Der Basset Hound, bekannt für seinen sanften Blick und sein gemütliches Wesen, ist ein beliebter Familienbegleiter. Ursprünglich für die Jagd gezüchtet, bringt sein besonderes Aussehen jedoch auch gesundheitliche Herausforderungen mit sich, darunter auch neurologische Erkrankungen wie Epilepsie. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Epilepsie bei Hunden, insbesondere beim Basset Hound, einschließlich Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Der Basset Hound: Ein Überblick
Der Basset Hound stammt aus Frankreich, wo er im Mittelalter für die Jagd auf Niederwild eingesetzt wurde. Seine kurzen, kräftigen Beine und seine ausgezeichnete Spürnase machten ihn zu einem idealen Laufhund, der Fährten langsam, aber ausdauernd verfolgt. Im 19. Jahrhundert gelangte er nach England, wo er schnell an Popularität gewann und im Kennel Club registriert wurde.
Sein unverwechselbares Aussehen mit den tief angesetzten Ohren, dem sanften Blick und dem kompakten, kräftigen Körperbau fasziniert seit Jahrhunderten. Der Basset Hound ist ein anhänglicher Begleiter, der die Nähe seiner Bezugspersonen genießt und sich in einer vertrauten Umgebung wohlfühlt. Er kommt sowohl in der Stadt als auch auf dem Land zurecht, solange er ausreichend Auslauf und geistige Anregung erhält.
Der Basset Hound ist intelligent, aber eigenwillig, und seine Erziehung erfordert Geduld und Konsequenz. Sein ausgeprägter Jagdtrieb und seine Sturheit können die Erziehung erschweren, weshalb klare Regeln von Anfang an wichtig sind. Spielerische Erziehungseinheiten und regelmäßige Beschäftigung, die seinem Bewegungsdrang und Jagdtrieb gerecht werden, sind ideal. Schnüffelspiele und Dummytraining sind gute Möglichkeiten, seinen Spürsinn zu trainieren und seinen Jagdtrieb in kontrollierte Bahnen zu lenken.
Neurologische Erkrankungen beim Basset Hound
Neben seinem charmanten Äußeren ist der Basset Hound leider auch anfällig für bestimmte neurologische Erkrankungen. Dazu gehören:
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- Globoidzell-Leukodystrophie (Morbus Krabbe): Eine genetisch bedingte Störung des zentralen Nervensystems, die durch einen Mangel an einem Enzym verursacht wird, das für den Abbau von Myelin verantwortlich ist. Dies führt zu fortschreitenden Schäden an den Nervenzellen mit Symptomen wie Muskelzittern, Bewegungsstörungen und Lähmungen.
- Lafora-Krankheit: Eine Form der Myoklonusepilepsie, die durch einen Gendefekt im Glykogenmetabolismus verursacht wird. Dies führt zur Ansammlung von Lafora-Körperchen in den Nervenzellen, was zu Muskelzuckungen (Myoklonien), Blindheit und epileptischen Anfällen führen kann.
- Epilepsie: Tritt bei Basset Hounds auch unabhängig von der Lafora-Krankheit auf und kann verschiedene Ursachen haben.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems bei Hunden und Katzen. Sie tritt bei etwa einem Prozent der Hunde und zwei bis drei Prozent der Katzen auf, wobei bestimmte Rassen ein höheres Risiko haben.
Epilepsie ist eine unkontrollierte elektrische Entladung, die einzelne Teile des Gehirns oder das gesamte Gehirn erfasst. Man kann sich das Gehirn als ein Bündel von extrem dünnen und schlecht isolierten Stromkabeln vorstellen, in dem es ständig zu Kurzschlüssen kommt. Bei Epilepsie führen diese Kurzschlüsse zu Anfällen.
Je nachdem, ob nur einzelne Gehirnregionen oder das ganze Gehirn betroffen sind, unterscheidet man zwischen fokalen und generalisierten Anfällen. Generalisierte Anfälle sind häufiger, wobei das Tier die Stehfähigkeit verliert, auf der Seite liegt, die Beine rudern oder abwechselnd beugt und streckt (tonisch-klonischer Anfall). Allgemeine Zittern und Kieferschlagen mit Schaumbildung, Harn- und Kotabsatz sowie Lautäußerungen sind ebenfalls möglich.
Fokale Anfälle können sich durch seltsames Verhalten äußern, das nicht immer mit Epilepsie in Verbindung gebracht wird.
