Epileptische Anfälle und Vibrationen: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 0,6 bis 0,8 % der Bevölkerung in Deutschland betroffen sind. Das entspricht etwa 500.000 bis 650.000 Patienten. Epileptische Anfälle können in jedem Alter auftreten, meist aber gerade bei sehr jungen und sehr alten Menschen. Generell gilt: Das Risiko, im Laufe des Lebens eine Epilepsie zu entwickeln, liegt bei ca. 5 %. Die Chance, einen epileptischen Anfall zu erleiden, liegt sogar bei etwa 10 %.

Was ist ein epileptischer Anfall?

Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns, die durch eine plötzliche, übermäßige Entladung von Nervenzellen verursacht wird. Diese Entladung kann sich auf das Bewusstsein, die Kontrolle der Muskeln, Bewegungen oder Sinneseindrücke auswirken. Die Symptome eines epileptischen Anfalls können sehr unterschiedlich sein und hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

Ursachen von Epilepsie

Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig. Oft haben sie ihren Ursprung in anderweitigen Vorerkrankungen, wie zum Beispiel:

  • Verletzungen des Gehirns
  • Hirnschädigungen bei der Geburt
  • Fehlbildungen des Gehirns
  • Schlaganfall
  • Gehirntumor
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Hirnhaut- sowie Gehirnentzündungen

Stehen die chronischen epileptischen Anfälle im Zusammenhang mit derartigen Erkrankungen oder Hirnschäden, sprechen Mediziner von einer strukturellen Epilepsie oder symptomatischen Epilepsie. Hierbei sind die meisten Anfälle fokaler Natur - sie gehen also von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus.

Die Auslöser für Epilepsie können allerdings auch einen genetischen Ursprung haben, da eine Veranlagung für epileptische Anfälle vererbbar ist (idiopathische Epilepsie). In diesem Fall zeigen sich die Anfälle häufig in generalisierter Form mit stärkeren Symptomen.

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Weiterhin existieren Arten der Epilepsie, die auf keinen nachweislichen Grund zurückzuführen sind. Ärzte und medizinisches Fachpersonal sprechen hier von einer kryptogenen Epilepsie.

Risikofaktoren für epileptische Anfälle

Bestimmte Faktoren können den Ausbruch eines epileptischen Anfalls potenziell provozieren. Dazu gehören neben psychischen Stresssituationen oder emotionalen Anspannungen auch äußere Einflüsse:

  • Schlafmangel
  • Flimmernde Lichtreize (z.B. durch Computerbildschirme oder stroboskopartige Beleuchtung)
  • Alkohol- oder Drogenkonsum
  • Hormonelle Veränderungen (z.B. während der Menstruation)
  • Bestimmte Medikamente
  • Wetterwechsel (insbesondere niedriger Luftdruck)

Es ist hilfreich, wenn Betroffene ihre Anfälle schriftlich festhalten, um mögliche Auslöser zu identifizieren. Dies kann z. B. in Form eines Schwindelkalenders stattfinden.

Formen von epileptischen Anfällen

Bei der Bestimmung der verschiedenen Arten von Epilepsie stellt sich zuerst die Frage, ob der Auslöser des Anfalls von einer bestimmten Hirnregion ausgeht (fokal) - oder ob das gesamte Gehirn betroffen ist (generalisiert). Anschließend können epileptische Anfälle in drei Kategorien unterteilt werden: einfach-fokal, komplex-fokal und generalisiert. Je nachdem, wie die Ausbrüche beginnen, unterscheiden sie sich in der jeweiligen Ausprägung.

Einfach-fokale Epilepsie

Diese Form gilt im Vergleich als die erträglichste für den Patienten, da sie nicht mit Bewusstlosigkeit einhergeht. Die Epilepsien verursachen allerdings unter Umständen Symptome wie das Zucken von Extremitäten, veränderte Gefühle oder Wahrnehmungsstörungen.

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Komplex-fokale Epilepsie

Solche Anfälle verändern das Bewusstsein für einige Minuten, sodass eventuell eine vorübergehende Verwirrung auftritt. Gewöhnlich führen sie zu einem zeitweiligen Gedächtnisverlust (Amnesie) und lassen Betroffene als nicht ansprechbar erscheinen. Diese Epilepsieform ist am weitesten verbreitet. In der Regel dauern die Anfälle einige Minuten und verursachen einen starren Blick sowie Bewegungen wie wiederholtes Händereiben, Lippenlecken, monotones Gestikulieren oder sinnloses Schlucken. Anschließend folgen Verwirrung oder Schläfrigkeit, diese nachfolgenden Symptome können für mehrere Minuten bis Stunden andauern.

Generalisierter epileptischer Anfall

Ein generalisierter Anfall beginnt nicht in einer bestimmten Gehirnregion. Stattdessen sind immer beide Gehirnhälften betroffen, der Verlauf eines Anfalls ist immer verschieden. Sie ist die schwerwiegendste der drei Epilepsieformen und führt fast immer zum Bewusstseinsverlust. Die beiden anderen Arten gehen unter Umständen in diese über.

