Epileptische Anfälle sind ein komplexes neurologisches Problem, das durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Während die Ursachen oft unklar bleiben (idiopathische Epilepsie), können symptomatische Epilepsien als Folge von Erkrankungen oder äußeren Einflüssen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Umweltgiften, Mikronährstoffmängeln und anderen Faktoren bei der Entstehung epileptischer Anfälle.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist durch das wiederholte Auftreten von Anfällen gekennzeichnet, die durch synchronisierte, anfallsartige Entladungen von Nervenzellgruppen im Gehirn verursacht werden. Etwa fünf Prozent der Bevölkerung erleben einmal im Leben einen epileptischen Anfall, und bei etwa zehn Prozent zeigt das EEG eine erhöhte Krampfbereitschaft. Epilepsien werden in fokale und generalisierte Anfälle unterteilt, was für die Wahl der Medikamente entscheidend ist.
Umweltgifte als Auslöser
Verschiedene Umweltgifte können neurologische Folgen haben und möglicherweise epileptische Anfälle auslösen. Dazu gehören Formaldehyd, Quecksilber und Aluminium. Formaldehyd findet sich beispielsweise in manchen Möbeln, Laminatböden und Kratzbäumen für Katzen. Katzen, die über diese Böden laufen und ihr Fell putzen, können so Formaldehyd aufnehmen. Es ist daher ratsam, formaldehydhaltige Produkte zu vermeiden. Auch die Belastung von Tierfutter mit Schadstoffen ist ein Thema, das berücksichtigt werden sollte.
Mikronährstoffmängel und ihre Bedeutung
Bei Epilepsiepatienten ist ein Mangel an Mikronährstoffen häufig anzutreffen. Epilepsiemedikamente können Mikronährstoffe "rauben", wie beispielsweise Vitamin D. Ein Mangel an diesen Nährstoffen kann wiederum die Entstehung von Anfällen fördern.
Vitamin D
Vitamin D3 spielt eine wichtige Rolle im Hirnstoffwechsel und beeinflusst verschiedene Hirnfunktionen. Studien zeigen, dass Epilepsiepatienten bereits vor Beginn einer Behandlung niedrigere Vitamin-D3-Spiegel aufweisen als gesunde Kontrollpersonen. Anfallssuppressive Medikamente (ASMs) können diese Defizite verstärken, wobei die Abnahme des Vitamin-D3-Spiegels mit der Dauer der Medikation korreliert. Eine verminderte Knochendichte ist eine häufige Nebenwirkung der antiepileptischen Therapie, bei der der verminderte Vitamin-D3-Spiegel eine entscheidende Rolle spielt. Chinesische Wissenschaftler haben 2024 festgestellt, dass verminderte Vitamin-D-Konzentrationen mit kognitiven Störungen bei Epilepsiepatienten verbunden sind. Eine indonesische Studie zeigte bei Kindern mit Epilepsie, die ASMs einnahmen, niedrigere Vitamin-D-Spiegel als erwartet, besonders bei der Einnahme mehrerer ASMs. Forscher aus China fanden bei Kindern mit Epilepsie einen Zusammenhang zwischen verminderten Vitamin-D-Spiegeln und Störungen der exekutiven Funktionen.
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Oxidativer Stress und Antioxidantien
Oxidativer Stress kann mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht werden. Das Gehirn ist aufgrund seines hohen Sauerstoffbedarfs besonders anfällig für oxidativen Stress. Epilepsie ist durch neuronale Übererregbarkeit gekennzeichnet, was zu einem erhöhten Energieverbrauch der Nervenzellen und damit zu oxidativem Stress führt. Epilepsie kann aber auch das Resultat von oxidativem Stress sein. Bei Epilepsiepatienten besteht eine erhöhte Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und eine ausgeprägte antioxidative Imbalance. Ältere Antiepileptika können oxidativen Stress hervorrufen und die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen. Forscher empfehlen die Bestimmung von reaktiven Sauerstoffmetaboliten, um die Sicherheit und Effektivität der Neuronen zu überprüfen. Eine indische Studie aus dem Jahr 2014 zeigte, dass Epilepsiepatienten signifikant niedrigere Spiegel von Antioxidantien aufweisen. Polnische Wissenschaftler untersuchten die Rolle von Vitamin C bei der antiepileptischen Therapie, da Vitamin C Zellmembranen stabilisiert und die Lipidperoxidation vermindern kann. Ein Fachartikel aus dem Jahr 2021 erörterte die Bedeutung neurodegenerativer Prozesse bei der Epilepsieentstehung und sieht in Vitamin E aufgrund seiner antioxidativen, antientzündlichen und neuroprotektiven Eigenschaften einen nützlichen therapeutischen Ansatz. Ein Übersichtsartikel polnischer Wissenschaftler befasste sich mit Störungen endogener und exogener Antioxidantien bei neurologischen Erkrankungen.
