Epilepsie-Tests bei LABOKLIN: Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die auch bei Hunden auftreten kann. LABOKLIN bietet verschiedene Tests an, um die Ursachen von Epilepsie zu ermitteln und eine geeignete Therapie einzuleiten. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Epilepsie-Formen, die verfügbaren Tests und die Möglichkeiten der Therapie.

Genetisch bedingte Epilepsie: Lafora-Epilepsie und andere Formen

Die genetische Veranlagung spielt eine große Rolle bei der idiopathischen Epilepsie. LABOKLIN bietet unter dem Namen "Spotlight" eine Zusammenfassung der Tests, die bekannte genetische Hintergründe abklären. Insbesondere sind hier die Lafora-Epilepsien verschiedener Rassen zu nennen, die rassespezifisch auf verschiedene Mutationen zurückgehen, die bei allen Lafora-Epilepsien im gleichen Gen lokalisiert sind.

Lafora-Epilepsie

Das Lafora-Syndrom ist eine autosomal-rezessiv vererbte Glykogenstoffwechselstörung, die eine progressiv verlaufende myoklonische Epilepsie auslöst. Durch eine Mutation im NHLRC1-Gen (auch EPM2B genannt) kommt es zu einer Umwandlung von löslichem Glykogen zu unlöslichem Polyglukosan, das zu neurotoxischen Einschlüssen, sogenannten Lafora-Körperchen, aggregiert. Die Lafora-Körperchen lagern sich in den neuronalen somatodendritischen Kompartimenten des Gehirns ein, können aber auch in anderen Organen wie Muskel, Herz, Haut und Leber gefunden werden.

Symptome:

  • Schlechte Sehkraft/Blindheit
  • Generelle tonisch-klonische Krampfanfälle
  • Myoklonische Zuckungen (oftmals durch Licht, akustische Signale oder plötzliche Bewegungen im Sehfeld ausgelöst)
  • Panikattacken
  • Demenz
  • Aggressionen
  • Im späteren Verlauf Kot- und Harninkontinenz

Die ersten Symptome zeigen sich meist ab einem Alter von 7 Jahren. Da es sich um eine progressive Erkrankung handelt, nimmt die Frequenz und die Stärke der Anfälle mit der Zeit zu.

Gentest:

LABOKLIN bietet einen Gentest für die Lafora-Epilepsie an, der anhand einer EDTA-Blutprobe durchgeführt werden kann. Dieser Test ist für folgende Rassen verfügbar:

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  • Basset Hound
  • Beagle
  • Cardigan Welsh Corgi
  • Pembroke Welsh Corgi
  • Chihuahua
  • Dackel
  • Französische Bulldogge
  • Neufundländer

Details zur Bestellung (Testnummer 8005):

  • Probenmaterial: 0,5 ml EDTA-Blut
  • Testdauer: 14-21 Werktage
  • Spezifikationen Test:
    • Symptomkomplex: neurologisch
    • Erbgang: autosomal-rezessiv
    • Erkrankungsalter: 7 Jahre
    • Wirkweise: ursächlich
    • Gen: NHLRC1
    • Variante: COMPLEX

Juvenile Epilepsie beim Lagotto Romagnolo

Beim Lagotto Romagnolo tritt eine Form der Epilepsie auf, die verknüpft ist mit Symptomen im frühen Lebensalter der Hunde. Typische Symptome umfassen leichtes Zittern, unsicheren Gang, Unfähigkeit zu Laufen und kurzzeitige spastische Lähmungen. Die Symptome treten nur zeitlich begrenzt und unterschiedlich stark ausgeprägt auf.

Details zur Bestellung (Testnummer 8459):

  • Probenmaterial: 0,5 ml EDTA-Blut, 2x Backenabstrich, 1x Spezialabstrich (eNAT)
  • Testdauer: 3-5 Werktage
  • Spezifikationen Test:
    • Symptomkomplex: neurologisch
    • Erbgang: autosomal-rezessiv
    • Erkrankungsalter: 5-12 Wochen
    • Wirkweise: ursächlich
    • Gen: LGI2
    • Variante: A-T

Juvenile Myoklonische Epilepsie beim Rhodesian Ridgeback

JME ist eine für den Rhodesian Ridgeback typische Epilepsie-Form mit häufigen Myoklonien. Die Hunde leiden unter unwillkürlichen, plötzlichen Muskelzuckungen, die insbesondere im Ruhezustand auftreten. Erste Symptome treten im Alter von etwa 6 Monaten auf. Im Verlauf der Erkrankung kommt es bei einigen Hunden zu den typischen epileptischen Anfällen. Als Therapie kann die Behandlung mit Antiepileptika zu einer Verbesserung führen.

