Das Gehirn ist ein komplexes Netzwerk von Nervenzellen, die ständig aktiv sind. Elektrische Ströme übertragen Informationen zwischen verschiedenen Hirnbereichen, um unterschiedliche Funktionen zu steuern. Nach der Ausführung einer Aktion wird der elektrische Befehl normalerweise unterbrochen oder zumindest eingedämmt. Epileptische Anfälle entstehen durch plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladungen in vielen Nervenzellen.
Ein einzelner Anfall bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass eine behandlungsbedürftige Epilepsie vorliegt. Der Begriff „Epilepsie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „ergriffen“ oder „überwältigt werden“, was den Zustand der entrückten Abwesenheit, des Starrens und der fehlenden Reaktion auf Ansprache beschreibt.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch Funktionsstörungen im Gehirn, bei denen eine kurzzeitige, vermehrte elektrische und chemische Entladung von Nervenzellen auftritt. Nervenzellen senden unkoordiniert und in schneller Folge Signale an die Muskeln des gesamten Körpers.
Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig und reichen von genetischen Veranlagungen bis hin zu erworbenen Hirnschäden. Die Diagnose und Behandlung von Epilepsie erfordert eine sorgfältige Abklärung der Ursachen und eine individuelle Therapieplanung.
Ursachen von Epilepsie
Ein epileptischer Anfall tritt auf, wenn das Gleichgewicht zwischen elektrischer Erregung und Eindämmung dieser Erregung im Gehirn gestört ist. Dieses Ungleichgewicht kann verschiedene Ursachen haben, die entweder im Gehirn selbst oder außerhalb des Gehirns liegen.
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Innere Ursachen
Innere Ursachen sind Erkrankungen anderer Organe, die zu Stoffwechselstörungen führen. Lebererkrankungen und Gefäßmissbildungen der Leber (portosystemischer Shunt) können zu einer Überflutung des Gehirns mit körpereigenen Giftstoffen (Ammoniak) führen, die normalerweise in der Leber abgebaut würden. Abweichungen im Blutspiegel von Elektrolyten wie Kalzium und Kalium, die bei Nieren-, Nebennieren- oder Nebenschilddrüsenerkrankungen auftreten, können ebenfalls Anfälle auslösen.
Äußere Ursachen
In der Umwelt unserer Haustiere gibt es viele Gifte, die die Nervenfunktion stören und Anfälle auslösen können. Dazu gehören Zahnpasta, Kaugummis, Frostschutzmittel und Pflanzenschutzmittel.
Veränderungen im Gehirn
Veränderungen in der Struktur des Gehirns und seiner funktionellen Komponenten können ebenfalls epileptische Anfälle verursachen. Je nach Alter des Betroffenen kommen unterschiedliche Hirnveränderungen in Frage. Bei jungen Tieren können Fehlbildungen des Gehirns vorliegen. Virusinfektionen und andere bakterielle oder parasitäre Erreger können das Gehirn befallen. Junge, ausgewachsene Tiere können Gehirnentzündungen entwickeln, die durch Überreaktionen des Immunsystems entstehen (immunvermittelte Enzephalitiden). Blutungen und Hirninfarkte können bei älteren Tieren Anfälle auslösen. Seltene, meist angeborene Stoffwechselstörungen der Gehirnzellen können zur Degeneration von Neuronen führen.
Idiopathische Epilepsie
Wenn alle Ursachen für eine sekundäre oder reaktive Epilepsie ausgeschlossen sind, wird die Diagnose „primäre“ oder „idiopathische Epilepsie“ gestellt. In diesem Fall wird von einer Schädigung einzelner Nervenzellen ausgegangen, die nicht auf die normalen Signale zur Eindämmung der elektrischen Aktivität reagieren oder selbstständig aktiv sind und elektrische Impulse auslösen und verbreiten.
Weitere Auslöser
- Genetische Veranlagung: Bei Kindern sind häufig genetische Veranlagungen die Ursache.
- Hirnschäden: Bei älteren Menschen können Schlaganfälle oder alters- oder krankheitsbedingte Hirnschäden, wie Mikroinfarkte, Gefäßverkalkung oder Herzrhythmusstörungen, Anfälle auslösen.
- Down-Syndrom: Fast alle Menschen mit Down-Syndrom sind ab dem 50. Lebensjahr betroffen.
- Fieberkrämpfe: Erwachsene, die im Kindesalter häufig Fieberkrämpfe hatten, haben ein erhöhtes Risiko für epileptische Anfälle.
