Pupillenerweiternde Tropfen und Epileptische Anfälle: Ursachen und Zusammenhänge

Ein Blick in den Spiegel kann einen plötzlich stutzig machen, wenn die Pupillen unterschiedlich groß erscheinen. Ungleich große Pupillen, auch Anisokorie genannt, können harmlos sein, aber auch auf ernsthafte Gesundheitsprobleme hinweisen. Es ist wichtig, die Ursachen und möglichen Zusammenhänge zu verstehen, um angemessen reagieren zu können.

Was ist Anisokorie?

Anisokorie bezeichnet den Zustand, bei dem die Pupillen unterschiedlich groß sind. Nicht immer ist dies ein Grund zur Besorgnis. Leichte Größenunterschiede zwischen den Pupillen können im Tagesverlauf bei allen Menschen auftreten. Auch nach einer Augenuntersuchung, bei der pupillenerweiternde Augentropfen nur in ein Auge verabreicht wurden, ist ein Größenunterschied unbedenklich. Ebenso können andere Medikamente zu unterschiedlich großen Pupillen führen.

Ursachen für unterschiedlich große Pupillen

Die Ursachen für Anisokorie sind vielfältig und reichen von harmlosen bis hin zu bedrohlichen Zuständen. Zu den möglichen Ursachen gehören:

  • Erhöhter Augeninnendruck, z. B. durch ein Glaukom (grüner Star)
  • Migräne
  • Epilepsie: Bei bzw. nach einem Anfall kann es zu unterschiedlich großen Pupillen kommen.
  • Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute, wie z. B. bei Meningitis oder Enzephalitis
  • Erhöhter Hirndruck, z. B. durch ein geplatztes Aneurysma, eine Kopfverletzung, eine Hirnblutung oder einen Schlaganfall
  • Raumfordernde Veränderungen im Gehirn, z. B. durch einen Hirnabszess oder eine Geschwulst im Gehirn
  • Nervenschädigung
  • Neurologische Störungen wie Multiple Sklerose
  • Augenverletzungen wie Schäden an der Augenmuskulatur oder Sturzverletzungen
  • Entzündliche Erkrankungen wie Uveitis, Konjunktivitis oder Optikusneuritis
  • Bestimmte Medikamente wie Antidepressiva, Antipsychotika, Schmerzmittel und bestimmte Antihistaminika
  • Schwangerschaft
  • Hirntumor
  • Blutung im Augapfel
  • Trauma des Gehirns
  • Intraokulare Fremdkörper
  • Schädigung des Sehnervs durch Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom)
  • Drogenkonsum
  • Übermäßiger Konsum von Alkohol
  • Stress oder Angstzustände
  • Schlaganfall
  • Aneurysma
  • Diabetes

Es ist auch möglich, dass eine vorübergehende Anisokorie nach einem Eingriff am Auge, wie einer Katarakt-Operation, auftritt. Dies ist in der Regel normal und sollte innerhalb weniger Wochen verschwinden. Eine Pupillendifferenz kann zudem eine physiologische Reaktion auf Stress sein.

Der Zusammenhang zwischen epileptischen Anfällen und pupillenerweiternden Tropfen

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine übermäßige Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Es gibt verschiedene Arten von epileptischen Anfällen, und die Symptome können je nach betroffenem Hirnareal variieren.

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Pupillenerweiternde Tropfen, auch Mydriatika genannt, werden in der Augenheilkunde verwendet, um die Pupille zu erweitern. Dies ermöglicht eine bessere Untersuchung des Augenhintergrundes und kann auch bei bestimmten Entzündungen des Auges eingesetzt werden. Einige Medikamente, wie Atropin, wirken pupillenerweiternd.

Auswirkungen von pupillenerweiternden Tropfen bei Epilepsie

Bei Menschen mit Epilepsie ist Vorsicht geboten, da pupillenerweiternde Tropfen in seltenen Fällen einen Anfall auslösen können. Dies liegt daran, dass die Erweiterung der Pupille zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit führt, was bei manchen Menschen mit Epilepsie einen Anfall provozieren kann.

Einige Epilepsie-Patienten berichten, dass ihnen noch nie pupillenerweiternde Tropfen verabreicht wurden, da dies zu riskant sei. Die gleichen Ergebnisse könne man auch anders erzielen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Epilepsie empfindlich auf pupillenerweiternde Tropfen reagieren. Ob ein Anfall ausgelöst wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. der Art der Epilepsie, der individuellen Anfallsschwelle und der Dosierung der Tropfen.

Anisokorie als Symptom nach einem epileptischen Anfall

Unterschiedlich große Pupillen können auch nach einem epileptischen Anfall auftreten. Dies ist in der Regel vorübergehend undNormalerweise verschwindet es von alleine wieder. Die Ursache hierfür ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass die Anisokorie durch die vorübergehende Beeinträchtigung der Nervenfunktionen im Gehirn verursacht wird.