Anfallsstadien
Ein Krampfanfall kann in verschiedene Stadien unterteilt werden:
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- Prodromalstadium: Kann Minuten bis Tage dauern und ist durch Verhaltensabweichungen wie Unruhe, Angst oder Aggressivität gekennzeichnet.
- Aura: Dauert nur wenige Sekunden und ist durch erweiterte Pupillen, Erbrechen und beginnende Bewegungsstörungen gekennzeichnet.
- Iktus: Der eigentliche Anfall, der einige Sekunden bis fünf Minuten dauert.
- Postiktale Phase: Erholungsphase nach dem Anfall, in der das Tier erschöpft, desorientiert und möglicherweise heißhungrig ist.
Cluster und Status epilepticus
Treten zwei oder mehr Krampfanfälle innerhalb von 24 Stunden auf, spricht man von einem Cluster. Ein Status epilepticus liegt vor, wenn ein Krampfanfall länger als fünf Minuten anhält oder Cluster-Anfälle so schnell aufeinander folgen, dass der Patient zwischen den Anfällen nicht mehr das volle Bewusstsein erlangt. Cluster und Status epilepticus sind Notfälle und erfordern sofortige tierärztliche Hilfe.
Ursachen von Krampfanfällen
Krampfanfälle sind nicht immer epileptische Anfälle. Wenn die Ursache innerhalb des zentralen Nervensystems liegt, unterscheidet man zwischen:
- Symptomatische oder sekundäre Epilepsie: Hier ist eine strukturelle Erkrankung des Gehirns oder eine Hirnstoffwechselerkrankung die Ursache (z.B. Verletzungen, Tumore, Entzündungen, angeborene Anomalien oder Infarkte).
- Idiopathische Epilepsie: Wenn keine Ursache für wiederholte Krampfanfälle gefunden werden kann, spricht man von idiopathischer Epilepsie.
Bei Hunden ist die idiopathische Epilepsie häufiger als die symptomatische, insbesondere bei jungen Hunden unter fünf Jahren. Bei Katzen ist die symptomatische Epilepsie häufiger, wobei FIP (Feline infektiöse Peritonitis) eine häufige Ursache ist. Weitere Ursachen bei Katzen sind Hirntumore, Schädel-Hirn-Traumata und die feline Hippocampus-Nekrose.
Genetische Prädisposition
Bei vielen Hunderassen besteht eine genetische Prädisposition für die idiopathische Epilepsie. Für einige Rassen sind die Vererbungswege bereits gut erforscht und es gibt Gentests.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose "idiopathische Epilepsie" ist eine Ausschlussdiagnose. Es gibt kein diagnostisches Kriterium, das eine Epilepsie zweifelsfrei beweisen kann. Daher müssen alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen werden.
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Der Diagnoseprozess umfasst in der Regel:
- Signalement: Alter, Rasse und Geschlecht des Tieres.
- Anamnese: Familiengeschichte, frühere Schädel-/Hirnverletzungen oder -erkrankungen, Zeitpunkt und Umstände des ersten Anfalls, Auslöser, Dauer und Erscheinungen des Anfalls, Videoaufnahmen, chronische Erkrankungen, Dauermedikamente.
- Allgemeine und Eingehende Untersuchung: Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands.
- Neurologische Untersuchung: Sollte bei idiopathischer Epilepsie zwischen den Anfällen unauffällig sein.
- Labordiagnostik: Umfassende Blutuntersuchung inklusive Schilddrüsenwerte, Harnuntersuchung bei toxikologischen Verdachtsmomenten.
- Bildgebende Verfahren: Röntgen und/oder Sonographie der Brust- und Bauchorgane, MRT des Gehirns (insbesondere bei Katzen).
- Liquoruntersuchung: Entnahme und Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit.
Ein Elektroenzephalogramm (EEG) spielt bei Krampfanfalls-Leiden beim Menschen eine wichtige Rolle, wird aber in der Tiermedizin seltener eingesetzt.
Therapie von Epilepsie
Ziel der Therapie ist es, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle so weit wie möglich zu reduzieren und gleichzeitig die Lebensqualität von Patient und Besitzer zu erhalten. Als Erfolg der Behandlung gilt Anfallsfreiheit oder eine Senkung der Anfallshäufigkeit um mehr als die Hälfte.
