Epilepsie: Was tun bei einem Anfall? Ein umfassender Leitfaden

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 1 % der Bevölkerung betroffen ist. Krampfanfälle treten oft erstmals bei Kindern, Jugendlichen oder Menschen über 60 Jahren auf. Angesichts der demografischen Entwicklung ist zu erwarten, dass immer mehr ältere Menschen betroffen sein werden.

Einführung in die Epilepsie

Epilepsie ist nicht nur für die Betroffenen selbst eine Herausforderung, sondern auch für ihr soziales Umfeld. Es ist wichtig zu wissen, wie man sich bei einem epileptischen Anfall verhält, um dem Betroffenen bestmöglich zu helfen und Verletzungen zu vermeiden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Epilepsie und gibt praktische Ratschläge für den Umgang mit Anfällen.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der es zu wiederholten Anfällen kommt, die durch vorübergehende Funktionsstörungen des Gehirns verursacht werden. Diese Funktionsstörungen können zu einer Vielzahl von Symptomen führen, von kurzen Bewusstseinsverlusten (Absencen) bis hin zu schweren Krämpfen (Grand-Mal-Anfälle).

Professor Christian E. Elger von der Universität Bonn betonte auf der "Neurowoche 2006" in Mannheim, dass bereits ein Drittel der Epileptiker älter als 65 Jahre ist. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung der Erkrankung in der älteren Bevölkerung.

Ursachen von Epilepsie

Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig. Sie können genetisch bedingt sein oder durch Hirnschäden wie Schlaganfälle, Tumore oder Verletzungen verursacht werden. Auch Faktoren wie Schlafentzug, Alkoholmissbrauch oder Stoffwechselstörungen können Anfälle auslösen.

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Neurologe Dr. erklärt, dass Epilepsie im Prinzip relativ ungefährlich ist. Die Gefährlichkeit hängt jedoch davon ab, wo der Anfall auftritt. So kann ein Anfall beim Schwimmen tödlich enden.

Symptome eines epileptischen Anfalls

Epileptische Anfälle können sich sehr unterschiedlich äußern, je nachdem, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist. Einige häufige Symptome sind:

  • Aura: Ein Vorgefühl, das sich durch bestimmte Gefühle, Gerüche, Geschmäcker oder Lichtblitze äußern kann.
  • Fokale Anfälle: Zuckungen oder Krämpfe in einem bestimmten Körperteil, Gefühlsstörungen oder Veränderungen des Sehens.
  • Generalisierte Anfälle: Bewusstlosigkeit, Krämpfe im ganzen Körper, Zungenbiss, Schaum vor dem Mund, Urin- oder Stuhlabgang.
  • Absencen: Kurze Bewusstseinspausen.

Was tun bei einem epileptischen Anfall?

Wenn ein epileptischer Anfall auftritt, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und besonnen zu handeln. Die meisten Anfälle klingen von selbst wieder ab. Folgende Maßnahmen können helfen:

  1. Ruhe bewahren und auf die Uhr schauen: Die Anfallsdauer sollte notiert werden, um dem Arzt später genaue Informationen geben zu können.
  2. Gefährliche Gegenstände entfernen: Alles, was eine Verletzungsgefahr darstellt, sollte aus der Reichweite des Betroffenen gebracht werden.
  3. Sturzgefahr mindern: Wenn der Betroffene umzufallen droht, sollte man versuchen, den Fall abzufangen oder abzumildern.
  4. Kopf schützen: Den Kopf mit Kleidungsstücken oder Kissen unterlegen, um Verletzungen zu vermeiden.
  5. Kleidung lockern: Enge Kleidungsstücke wie Krawatten oder Hemdkragen öffnen.
  6. Nicht festhalten: Den Betroffenen nicht mit Gewalt festhalten, da dies zu Verletzungen führen kann.
  7. Keine Gegenstände in den Mund schieben: Versuche, einen Beißkeil oder andere Gegenstände zwischen die Zähne zu schieben, sind gefährlich und können zu Verletzungen führen.
  8. Stabile Seitenlage: Nach dem Abklingen des Anfalls den Patienten in die stabile Seitenlage bringen, um das Risiko des Erstickens durch Erbrochenes oder Speichel zu verringern.
  9. Beim Betroffenen bleiben: So lange beim Betroffenen bleiben, bis er wieder vollständig bei Bewusstsein ist und sich orientieren kann.
  10. Notruf verständigen: Wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder sich mehrere Anfälle unmittelbar aneinanderreihen, muss der Notruf verständigt werden.

Was man vermeiden sollte

Es gibt auch einige Dinge, die man bei einem epileptischen Anfall vermeiden sollte:

  • Den Betroffenen nicht transportieren: Während eines Anfalls sollte der Betroffene nicht transportiert werden, da dies zu Verletzungen führen kann.
  • Nicht versuchen, den Anfall zu unterbrechen: Jeglicher Versuch, die Muskulatur gegen Widerstand in eine Richtung zu bewegen, ist entweder nutzlos oder gefährlich.
  • Keine Stimulation: Auf Stimulationen wie Tauchen in kaltes Wasser oder Schläge sollte verzichtet werden.
  • Keinen Mundschutz verwenden: Ein Mundschutz ist kontraproduktiv, da er das Erbrechen behindern und zum Ersticken führen kann.

Der Mythos vom Beißkeil

Früher wurde oft empfohlen, bei einem epileptischen Anfall einen Beißkeil zwischen die Zähne zu schieben, um einen Zungenbiss zu verhindern. Diese Praxis ist jedoch überholt und wird von Experten nicht mehr empfohlen. Das Einschieben eines Keils in einen verkrampften Kiefer kann zu Verletzungen der Zähne, des Kiefers oder des Zahnfleisches führen. Außerdem treten Zungenbisse meist schon zu Beginn des Anfalls auf, bevor ein Keil überhaupt eingeschoben werden kann.

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Medikamentöse Behandlung

Viele Menschen mit Epilepsie können durch Medikamente anfallsfrei werden. Es ist jedoch wichtig, die Medikamente regelmäßig und wie vom Arzt verordnet einzunehmen. Auch auf bestimmte Auslöser wie Schlafentzug oder Alkohol sollte verzichtet werden.

Epilepsie im Alltag

Epilepsie kann den Alltag der Betroffenen und ihrer Familien stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Auch psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Herausforderungen der Erkrankung umzugehen.

Informationen für Kollegen und Freunde

Es ist hilfreich, Kollegen und Freunde über die Epilepsie zu informieren und ihnen zu erklären, wie sie sich im Falle eines Anfalls verhalten sollen. Eine kurze und prägnante Anleitung kann helfen, Unsicherheiten abzubauen und Ängste zu nehmen.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

  • Ruhe bewahren und auf die Uhr schauen.
  • Gefährliche Gegenstände entfernen.
  • Sturzgefahr mindern und Kopf schützen.
  • Kleidung lockern.
  • Nicht festhalten und keine Gegenstände in den Mund schieben.
  • Nach dem Abklingen des Anfalls in die stabile Seitenlage bringen.
  • Beim Betroffenen bleiben, bis er wieder bei Bewusstsein ist.
  • Bei Bedarf den Notruf verständigen.

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