Symptome eines epileptischen Anfalls

Patienten berichten von verschiedenen Symptomen, die Ihnen einen bevorstehenden epileptischen Anfall sozusagen „ankündigen“. Auf diese Weise können sich Betroffene über ihren körperlichen Zustand bewusstwerden oder Anwesende über den Anfall informieren, bevor stärkere Symptome wie der Bewusstseinsverlust auftreten.

Typische Anzeichen für einen aufkommenden epileptischen Anfall sind:

  • Nervosität
  • Ängstlichkeit
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Visuelle Veränderungen
  • Wahrnehmung von Geräuschen und Geschmäckern
  • Illusionen und Halluzinationen
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Gänsehaut

Während eines Anfalls können folgende Symptome auftreten:

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  • Aussetzer der Aufmerksamkeit (Absencen)
  • Kribbeln
  • Unkontrollierte Zuckungen
  • Unfähigkeit sich zu bewegen oder zu sprechen
  • Krampfanfälle
  • Bewusstseinsverlust

Diagnose von Epilepsie

Für eine detaillierte Diagnose von Epilepsie benötigt der spezialisierte Hausarzt oder Neurologe viele Informationen von der betroffenen Person - aber auch von Angehörigen und insbesondere Zeugen des epileptischen Anfalls. Dabei gibt es spezifische Symptome, die auf bestimmte Arten von Epilepsie hindeuten. Die äußerliche Betrachtung durch Zeugen des Anfalls erleichtert somit auch dem Arzt die Diagnose.

Der Arzt beginnt nach dem anfänglichen Gespräch mit einer regulären körperlichen Untersuchung. Neben einer Messung der Hirnströme (EEG) ist insbesondere auch die MRT (Magnetresonanztomografie) wichtig, um Schäden und Fehlbildungen im Gehirn zu erkennen.

Des Weiteren können Laboruntersuchungen Aufschluss darüber geben, ob beispielsweise eine Entzündung die Ursache für die Anfälle ist. Ist dies der Fall, gehen mit Behandlung der Entzündung häufig auch die Anfälle der Epilepsie zurück - bis hin zur vollständigen Anfallsfreiheit.

Behandlung von Epilepsie

In der Regel erfolgt bei Epilepsie eine medikamentöse Behandlung mit Antiepileptika. Diese hemmen die übermäßige Nervenzellen-Aktivität im Gehirn. Die Ursachen von Epilepsie werden mit Medikamenten nicht behandelt: Die Mittel wirken ausschließlich symptomatisch, unterdrücken also lediglich den Ausbruch eines Anfalls.

Bestehen gegen Arzneimittel Unverträglichkeiten, kann das Stimulationsverfahren zum Einsatz kommen: Dabei werden bestimmte Regionen im Gehirn mit Strom stimuliert. Die am weitesten verbreitete Vagusnervstimulation (VNS) erfolgt über ein kleines Gerät, welches der betroffenen Person implantiert wird. In regelmäßigen Abständen überträgt es anschließend elektrische Signale an den Vagusnerv am Hals.

Greifen weder die Medikamente noch das Stimulationsverfahren, stellt eine Operation eine weitere Möglichkeit dar. Die Epilepsiechirurgie umfasst beispielsweise eine teilweise Entfernung von Gehirnarealen, in denen epileptische Anfälle immer wieder auftreten. Da dieser Schritt sehr gefährlich ist und große Nebenwirkungen haben kann, ist er nur unter bestimmten Voraussetzungen anzuraten.

Des Weiteren existieren einige „natürliche“ Therapieansätze, die auf Arzneimittel oder operative Eingriffe verzichten - zum Beispiel psychotherapeutische Übungen oder bestimmte Ernährungsformen. Eine vollständige Anfallsfreiheit durch eine medikamentenlose Behandlung bei diagnostizierter Epilepsie ist jedoch nur in Einzelfällen dokumentiert. Dennoch können diese Behandlungsformen eine Therapie mit Medikamenten ergänzend unterstützen.

Ketogene Diät

Diese alternative Therapieform erweist sich als vergleichsweise vielversprechend. Bei einer ketogenen Ernährung steht der Verzicht auf Kohlenhydrate im Vordergrund. Dadurch soll sich der Energiestoffwechsel umstellen - zur Gewinnung von Energie nutzt der Körper nicht mehr Zucker und Stärke, sondern die zur Verfügung stehenden Fette. Vor allem bei Kindern, die an Epilepsie leiden, zeigt diese Umstellung der Energiezufuhr einen positiven Effekt auf die Anfallshäufigkeit. Doch auch Jugendliche und Erwachsene können unter Umständen von einer Reduktion der Anfälle mithilfe einer ketogenen Diät profitieren.

Psychotherapie

Es ist möglich, dass eine psychologische Begleitung durch einen Therapeuten epileptische Anfälle vermindert. Das schließt zum einen eine strukturierte Umstellung des Alltagsablaufs ein - beispielsweise, indem in den Sitzungen die Schlafgewohnheiten hinterfragt werden. In seltenen Fällen können Betroffene auch lernen, einen aufkommenden Anfall durch Steuerung ihrer Gedanken zu mildern oder unterbinden, sobald sie die Anzeichen einer epileptischen Reaktion spüren. Dies ist allerdings nur in Einzelfällen möglich.

