Epilepsie ist heutzutage selten ein Hindernis für eine Schwangerschaft. Dennoch gibt es wichtige Aspekte zu beachten, die im Folgenden detailliert erläutert werden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Auswirkungen von Epilepsie-Medikamenten auf die Fruchtbarkeit, die Planung einer Schwangerschaft, Risiken und Sicherheitsmaßnahmen, sowie Empfehlungen für eine sichere Schwangerschaft und Geburt bei Epilepsie.
Einführung
Viele Frauen mit Epilepsie können dankFortschritten in der Behandlung ein normales Leben führen, auch wenn sie Medikamente zur Anfallskontrolle (Antiepileptika) einnehmen müssen. Es ist jedoch wichtig, sich der potenziellen Auswirkungen von Antiepileptika auf die Fruchtbarkeit und die Entwicklung des Kindes bewusst zu sein. Dieser Artikel soll betroffenen Frauen Mut machen und aufklären, um informierte Entscheidungen treffen zu können.
Fruchtbarkeit und Epilepsie
Auswirkungen auf den Menstruationszyklus und die Fruchtbarkeit
Bei Frauen mit Epilepsie treten Störungen der Fruchtbarkeit häufiger auf als in der Normalbevölkerung. Studien zeigen, dass Sexualhormone Einfluss auf die neuronale Erregbarkeit und somit auf die Auslösung epileptischer Anfälle haben. Östrogene scheinen dabei anfallsbegünstigend zu wirken, während Progesterone und deren Abkömmlinge eher anfallsmindernd wirken.
Etwa 15-20 % der Epilepsie-Patientinnen weisen Störungen des Menstruationszyklus auf, wie Zwischenblutungen, Ausbleiben der Regelblutung oder Zyklen ohne Eisprung. Diese Phänomene treten gehäuft auf, wenn die Epilepsie den Schläfenlappen betrifft. Antiepileptika, wie zum Beispiel Valproinsäure, können durch einen Abfall des Östradiolspiegels Zyklusunregelmäßigkeiten bedingen.
Katameniale Epilepsie
Auch während des menstruellen Zyklus kann, bedingt durch die hormonellen Veränderungen, die Anfallsfrequenz variieren. Man bezeichnet dies als katameniale Epilepsie. Definitionsgemäß ist damit die Verdoppelung der täglichen Anfallsfrequenz in einer bestimmten Zyklusphase in sechs aufeinanderfolgenden Monaten gemeint. So lassen sich beispielsweise in der Mitte des Zyklus (Tag 10 bis 13) infolge des Östrogenmaximums Anfallshäufungen nachweisen, ebenso wie am Zyklusende um die Monatsblutung (ab Tag 25), bedingt durch den Progesteronabfall. Ein sorgfältig geführter Anfallskalender, der gleichzeitig die Dokumentation der Monatsblutung mit einschließt, kann hier die Diagnosestellung erleichtern.
Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?
Empfängnisverhütung
Das Thema der Empfängnisverhütung spielt bei Frauen mit Epilepsie eine besondere Rolle, da die Auswahl der Verhütungsmethode stets in Abhängigkeit von Wechselwirkungen mit den eingenommenen Antiepileptika getroffen werden sollte. Stark enzyminduzierende Antiepileptika bewirken eine verminderte Sicherheit der klassischen östrogenhaltigen Pille. Bei der rot und gelb gekennzeichneten Gruppe sollte eine mechanische Verhütung, z. B. in Betracht gezogen werden.
Ein wichtiger Hinweis zum Wirkstoff Lamotrigin: Die Anwendung einer östrogenhaltigen Pille senkt den Serumspiegel um bis zu 50 %. Sollte die Kombination Lamotrigin und Pille dennoch erwogen werden, ist eine engmaschige Kontrolle des Serumspiegels, gegebenenfalls auch eine Dosisanpassung durchzuführen.
Einige Antiepileptika, wie Gabapentin, Lacosamid, Levetiracetam, Pregabalin, Tiagabin, Topiramat (<200mg), Valproat, Vigabatrin, Zonisamid (Zonegran®), Perampanel (Fycompa®) (nur bis 10mg) beeinflussen orale Kontrazeptiva nicht. Auch Ethosuximid (Petnidan®) hat geringe Auswirkungen. Andere Antiepileptika, wie Carbamazepin, Eslicarbazepin, Felbamat, Lamotrigin, Oxcarbazepin, Phenobarbital (Luminal®), Phenytoin (Phenhydan®) , Primidon (Liskantin®), Rufinamid (Inovelon®), Topiramat (>200mg), Perampanel (Fycompa®) (ab 12 mg bei gestagenhaltigen Pillen) beeinflussen die Kontrazeption.
