Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, von der in Deutschland etwa 650.000 Menschen betroffen sind. Sie ist durch das wiederholte Auftreten von Anfällen gekennzeichnet, die durch abnorme Entladungen von Nervenzellen verursacht werden. Im Rahmen von Anfällen kann es zu sehr unterschiedlichen Symptomen kommen - abhängig davon, welcher Teil des Gehirns betroffen ist, sind Bewegungen sowohl eines Teils als auch des ganzen Körpers, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Gedächtnisstörungen, Bewusstseinsstörungen, Fehlwahrnehmungen oder Verhaltensänderungen möglich. Die Ursachen sind vielfältig. Allgemein werden sogenannte fokale Epilepsien, welche z.B.
Glücklicherweise kann der größte Teil dieser Patienten durch die Einnahme von Medikamenten anfallsfrei werden und mit wenigen Einschränkungen ein normales Leben führen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Epilepsie, spezialisierte Versorgungseinrichtungen und Ansprechpartner in Thüringen und Deutschland.
Epilepsie: Eine neurologische Erkrankung im Fokus
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine plötzliche, unkontrollierte Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Diese Entladungen können verschiedene Symptome verursachen, je nachdem, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.
Symptome eines epileptischen Anfalls:
- Bewegungsstörungen (z.B. Zuckungen, Krämpfe)
- Gefühlsstörungen (z.B. Kribbeln, Taubheit)
- Sprachstörungen
- Gedächtnisstörungen
- Bewusstseinsstörungen
- Fehlwahrnehmungen (z.B. Halluzinationen)
- Verhaltensänderungen
Es wird geschätzt, dass nahezu ein Zehntel aller Erwachsenen einmal im Leben einen epileptischen Anfall erleben. Bei ca. 1-3 % der Bevölkerung kommt es zu wiederholten Anfällen, dann spricht man von einer Epilepsie.
Spezialisierte Versorgungseinrichtungen für Epilepsie in Deutschland
Um eine optimale Versorgung von Epilepsiepatienten zu gewährleisten, gibt es in Deutschland verschiedene spezialisierte Einrichtungen:
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- Epilepsiezentren: Diese Zentren bieten eine umfassende Diagnostik und Therapie von Epilepsie an. Sie verfügen über ein interdisziplinäres Team von Ärzten, Psychologen und anderen Fachkräften. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) zertifiziert Epilepsiezentren, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Zur Zeit gibt es in Deutschland 57 Epilepsiezentren.(Stand: 03.
- Epilepsie-Ambulanzen: Diese Ambulanzen sind auf die ambulante Betreuung von Epilepsiepatienten spezialisiert. Sie bieten eine umfassende Diagnostik, Therapie und Beratung an. Zur Zeit gibt es in Deutschland 50 Epilepsie-Ambulanzen für Jugendliche und Erwachsene.(Stand: 22. Und 97 Epilepsie-Ambulanzen für Kinder und Jugendliche.(Stand: 23.
- Schwerpunktpraxen Epileptologie: Dies sind Praxen niedergelassener Ärzte, die sich auf die Behandlung von Epilepsie spezialisiert haben. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie hat 1998 eine Arbeitsgruppe beauftragt, eine Definition von Schwerpunktpraxen zu erarbeiten. Zur Zeit gibt es in Deutschland 58 Schwerpunktpraxen Epileptologie.(Stand: 23.
- Epilepsie-Beratungsstellen: Diese Beratungsstellen bieten Informationen und Unterstützung für Epilepsiepatienten und ihre Angehörigen. Zur Zeit gibt es in Deutschland 23 Epilepsie-Beratungsstellen.(Stand: 14.
Wichtige Aspekte der Versorgung
Die ambulante Betreuung umfasst dabei sowohl Patienten im frühen Erkrankungsverlauf (nach einem ersten Anfall) als auch mit schwerbehandelbaren Epilepsieformen, bei denen die Antiepileptika keine ausreichende Wirkung zeigen. Eine Spezialisierung liegt auch in der Beratung von Epilepsiepatientinnen mit Kinderwunsch/Schwangerschaft. Es besteht eine enge Kooperation mit der Klinik für Geburtshilfe des UKJ (Ansprechpartner: Prof. Dr.
Allgemein ist beim erstmaligen Auftreten der Erkrankung eine kurze stationäre Diagnostik sinnvoll, mit dem Ziel, die Ursache der Epilepsie einzuordnen und die Therapie zu initiieren. Daneben sind bei schweren Krankheitsverläufen mit anhaltenden Anfällen zusätzliche stationäre Untersuchungen indiziert, die eine gezieltere Therapie mit Antiepileptika ermöglichen oder alternative Behandlungsverfahren eröffnen. Hier sind vordergründig das Video-EEG-Intensiv-Monitoring und das Epilepsiekomplexprogramm zu nennen. Beides sind langjährig etablierte Behandlungsprogramme am Epilepsiezentrum Jena. Patienten mit einem Status epilepticus oder Anfallsserien können auf der eigenen neurologischen Intensivstation betreut werden, wo eine spezielle Monitoringeinheit für Patienten mit einem Status epilepticus besteht.
