoden diagnostizierbar und meist auch behandelbar.
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Yoga und Meditation können die Wahrscheinlichkeit eines epileptischen Anfalls reduzieren. Epileptiker können grundsätzlich normales Yoga üben, sollten aber auf Schnellatmung und Lichtkonzentrationen verzichten.
Im ganzheitlichen Yoga spielt körperliche und geistige Gesundheit eine große Rolle. Yoga soll den Menschen helfen, körperlich und geistig gesund zu werden. Wenn die Yoga-Techniken allein nicht ausreichen, sollte der Übende auf andere Hilfen wie Schulmedizin, Psychotherapie, Psychiatrie oder Ayurveda zurückgreifen.
Verrückte Heilige - Heilige Narren
Es gibt auch die Tradition von "verrückten Heiligen" oder "Heiligen Narren", Menschen, die Konventionen sprengten und irgendwann die Selbstverwirklichung erreichten. Letztlich muss man weder körperlich noch psychisch gesund sein, um die Selbstverwirklichung zu erreichen.
Dämonen und Besessenheit im Neuen Testament
Das Neue Testament (NT) spricht von (bösen) Geistern und Dämonen, die vor allem in den Evangelien im Zusammenhang mit Besessenheit erwähnt werden. Dämonenbeschwörungen (Exorzismen) werden im NT nur in Form von Dämonen- oder Geisteraustreibungen aus Besessenen überliefert.
Die synoptischen Evangelien berichten von Dämonenaustreibungen Jesu, die sich von jüdischen und hellenistischen Austreibungen unterschieden. Jesus verstand seine Exorzismen als Erweis des anbrechenden Reiches Gottes und als Zeichen dafür, dass Gott die Macht der Dämonen gebrochen hat.
Die Ubiquität des Dämonenglaubens und mögliche Erklärungen
Der Dämonenglaube ist ein ubiquitäres Phänomen, das sich nicht nur in der Antike, sondern auch heute noch findet. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und reichen von Kontingenzerfahrungen bis hin zu neurologisch oder psychiatrisch beschreibbaren Krankheiten.
Proximate Erklärungen sehen die Ursache des Dämonenglaubens in Kontingenzerfahrungen, während ultimate Erklärungen den Ursprung in den evolutionären Umständen suchen, unter denen er sich entwickelt hat.
Verschiedene Forscher haben unterschiedliche Thesen zur Erklärung des Dämonenglaubens aufgestellt:
- Crossan und Hollenbach sehen die Dämonenbesessenheit im antiken Palästina als eine Art Protest gegen die römische Besetzung des Landes.
- Strecker entwirft ein performancetheoretisches Modell, wonach ein Besessener öffentlich ein Rollenmuster aktiviert, das den anderen Besessenheit anzeigt.
- Alkier interpretiert Dämonenglaube und Exorzismen im Rahmen seiner semiotischen Wunderexegese.
- Guthrie schlägt in seiner "New Theory of Religion" vor, dass Dämonen- (und Götter-) Glaube auf einer Fehlinterpretation von unklaren Reizen beruht.
Das individuelle Erleben von Anfällen
Das ganz individuelle Erleben von Anfällen und die durchaus bildhaften Vorstellungen, die sich Menschen mit Epilepsie von ihrer Krankheit machen, sind von großer Bedeutung. Eine junge Frau beschreibt, wie die Epilepsie sie beeinflusst, was sie bei sich selbst als Auslöser für ihre Anfälle erlebt und wie sie dem begegnen möchte.
Sie vergleicht den epileptischen Anfall mit einem Erdbeben, das aus Sicht des Körpers notwendig ist, um Spannungen abzubauen. Sie hat festgestellt, dass sie im Stress vermehrt Anfälle hat, in Situationen, die sie unter Druck setzen. Sie ist auf das wichtige Ziel fixiert, arbeitet im Zeitmangel hart daran und unterdrückt dafür ihre Wünsche und Bedürfnisse.
Sie folgert daraus, dass sie versuchen sollte, Stress zu vermeiden, um die Anfallswahrscheinlichkeit zu verringern. Bevor sich ihr Körper die Pause erzwingen muss, sollte sie sie freiwillig einlegen. Um zu verhindern, dass sich derartige Spannungen aufbauen, muss sie den Tendenzen, dem kleinen Drang nachgeben, bevor es ein größer wird. Vor allem Entspannung spielt eine wichtige Rolle.
Schamanische Heilung und persönliche Verantwortung
Yasmin C. Rams, eine Dokumentarfilm-Regisseurin, die seit ihrer Kindheit an Epilepsie leidet, begibt sich auf die Suche nach einem alternativen Umgang mit der Krankheit. Sie findet Inspiration bei ihrer Freundin Hillary, die seit zehn Jahren ohne Medikamente symptomfrei von Multipler Sklerose lebt.
Sie reist um die Welt und trifft Menschen, die ihre Krankheiten mit alternativen Methoden erfolgreich behandeln. Schließlich begibt sie sich in die Hände eines Hypnosetherapeuten und reist nach Südamerika, um einen Ayahuasca-Schamanen aufzusuchen.
Am Ende des Films ist die Krankheit nicht weg, doch geht es der Regisseurin deutlich besser - mit deutlich weniger Medikamenten. Sie habe ein tiefes Vertrauen in ihren Körper gewonnen und gelernt, Verantwortung für ihren Körper zu übernehmen und auf ihn zu hören.
Schamanismus im peruanischen Dschungel
Christopher Denz aus Backnang litt elf Jahre lang unter Epilepsie und musste täglich Medikamente nehmen. Eines Tages entschloss er sich, in den peruanischen Dschungel zu gehen und sich einem Schamanen anzuvertrauen. Seitdem hatte er keinen Anfall mehr.
Er nahm an einer sechswöchigen Zeremonie im peruanischen Urwald teil, begleitet von einer strengen Diät. Nach der Zeremonie sagte ihm der Schamane, dass er keine Tabletten mehr brauche. Christopher vertraute dem Schamanen und hatte seitdem keinen Anfall mehr.
Er blieb in Peru, lernte die Nichte des Schamanen kennen und gründete eine Familie. Er verdient seinen Lebensunterhalt mit einem Onlineshop, der Kunsthandwerk und Pflanzenextrakte aus dem Regenwald nach Deutschland exportiert.
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