Eine Verbesserung der oralen Kontrazeption ist möglich durch:
- Kontinuierliche Einnahme eines monophasischen oralen Kontrazeptivums
- Einnahme eines Gestagen betonten oralen Kontrazeptivums
- Keine Einnahme sog.
Menopause
Die Menopause markiert die letzte Menstruation, auf die keine weitere Regelblutung mehr folgt. Als Perimenopause wird die Lebensphase ein bis zwei Jahre vor und nach der Menopause bezeichnet. In diesem Lebensabschnitt endet die Fruchtbarkeit der Frau aufgrund der nachlassenden Funktion der Eierstöcke. Das durchschnittliche Lebensalter bei Erreichen der Menopause beträgt 51 Jahre. Bei Frauen mit Epilepsie ist dieser Zeitpunkt häufig deutlich vorverlegt, im Mittel sind die Frauen 40 Jahre alt.
Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail
In der Perimenopause gerät das zyklische Gleichgewicht des anfallssteigernden Östrogens und des anfallsmindernden Progesterons durcheinander. Zwar reifen in dieser Phase weiterhin östrogenproduzierende Follikel heran, durch ein gehäuftes Ausbleiben des Eisprungs wird jedoch weniger Progesteron freigesetzt. Somit kommt es zu einem „Östrogenüberschuss“, welcher in dieser Lebensphase eine Zunahme der Anfallsaktivität bedingen kann. Bei etwa 15 % der Epilepsie-Patientinnen manifestiert sich die Epilepsie in der Perimenopause.
Planung einer Schwangerschaft bei Epilepsie
Beratung und Vorbereitung
Eine Schwangerschaft sollte bei Frauen mit Epilepsie in besonderer Weise vorbereitet und betreut werden. Bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft sollte mit dem betreuenden Neurologen Rücksprache über ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko bedingt durch die antiepileptische Medikation genommen werden. Die verschiedenen Antiepileptika unterscheiden sich in Hinsicht auf Fehlbildungsrisiko für das Un-geborene erheblich. Als günstige Wirkstoffe haben sich Lamotrigin und Leve-tiracetam erwiesen, während z .B. Valproinsäure und Topiramat eher eine hohe Fehlbildungsrate aufweisen.
Medikamentenumstellung und Folsäure
Manche Antiepileptika können in unterschiedlichem Ausmaß Fehlbildungen hervorrufen. Deshalb ist es sehr wichtig, die verordneten Medikamente und ihre Dosierung möglichst schon vor Beginn einer Schwangerschaft überprüfen zu lassen und bei Kinderwunsch eventuell das Medikament umzustellen. Auch die tägliche Einnahme von Folsäure ist für Frauen mit Epilepsie besonders wichtig. Beginnen Sie damit schon vor dem Absetzen der Verhütung und nehmen Sie die Folsäure mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels ein.
Generell sollte eine Monotherapie in möglichst niedriger Dosierung angestrebt und Kombinationstherapien vermieden werden. Prophylaktisch wird die Einnahme von 5 mg Folsäure empfohlen. Bei Lamotrigin ist zu beachten, dass eine engmaschige Kontrolle des Serumspiegels im Verlauf der Schwangerschaft erforderlich ist, um das Absinken des Wirkspiegels frühzeitig zu erfassen und entsprechend durch Dosisanpassungen entgegenzuwirken. Dosisanpassungen sind unter Therapie mit Lamotrigin ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zu erwarten.
Risikobewertung und Medikamentenprofile
Vor der Planung einer Schwangerschaft sollte eine Aufklärung der Patientin über das Risikoprofil der Medikamente erfolgen. Es ist wichtig, die Spiegelveränderungen im Rahmen der Schwangerschaft zu berücksichtigen. Eine Prophylaxe mit Folsäure (5mg/die) sollte mindestens 3 Monate vor geplanter Schwangerschaft begonnen werden. Die Gabe der Antikonvulsiva sollte in mehreren Tagesdosen (3x) erfolgen, um Spiegelspitzen zu vermeiden. Möglichst sollte eine Monotherapie angestrebt und niedrige Dosen gewählt werden, soweit möglich.
