Memantin: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen bei Epilepsie und Demenz

Memantin ist ein Arzneistoff, der hauptsächlich zur Behandlung von Demenzerkrankungen vom Alzheimer-Typ eingesetzt wird. Es beeinflusst die Signalübertragung im Gehirn, indem es die Wirkung des Botenstoffs Glutamat reguliert, der bei Demenzpatienten in krankhaft erhöhter Konzentration vorliegt. Obwohl Memantin nicht primär zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird, kann es bei Patienten mit Demenz und gleichzeitiger Anfälligkeit für Krampfanfälle relevant sein. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Memantin, seine Anwendung, mögliche Nebenwirkungen und wichtige Hinweise, insbesondere im Zusammenhang mit Epilepsie.

Wirkungsweise von Memantin

Memantin ist ein spannungsabhängiger, nicht-kompetitiver Antagonist an glutamatergen NMDA-Rezeptoren (N-Methyl-D-Aspartat). Es reguliert die Wirkung pathologisch erhöhter, toxischer Glutamat-Konzentrationen, die zu neuronalen Funktionsstörungen führen können. Durch die Blockade der NMDA-Rezeptoren im aktivierten Zustand, wenn der Kanal durch den Co-Agonisten Glycin geöffnet ist, werden nur pathologisch aktive NDMA-Rezeptoren gehemmt, wodurch normale glutamaterge Neurotransmission kaum beeinflusst wird. Memantin diffundiert rasch von der Bindungsstelle ab, sodass ein langanhaltender Funktionsausfall der Kanäle vermieden wird.

Anwendungsgebiete und Dosierung

Memantin ist zugelassen zur Therapie der moderaten bis schweren Demenz vom Alzheimer-Typ. Es steht als Tabletten und als Lösung zur Verfügung und wird einschleichend dosiert. Die Behandlung beginnt üblicherweise mit 5 mg Memantinhydrochlorid pro Tag, wobei die Dosis wöchentlich um 5 mg gesteigert wird, bis die empfohlene Erhaltungsdosis von 20 mg erreicht ist. Für diese Titrationsphase gibt es spezielle Starterpackungen mit entsprechend dosierten Tabletten.

Die Einnahme erfolgt einmal täglich, möglichst zur gleichen Zeit, unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung ist die Dosis anzupassen, da Memantin renal eliminiert wird. Bei einer mittelschweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min) wird die halbe tägliche Dosis gegeben. Bei guter Verträglichkeit über mindestens sieben Tage kann auf 20 mg pro Tag auftitriert werden. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 5 bis 29 ml/min) sollte die Dosis von 10 mg beibehalten werden.

Dosierungsschema (Beispiel)

  • Behandlungsbeginn (1.-7. Tag): 5 mg täglich
  • Folgebehandlung (8.-14. Tag): 10 mg täglich
  • Folgebehandlung (15.-21. Tag): 15 mg täglich
  • Erhaltungsdosis (ab 22. Tag): 20 mg täglich

Gegenanzeigen

Memantin darf nicht angewendet werden bei:

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  • Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
  • Stillzeit

Unter Umständen ist Vorsicht geboten bei:

  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Herzschwäche)
  • Neigung zu Krampfanfällen, wie bei Epilepsie
  • Eingeschränkter Leberfunktion

Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Reaktionsvermögen: Das Reaktionsvermögen kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch beeinträchtigt sein. Dies ist besonders wichtig bei der Teilnahme am Straßenverkehr oder beim Bedienen von Maschinen.
  • Alkohol: Vermeiden Sie die Einnahme von Alkohol während der Behandlung mit Memantin.
  • Lactose: Vorsicht bei einer Unverträglichkeit gegenüber Lactose.
  • Wechselwirkungen: Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, auch selbstgekaufte oder gelegentlich verwendete.

Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten, die an Epilepsie leiden, eine Anamnese mit Krampfanfällen haben oder prädisponierende Faktoren für Epilepsie aufweisen. Die gleichzeitige Anwendung von Memantin mit NMDA-Antagonisten wie Amantadin, Ketamin oder Dextromethorphan sollte vermieden werden, da unerwünschte Nebenwirkungen (hauptsächlich das ZNS betreffend) häufiger oder in stärkerer Ausprägung möglich sind.

Einige Faktoren, die zu einem Anstieg des pH-Wertes im Urin führen können, machen u. U. eine besonders sorgfältige Überwachung des Patienten erforderlich, z. B. grundlegende Umstellungen der Ernährung (z. B. von fleischhaltiger auf vegetarische Kost), die massive Einnahme von Mitteln zur Neutralisierung der Magensäure, eine renale tubuläre Azidose (RTA) oder schwere Infektionen des Harntrakts mit Proteus-Bakterien.

Engmaschige Überwachung ist erforderlich bei Patienten mit kürzlich zurückliegendem Myokardinfarkt, dekompensierter Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) oder unkontrolliertem Bluthochdruck (nur begrenzte Daten).

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind unerwünschte Wirkungen, die bei bestimmungsgemäßer Anwendung des Arzneimittels auftreten können.

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Häufige Nebenwirkungen (≥ 1/100 bis < 1/10):

  • Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Schläfrigkeit
  • Schwindel
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Erhöhter Blutdruck
  • Dyspnoe (Kurzatmigkeit)
  • Verstopfung
  • Erhöhte Leberfunktionswerte
  • Kopfschmerzen

Gelegentliche Nebenwirkungen (≥ 1/1000 bis < 1/100):

  • Pilzinfektionen
  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen (hauptsächlich bei Patienten mit schwerer Alzheimer-Demenz)
  • Anomaler Gang
  • Herzinsuffizienz
  • Venenthrombose/Thromboembolie
  • Erbrechen
  • Müdigkeit

Sehr seltene Nebenwirkungen (< 1/10 000):

  • Krampfanfälle

Nicht bekannt:

  • Hepatitis
  • Psychotische Reaktionen
  • Pankreatitis

Es ist wichtig zu beachten, dass Alzheimer-Demenz selbst mit Depressionen, Suizidgedanken und Suizid in Verbindung gebracht wird. Seit Markteinführung gab es Berichte über derartige Ereignisse.

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Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Memantin kann Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln eingehen. Die Wirkungen von L-Dopa, dopaminergen Agonisten und Anticholinergika können verstärkt werden. Die Wirkungen von Barbituraten und Neuroleptika können abgeschwächt werden. Die gleichzeitige Anwendung mit Amantadin, Ketamin oder Dextromethorphan sollte vermieden werden, da das Risiko einer pharmakotoxischen Psychose besteht.

Ein veröffentlichter Fallbericht weist auf mögliche Gefahren bei der Kombination von Memantin mit Phenytoin hin. Bei anderen Arzneimitteln wie Cimetidin, Ranitidin, Procainamid, Chinidin, Chinin und Nicotin, die das gleiche renale Kationen-Transportsystem wie Amantadin benutzen, besteht die potenzielle Gefahr eines erhöhten Plasmaspiegels. Die Anwendung zusammen mit HCT (Hydrochlorothiazid) oder einem HCT-haltigen Kombinationspräparat kann zu einer Erniedrigung des Serumspiegels von HCT führen. Seit Markteinführung gab es einzelne Fälle von INR-Erhöhungen (Erhöhung des normierten Gerinnungswertes) bei Warfarin. Daher ist eine engmaschige Überwachung der Prothrombin-Zeit oder INR bei oralen Antikoagulantien erforderlich.

Memantin und Epilepsie

Obwohl Memantin primär zur Behandlung von Demenz eingesetzt wird, ist es wichtig zu berücksichtigen, dass es die Krampfschwelle senken kann. Daher ist bei Patienten mit Epilepsie oder einer Vorgeschichte von Krampfanfällen Vorsicht geboten. Die gleichzeitige Anwendung von Memantin mit anderen NMDA-Antagonisten sollte vermieden werden, da dies das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann.

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