Therapiebeginn
Die Entscheidung, wann mit der Therapie begonnen werden sollte, wird heutzutage strenger gesehen als noch vor zehn Jahren. Da jeder Anfall als Wegbereiter des nächsten fungiert, wird aktuell eher früher als später in die Therapie eingestiegen, in der Regel bei zwei oder mehr Anfällen pro Halbjahr. Bei Cluster-Anfällen bzw. einem Status epilepticus muss sofort eingeschritten werden.
Der Tierbesitzer sollte vom ersten Anfall an ein Anfallstagebuch führen, in das Datum, Zeit, Anfallsdauer und weitere Beobachtungen eingetragen werden.
Medikamentöse Therapie
Für die Behandlung der Epilepsie beim Hund sind in Deutschland drei Wirkstoffe zugelassen: Imepitoin, Phenobarbital und Kaliumbromid. Speziell für die Katze ist kein Wirkstoff zugelassen, was grundsätzlich eine Umwidmung erforderlich macht.
Am Anfang steht immer der Versuch, mit einem einzelnen Wirkstoff das gewünschte Ziel zu erreichen, also die Monotherapie. Dafür eignen sich sowohl Phenobarbital als auch Imepitoin.
- Imepitoin: Ein neu entwickeltes Antiepileptikum für Hunde, das dem Phenobarbital in einigen Punkten überlegen ist. Es baut bereits nach zwei bis drei Tagen wirksame Plasmaspiegel auf, hat weniger und seltener auftretende Nebenwirkungen und ist in seiner antiepileptischen Wirksamkeit mit Phenobarbital vergleichbar.
- Phenobarbital: Eines der ältesten Antiepileptika, das nach wie vor häufig verschrieben wird. Es wird ebenfalls erst mal als Monotherapie eingesetzt. Im Gegensatz zum Imepitoin sollte beim Phenobarbital der Wirkstoffspiegel im Blut regelmäßig gemessen werden.
- Kaliumbromid: Ein sehr altes, aber immer noch aktuelles Antiepileptikum, das in der Regel als Add-On zum Phenobarbital eingesetzt wird. Es ist eine Alternative für Patienten, die wegen einer vorbestehenden Lebererkrankung weder mit Imepitoin noch mit Phenobarbital behandelt werden können.
Weitere Maßnahmen
Neben der medikamentösen Therapie können folgende Maßnahmen helfen, Anfälle zu verhindern:
- Vermeidung von leuchtenden/blinkenden Lichtquellen
- Vermeidung von chemischen Reizstoffen (z.B. Geruch von Kloreinigern, Parfüm etc.)
- Vermeidung von Toxinen/Giften wie Zigarettenqualm, Autoabgasen, Chemikalien im Haushalt, Flohsprays und Halsbändern, Möbelreinigern und Frischtluftsprays, Parfüms (auch Badezusätze)
- Keine Haarsprays verwenden, wenn der Hund anwesend ist, direkt danach gründlich lüften
- Körperliche Bewegung/Spaziergänge bei kaltem Wetter
Ernährung
Eine ketogene Diät (fettreich, kohlenhydratarm) kann Hunde mit Epilepsie unterstützen. Es sollten hochwertige Öle als Fettlieferant eingesetzt und die Ernährung getreidefrei sein. Kalzium- und magnesiumreiche Produkte sind ebenfalls empfehlenswert.
Weitere Erkrankungen beim Basset Hound
Neben Epilepsie gibt es weitere Erkrankungen, die beim Basset Hound auftreten können:
- Augenerkrankungen: Ektropium, Glaukom, Atopie, Hefepilzinfektionen
- Thrombopathie: Angeborene Blutgerinnungsstörung
- Magendilatation und -drehung: Potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, bei der sich der Magen um seine Achse dreht
- Cystinsteine: Stoffwechselproblem, das zu Schmerzen beim Wasserlassen, blutigem Urin und Harnwegsinfektionen führen kann
- Zervikale Spondylomyelopathie (Wobbler-Syndrom): Instabilität oder Verengung des Rückenmarkkanals in der Halswirbelsäule
- Angeborene temporomandibuläre Luxation: Fehlentwicklung des Kiefergelenks
- Severe Combined Immunodeficiency (SCID): Genetische Störung, die durch ein Versagen der Immunität gekennzeichnet ist
Prävention und Zucht
Um das Risiko von Erbkrankheiten zu minimieren, ist es wichtig, einen seriösen Züchter zu wählen, der rassetypische Erkrankungen kennt und von der Zucht ausschließt. Extreme Merkmale sollten vermieden werden, da kleinere Ohren, weniger hängende Augenlider und längere Beine der Hundegesundheit zuträglich wären.