Die Epilepsie-Beratungsstelle Bethel bietet ein breites Spektrum an Unterstützung und Informationen für Menschen mit Epilepsie, deren Familien und Interessierte. Als Teil des Epilepsie-Zentrums Bethel, das zu den führenden Einrichtungen in Deutschland gehört, profitiert die Beratungsstelle von der langjährigen Erfahrung und dem umfassenden Fachwissen des Zentrums.
Das Epilepsie-Zentrum Bethel: Ein Überblick
Die Epilepsiekliniken im Epilepsie-Zentrum Bethel zählen zu den ersten Adressen, wenn es um Diagnostik, Therapie und Beratung von Menschen mit Anfallserkrankungen geht. Das Behandlungsspektrum für Kinder und Erwachsene reicht von der differenzierten medikamentösen Therapie über Psycho- und Verhaltenstherapie bis hin zur operativen Behandlung (Epilepsie-Chirurgie). Ein interdisziplinäres Team aus Medizinern, Psychologen, Sozialarbeitern, Sport- und Ergotherapeuten, Heilpädagogen, Lehrern und Seelsorgern steht Betroffenen und ihren Angehörigen zur Seite.
Die Fachlichkeit im Epilepsie-Zentrum Bethel ist geprägt von einem ganzheitlichen Ansatz. Nicht nur die Diagnostik und Behandlung der Anfälle und Epilepsien stehen im Blickpunkt, sondern die betroffenen Menschen werden in ihren individuellen Lebensbezügen gesehen und unterstützt.
Das Krankenhaus Mara, das ebenfalls zum Epilepsie-Zentrum Bethel gehört, versorgt seit 1932 Patientinnen und Patienten mit Epilepsie und anderen Anfallsleiden. Die Klinik greift neue Entwicklungen auf oder begründet selbst neue Therapieansätze. Beispiele sind die Epilepsiechirurgie, die 1991 eingeführt wurde, und die Epilepsie-Rehabilitation, für die die erste Klinik 1997 hier eröffnet wurde.
Angebote der Epilepsie-Beratungsstelle Bethel
Die Epilepsie-Beratungsstelle Bethel bietet Informationen und Unterstützung zu einer Vielzahl von Themen, darunter:
Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?
- Ursachen von Anfällen: Habe ich überhaupt eine Epilepsie - welche Ursachen haben meine Anfälle?
- Verhalten nach einem ersten Anfall: Was muss ich nach einem ersten Anfall beachten?
- Langfristige Auswirkungen von Medikamenten: Welche langfristigen Auswirkungen haben die Medikamente? Können die Medikamente umgestellt und die Nebenwirkungen vermieden werden?
- Operative Behandlung: Ist eine operative Behandlung möglich?
- Nicht-medikamentöse Verfahren: Sind nicht-medikamentöse Verfahren (z.B. Anfallsunterbrechungstrainung und Psychotherapie) möglich?
- Schwangerschaft: Was muss ich in der Schwangerschaft beachten? Kann ich mein Kind trotz der Medikamente stillen?
- Beruf und Ausbildung: Welche Besonderheiten muss ich im Beruf oder bei der Ausbildung beachten? Kann ich den Führerschein machen?
- Auswirkungen auf den Lebensalltag: Welche Auswirkungen haben die Anfälle auf meinen Lebensalltag?
- Schulungsprogramme: Gibt es Schulungsprogramme, in denen ich mehr über Epilepsie und die Auswirkungen lernen kann?
- Epilepsiechirurgische Behandlung: Ist eine epilepsiechirurgische Behandlung möglich?
Rehabilitation im Epilepsie-Zentrum Bethel
Die Rehabilitationsklinik erweitert das Angebot um Maßnahmen der medizinischen und medizinisch-beruflichen Rehabilitation. Dabei können die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Universitätsklinik für Epileptologie genutzt werden.