Details zur Bestellung (Testnummer 8557):

  • Probenmaterial: 0,5 ml EDTA-Blut, 2x Backenabstrich, 1x Spezialabstrich (eNAT)
  • Testdauer: 3-5 Werktage
  • Spezifikationen Test:
    • Symptomkomplex: neurologisch
    • Erbgang: autosomal-rezessiv
    • Erkrankungsalter: 6 Monate
    • Wirkweise: ursächlich
    • Gen: DIRAS1
    • Variante: DEL

Juvenile Enzephalopathie beim Parson und Jack Russel Terrier

Auch andere Anfallsleiden können ihre Ursache in Veränderungen bestimmter Gene haben. Beispielhaft zu nennen wären Bewegungsstörungen wie das Episodic Falling des Cavalier King Charles Spaniels, Enzephalopathien wie die nekrotisierende Meningoenzephalitis beim Mops, Speicherkrankheiten wie die neuronale Ceroidlipofuszinose, die bei verschiedenen Rassen vorkommen kann und die Narkolepsie bei Dackel, Dobermann und Labrador.

Differenzialdiagnose von Epilepsie

Prof. Volk zeigt auf, wie die Einordnung von epileptischen Anfällen gelingt. Ein generalisiertes tonisch-klonisches Krampfgeschehen wird dabei am ehesten einer Epilepsie zugeordnet. Schwerer fällt die Beurteilung bei fokalen Anfällen. Bei Synkopen hingegen kommt es eher zu einem einmaligen, kurzen Myoklonus mit sehr schneller Erholung. Der Epilepsie ähnlich kann die paroxysmale Dyskinesie sein. Prof. Fischer erklärt sie als eine nicht epileptische Gehirnerkrankung, die episodisch auftritt und durch bestimmte Reize ausgelöst wird. Patienten mit dyskinetischem Anfall bleiben bei Bewusstsein.

Epilepsie und Stress

Auf die Frage, ob Stress einen Anfall auslösen kann, berichtet Prof. Volk, dass bei epileptischen Hunden erhöhte Cortisolspiegel in Blut und Speichel nachgewiesen wurden. Er ist sich mit Prof. Fischer einig, dass stressinduzierte Anfälle am ehesten in der auf das Stressereignis folgenden Ruhephase gesehen werden. Ein geregelter Tagesablauf und Maßnahmen zur Stressreduktion z. B.

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Prof. Potschka beruhigt, dass ein einzelner klassischer Anfall vermutlich nicht zu einer Erhöhung der Anfallshäufigkeit führt. Anders kann es aber bei langer Anfallsdauer, Clusteranfällen oder einem Status epilepticus aussehen. Prof. Volk gibt als Definition für den Status epilepticus eine Anfallsdauer ab fünf Minuten an und definiert Clusteranfälle als das Auftreten von mehr als einem Anfall innerhalb von 24 Stunden.

Therapie der Epilepsie

Prof. Bröer beantwortet die Frage danach, wann mit der medikamentellen Therapie begonnen wird. Auf ein Antiepileptikum eingestellt werden sollten Hunde mit zwei Anfällen in 6 Monaten, Katzen mit zwei Anfällen in 3-4 Monaten sowie jeder Patient nach einem Status epilepticus oder einer Cluster-Episode.

Medikamentöse Therapie

Häufig kommen Phenobarbital oder Kaliumbromid zum Einsatz. Die therapeutischen Spiegel sollten kontrolliert werden. Ebenso wichtig ist ein allgemeines Screening, insbesondere die Überprüfung der Leberfunktion.

Prof. Bröer berichtet, dass Imepitoin und Phenobarbital in Studien eine relativ ähnliche Wirksamkeit gezeigt haben. Beide können auch miteinander kombiniert werden, wobei die Dosis der einzelnen Präparate dabei reduziert werden kann. Bei Patienten mit Clusteranfällen gilt hingegen Phenobarbital als Medikament der ersten Wahl.