Epilepsie und Vibrationen

In Bezug auf Vibrationen als Ursache oder Auslöser für epileptische Anfälle gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Einige Betroffene berichten, dass bestimmte Arten von Vibrationen, wie z.B. durch Maschinen oder Fahrzeuge, Anfälle auslösen können. Dies könnte auf eine Reizung des Nervensystems durch die Vibrationen zurückzuführen sein. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass dies individuell sehr unterschiedlich sein kann und nicht bei allen Menschen mit Epilepsie der Fall ist.

Vibrationstherapie

Die lokale Vibrationstherapie mit Geräten wie NOVAFON kann dazu beitragen, Schmerzen zu reduzieren sowie die Folgen eines Schlaganfalls zu lindern. Sowohl bei altersbedingten Gelenkerkrankungen als auch bei muskulären Problemen schafft die lokale Vibrationstherapie Abhilfe.

Leben mit Epilepsie

Epilepsie hat große Auswirkungen auf das tägliche Leben. Es ist wichtig, Vorkehrungen zu treffen, um das Risiko von Anfällen und Verletzungen zu minimieren.

Vorkehrungen im Alltag

  • Aura erkennen: Einige Patienten können einen epileptischen Anfall vorher spüren (Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Schmetterlinge im Magen…). Diese Warnzeichen eines bevorstehenden Anfalls werden als "Aura" bezeichnet.
  • Sichere Umgebung schaffen: Entfernen Sie spitze oder scharfe Gegenstände aus Ihrem Umfeld und legen oder setzen Sie sich auf den Boden, um einen Sturz zu vermeiden.
  • Informationen weitergeben: Informieren Sie Anwesende über Ihre Erkrankung und was im Falle eines Anfalls zu tun ist.
  • Alkohol vermeiden oder einschränken: Ein übermäßiger Alkoholkonsum, gefolgt von einer Periode der Abstinenz, kann Anfälle und sogar einen Status epilepticus, eine ernsthafte Komplikation, hervorrufen.
  • Ausreichend Schlaf: Schlafmangel kann Anfälle provozieren.
  • Stress reduzieren: Stresssituationen können Anfälle auslösen.
  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme: Nehmen Sie Ihre Medikamente gewissenhaft und regelmäßig ein, um Anfälle zu vermeiden.
  • Sportliche Aktivität: Sportliche Betätigung ist für diejenigen, die an epileptischen Anfällen leiden, von Vorteil, da die Teilnahme an Sport die kognitiven Fähigkeiten verbessert und dem Patienten hilft, sowohl seine Stärken als auch seine Grenzen zu erkennen.

Sport und Epilepsie

Sport kann bei Menschen mit Epilepsie die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verbessern und Begleiterkrankungen wie Angstzustände und Depressionen positiv beeinflussen. Der Einfluss auf die Anfallshäufigkeit ist nicht eindeutig geklärt, tendenziell treten aber eher weniger Anfälle auf.

Es ist wichtig, sich von einem Arzt beraten zu lassen, welche Sportarten sicher auszuüben sind. Mannschaftssportarten, Tanzen und Golf sind meist mit einem geringen Risiko verbunden. Vor der Ausübung von Sportarten mit mittlerem (Alpinskifahren, Turnen und Schwimmen) oder hohem Risiko (Klettern, Motorsport, Surfen, Tauchen, Fliegen, Fallschirmspringen) ist eine ärztliche Beratung umso wichtiger.

Epilepsie und Arbeit

Die Arbeit hilft bei der Sozialisierung, der motorischen Koordination und der Steigerung der kognitiven Fähigkeiten. Es ist jedoch wichtig, eine Arbeit zu wählen, die den eigenen Fähigkeiten und Einschränkungen entspricht.

Es ist wichtig, zu viel Lärm und die Anwesenheit von wechselnden oder blinkenden Lichtern zu vermeiden. Einige Epilepsiekranke sollten sich auch über unwillkürliche Bewegungen (als Folge ihrer Medikamente) bewusst sein, die bestimmte Berufe für sie gefährlicher machen können: allein in großer Höhe arbeiten, ein Fahrzeug fahren usw.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

  • Ruhe bewahren: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und die Situation zu überblicken.
  • Person nicht festhalten: Während des Krampfs wird der Betroffene nicht festgehalten.
  • Keinen Gegenstand in den Mund stecken: Diese Maßnahmen beinhalten für den Ersthelfer eine erhebliche Verletzungsgefahr.
  • Umgebung sichern: Um Verletzungen zu verhindern, werden alle umstehenden beweglichen Gegenstände (z. B. Stühle, Tische) beiseite geräumt. Unbewegliche Dinge, wie Heizkörper oder Schränke, sollten mit geeigneten Materialien (z. B. Decken, Kissen) gepolstert werden.
  • Notruf wählen: Ein Notarzt ist nur in schwerwiegenden Fällen im Anschluss notwendig (z.B. bei anhaltenden Anfällen, Verletzungen oder Bewusstlosigkeit).

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