Lesen Sie auch: Ein umfassender Leitfaden zur idiopathischen generalisierten Epilepsie
Spiegelbestimmungen
Spiegelbestimmungen sind vor der Schwangerschaft als Referenz wichtig. Nach Eintritt der Schwangerschaft sollten nach Woche 1, danach monatlich Spiegelbestimmungen zur selben Uhrzeit erfolgen. Typischerweise kommt es zu einem Spiegelabfall von Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin, Phenytoin, Topiramat und Zonisamid. Eine Dosiserhöhung ist häufig erforderlich.
Spezifische Antiepileptika und Schwangerschaft
Lamotrigin (LTG)
Lamotrigin hat aktuell neben Levetiracetam die günstigsten Daten. Fehlbildungen sind möglicherweise dosisabhängig, wobei >200 mg Lamotrigin das Risiko möglicherweise leicht erhöht. Der Medikamentenspiegel von Lamotrigin fällt in der Schwangerschaft ab, am stärksten im ersten Trimenon. Spiegelkontrollen sind in den ersten 3 Monaten sinnvoll (ca. alle 4 Wochen). Eine Dosisanpassung sollte spiegelgesteuert erfolgen. Eine Spiegelbestimmung vor Schwangerschaft ist aus diesem Grund sinnvoll.
Levetiracetam (LEV)
Es gibt wenig Daten bezüglich Levetiracetam. Es zeigt eine geringe Fehlbildungsrate und kaum Dosisanhängigkeit. Der Medikamentenspiegel von Levetiracetam fällt in der Schwangerschaft ab, stärkster Abfall in den ersten 3 Monaten. Spiegelkontrollen sind in den ersten 3 Monaten sinnvoll (ca. alle 4 Wochen). Eine Dosisanpassung spiegelgesteuert bei Abfall sinnvoll. Cave: Spiegelbestimmung wegen kurzer Halbwertszeit schwierig. Spiegelbestimmung immer zur selben Uhrzeit nach Medikamenteneinnahme erforderlich!
Oxcarbazepin
Oxcarbazepin hat eine geringe Fehlbildungsrate von ca. 3%. Der Medikamentenspiegel von Oxcarbazepin fällt in der Schwangerschaft ab, stärkster Abfall in den ersten 3 Monaten. Spiegelkontrollen sind in den ersten 3 Monaten sinnvoll (ca. alle 4 Wochen). Eine Dosisanpassung sollte spiegelgesteuert bei Abfall erfolgen.
Carbamazepin
Carbamazepin hat eine Fehlbildungsrate von ca. 5,5%, die dosisabhängig ist (<700mg ca. 4,5%, >700mg ca. 7,2%). Es gibt einen leichten Abfall des Carbamazepinspiegels im letzten Trimenon. "Freies Carbamazepin" während Schwangerschaft unverändert. Spiegelkontrollen und somit Dosisanpassung während SS wohl eher nicht sinnvoll.
Valproat
Valproat hat eine hohe Fehlbildungsrate von ca. 10,3 %, die dosisabhängig ist (< 1400 mg ca. 6,5%2, >1450 mg ca.
Topiramat (TPM)
Wie auch für VPA wurden Hinweise auf neurokognitive Entwicklungsstörungen unter TPM (Risiko 3‑ bis 4fach erhöht) und Autismus-Spektrum-Störung (2- bis 4fach erhöht) [11, 14] gefunden. Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte auf TPM möglichst verzichtet werden, was insbesondere die Anfallsprophylaxe bei idiopathisch generalisierten Epilepsien zusätzlich erschwert.
Lacosamid (LCM)
Die begrenzte Datenlage zu LCM stellt sich wie folgt dar: Embryotoxizität konnte für LCM in Tierversuchen nachgewiesen werden [16], was allerdings keine sicheren Rückschlüsse auf die Anwendung bei Menschen zulässt. In einer im letzten Jahr publizierten Beobachtungsstudie [13] wurden 55 prospektive und 10 retrospektive Schwangerschaften unter LCM (6 Monotherapien, restliche Kombinations-oder Polytherapien) untersucht. Hierunter zeigten sich keine größeren Fehlbildungen, allerdings werden bei 3 Neugeborenen bradykarde Herzrhythmusstörungen beschrieben. Natriumkanalblocker können einen negativen Einfluss auf die Herzreizleitung haben, und Herzrhythmusstörungen werden in 1 % der Fälle unter LCM beobachtet. In der MONEAD-Studie [22] konnte auch ein deutlicher Spiegelabfall von LCM (bis zu 39,9%) in der Schwangerschaft gezeigt werden, sodass auch hierunter Dosisadaptationen notwendig werden können.