- Externe Faktoren: Gesteigerter Alkoholkonsum, Schlafmangel, heftige Hell-Dunkel-Wechsel oder Lichtreflexe, z. B. in Diskotheken, können Anfälle auslösen.
Symptome von Epilepsie
Epileptische Anfälle können sich vielfältig äußern. Die Symptome hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist und wie sich die elektrische Entladung ausbreitet.
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Allgemeine Symptome
- Bewusstlosigkeit
- Verkrampfungen
- Zuckungen von Armen und Beinen
- Unkoordinierte Bewegungen
- Lähmungserscheinungen
- Schreien
- Erbrechen
- Bewusstseins- und Verhaltensauffälligkeiten
Fokale Anfälle
Bei fokalen Anfällen ist nur ein bestimmter Bereich des Gehirns betroffen. Die Symptome können je nach betroffenem Bereich variieren:
- Einfache fokale Anfälle: Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Der Betroffene kann während des Anfalls auf äußere Reize reagieren und sich an Details erinnern. Mögliche Symptome sind:
- Motorische Symptome: Zuckungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen, z. B. im Gesicht oder an den Gliedmaßen
- Sensible Symptome: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen
- Visuelle Symptome: Blitze, Flecken oder andere visuelle Halluzinationen
- Auditive Symptome: Geräusche oder Stimmen
- Olfaktorische Symptome: Gerüche
- Gustatorische Symptome: Geschmäcker
- vegetative: Schweißausbrüche, Übelkeit oder Herzrasen
- psychische: Angst, Euphorie oder Déjà-vu-Erlebnisse
- Komplexe fokale Anfälle: Das Bewusstsein ist verändert oder getrübt. Der Betroffene kann unbewusste Bewegungen ausführen (Automatismen) oder zusammenhanglose Äußerungen machen. An Details des Anfalls kann er sich später nicht mehr erinnern.
- kognitive: „traumhafter Zustand“ mit z.B.
- Affektive: Angst, Freude, Trauer
- Psychosensorische: optische, akustische oder olfaktorische Halluzinationen
- Psychomotorische: Automatismen (z.B. Schmatzen oder Nesteln)
Generalisierte Anfälle
Bei generalisierten Anfällen ist das gesamte Gehirn betroffen. Diese Anfälle gehen in der Regel mit starken Bewusstseinseinschränkungen einher.
- Absencen: Kurze Bewusstseinspausen, in denen der Betroffene wie „abwesend“ wirkt und kaum auf äußere Reize reagiert.
- Einfache Absencen treten ohne weitere motorische Symptome auf.
- Bei komplexen Absencen können zusätzlich beidseitige Muskelzuckungen auftreten.
- Myoklonische Anfälle: Einzelne oder unregelmäßig wiederholte, rasche Muskelzuckungen.
- Klonische Anfälle: Rhythmische Zuckungen aller Gliedmaßen, des Kopfes und der Gesichtsmuskulatur.
- Tonische Anfälle: Anspannung der gesamten Muskulatur, die zu einem Sturz führen kann.
- Tonisch-klonische Anfälle: Schwere Anfälle mit einer Kombination aus tonischen und klonischen Symptomen. Zu Beginn stößt der Betroffene meist einen unwillkürlichen Schrei aus, stürzt zu Boden und verkrampft sich. Es folgen heftige Zuckungen am ganzen Körper, Schaumbildung vor dem Mund und eventuell Einnässen. Nach dem Anfall setzt die Atmung mit heftigem Röcheln wieder ein.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie basiert auf einer sorgfältigen Anamnese, neurologischen Untersuchungen und technischen Verfahren.
Anamnese
Ein intensives Gespräch mit dem Betroffenen und eventuellen Zeugen des Anfalls ist entscheidend, um die Art der Anfälle, ihre Häufigkeit, Dauer und mögliche Auslöser zu klären. Es muss auch sichergestellt werden, dass es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall handelt und nicht um eine andere Erkrankung, wie z. B. eine Störung des Gleichgewichts oder der Herztätigkeit.
Neurologische Untersuchung
Bei der neurologischen Untersuchung werden verschiedene Nervenfunktionen überprüft, um mögliche neurologische Grunderkrankungen festzustellen.
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EEG (Elektroenzephalogramm)
Das EEG ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Diagnose von Epilepsie. Dabei werden die Hirnströme des Patienten gemessen und aufgezeichnet. Beim Epileptiker treten im EEG zusätzliche Spitzen (Spikes) und Zacken (Sharp Waves) auf, die auf eine veränderte Gehirnaktivität hinweisen.