B-Vitamine
ASMs können verschiedene Mängel im Bereich der B-Vitamine auslösen. Eine höhere Aufnahme von Vitamin B1 war mit einem niedrigeren Epilepsierisiko assoziiert. Epilepsiepatienten zeigten im Vergleich zur Normalbevölkerung eine niedrigere Aufnahme von Vitamin B1 und B6. Über die Hälfte der mit ASMs behandelten Patienten zeigten Störungen in der Folsäureversorgung. Allerdings ist zu beachten, dass eine hochdosierte Folsäuresupplementierung (über ein Milligramm pro Tag) z.B. die Anfallshäufigkeit erhöhen kann. Die Einnahme von ASMs kann auch eine Hyperhomocysteinämie auslösen, weshalb die Kontrolle des Homocysteinspiegels bei Epilepsiepatienten empfehlenswert ist. Homocystein ist ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen und besitzt neurotoxisches Potential. Viele Patienten mit Epilepsie haben auch einen Vitamin-B6-Mangel. Es gibt auch eine seltene Stoffwechselerkrankung, die durch epileptische Anfälle bei neugeborenen Kindern in Erscheinung tritt, die so genannte pyridoxiabhängige Epilepsie. Das häufig verwendete Epilepsie-Medikament Levetiracetam kann neuropsychiatrische Symptome verursachen, die durch die Einnahme von Vitamin B6 gebessert werden können. Bei langer Therapie mit ASMs kann auch ein Biotinmangel auftreten, weil verschiedene ASMs den Biotinabbau beschleunigen können.
Magnesium, Zink und Selen
Ein schwerer Magnesiummangel kann Krampfanfälle auslösen. Zink ist für die Funktionsfähigkeit verschiedener Neurotransmittersysteme erforderlich. Bei Kindern mit Fieberkrämpfen wurden Zinkmängel nachgewiesen. Sowohl niedrige als auch hohe Zink-Konzentrationen im Gehirn können das Epilepsierisiko erhöhen. Zink hat einen antiepileptischen Effekt, wenn die Zink-Homöostase aufrechterhalten wird. Selen ist ein wichtiges antioxidatives Spurenelement und generell von großer Bedeutung für den antioxidativen Schutz des Gehirns.
Taurin
Taurin ist eine Aminosäure, die im ZNS als Neuromodulator an Glycin- und GABA-Rezeptoren fungiert. In mehreren älteren Studien wurde eine Begleittherapie bei Epilepsie erprobt.
Weitere mögliche Ursachen und Zusammenhänge
Es gibt auch Hinweise darauf, dass bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie z.B. eine Glutenunverträglichkeit, in seltenen Fällen mit Epilepsie in Verbindung stehen könnten. Obwohl dies bei Katzen nicht bekannt ist, könnte eine versuchsweise Umstellung auf glutenfreies Futter in Betracht gezogen werden, wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden.
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Empfehlungen für Epilepsiepatienten
- Mikronährstoffversorgung: Bei Epilepsiepatienten sollte auf eine ausreichende Mikronährstoffversorgung geachtet werden, insbesondere Vitamin D, B-Vitamine, Magnesium, Zink und Selen.
- Oxidativer Stress: Maßnahmen zur Reduzierung von oxidativem Stress, wie z.B. eine Ernährung mit vielen Antioxidantien, können hilfreich sein.
- Umweltgifte: Die Exposition gegenüber Umweltgiften sollte minimiert werden. Dies beinhaltet die Vermeidung von formaldehydhaltigen Produkten und die Auswahl von hochwertigem Tierfutter.
- Homocysteinspiegel: Der Homocysteinspiegel sollte regelmäßig kontrolliert werden, da eine Hyperhomocysteinämie das Risiko für Gefäßerkrankungen und neurotoxische Effekte erhöhen kann.
- Individuelle Therapie: Die Therapie von Epilepsie sollte immer individuell auf den Patienten abgestimmt sein und in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
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