Valproinsäure (VPA)
Die hohe Teratogenität von Valproat (VPA) ist mittlerweile bekannt und konnte in den Daten von Battino et al. [2] bestätigt werden. Das Risiko für größere Fehlbildungen steigt dosisabhängig an und beträgt 6 % bei <650 mg, 11,1 % bei 650-1450 mg und 25,2 % bei >1450 mg. Hinzu kommt die Angst vor VPA-assoziierten neurokognitiven Entwicklungsstörungen, Autismus, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom etc. des Kindes [11, 14, 19, 21], was nach Vorgaben der European Medicines Agency (EMA) die jährliche Überprüfung der weiteren Einnahmenotwendigkeit und Aufklärung bei Einsatz des Präparates bei Frauen im gebärfähigen Alter erforderlich macht. Autismus-Spektrum-Störungen und neurokognitive Störungen beim VPA-exponierten Kind werden mit 2‑ bis 4fach erhöht angegeben [14].
Es ist nicht immer möglich, auf VPA, das insbesondere bei idiopathisch generalisierten Epilepsien und verschiedenen anderen Epilepsiesyndromen gut und teils alternativlos wirksam ist [17], zu verzichten. Eine aktuelle retrospektive Kohortenstudie [18] zur Häufigkeit von Verletzungen und Krankenhausaufenthalten im Rahmen von VPA-Absetzversuchen bei Frauen und Männern im Alter von 16 bis 54 Jahren zeigte ein 1-7 % höheres Risiko für negative Folgen im Vergleich zu Patient:innen, die weiterhin VPA einnahmen, und unterstreicht die Problematik eines dogmatischen VPA-Absetzens bei Kinderwunsch.
Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der EMA [8] empfiehlt die regelmäßige Überprüfung, ob eine VPA-Medikation bei Männern mit Kinderwunsch weiterhin geeignet ist, und die Aufklärung über die Notwenigkeit einer wirksamen Empfängnisverhütung des Patienten und der Partnerin. Anlass hierfür waren Ergebnisse einer retrospektiven Beobachtungsstudie [8], in der Daten aus norwegischen, dänischen und schwedischen Schwangerschaftsregistern zu Kindern einflossen, die von ihren Vätern unter Einnahme von VPA, LTG oder LEV gezeugt wurden. Von 100 Kindern von Vätern, die 3 Monate vor der Zeugung VPA eingenommen hatten, wiesen 5 neurologische Entwicklungsstörungen auf, bei Vätern mit LTG und LEV waren es von 100 Kindern 3. Die Studie wies erhebliche methodische Mängel auf, z. B. Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich der Erkrankungen, für welche die Medikamente verwendet wurden u. a.
Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) [5] empfiehlt in ihrer Stellungnahme, männliche Patienten auf die oben genannten Daten hinzuweisen, warnte jedoch gleichzeitig vor einer generellen unkritischen Umstellung auf ein anderes, möglicherweise weniger wirksames Präparat. Eine kürzlich veröffentlichte Studie relativiert das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen des Kindes nach Zeugung unter VPA deutlich [3]. Die dänische Kohortenstudie untersuche 1336 Kinder von während der Spermatogenese mit VPA exponierten Vätern über einen medianen Follow-up-Zeitraum von 10 Jahren und verglich diese hinsichtlich kongenitaler Fehlbildungen, kognitiver Entwicklungsstörungen mit nicht VPA-exponierten Kindern.
Anfang 2024 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte allerdings vorsorglich auf Grund einer Warnung der Europäische Arzneimittelagentur (EMA) eine Warnung herausgegeben: Eine Behandlung mit dem Wirkstoff Valporinsäure vor und während der Zeugung könne das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern erhöhen. Hintergrund ist eine medizinische Studie, die Hinweise darauf geliefert hat. Neuere Daten bestätigen das aber nicht und eine Behandlung mit diesem Wirkstoff ist für viele Männer mit Epilepsie eine große Hilfe.
