Epilepsie-Warnhunde: Kosten, Nutzen und Finanzierung

Epilepsie-Warnhunde sind speziell ausgebildete Assistenzhunde, die Menschen mit Epilepsie mehr Sicherheit und Unabhängigkeit ermöglichen können. Sie sind in der Lage, Anfälle im Vorfeld zu erkennen und den Betroffenen zu warnen, was ihnen ermöglicht, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen oder Hilfe anzufordern. Dieser Artikel beleuchtet die Kosten, den Nutzen und die Finanzierungsmöglichkeiten von Epilepsie-Warnhunden in Deutschland.

Was sind Assistenzhunde und welche Arten gibt es?

Assistenzhunde sind speziell ausgebildete Tiere, die Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen im Alltag unterstützen. Im Gegensatz zu Therapiehunden haben sie besondere Rechte, wie den Zutritt zu Bereichen, die für andere Hunde normalerweise nicht zugänglich sind. Es gibt verschiedene Arten von Assistenzhunden, die jeweils auf die spezifischen Bedürfnisse ihrer Besitzer zugeschnitten sind:

  • Blindenführhunde: Sie helfen sehbehinderten oder blinden Menschen, sich sicher im Alltag zu bewegen, indem sie Hindernisse erkennen und den Weg weisen.
  • Signalhunde: Sie machen gehörlose oder schwerhörige Menschen auf wichtige Geräusche wie Türklingeln, Telefonklingeln oder Alarme aufmerksam.
  • Servicehunde: Sie unterstützen Menschen mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen, indem sie beispielsweise Gegenstände bringen, Türen öffnen oder bei Angstzuständen helfen.
  • Medizinische Assistenzhunde: Diese Hunde sind darauf trainiert, auf spezifische gesundheitliche Anforderungen zu reagieren. Dazu gehören Epilepsie-Warnhunde, Diabetikerwarnhunde und Schlaganfallwarnhunde.

Epilepsie-Warnhunde im Detail

Bei Assistenzhunden für Epilepsie wird zwischen Epilepsiewarnhunden und Epilepsieanzeigehunden unterschieden.

  • Epilepsiewarnhunde: Sie warnen den Epilepsiepatienten, bevor ein akuter Anfall eintritt. Somit kann der Patient sich rechtzeitig hinlegen, um einen unkontrollierten Sturz zu vermeiden und unter Umständen sogar noch Hilfe anfordern.
  • Epilepsieanzeigehunde: Sie sind darauf trainiert, bei einem eingetretenen Anfall Hilfe zu holen, indem sie z.B. einen Notfallknopf drücken oder bellen.

Die besondere Fähigkeit der Warnhunde

Die Fähigkeit, einen Anfall im Vorfeld zu erkennen, ist keine erlernte Fähigkeit. Entweder der Hund besitzt diese Sensibilität für ein drohendes Ereignis oder nicht. Studien deuten darauf hin, dass Epilepsiewarnhunde eine reduzierte Sauerstoffsättigung wahrnehmen, die kurz vor einem fokalen Anfall auftreten kann.

Nutzen von Epilepsie-Warnhunden

Epilepsie-Warnhunde können das Leben von Menschen mit Epilepsie erheblich verbessern:

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  • Mehr Sicherheit: Sie warnen vor Anfällen, wodurch Stürze und Verletzungen vermieden werden können.
  • Mehr Selbstständigkeit: Sie ermöglichen es den Betroffenen, ein aktiveres und unabhängigeres Leben zu führen.
  • Verbesserte Lebensqualität: Sie reduzieren Angstzustände und verbessern das Selbstbewusstsein.
  • Emotionale Unterstützung: Sie bieten Trost und Sicherheit in schwierigen Situationen.

Ausbildung und Kennzeichnung von Assistenzhunden

Der Ausbildungsprozess zum Assistenzhund beginnt in der Regel mit der Auswahl von geeigneten Welpen, die über die notwendigen Eigenschaften wie Intelligenz, Gehorsam und Ruhe verfügen. Die Ausbildung, die bis zu zwei Jahre dauern kann, konzentriert sich auf spezifische Fähigkeiten, die auf die Bedürfnisse der zukünftigen Besitzerinnen und Besitzer zugeschnitten sind, sei es die Führung von Blinden, das Erkennen von Anfällen oder die Unterstützung bei Mobilitätsproblemen. Diesem Training geht eine allgemeine Grundausbildung voran.

Der Ausbildungsprozess beinhaltet Gehorsams- und Verhaltensschulungen sowie spezifische Übungen. Aber auch ein Wesenstest und ein Gesundheitscheck des Hundes durch die Tierärztin oder den Tierarzt ist notwendig. Dabei soll auch eine enge Bindung zwischen dem Hund und seiner zukünftigen Besitzerinnen bzw. seinem zukünftigen Besitzer durch gemeinsame Aktivitäten und Alltagssituationen gestärkt werden. Während des Trainings werden realistische Szenarien nachgestellt, um sicherzustellen, dass der Assistenzhund in unterschiedlichen Umgebungen und Situationen sicher und zuverlässig agieren kann. Am Ende des Trainings erfolgt eine Prüfung, die zeigt, wie Besitzerin bzw. Besitzer und Hund als Team funktionieren.

Laut Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) ist ein Assistenzhund als solcher zu kennzeichnen. Eine häufige Form der Kennzeichnung ist ein Halstuch, eine Kenndecke oder ein Führungsgeschirr. Diese Kennzeichen tragen oft Symbole oder Aufschriften, die darauf hinweisen, dass es sich um einen Hund zur Assistenz handelt. Eine solche Kennzeichnung ist vor allem in der Öffentlichkeit wichtig, da Assistenzhunde - im Gegensatz zu Therapiehunden - auch zu Bereichen Zutritt haben, in denen Hunde sonst nicht erlaubt sind, z. B. Supermärkte oder Arztpraxen.