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Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Falls Ihre Pupillen unterschiedlich groß sind und sich die Pupillen nicht von selbst wieder angleichen, sollten Sie das ärztlich abklären lassen, auch wenn Sie keine weiteren Beschwerden haben. Treten jedoch zusätzlich zu den unterschiedlich großen Pupillen weitere Symptome auf oder hatten Sie kurz zuvor einen Unfall mit einer Augen- oder Kopfverletzung, kann es sich um einen medizinischen Notfall handeln. Zögern Sie in diesem Fall nicht, den Rettungsdienst (112) zu rufen oder sich so rasch wie möglich in eine Augenambulanz zu begeben.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose der Pupillendifferenz erfolgt durch eine gründliche Augenuntersuchung, bei der die Pupillen auf Größe, Form und Reaktion auf Licht untersucht werden. Die Behandlung der Anisokorie hängt von der Ursache ab und kann Medikamente, Laserbehandlung oder chirurgische Eingriffe beinhalten. In den meisten Fällen kann die Pupillendifferenz jedoch erfolgreich mit Augentropfen behandelt werden, um die Größe der Pupillen zu regulieren. Wenn die verschieden großen Pupillen durch eine schwerwiegende Erkrankung verursacht wird, kann eine Operation erforderlich sein. Wenn die Pupillendifferenz durch ein neurologisches Problem verursacht wird, kann eine medizinische Behandlung, physiotherapeutische Behandlung und die Anwendung spezielle Augenübungen erforderlich sein.

Medikamente als Auslöser für Augenbeschwerden

Auch Arzneimittel können eine Vielzahl von Nebenwirkungen am Auge verursachen. Das Auge ist ein komplexes System, und unerwünschte Effekte einer medikamentösen Therapie können alle Teile des Sinnesorgans betreffen. Die unterschiedlichen Gewebestrukturen wie Muskeln, Sehnen, Nerven, Sinneszellen oder Pigmentschichten im Auge haben spezifische Affinitäten für bestimmte Substanzen. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) am oder im Auge können sowohl durch lokal verabreichte als auch systemisch wirkende Arzneistoffe ausgelöst werden.