Risiken und Sicherheitsmaßnahmen während der Schwangerschaft
Anfallshäufigkeit
Solange der Medikamentenspiegel konstant bleibt, ändert sich die Anfallshäufigkeit in der Schwangerschaft meist nicht. In der Schwangerschaft kann es aber zu einem Abfall des Spiegels kommen, so dass die Dosis angepasst werden muss. Nach der Geburt wird sie dann unter ärztlicher Kontrolle wieder gesenkt.
Die Anfallshäufigkeit kann sich im Verlauf der Schwangerschaft variabel verändern (meist unveränderte Anfallshäufigkeit, Zunahme aber auch Abnahme der Anfallsfrequenz möglich). Ca. 65% unverändert, ca. 15% Zunahme, ca. 15% Abnahme.
SUDEP in der Schwangerschaft
Die Häufigkeit von SUDEP (Sudden Unexpected Death in Epilepsy) ist in der Schwangerschaft ca. 9-fach erhöht. Ursachen hierfür können sein:
- Unregelmäßige Medikamenteneinnahme
- Reduktion der Medikation aus Angst vor negativen Auswirkungen auf den Foetus
- Absetzen der Medikation
- Spiegelveränderungen (Spiegelabfall insbesondere unter LTG, LEV, OXC, CBZ)
- Schlafentzug
- Hormonelle und metabolische Veränderungen
- Perinatale Anfälle, z.B. bei prolongierter Geburt und versehentliches Auslassen der Medikation
Fehlbildungen und vorgeburtliche Diagnostik
Das Risiko von Fehlbildungen bei Epilepsien ist prinzipiell erhöht (Faktor 2-3). Die Gefahr für Kind und Mutter durch Anfälle ist höher als durch medikamentös bedingte Fehlbildungen! Eine sogenannte Ultraschallfeindiagnostik ab der 12. Schwangerschaftswoche kann helfen, mögliche Fehlbildungen abzuschätzen. Und bei einigen Antiepileptika sei es ratsam, den Serumspiegel kontrollieren zu lassen.
Allgemeine Sicherheitsmaßnahmen
Bei einem epileptischen Anfall kann es unvermittelt zu einem Sturz kommen. Machen Sie sich am besten schon frühzeitig Gedanken darüber, wie Sie Ihr Kind vor Verletzungen schützen können, zum Beispiel, indem Sie es auf dem Fußboden wickeln, nur im Bett oder in einem Sessel stillen und es nicht allein baden. Ihr Arzt, Ihre Ärztin oder Ihre Hebamme kann Sie dazu beraten.
Geburt und Wochenbett
Art der Geburt
Auf die Art der Geburt nimmt die Epilepsie kaum einen Einfluss. Einzige Ausnahme sind Frauen, bei denen häufig Anfälle auftreten. Wenn das Risiko hoch ist, dass eine Frau während der Geburt einen größeren Anfall haben wird, kann ein geplanter Kaiserschnitt die bessere Alternative sein. Auch wenn im Verlauf einer vaginalen Geburt Anfälle auftreten und die Frau deshalb nicht unterstützen kann, wird ein Kaiserschnitt gemacht. Wichtig ist, dass Sie auch während der Geburt Ihre Medikamente dabeihaben und sie weiter einnehmen.
Die Geburt sollte unbedingt in einer Klinik erfolgen. Eine Kinderklinik sollte aufgrund möglicher Komplikationen direkt an die Klinik angeschlossen sein. Eine normale Geburt ist bei gut eingestellter Epilepsie möglich, sonst Sectio. Es sollte eine Verhinderung von Schlafentzug soweit möglich erfolgen.
Grundsätzlich raten dieSpezialist*innen zu Kaiserschnitt nur bei häufigen Anfällen in der Schwangerschaft, großen Anfällen oder vielen kleinen Anfällen während der Geburt, denn dann kann die Gebärende oft nicht bei der Geburt mithelfen. „Was auch nicht vergessen werden darf, ist, die Antiepileptika auch im Kreißsaal weiter einzunehmen. Denn eine Geburt kann sich ja über viele Stunden hinziehen“, erinnert Prof. Dr. Schmitz. Während der Geburt ist auch ein vorübergehender Anfallsschutz durch benzodiazepinhaltige Medikamente zu erwägen.