Behandlungsschwerpunkte in der Rehabilitation sind:
- Krankheitsakzeptanz und -verarbeitung
- Ausbildung
- Beruf
- Mobilität
- Alltag
Frühzeitige Reha kann helfen, wie das Beispiel von Gregor Z. zeigt, der nach zwei großen Anfällen in drei Wochen durch eine Rehabilitation im Epilepsie-Zentrum Bethel anfallsfrei wurde. Aktuelle wissenschaftliche Daten zeigen, dass eine Rehabilitationsbehandlung frühzeitig nach der ersten Diagnose hilfreich ist.
Weitere Angebote im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB)
Das EvKB bietet neben der Epilepsiebehandlung ein breites Spektrum an medizinischen Leistungen. Menschen aus Bielefeld, die an akuten psychischen Erkrankungen leiden, finden hier kompetente Hilfe. Die Klinik deckt das Gesamtgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie ab und hält mit spezialisierten Abteilungen und Behandlungsansätzen maßgeschneiderte Angebote bereit.
Psychiatrische Institutsambulanz (PIA)
Dieses Angebot gilt ausschließlich für Patientinnen und Patienten, die bereits in der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) behandelt werden bzw. Sprechstunden für Menschen ab dem 65. Lebensjahr in Anspruch nehmen.
Psychotherapeutische Akutbehandlung für Traumatisierte
Die Klinik bietet eine psychotherapeutische Akutbehandlung für folgende Gruppen Betroffener an:
Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail
- Opfer einer Gewalttat (z.B. Angriff im Rahmen eines Überfalls, Amoklaufs, einer Schlägerei, eines sexuellen Übergriffs oder einer Vergewaltigung)
- Opfer von schweren Fällen von psychischer Gewalt, Stalking und Freiheitsberaubung
- Zeugen oder Hinterbliebene, die nach einem tätlichen Angriff psychische Schwierigkeiten haben
- Personen, die traumatisierende Erfahrungen am Arbeitsplatz gemacht haben (zu Lasten der Berufsgenossenschaft)
- Personen, die nach Einsatz als Ersthelferinnen und -helfer psychische Belastungen zeigen (zu Lasten der Unfallkasse)
- Personen, die andere schwere Lebenskatastrophen erleben mussten oder auf traumatisierende Weise einen Angehörigen verloren haben (in der Regel im Umfang von 3-5 Sitzungen zu Lasten der gesetzlichen oder privaten Krankenkasse)
Ziel der Akutbehandlung ist die Linderung der Beschwerden und im besten Fall die Rückgewinnung von Kontrolle und Sicherheitsgefühl. Der Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder depressiven Erkrankung soll vorgebeugt werden. Bei Bedarf wird zu weiteren Hilfen beraten.
Psychologische Angebote für Geflüchtete
Im Sommer 2016 wurde auf Initiative des Vorstands der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel das Angebot "Psychologische Angebote für Geflüchtete" geschaffen. Hier finden erwachsene Geflüchtete mit psychischen Belastungen oder Erkrankungen Hilfe und Unterstützung, insbesondere im laufenden Asylverfahren. Unterstützung finden geflüchtete Menschen mit allen Formen psychischer Erkrankungen, sowohl aus dem Bereich der Traumafolgen, als auch aus jedem anderen psychischen Störungsbereich. Je nach Notwendigkeit werden soziotherapeutische Maßnahmen eingeleitet, erforderliche Medikamente eindosiert oder psychotherapeutischen Interventionen bereitgestellt.
Integriertes Versorgungsprogramm Depression
Um depressiv Erkrankten möglichst rasch und intensiv Behandlung zu ermöglichen, wurde in Bielefeld ein Programm der Integrierten Versorgung zwischen Betriebskrankenkassen, Nervenärzten und Psychologischen Psychotherapeuten (vertreten durch medi-owl) und der Psychiatrischen Institutsambulanz der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) entwickelt. Ziel ist es, bei einer depressiven Erkrankung eine kurzfristig zu erreichende ambulante Intensivbehandlung für depressive Patienten im mittleren Lebensalter zur Verfügung zu stellen und damit Krankheits- und Ausfallzeiten zu verkürzen. Wenn der Verdacht besteht, dass eine depressive Erkrankung vorliegt, erfolgt zunächst ein sogenanntes Screening durch den Hausarzt, den behandelnden psychiatrischen Facharzt oder Psychotherapeuten oder durch die Psychiatrische Institutsambulanz.