Es gibt verschiedene Arten von EEGs:
- Routine-EEG: Die Hirnaktivität wird über einen Zeitraum von 20 bis 30 Minuten gemessen.
- Schlaf-EEG: Die Hirnaktivität wird während des Schlafs gemessen.
- Langzeit-EEG: Die Hirnaktivität wird über einen Zeitraum von 24 oder 48 Stunden gemessen.
- Provokations-EEG: Ein epileptischer Anfall wird durch Hyperventilation, Photostimulation oder Schlafentzug provoziert.
Bildgebende Verfahren
Mithilfe bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomografie (MRT) können strukturelle Veränderungen im Gehirn, wie z. B. Tumore oder Narben, erkannt werden.
Blutuntersuchung
Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf Organschäden und Stoffwechselstörungen liefern, die als Ursache für die Epilepsie in Frage kommen.
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie mit Antiepileptika spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Epilepsie. Ziel ist es, die elektrische Aktivität im Gehirn zu dämpfen und so die Anfallsbereitschaft herabzusetzen. Die Medikamente müssen in der Regel lebenslang eingenommen werden und dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Bei etwa 75 % der Betroffenen können die Anfälle mit einem Antiepileptikum gut kontrolliert werden, so dass sie ein relativ uneingeschränktes, normales Leben führen können.
Chirurgische Therapie
Bei manchen Patienten, bei denen die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirkt, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Dabei wird das geschädigte Hirngewebe, das die Anfälle auslöst, entfernt.
Vagusnerv-Stimulation
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Stimulation des Vagusnervs. Dabei sendet ein Pulsgenerator Impulse an den Nerv, was zu einer Reduktion der Anfallshäufigkeit führen kann.
Ketogene Diät
In einigen Fällen kann eine ketogene Diät, bei der die Kohlenhydratzufuhr stark reduziert und der Fettanteil erhöht wird, die Anfallshäufigkeit reduzieren.
Vermeidung von Auslösern
Viele Betroffene können ihre Anfallshäufigkeit reduzieren, indem sie bekannte Auslöser meiden, wie z. B. Schlafmangel, Stress, Alkohol oder flackerndes Licht.
Epilepsie und Lichtreflexe
Lichtreflexe, insbesondere flackerndes Licht, können bei manchen Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen. Dieses Phänomen wird als photosensitive Epilepsie bezeichnet.
Photosensitive Epilepsie
Die photosensitive Epilepsie ist eine Form der Epilepsie, bei der Anfälle durch visuelle Reize, insbesondere flackerndes Licht oder bestimmte Muster, ausgelöst werden. Die Empfindlichkeit gegenüber Lichtreflexen ist individuell unterschiedlich.
Auslöser
- Flackerndes Licht, z. B. durch Fernsehbildschirme, Computerbildschirme, Stroboskope oder bestimmte Videospiele
- Bestimmte Muster, z. B. Streifen oder Karos
- Helle, kontrastreiche Farben
- Schnelle Hell-Dunkel-Wechsel
Vorbeugung
- Vermeidung von flackerndem Licht und bestimmten Mustern
- Verwendung von Bildschirmen mit hoher Bildwiederholfrequenz
- Tragen einer Sonnenbrille im Freien
- Einstellung der Bildschirmhelligkeit und des Kontrasts
- Ausreichend Schlaf
- Vermeidung von Stress
Leben mit Epilepsie
Epilepsie kann den Alltag der Betroffenen stark beeinflussen. Es ist wichtig, die Erkrankung zu akzeptieren und Strategien zu entwickeln, um mit den Einschränkungen umzugehen.
Alltag
- Beruf: Die Berufswahl und die Ausübung des Berufs können durch die Epilepsie eingeschränkt sein. Tätigkeiten, bei denen das Auftreten eines Anfalls gefährlich wäre, müssen vermieden werden.
- Mobilität: Die Fahreignung muss ärztlich geprüft werden. In der Regel ist nach einem ersten Anfall die Fahreignung nicht mehr gegeben.
- Soziale Aktivitäten: Es ist wichtig, soziale Kontakte zu pflegen und an Aktivitäten teilzunehmen, die Freude bereiten.
- Auslöser: Es ist wichtig, die individuellen Auslöser für Anfälle zu kennen und zu meiden.
Unterstützung
Es gibt viele Möglichkeiten, Unterstützung zu erhalten:
- Ärzte: Neurologen und Epileptologen sind die richtigen Ansprechpartner für die Diagnose und Behandlung von Epilepsie.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.
- Beratungsstellen: Beratungsstellen bieten Informationen und Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen.
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