Lamotrigin: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen des Medikaments

Lamotrigin ist ein Medikament, das zur Behandlung von Epilepsie und bipolaren Störungen eingesetzt wird. Es gehört zu einer Gruppe von Arzneimitteln, die als Antiepileptika bezeichnet werden. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen über Lamotrigin, einschließlich seiner Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Dosierung, Nebenwirkungen und wichtigen Hinweise.

Was ist Lamotrigin und wie wirkt es?

Lamotrigin wirkt bei der Behandlung der Epilepsie durch Hemmung der Signale im Gehirn, die die epileptischen Anfälle auslösen. Es stabilisiert die Nervenzellen und reduziert so die Wahrscheinlichkeit von Krampfanfällen. Bei der bipolaren Störung hilft Lamotrigin, depressive Phasen zu verhindern, indem es die Stimmung stabilisiert. Der genaue Mechanismus, wie Lamotrigin im Gehirn wirkt, ist noch nicht vollständig bekannt. Es wird angenommen, dass es die Freisetzung von Glutamat, einem Neurotransmitter, der eine Rolle bei der Erregung von Nervenzellen spielt, reduziert.

Lamotrigin ist ein Antiepileptikum der neuen Generation, das von seiner chemischen Struktur her keinem anderen Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ähnelt. Im Vergleich zu anderen Antiepileptika ist Lamotrigin sehr gut verträglich. Therapieabbrüche aufgrund schwerer Nebenwirkungen sind wesentlich seltener als bei anderen Antiepileptika. Lamotrigin macht kaum müde und stört nicht wesentlich die Denkvorgänge, dies ist für die Patienten vorteilhaft.

Anwendungsgebiete von Lamotrigin

Lamotrigin hat bei Epilepsien eine breite Wirksamkeit. Es wird bei verschiedenen Formen von Epilepsie eingesetzt, darunter:

  • Partielle Anfälle: Anfälle, die in einem bestimmten Bereich des Gehirns beginnen.
  • Generalisierte Anfälle: Anfälle, die das gesamte Gehirn betreffen, einschließlich tonisch-klonischer Anfälle (Grand Mal).
  • Anfälle im Zusammenhang mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom: Eine schwere Form der Epilepsie, die im Kindesalter beginnt.
  • Typische Absencen: Eine bestimmte Form der Epilepsie, die vor allem bei Kindern auftritt.

Neben der Behandlung von Epilepsie wird Lamotrigin auch zur Vorbeugung von Depressionen bei Patienten mit bipolarer Störung eingesetzt. Es hilft, die Stimmung zu stabilisieren und das Auftreten von depressiven Episoden zu reduzieren.

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Off-Label wird Lamotrigin mitunter zur Linderung der Symptome von Parkinson, Chorea Huntington und Migräne angewendet.

Dosierung und Anwendung von Lamotrigin

Die Dosierung von Lamotrigin ist individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B.:

  • Alter des Patienten
  • Vorliegen von Nieren- oder Leberproblemen
  • Einnahme anderer Medikamente

Die Behandlung mit Lamotrigin beginnt in der Regel mit einer niedrigen Dosis, die schrittweise erhöht wird, bis die wirksame Dosis erreicht ist. Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen und niemals mehr Lamotrigin einzunehmen, als verschrieben wurde.

Lamotrigin wird üblicherweise in Tablettenform eingenommen. Die Tabletten sollten im Ganzen geschluckt werden. Lamotrigin kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.

Dosierung bei Epilepsie

  • Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren:
    • Monotherapie: Anfangsdosis 25 mg einmal täglich, die schrittweise auf eine Erhaltungsdosis von 100-200 mg pro Tag erhöht wird.
    • Kombinationstherapie: Die Dosierung hängt von den anderen eingenommenen Medikamenten ab.
  • Kinder von 2 bis 12 Jahren: Die Dosierung hängt vom Körpergewicht ab.

Dosierung bei bipolarer Störung

  • Erwachsene ab 18 Jahren: Anfangsdosis 25 mg einmal täglich, die schrittweise auf eine Erhaltungsdosis von 200 mg pro Tag erhöht wird.

Gegenanzeigen von Lamotrigin

Lamotrigin darf nicht eingenommen werden, wenn Sie allergisch gegen Lamotrigin oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels sind.

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Unter Umständen - sprechen Sie hierzu mit Ihrem Arzt oder Apotheker:

  • Eingeschränkte Nierenfunktion
  • Eingeschränkte Leberfunktion

Welche Altersgruppe ist zu beachten?

  • Säuglinge und Kleinkinder unter 2 Jahren: Das Arzneimittel sollte in der Regel in dieser Altersgruppe nicht angewendet werden.
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: In dieser Altersgruppe sollte das Arzneimittel nur bei bestimmten Anwendungsgebieten eingesetzt werden. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt oder Apotheker.

Was ist mit Schwangerschaft und Stillzeit?

  • Schwangerschaft: Wenden Sie sich an Ihren Arzt. Es spielen verschiedene Überlegungen eine Rolle, ob und wie das Arzneimittel in der Schwangerschaft angewendet werden kann.
  • Stillzeit: Wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Er wird Ihre besondere Ausgangslage prüfen und Sie entsprechend beraten, ob und wie Sie mit dem Stillen weitermachen können.