Psychiatrische Aufnahme und Notfallambulanz (PNA)
Für Menschen in akuter psychischer Krise bietet die Psychiatrische Aufnahme und Notfallambulanz (PNA) kurzfristig engmaschige Einzelkontakte an. In enger Kooperation mit der Kriseninterventionsstation der Klinik werden Betroffene behandelt, Angehörige beraten und weitere Hilfen zur Krisenunterstützung vermittelt. Sofern die Krise ambulant nicht zu bewältigen ist, kann eine rasche stationäre Aufnahme erfolgen. Die PNA bietet auch eine Esketaminsprechstunde zur Indikationsstellung und Durchführung ambulanter Esketaminbehandlungen an. Esketamin wird bei Erwachsenen angewendet, um die Symptome einer Depression zu lindern.
Forensische Fachambulanz Bethel
In der Forensischen Fachambulanz Bethel werden einerseits Patienten aus dem Maßregelvollzug behandelt, deren stationäre Unterbringung vom Gericht zur Bewährung ausgesetzt oder erledigt wurde. Seit 2013 gibt es in Zusammenarbeit mit dem Justizministerium NRW in Bielefeld auch für bis zu 20 entlassene Strafgefangene die Möglichkeit einer entsprechenden Nachsorge. Das Hilfsangebot der PHNA ist für Menschen mit folgenden Voraussetzungen konzipiert:
Lesen Sie auch: Ein umfassender Leitfaden zur idiopathischen generalisierten Epilepsie
- Es liegt eine relevante psychische Störung vor.
- Der/die Betroffene ist Bielefelder/in.
- Der/die Betroffene hat Führungsaufsicht zu erwarten (in der Regel nach mehr als 2 Jahren Haft).
Das Konzept sieht vor, den Kontakt schon vor der Haftentlassung aufzubauen. Nach der Haftentlassung soll durch intensive aufsuchende Hilfe der Start in ein gesundes Leben ohne Straftaten unterstützt werden. Der Zeitraum der Nachsorge durch die PHNA beträgt in der Regel drei Jahre.
Sporttherapie
Der therapeutische Nutzen der Sporttherapie ist bei psychischen Erkrankungen gut nachgewiesen.
Weitere Epilepsie-Ambulanzen und -Zentren in Deutschland
Neben dem Epilepsie-Zentrum Bethel gibt es in Deutschland zahlreiche weitere Anlaufstellen für Menschen mit Epilepsie. Dazu gehören:
- Epilepsie-Ambulanzen: Es gibt 50 Epilepsie-Ambulanzen für Jugendliche und Erwachsene und 97 Epilepsie-Ambulanzen für Kinder und Jugendliche.
- Epilepsiezentren: Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) hat Kriterien zur Zertifizierung von Epilepsiezentren erstellt. Es gibt 57 zertifizierte Epilepsiezentren.
- Schwerpunktpraxen Epileptologie: Es gibt 58 Schwerpunktpraxen Epileptologie.
Eine Auswahl an Adressen und Kontaktdaten von Epilepsie-Ambulanzen, -Zentren und -Praxen in verschiedenen Städten finden Sie im Anhang.
Fazit
Die Epilepsie-Beratungsstelle Bethel und das gesamte Epilepsie-Zentrum Bethel bieten umfassende Unterstützung für Menschen mit Epilepsie und deren Angehörige. Durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen und die langjährige Erfahrung können Betroffene optimal versorgt und in ihrem Alltag unterstützt werden. Die zahlreichen weiteren Angebote des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) tragen zusätzlich zur ganzheitlichen Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen bei.
tags: #epilepsie #beratungsstelle #bethel