Ansprechpartner und Einrichtungen in Thüringen (Beispiele)
Da der Fokus auf Thüringen liegt, werden hier beispielhaft einige Einrichtungen und Ansprechpartner genannt. Es ist wichtig zu beachten, dass dies keine vollständige Liste ist und sich die Verfügbarkeit von Spezialisten ändern kann.
- Asklepios Fachklinikum Stadtroda: Die Klinik für Neurologie und Schmerztherapie unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. David Weise bietet ein breites Spektrum an neurologischen Behandlungen, einschließlich der Behandlung von Epilepsien. Das Leistungsspektrum umfasst die medikamentöse Epilepsietherapie, die Beratung zur Epilepsiechirurgie und Neurostimulation, die Planung von weiterführenden stationären Untersuchungen und verschiedener sozialmedizinischer Maßnahmen (z.B. berufliche Rehabilitation, Beurteilung der Fahreignung).
- Universitätsklinikum Jena (UKJ): Das UKJ verfügt über ein etabliertes Epilepsiezentrum, das umfassende diagnostische und therapeutische Möglichkeiten bietet. Es besteht eine enge Kooperation mit der Klinik für Geburtshilfe des UKJ (Ansprechpartner: Prof. Dr.
- Klinik für Neurologie Suhl: Die Klinik für Neurologie Suhl ist ebenfalls auf die Behandlung von Epilepsie spezialisiert.
Weitere Ansprechpartner und Informationen:
- Es wird empfohlen, sich an den behandelnden Hausarzt oder Neurologen zu wenden, um eine Überweisung an einen Spezialisten in Thüringen zu erhalten.
- Die Deutsche Epilepsievereinigung bietet eine Liste von Ansprechpartnern und Selbsthilfegruppen in Thüringen.
Therapieansätze bei Epilepsie
Epilepsie ist in der Mehrzahl der Fälle gut behandelbar. Der größte Teil dieser Patienten wird durch Einnahme von Medikamente anfallsfrei und kann mit wenigen Einschränkungen ein normales Leben führen. Die Therapie von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze:
- Medikamentöse Therapie: Antiepileptika sind Medikamente, die die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduzieren und so Anfälle verhindern können. Die Wahl des Medikaments richtet sich nach der Art der Epilepsie und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.
- Epilepsiechirurgie: Bei einigen Patienten mit schwer behandelbarer Epilepsie kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist es, den Bereich im Gehirn zu entfernen, der die Anfälle verursacht. Jedoch gelingt es bei einem Drittel der Patienten trotz des Einsatzes verschiedener Medikamente nicht, Anfallsfreiheit zu erreichen. Hier sollte die Möglichkeit eines epilepsiechirurgischen Eingriffes geprüft werden. Die Schwerpunkte der Ambulanz sind die medikamentöse Epilepsietherapie, die Beratung zur Epilepsiechirurgie und Neurostimulation, die Planung von weiterführenden stationären Untersuchungen und verschiedener sozialmedizinischer Maßnahmen (z.B. berufliche Rehabilitation, Beurteilung der Fahreignung).
- Vagusnervstimulation (VNS): Bei der VNS wird ein kleiner Generator unter die Haut im Brustbereich implantiert, der den Vagusnerv stimuliert. Dies kann die Anfallshäufigkeit reduzieren. Für eine Beratung oder Kontrolluntersuchung bezüglich Epilepsiechirurgie, Vagusnervstimulation oder Tiefen Hirnstimulation erfolgt die Terminvergabe bei OA Dr. A. Ärztliche Kollegen, die eine dringliche Vorstellung für einen Patienten benötigen, kontaktieren bitte OA Dr. A.
- Ketogene Diät: Diese spezielle Diät kann bei einigen Kindern mit schwer behandelbarer Epilepsie helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
Wichtige Hinweise zum Thema Schlaganfall
Bitten Sie die betroffene Person Face (Gesicht): zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab? Arms (Arme): die Arme nach vorne zu heben, Handflächen nach oben. Speech (Sprache): einen einfachen Satz nachzusprechen. Wenn der Betroffene mit einer dieser Aufgaben Probleme hat, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall. Time (Zeit): Es zählt jede Minute.
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Die Bedeutung von Zertifizierungen
Die Klinik für Neurologie Suhl ist seit 2016 eine zertifizierte Stroke Unit und seit 2019 eine "Comprehensive Stroke Unit". Seit 2023 ist die Klinik als "MS-Zentrum" von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) akkreditiert. Die Zertifizierung hat zum Ziel, an Multipler Sklerose Erkrankten den Weg in eine fachgerechte Versorgung zu weisen.
Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) und die Arbeitsgemeinschaft für prächirurgische Epilepsiediagnostik und operative Epilepsietherapie (AG Epilepsiechirurgie) haben Kriterien zur Zertifizierung von Epilepsiezentren erstellt.
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