Nebenwirkungen von Lamotrigin

Wie alle Arzneimittel kann auch Lamotrigin Nebenwirkungen verursachen, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:

  • Hautausschlag
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Doppeltsehen
  • Verschwommenes Sehen

In seltenen Fällen kann Lamotrigin schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen, wie z. B.:

  • Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und toxisch epidermale Nekrolyse (TEN): Schwerwiegende Hautreaktionen, die lebensbedrohlich sein können.
  • Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS): Eine schwere allergische Reaktion, die verschiedene Organe betreffen kann.
  • Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH): Eine seltene, aber sehr schwerwiegende Reaktion des Immunsystems.
  • Gedanken daran, sich selbst zu schädigen oder Selbsttötung: Bei einigen Patienten, die mit Antiepileptika wie Lamotrigin behandelt wurden, traten solche Gedanken auf.
  • Aseptische Meningitis: Eine nicht-bakterielle Hirnhautentzündung.

Es ist wichtig, sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie während der Einnahme von Lamotrigin eines der folgenden Symptome bemerken:

  • Hautausschlag, insbesondere mit Blasenbildung oder Ablösung der Haut
  • Fieber
  • Grippeähnliche Symptome
  • Schwellung des Gesichts, der Lippen oder der Zunge
  • Atembeschwerden
  • Neurologische Symptome wie Zittern, Verwirrungszustand oder Störungen der Gehirnfunktion
  • Gedanken daran, sich selbst zu schädigen oder Selbsttötung

Liste der Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Sehr häufig:

  • Kopfschmerzen
  • Hautausschlag

Häufig:

  • Aggressivität
  • Reizbarkeit
  • Schläfrigkeit
  • Schwindel
  • Tremor
  • Schlaflosigkeit
  • Agitiertheit
  • Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Mundtrockenheit
  • Arthralgie
  • Müdigkeit
  • Schmerzen
  • Rückenschmerzen

Gelegentlich:

  • Ataxie
  • Diplopie
  • Verschwommensehen

Selten:

  • Nystagmus
  • Aseptische Meningitis
  • Konjunktivitis
  • Stevens-Johnson-Syndrom

Sehr selten:

  • Blutbildveränderungen einschließlich Neutropenie, Leukopenie, Anämie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, aplastischer Anämie und Agranulozytose
  • Überempfindlichkeitssyndrom (einschließlich Symptomen wie Fieber, Lymphadenopathie, Gesichtsödem, abnorme Blut- und Leberwerte, disseminierte intravaskuläre Gerinnung, Multiorganversagen)
  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen
  • Tics
  • Standunsicherheit
  • Bewegungsstörungen
  • Verschlimmerung der Parkinson-Krankheit
  • Extrapyramidale Nebenwirkungen
  • Choreoathetose
  • Zunahme der Anfallsfrequenz
  • Leberversagen
  • Leberfunktionsstörungen
  • Erhöhte Leberfunktionswerte
  • Toxisch epidermale Nekrolyse
  • Lupus-ähnliche Reaktionen

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:

  • Lymphadenopathie
  • Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS)

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Lamotrigin kann mit anderen Medikamenten interagieren, was die Wirkung von Lamotrigin oder der anderen Medikamente beeinflussen kann. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.

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Zu den Medikamenten, die mit Lamotrigin interagieren können, gehören:

  • Andere Antiepileptika: Valproinsäure, Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Primidon
  • Hormonelle Verhütungsmittel: Die "Pille" kann die Wirkung von Lamotrigin beeinflussen.
  • Rifampicin: Ein Antibiotikum.
  • Arzneimittel zur Behandlung von HIV: Eine Kombination aus Lopinavir und Ritonavir oder aus Atazanavir und Ritonavir.
  • Lithium, Olanzapin oder Aripiprazol: Zur Behandlung psychischer Probleme.
  • Bupropion: Zur Behandlung psychischer Probleme oder zur Raucherentwöhnung.
  • Paracetamol: Zur Behandlung von Schmerzen und Fieber.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Lamotrigin

  • Nehmen Sie Lamotrigin immer genau nach Anweisung des Arztes ein.
  • Ändern Sie die Dosis nicht und setzen Sie das Medikament nicht ab, ohne vorher mit Ihrem Arzt zu sprechen.
  • Informieren Sie Ihren Arzt über alle anderen Medikamente, die Sie einnehmen.
  • Seien Sie sich der möglichen Nebenwirkungen bewusst und suchen Sie bei Bedarf einen Arzt auf.
  • Wenn Sie schwanger sind oder stillen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Lamotrigin einnehmen.
  • Lamotrigin kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Fahren Sie nicht Auto und bedienen Sie keine Maschinen, wenn Sie sich beeinträchtigt fühlen.

Lamotrigin in Schwangerschaft und Stillzeit

Lamotrigin sollte während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt angewendet werden. Der Wirkstoff senkt den Folsäure-Blutspiegel und könnte so möglicherweise zu einem erhöhten Risiko für eine Schädigung des Ungeborenen führen. Besonders in der Frühschwangerschaft scheint bei gleichzeitiger Einnahme des Wirkstoffes ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des Mundes und Gaumens zu bestehen. Lamotrigin tritt in die Muttermilch über und kann dadurch beim gestillten Säugling Wirkstoffmengen erreichen, die im Bereich therapieüblicher Wirkstoffkonzentrationen der Mutter liegen. Deshalb sollte nur nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung gestillt werden. Wenn gestillt wird, sollte der Säugling auf mögliche Effekte beziehungsweise Nebenwirkungen hin ärztlich beobachtet werden.

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