Stillen
Antiepileptika können beim Stillen in die Muttermilch übergehen. Fachleute halten den Nutzen des Stillens jedoch für größer als das Risiko, das dadurch entsteht. Alle Antiepileptika gehen in unterschiedlichem Ausmaß in die Muttermilch über. Daher ist Stillen nach Rücksprache mit dem Neurologen und dem Kinderarzt erlaubt. Es wird geraten, abzustillen, wenn die Mutter an ausgeprägter Müdigkeit leidet oder wenn das Kind eine Trinkschwäche hat oder unzureichend an Gewicht zunimmt.
„Insgesamt sollten Mütter mit Epilepsie das Stillen nicht unnötig lange fortsetzen. Wir wissen, dass Schlafentzug zu vermehrten Anfällen führen kann. Daher wäre es gut, sich bei der Versorgung des Babys Unterstützung zu sichern“, rät Prof. Dr.
Postpartale Phase
Nach der Geburt wird die Dosis der Medikamente unter ärztlicher Kontrolle wieder gesenkt. Es sollte eine Vermeidung der Verletzung des Kindes (Sturzgefahr bei Anfällen) erfolgen. Wickeln auf Boden, Kinderwagen mit automatischer Bremse, Baden nur in flachem Wasser.
Genetische Aspekte und Vererbung
Gut zu wissen: Epilepsie wird nur selten vererbt. Mehr als 95 % der Kinder von Eltern mit Epilepsie erkranken nicht daran. Kinder von Eltern mit Epilepsie haben im Durchschnitt ein etwas höheres Risiko an Epilepsie zu erkranken als Kinder gesunder Eltern. Selten wird Epilepsie direkt vererbt, oder eine Krankheit, bei der epileptische Anfälle zu den Symptomen gehören. Dann sind die Gene die einzige Ursache der Epilepsie. Wenn nur ein einziges Gen die Epilepsie verursacht, ist das Risiko es zu vererben besonders hoch. Die meisten Epilepsien mit einem erblichen Anteil haben aber noch weitere Ursachen. Manche Epilepsien sind überhaupt nicht erblich, weil sie ausschließlich andere Ursachen haben.
Wer diesbezüglich Sorgen hat, kann bei einem Neurologie-Termin erfragen, ob eine genetische Beratung sinnvoll wäre. Hat die Mutter Epilepsie, besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Fehlbildungen beim Kind. Ursache können in der Schwangerschaft eingenommene Antiepileptika sein, aber auch ein erhöhtes genetischen Risiko oder Anfälle in der Schwangerschaft. Bei manchen Medikamenten zur Anfallsunterdrückung ist das Risiko für Fehlbildungen deutlich höher als bei anderen.
Die von Vätern eingenommenen Antiepileptika erhöhen nicht das Risiko für Fehlbildungen.
Unterstützung und Beratung
EURAP-Register
Das Internationale Register dient zur Sammlung von Daten zur Sicherheit von Antiepileptika in der Schwangerschaft. Schwangerschaften sollten im Sinne aller Schwangeren unbedingt im EURAP-Register gemeldet werden. Dokumentation der Schwangerschaft mit 5 Erfassungsbögen:
- Bogen A: Erfassung der demoographischen Daten bis Ende der 16 Woche prospektiv und ab der 16 SSW retrospektiv
- Bogen B: Beurteilung des Schwangerschaftsverlaufs im ersten Trimenon - Erhebung nach 14. SSW
- Bogen C: Beurteilung des Schwangerschaftsverlaufs im zweiten Trimenon - Erhebung nach 26. SSW
- Bogen D: Beurteilung des Schwangerschaftsverlaufs im dritten Trimenon und der Neugeborenenperiode - Erhebung in den ersten 3 Monaten nach der Geburt
- Bogen E: Follow up des Kindes nach dem ersten Lebensjahr - Erhebung nach dem ersten Lebensjahr
Eine Einwilligung der Patientin ist erforderlich.
Beratungsstellen
Für die Beratung gebe es Spezialsprechstunden, wie etwa in der Epilepsie-Ambulanz am Vivantes Humboldt-Klinikum. Allerdings sei es eigentlich für alle Frauen im gebärfähigen Alter, bei denen eine Epilepsie diagnostiziert wurde, wichtig, sich mit damit auseinanderzusetzen - vor allem, weil es ja auch ungeplante Schwangerschaften geben kann.
Bei der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie e.V. Pro familia bietet Beratungen rund um das Thema Sexualität, Schwangerschaft und Kinderwunsch an. Informationen für Eltern finden Sie über e.b.e.