Häufige Nebenwirkungen am Auge durch Medikamente

  • Gerötete Augen: Treten häufig auf und haben vielfältige Ursachen. Häufig handelt es sich um eine unspezifische Reaktion auf die darin enthaltenen Arzneistoffe wie Miotika (pupillenverengende Stoffe, Parasympathomimetika), Antibiotika oder Lokalanästhetika.
  • Allergische Reaktionen: Eine Vielzahl von Wirkstoffen und Hilfsstoffen in Ophthalmika, Kontaktlinsenflüssigkeiten und Kosmetika können allergische Reaktionen auslösen, zum Beispiel von Ekzemen der Lider oder Bindehautreizungen (Konjunktivitis). Ein besonders hohes allergenes Potenzial haben Atropin und Neomycin. Auch Konservierungsmittel wie Benzalkoniumchlorid oder Salbengrundlagen wie Wollwachs können allergische Reaktionen auslösen.
  • Sicca-Syndrom (trockenes Auge): Ausgelöst werden die Beschwerden durch zu wenig oder einen in der Zusammensetzung veränderten Tränenfilm, der die Augenoberfläche nur unzureichend benetzt. Medikamentöse Auslöser dieser unangenehmen Beschwerden, vor allem bei Kontaktlinsenträgern, sind häufig Kontrazeptiva oder Betablocker.
  • Veränderungen der Wimpern: So regt zum Beispiel das Glaukommittel Latanoprost die Wimpern und Flaumhaare am Auge zum Wachsen an. Länge und Dicke der Haare können zunehmen. Patienten berichten zudem über vermehrten Wimpernwuchs oder quer wachsende Haare. Alle Veränderungen an den Wimpern sind nach Absetzen der Behandlung reversibel.
  • Hornhauteinlagerungen: Die gefäßlose Hornhaut (Kornea) mit ihrem verlangsamten Stoffwechsel ist besonders disponiert für die Einlagerung von Substanzen wie Amiodaron. Das Antiarrhythmikum wird über die Tränenflüssigkeit sezerniert und lagert sich auf der Hornhaut ab. Die Mikroablagerungen finden sich bei fast allen mit Amiodaron behandelten Patienten und sind üblicherweise auf die Region unterhalb der Pupille begrenzt. Gelegentlich treten Sehstörungen wie Schleiersehen oder Farbhöfe um Lichtquellen auf.
  • Schädigung der Hornhautoberfläche: Häufige Verursacher von Epithelschäden sind topisch applizierte Lokalanästhetika wie Tetracain. Von einer unkritischen Verwendung über einen längeren Zeitraum ist daher abzuraten. Massive Schäden mit bakterieller Superinfektion und Hornhautulzera bis zur Perforation können die Folge sein.
  • Erhöhter Augendruck: Glucocorticoide können nicht nur die Hornhaut schädigen, sondern sind auch der häufigste Auslöser eines arzneimittelinduzierten erhöhten Au­geninnendrucks (IOD: intraocularer Druck). Bei circa einem Viertel aller Patienten, die Corticoide systemisch oder lokal verordnet bekommen, steigt der Augendruck etwa zwei Wochen nach Therapiebeginn an.
  • Katarakt: Das Risiko, dass sich die Linsenfasern in der hinteren Linsenrinde eintrüben (Katarakt), steigt bei Einnahme hoher Glucocorticoid-Dosen und mit zunehmender Therapiedauer. Der Corticoid-Katarakt bildet sich nach Therapieende selten zurück und führt zu einem fortschreitenden Verlust des Sehvermögens.
  • Akuter Glaukomanfall: Bei Patienten mit einer anatomisch flachen Augenvorderkammer kann die pupillenerweiternde Wirkung von Adrenoagonisten wie Adrenalin oder Ephedrin, einigen Beta-2-Adrenoagonisten und Anticholinergika den Augendruck erhöhen.
  • Veränderung der Brechkraft der Linse: Zu Therapiebeginn können Insuline bei einigen Patienten vorübergehend die Brechkraft der Linse verändern. Der Patient sieht nicht so scharf wie gewohnt.
  • Akkommodationsstörungen: Verursacher solcher Akkommodationsstörungen sind zum Beispiel Miotika wie Pilocarpin, die aufgrund ihrer cholinergen Wirkung zur Glaukombehandlung eingesetzt werden. Auch andere anticholinerg wirksame Substanzen wie trizyklische Antidepressiva oder selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) können die Pupille vergrößern und damit die Akkomodation stören.
  • Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom: Eine Schädigung der Regenbogenhaut (Iris) kann unter der Therapie mit selektiven alpha1A-Adreno-Rezeptorantagonisten wie Tamsulosin auftreten. Die beim benignen Prostatasyndrom eingesetzten Wirkstoffe scheinen an die Pupillenmuskulatur zu binden und die Symptome auszulösen.
  • Veränderung der Augenfarbe: Latanoprost-Augentropfen können nicht nur die Wimpern, sondern auch die Augenfarbe verändern. Das Glaukommittel führt zu einer verstärkten Pigmentierung der Iris.
  • Veränderungen der Netzhaut (Retina): Berichtet eine Patientin in der Apotheke über eine erhöhte Blendempfindlichkeit und sieht Effekte um Lichtquellen, könnte Tamoxifen die Ursache sein. Irreversible Schäden der Netzhaut kann das Malariamittel Chloroquin auslösen.
  • Gesichtsfeldausfälle: Wenn ein Patient mit Epilepsie Gesichtsfeldausfälle bemerkt, steckt häufig Vigabatrin dahinter.
  • Makulaödem: Ein Makulaödem, eine schmerzlose Schwellung der Makula, führt zu verschwommenem und verzerrtem Sehen. Es wird beispielsweise durch Latanoprost hervorgerufen.
  • Netzhautblutungen: Patienten, die mit blutgerinnungshemmen­den Medikamenten behandelt werden, haben auch ein erhöhtes Risiko für Blutungen der Netzhaut oder der Makula. Auch Ginkgo-Präparate können zu Netzhautblutungen zu führen, vor allem wenn sie gleichzeitig mit Antikoagulanzien verabreicht werden.
  • Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis): Im Verdacht, eine Optikusneuritis auszulösen, stehen unter anderem Amiodaron, Ethambutol, Isoniazid und Ciclosporin.
  • Nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION): Lässt die Sehschärfe bei Einnahme von Sildenafil oder anderen PDE5-Hemmern nach, sollte der Mann das Medikament sofort absetzen und einen Arzt aufsuchen. Ursache könnte eine NAION sein.
  • Pseudotumor cerebri: Eine junge Frau klagt in der Apotheke über Kopfschmerzen und optische Wahrnehmungen, zum Beispiel lang anhaltendes »Blitzen« in den Augen nach plötzlicher körperlicher Anstrengung oder gewölbte oder wellig erscheinende geometrische Flächen. Im Beratungsgespräch erfährt der Apotheker, dass sie seit einigen Monaten aufgrund einer Akne vulgaris Retinoide und Tetracyclin einnimmt. Achtung: Diese Medikamentenkombination könnte einen Pseudotumor cerebri ausgelöst haben.

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