LABOKLIN bietet Serumspiegelbestimmungen an:

  • Phenobarbital: 24,00 € netto Tierarzt
  • Bromid: 23,50 € netto Tierarzt
  • Levetiracetam: 55,00 € netto Tierarzt

Die Laufzeiten betragen von einem Tag (Phenobarbital) bis maximal drei Tagen (Levetiracetam).

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Im Rahmen des Monitorings wird die Bestimmung von Plasmaspiegeln für Phenobarbital und Kaliumbromid genutzt. Prof. Bröer erklärt, dass dies für Phenobarbital ab zwei Wochen nach Therapiestart sinnvoll ist, während für Kaliumbromid eine Untersuchung frühestens drei Monate nach Beginn der Gabe aussagekräftige Werte liefert.

Therapie bei Katzen

Prof. Volk beruhigt, dass Katzen nicht schwerer als Hunde krampfen, auch wenn es manchmal vielleicht dramatischer aussieht. Prof. Fischer verneint die Frage nach definierten Rasseprädispositionen, auch wenn es eine gewisse Häufung bei der Britisch Kurzhaar zu geben scheint. Prof. Bröer kommt auf die Therapie zu sprechen. Insgesamt ist die Studienlage bei der Katze sehr viel schlechter als beim Hund, generell lässt sich aber sagen, dass die Ansprache auf die zweimal tägliche Gabe von Phenobarbital bei Katzen im Allgemeinen sehr gut ist und Katzen zudem mit deutlich weniger Nebenwirkungen reagieren. Auch Imepitoin wird von Katzen gut vertragen und hat seine Wirkung. Eine absolute Kontraindikation besteht bei dieser Tierart für Kaliumbromid.

Enzephalitis

Prof. Volk beschreibt hierfür symmetrische, fokale Anfälle, die mit Veränderungen im MRT im Bereich des Hypocampus und Befunden im Liquor einhergehen. Typisch seien Serienanfälle, Verhaltensänderungen und die Nicht-Ansprache auf eine antiepileptische Therapie. Eine Steroidtherapie hingegen kann wirksam sein.

Feline audiogene Reflexanfälle

Die Experten sprechen von einem genetischen Hintergrund und Rasseprädispositionen.

Labordiagnostik bei Epilepsie

Bei der Labordiagnostik legen Prof. Fischer und Prof. Volk Wert auf die Hämatologie und Biochemie. Es geht um den Ausschluss anderer Ursachen für epileptische Anfälle sowie die Detektion von möglicherweise im Hinblick auf die Therapie mit Antiepileptika relevanten Begleiterkrankungen. Es gibt keine typischen Marker für die Epilepsie im Blut, allerdings können nach einem Anfall die CK-Werte für etwa zwei Tage erhöht sein. Eine weiterführende Diagnostik mittels MRT (und Liquoruntersuchung) dient der Überprüfung struktureller Veränderungen oder Entzündungsprozesse im Gehirn. Sie sind insbesondere bei weniger typischer klinischer Präsentation und älteren Patienten (Hund über sechs Jahre, Katze über sieben Jahre) wichtig.

Darm-Mikrobiom und Fütterung

Gefragt nach der Rolle von Darm-Mikrobiom und Fütterung für die Epilepsie berichtet Prof. Potschka, dass die von den Mikroorganismen des Darms produzierten Stoffwechselprodukte (das Metabolom) einen Einfluss zu haben scheinen. Zudem konnten Studien einen Einfluss der Fütterung auf die Epilepsie und deren Therapierbarkeit nachweisen.

Zusammenfassung

Epilepsie ist eine komplexe Erkrankung, die verschiedene Ursachen haben kann. LABOKLIN bietet eine Vielzahl von Tests an, um die Ursache der Epilepsie zu ermitteln und eine geeignete Therapie einzuleiten. Die genetische Diagnostik spielt eine wichtige Rolle, insbesondere bei den Lafora-Epilepsien verschiedener Rassen, der juvenilen Epilepsie beim Lagotto Romagnolo und der juvenilen myoklonischen Epilepsie beim Rhodesian Ridgeback. Die Therapie der Epilepsie erfolgt in der Regel medikamentös, wobei Phenobarbital und Imepitoin häufig eingesetzt werden. Die Spiegel der Medikamente sollten regelmäßig kontrolliert werden. Auch das Darm-Mikrobiom und die Fütterung können einen Einfluss auf die Epilepsie haben.

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