Kosten eines Epilepsie-Warnhundes

Die Kosten für einen Epilepsie-Warnhund können erheblich sein. Sie setzen sich zusammen aus:

  • Anschaffungskosten: 5.000 bis 30.000 € (abhängig von der Ausbildungsform)
  • Ausbildungskosten: Die Ausbildung kann in Selbst- oder Fremdausbildung abgeschlossen werden.
  • Laufende Kosten: Futter, Tierarzt, Versicherung, Hundesteuer

Für einen gut ausgebildeten Assistenzhund entstehen im Schnitt Kosten in Höhe von ca. 10.000 €. Diese Kosten verteilen sich auf die Anschaffung, Reise- und Verpflegungskosten und das Training selbst. Durch Eigenleistungen können Kosten zwar eingespart, aber nicht gänzlich vermieden werden. Entscheidet man sich beispielsweise für den Weg der Selbstausbildung, können hier viele Kosten eingespart werden, dies ist aber nicht in jedem Fall möglich und ist zudem personenabhängig.

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Finanzierungsmöglichkeiten

Da die Kosten für Assistenzhunde (mit Ausnahme von Blindenführhunden) in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen werden, müssen Betroffene andere Finanzierungsquellen suchen:

  • Stiftungen und Vereine: Es gibt zahlreiche Stiftungen und Vereine, die finanzielle Unterstützung für die Anschaffung und Ausbildung von Assistenzhunden anbieten.
  • Spendenaktionen: Private Spendenaktionen über Online-Plattformen oder lokale Initiativen können helfen, einen Teil der Kosten zu decken.
  • Sozialamt: Im Einzelfall können auch Behörden wie das Sozialamt zur finanziellen Unterstützung herangezogen werden.
  • Agentur für Arbeit: Die Agentur für Arbeit übernimmt in speziellen Situationen einen Teilbetrag der Kosten für einen Assistenzhund, wenn der Betroffene nur so seiner Arbeit weiter nachgehen kann.
  • Opferentschädigungsgesetz (OEG): Je nach Einzelfall wird die Anschaffung eines PTBS-Assistenzhunds eventuell mit einer Teilförderung durch das Opferentschädigungsgesetz (OEG) unterstützt. Beratungsstellen wie der Weiße Ring helfen bei der Antragstellung.
  • Persönliches Budget: Laut Sozialgesetzbuch besteht für Menschen mit Behinderung zusätzlich ein Rechtsanspruch auf das sogenannte „persönliche Budget“.

Steuerliche Aspekte

  • Hundesteuer: Assistenzhunde sind in der Regel von der Hundesteuer befreit oder erhalten zumindest eine Ermäßigung.
  • Einkommenssteuer: Wurde der Kauf des Assistenzhundes vom Arzt verordnet, können die Kosten als außergewöhnliche Belastung in der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden. Allerdings gilt dies nur für den Teil der Aufwendungen, der die zumutbare Belastung übersteigt.

Voraussetzungen für einen Epilepsie-Warnhund

Nicht jeder Epilepsiepatient ist für einen Epilepsie-Warnhund geeignet. Folgende Voraussetzungen sollten erfüllt sein:

  • Diagnose Epilepsie: Der Betroffene leidet unter fokalen Anfällen und ist trotz Medikamenteneinstellung nicht anfallsfrei.
  • Bindungsfähigkeit: Der Epileptiker ist bereit und fähig, eine enge Bindung zum Epilepsiewarnhund aufzubauen und zu erhalten.
  • Hundehaltung: Der Epileptiker ist 24 Stunden mit dem Epilepsiewarnhund zusammen und hält sich immer in der Nähe des Hundes auf.
  • Ein Hund im Haushalt: Der Epilepsiewarnhund ist idealerweise der einzige Hund im Haushalt, damit andere Hunde ihn nicht von seiner Arbeit ablenken.
  • Wunsch des Kindes: Falls der Epilepsiewarnhund für ein Kind ausgebildet wird, sollte das Kind selber den Wunsch nach einem Hund haben und bereit sein, die tägliche Arbeit aufzuwenden.

Der Unterschied zwischen Assistenzhund und Therapiehund

Ein Assistenzhund assistiert einem physisch, motorisch oder psychisch beeinträchtigten Menschen im täglichen Leben. Der Hund lebt dauerhaft bei der hilfebedürftigen Person und ist speziell auf die Bedürfnisse des Betroffenen ausgebildet.

Der Therapiehund dagegen ist im therapeutischen Einsatz. Ein Therapeut arbeitet gemeinsam mit dem Hund als tiergestützte Therapie mit wechselnden Patienten. Der Hund lebt beim Therapeuten und nicht beim Patienten.

Kann jeder Hund ein Assistenzhund werden?

Viele Hunde können zum Assistenzhund ausgebildet werden, aber nicht alle. Anfall-Warnhunde zum Beispiel müssen „Naturtalente“ sein, denn das Erkennen von Anfällen kann nicht erlernt werden. Das muss der Hund „mitbringen“.

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Es ist besonders wichtig, dass der Assistenzhund spezielle charakterliche Merkmale aufweist. Sehr beliebte Hunde sind zumeist Golden-Retriever, Labrador, Großpudel, aber auch Kreuzungen aus Pudel und Retriever bzw. Labrador.

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